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Re: Der Stein rollt
Verfasst: Mi 25. Mär 2015, 21:20
von Vivian Cologne
Hm, der Gentest bzw. die chromosomale Analyse scheint eines der veilen Mysterien zu sein, die uns auf unserem Weg begleiten.
Ich habe mal die Standards of Care der WPATH durchgeschut ("Versorgungsempfehlungen für die Gesundheit von transsexuellen, transgender und geschlechtsnichtkonformen Personen") durchgeschaut - und nix gefunden.
Auf Deutsch hier:
http://www.wpath.org/site_page.cfm?pk_a ... bpage=4381
Ebenso wenig in der "Richtlinie des GKV-Spitzenverbandes zur Sicherung einer einheitlichen Begutachtung nach -§ 282 Absatz 2, Satz 3 SGB V", das ist auch schon von 2009.
Bei mir wurde ein Zytogenetisches und Molekularzytogentisches Gutachten angefertigt. Ergebnis war: eindeutig männlicher Chromosemensatz. Also keine Kontraindikation im Sinne von Intersexualität. So weit, so gut.
Doch wo ist das vorgeschrieben? Die Untersuchung ist teuer und hält auf, wie bei dir. Ich bin Kassenpatientin und musste nichts dafür zahlen. Aber dient der Test auch einem guten Zweck?
Vivian
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Do 26. Mär 2015, 17:46
von Anke
Hallo,
ich vermute auch den Ausschluss von Intersexualität, aber wozu. Das ändert doch nichts an der Hormonbehandlung. Und wie Vivian geschrieben hat, ist die Untersuchung teuer und hält auf.
Irgendwie finde ich das dubios und ziemlich intransparent. Mich wundert auch sehr, dass das Thema in den einschlägigen Foren nicht auftaucht, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ich die einzige bin, bei der das so läuft.
Ich wollte heute nochmal in der Praxis nachfragen, aber die haben zwei Tage wegen Abrechnung geschlossen. Also muss ich bis Montag warten. Mal sehen, was ich dann herausbekomme. Ich kann mich halt nicht damit abfinden, dass das im Mysteriösen bleibt.
Liebe Grüße
Anke
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Do 26. Mär 2015, 18:33
von Franka
Hallo Anke,
bei dgti.org gibts dazu folgendes:
Wenn diese bisher durchgeführten Untersuchungen keinen Anhaltspunkt für ein der Intersexualität zuzuordnendes Syndrom ergeben, dann kann auf weitere teure Untersuchungen normalerweise verzichtet werden (ich sage deshalb "normalerweise", weil es natürlich auch in meiner Denkweise und meinem Wissen keine Normierung für Menschen gibt). Es liegt der sinnvolle Schluss nahe, dass der Patient unter einem "transsexuellen Syndrom" leidet, also einer durch die geschlechtliche Zuweisung bei der Geburt ausgelöste Identitätsstörung.. Oft kommt es vor, dass verlangt wird eine chromosonale Abweichung zu prüfen. Klar ist aber, medizinisch und wissenschaftlich bewiesen, dass die reine Bestimmung der Geschlechtschromosome keine eindeutige Aussage über ein Geschlecht machen kann (es gibt XX-Männer und XY-Frauen, bei denen eben die hormonelle Untersuchung keinen Aufschluss gibt). Liegt ein gemischter Chromosomensatz vor, so weisen auch die Untersuchungen nach 2. und 3. entsprechende Auffälligkeiten aus. Liegt ein mehrdeutiger Chromosomensatz vor, so gilt entsprechendes. Eine Untersuchung der hirnorganischen Struktur durch ein CT mag zwar wissenschaftlich interessant sein, ist jedoch völlig irrelevant für den Einzelfall und treibt lediglich Kosten in die Höhe. Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse, dass sich in den Ergebnissen einer CT-Untersuchung (Computertopografie des Kopfes, wie sie z.B. in Münchjen üblich ist) verwertbare Erkenntnisse wiederspiegeln. Es entstehen zu Lasten der Sozialgemeinschaft lediglich Kosten, die eigentlich der Forschung zuzuordnen wären. Zeigen aber die Untersuchungen von Hormonen und inneren Geschlechtsorganen Auffälligkeiten im Sinne einer geschlechtlichen Uneindeutigkeit oder Mehrdeutigkeit, dann hat sich der Verdacht auf ein "transsexuelles Syndrom" nicht bestätigt und die weiteren Untersuchungen und die Behandlung muss dann nach den Kriterien einer Intersexualität fortgesetzt werden (juristisch also der freien Entscheidung der betroffenen Menschen zu seinem Geschlecht, auch dann, wenn es nicht in die Dualität von Geschlecht passt. Das Grundgesetz sagt eindeutig, dass kein Mensch wegen seines Geschlechtes bevorzugt oder benachteiligt werden darf. Eine Definition von Geschlecht ist im Grundgesetz nicht zu finden, im Umkehrschluss kann daraus nur gefolgrt werden, dass es eben keine Definition gibt).
Hier mal der Link:
http://www.dgti.org/medizinisches.html?id=133
Gruß Dahlia
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Mo 13. Apr 2015, 17:39
von Anke
Hallo,
nachdem der Stein ein wenig ausgebremst wurde, ist er nun doch wieder ordentlich weitergerollt.
Die Frage nach dem Gentest hat sich nun geklärt. Es ging um einen Chromosomentest und der war eigentlich schon am 09.02. fertig. Irgendwo ist das dann wohl liegen geblieben oder verschlampt worden. Als ich dann zum wiederholten Male dort angerufen habe, hat sich dann endlich jemand gekümmert und innerhalb einer halben Stunde war das Ergebnis da und ich hatte einen Termin.
Der war auch letzte Woche Donnerstag, seitdem hat die HET begonnen und ich bin auf dem Weg ins gelobte Östrogenland. Abends habe ich dann mit meiner Frau ein wenig gefeiert und dafür eine Flasche Champagner aufgemacht. Ich finde das für den Anlass sehr passend. Jetzt bin ich sehr auf die ersten Auswirkungen gespannt. Ich meine natürlich die Hormone, die Auswirkungen des Champagners sind bekannt und angenehm.
Ich habe die Ärztin auch nochmal nach dem Grund für die Chromosomenanalyse gefragt. Sie hat bestätigt, dass es medizinisch keinen Unterschied macht und das Ergebnis die Hormonbehandlung auch nicht beeinflusst. Aus ihrer Sicht sind es rein rechtliche Gründe, die diese Analyse erforderlich machen. Und es geht wie Dahlia geschrieben hat um die Differentialdiagnose zur Intersexualität.
Ehrlich gesagt habe ich da so meine Zweifel, ob es da tatsächlich ein rechtliches Erfordernis gibt. Insgesamt finde ich die Rechtslage im Hinblick auf die medizinischen Maßnahmen sehr unklar. Das TSG schweigt sich zu diesem Thema ja aus, das SGB V bewegt sich ja eher auf allgemeinem Niveau und die MDK Richtlinien sind eben das was sie sind, eben nur Richtlinien und keine rechtlich bindenden Vorschriften.
Freitag ging das Feiern gleich weiter. Ich hatte meinen ersten Gutachtertermin für die VÄPÄ. Ich war schon einigermaßen aufgeregt, was aber überhaupt nicht nötig war. Der Gutachter war sehr nett und entspannt. Wir haben uns eine gute Stunde unterhalten, er hat einige Fragen zu meinem Leben gestellt und dann das Gutachten gleich fertig diktiert. Tenor: ist überhaupt keine Frage, dass es sich um Transsexualität handelt und dem Antrag auf VÄPÄ sollte stattgegeben werden. Wer also im Raum Stuttgart eine Gutachterempfehlung braucht kann sich gerne an mich wenden. An diesem Abend musste eine Flasche Crement D'Alsace zum Feiern herhalten.
Der nächste Gutachtertermin ist jetzt am Donnerstag, bin mal gespannt, wie der läuft. Auf jeden Fall bin ich gut vorbereitet.
Letzten Dienstag wurden dann auch die Fäden am Kopf von der Haartransplantation entfernt. Alles ist gut verheilt, jetzt müssen die Haare nur noch anfangen zu wachsen.
Bei meinem Stimmtraining habe ich erstmal eine Pause eingelegt. Irgendwie stecke ich ein wenig fest. Ich bekomme zwar die richtige Tonhöhe (und noch einiges darüber), aber der Klang ist noch recht bescheiden. Meine Sprechtrainerin und ich waren uns einig, dass eine Unterbrechung von 4 Wochen mal ganz gut wäre. Ich mache mir da auch keine Sorge. Aus dem Gesangsunterricht weiß ich, dass solche Zeiten nicht ungewöhnlich sind. Ich hatte mal eine Phase, in der 3 Monate nix weiterging, ich war wirklich am verzweifeln. Und dann innerhalb von 2 Wochen machte die Stimme einen Riesensprung. Ich hoffe mal, dass es diesmal auch so ist.
Letzten Samstag hatte ich auch dann den ersten öffentlichen Auftritt mit meiner Band in Böblingen im Rock Café, der Auftritt davor war eine geschlossene Firmenveranstaltung. War eine tolle Party, volles Haus, alle hatten Spaß und wir sprechen schon über den nächsten Termin. Bilder dazu gibt es bei Facebook.
Eine sehr interessante Entwicklung gibt es bei meiner jüngsten Tochter. Sie studiert Psychologie, hat letztes Jahre ihren Bachelor gemacht und fängt demnächst mit ihrer Masterarbeit an. Sie hat sich überlegt, dass es für sie die beste Art ist mit meiner Veränderung umzugehen, wenn sie Transsexualität zum Thema ihrer Masterarbeit macht. Ich bin darüber sehr glücklich und hab ihr natürlich all meine Unterstützung zugesagt.
Insgesamt greift immer mehr die Normalität um sich und meine Veränderung ist zu etwas völlig alltäglichem geworden. So wie ich es mir gewünscht habe. Ich kann mir überhaupt nicht mehr vorstellen nochmal anders zu leben. Dafür fühlt es sich auch einfach viel zu gut an.
Liebe Grüße
Anke
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Mo 13. Apr 2015, 20:53
von Bianca D.
Anke hat geschrieben:Abends habe ich dann mit meiner Frau ein wenig gefeiert und dafür eine Flasche Champagner aufgemacht. Ich finde das für den Anlass sehr passend.
Moin Anke,
Champus gab es bei mir erst nach der GAOP. Aber dein Anlaß ist natürlich auch ein guter Grund für Blubberwasser...
Es freut mich sehr,von deinen Positiven Erlebnissen der letzten Tage lesen zu können. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit,das fühlt sich soooo gut an,was du gerade erlebst. Genieße diese Gefühle,denn zu schnell (zum Glück) geht die Phase vorbei und es stellt sich der Alltag ein was aber auch nicht sooo schlecht ist.
Alles Gute für dich und viel Erfolg mit deiner Band.
LG Bianca
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Di 14. Apr 2015, 01:07
von Sabrina.P
Das freut mich Anke, das es für dich so gut weiter geht! ist ja wie ein richtiger Sprung! Super!

Re: Der Stein rollt
Verfasst: Di 14. Apr 2015, 15:54
von ChristinaF
Hallo Anke,
dann herzlich willkommen im "Club der HET Anwenderinnen".

Hoffentlich mögen deine Wünsche alle in Erfüllung geben.
Vor allem, dass du dich genauso wohl fühlst wie ich.
LG
Chrissie
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Do 16. Apr 2015, 13:50
von Anke
Hallo,
@Bianca: Einen Grund zum Feiern lasse ich ungern aus. Dafür ist das Leben zu kurz. Für die GAOP überlege ich mir dann was anderes, Steigerungen sind ja immer möglich
@Sabrina: Ja, so fühlt es sich auch an. Eine Weile hat sich das angefühlt, als würde der Beginn sich immer weiter nach hinten verschieben.
@Chrissie: Lieben Dank nochmal, bin mal gespannt wie es mir damit ergeht. Im Augenblick ist es natürlich zu früh etwas zu sagen, aber bis jetzt ist alles in Ordnung. Ich hoffe, Du machst Fortschritte.
Ansonsten noch ein Nachtrag. Heute war der zweite Gutachtertermin. Die Gutachterin hat zwar nicht sofort in meinem Beisein diktiert, macht es aber gleich am Montag. Ähnliche Fragen und nur wenige Unterschiede. Ansonsten ein sehr angenehmes und nettes Gespräch.
Jetzt hoffe ich mal, dass das Gericht zügig arbeitet. Bisher ging es da recht flott.
Liebe Grüße
Anke
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Do 7. Mai 2015, 20:42
von Anke
Hallo,
nachdem ich mich eine Weile rar gemacht habe, ist es Zeit diesen Thread fortzusetzen. In meinem Job ist es gerade ziemlich turbulent und dann hat mich auch noch das Internet für eine Woche verlassen.
Eine ganze Weile ist der Stein wie von alleine weitergerollt und es schien, als gäbe es nichts, was ihn aufhalten würde. Wäre auch zu schön um wahr zu sein.
Erste Überraschung bei meiner Endokrinologin. Da ich Untersuchungsergebnisse für die zweite Gutachterin benötigte, rief ich in deren Praxis an. Sollte eigentlich kein Problem sein, dachte ich zumindest. Erster Schock und Überraschung: meine Endokrinologin ist wohl sehr ernsthaft erkrankt und es ist zweifelhaft, ob sie ihre Arbeit wieder aufnehmen kann. Ich war und bin immer noch sehr bestürzt, auch wenn ich sie gerade erst kennen gelernt habe. Dazu auch die Sorge, wie es mit meiner HET weitergeht.
Die zweite Überraschung war dann aber, dass die Arzthelferin mir die benötigten Unterlagen nicht zur Verfügung stellen wollte, mein Anliegen nicht verstehen, mich abwimmeln wollte und anfing mich zu beschimpfen, als ich hartnäckig blieb. Ich muss sagen, dass ich zum zweiten Mal wirklich geschockt war und auch nicht wirklich begriffen habe, was da eigentlich passiert ist.
Für die nächsten Stunden stand ich erst einmal völlig neben mir, bis ich das mal einigermaßen verarbeitet hatte. Am nächsten Tag habe ich dann die Gutachterin angerufen, ihr den Vorfall geschildert und sie hat sich dann bereit erklärt, das Gutachten ohne diese Unterlage zu erstellen.
Wenige Tage später dann der zweite Rückschlag. Brief von meiner Krankenkasse, dass die Barthaarentfernung erstmal abgelehnt sei. Da ich immer noch schlecht drauf war, habe ich erstmal emotional mit Frust und Verzweiflung reagiert. Zu einer sachlichen Reaktion war ich einfach nicht in der Lage. Verschlimmert hat sich die Situation dadurch, dass meine Partnerin zur Zeit geschäftlich in den USA ist und ich auch niemanden hatte, der mich auffing und mit dem ich richtig sprechen konnte. Gefühlt sah ich alles in Trümmern liegen.
Einige hier im Forum hatten ja schon auf mögliche Rückschläge hingewiesen und ich war mir auch im Klaren, dass es nicht immer so leicht geht. Wenn es dann passiert ist es trotzdem nicht einfach.
Mittlerweile hat sich die Situation wieder verbessert. Ein langes tränenreiches Telefonat in die USA und die Welt sah schon etwas freundlicher aus. Ich weiß nicht, was ich ohne sie tun würde.
Danach war ich auch in der Lage den Brief der Kasse mal in Ruhe und durch die sachliche Brille zu lesen. Da hatte jemand geschrieben, der keine Ahnung hat und blos keinen Fehler gegenüber seinen Vorgesetzten machen will. Seinen Erläuterungen war deutlich anzusehen, wo er sie abgeschrieben hat und am Ende musste ich sogar ein wenig schmunzeln, weil er statt von Personenstandsänderung von Geschlechtsumwandlung schrieb. Der Brief war außerdem von zwei Personen unterschrieben, wahrscheinlich hatte keiner von beiden genug Mut, den Brief alleine zu versenden.
Zumindest weiß ich jetzt, welche Unterlagen die Kasse möchte. Mit dem Schreiben bin ich dann zu meiner Therapeutin (die gleichzeitig meine Hausärztin ist) und wir haben dann besprochen, wie wir damit umgehen. Fühlte sich gleich gut an.
Auch das Thema mit der Endokrinologin haben wir besprochen. Bis sich der Gesundheitszustand meiner Endo geklärt hat, bzw. bis ich eine neue gefunden habe, bekomme ich erst mal die Rezepte von ihr. Aussage von ihr: "Gar kein Problem, natürlich bekommen sie die Rezepte von mir!". Tolles Gefühl, wenn jemand wirklich daran interessiert ist zu helfen.
Am Wochenende kommt meine Frau endlich zurück und damit geht es emotional weiter aufwärts. Mit der HET komme ich bisher gut zurecht, ob es schon erste Veränderungen gibt, vermag ich nicht zu beurteilen.
Vielleicht die, dass ich noch näher ans Wasser gebaut habe, als zuvor. Das hat sich schon durch die Umstellung in der Lebensführung verändert und ist jetzt noch intensiver geworden. Ich empfinde das als positiv, weil es mir hilft gerade solche Rückschläge besser zu verarbeiten.
Weiteren Auftrieb habe ich dann durch meine beiden Töchter bekommen. Beide haben meine Veränderung akzeptiert, taten sich aber dennoch schwer damit umzugehen. Wir hatten vereinbart, uns eine Weile nicht zu sehen, wobei diese Weile bis Ende diesen bzw. Anfang nächsten Jahres gedacht war. Ich habe das verstanden, sie brauchten einfach ihre Zeit. Trotzdem hat mich das sehr geschmerzt. Nun kamen beide mit dem Vorschlag mich schon im Sommer zu besuchen. Ich bin deswegen völlig aus dem Häuschen. Neben meiner Frau sind meine Töchter die wichtigsten Menschen in meinem Leben und dass sich das jetzt auch in eine gute Richtung entwickelt macht mich wirklich glücklich.
jetzt kann ich wieder optimistisch nach Vorne sehen. Die erste Krise habe ich gut überstanden, mal sehen, was bei der zweiten passiert. Ich hoffe, dass ich dann besser gerüstet bin.
Jetzt freue ich mich auf das Forumstreffen in Berlin und das gleich doppelt. Einerseits ist es schön, einige von den Menschen zu treffen, mit denen ich mich hier austausche. Andererseits liebe ich diese Stadt und ich war schon eine Weile nicht mehr da.
Liebe Grüße
Anke
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Fr 8. Mai 2015, 20:37
von Bianca D.
Moin Anke,
auch wenn dein letzter Post mit wenig guten Nachrichten begann,am Ende geht es doch wieder aufwärts! Ich freue mich für Dich. Leider ist das aber auch die Realität und es werden bestimmt noch einige Stolpersteine über deinen Weg rollen.Nicht jeder trifft,aber der eine oder andere vielleicht...
Und was deine Familie angeht,dazu kann ich dich nur beglückwünschen
.Tolle Töchter und Ehefrau hast du.Alles Gute für dich und viel Erfolg bei der Suche nach einer/m kompetenten Endo.
LG Bianca
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Mi 27. Mai 2015, 14:17
von Anke
Hallo,
Zeit für ein Update.
Lieben Dank für die aufmunternden Worte. Auf die dazugehörigen unterstützenden Angebote komme ich gerne zurück. Hätte ich auch gleich machen können.
Der Tod von Rosis und meiner Endokrinologin war wirklich ein Schock für mich. Sie war wirklich eine beeindruckende Persönlichkeit und viele werden sie vermissen.
Mittlerweile habe ich in Stuttgart eine Endo gefunden, die meine Behandlung weiterführt, Termin allerdings erst Ende Juni. Gestern war die Blutentnahme bei meiner Hausärztin für die erste Kontrolle der Hormonwerte. Ich bin sehr gespannt.
Die HET selbst läuft jetzt seit rund 7 Wochen und es gibt die ersten Veränderungen. Meine Haut ist eindeutig weicher geworden, fühlt sich toll an. Das Gesicht ist geringfügig weicher geworden, ist ja schon mal ein Anfang. Die Umverteilung der Fettpölsterchen hat auch schon begonnen. Auch an der Brust zeigen sich erste kleine Veränderungen. Die Brustwarzen sind größer und empfindlicher geworden und es gibt einen ersten kleinen Wachstumsschritt. Sieht alles vielversprechend aus.
Interessanter Weise ist gerade in den letzten Tagen das Bartwachstum langsamer geworden. Für meinen Geschmack könnte das am Besten gleich ganz aufhören, aber darauf wage ich gar nicht zu hoffen. Statt dessen werde ich, da die Kasse die Kostenzusage für die Nadelepi vor sich herschiebt, etwas Geld in die Hand nehmen und schon mal mit der Oberlippe und rund um den Mund anfangen. Durch die Kombination Rasur und Make Up habe ich hier dauernd Entzündungen und erhoffe mir da schon mal Entlastung. Den ersten Termin habe ich nächste Woche Dienstag.
Wirklich vorangegangen ist meine VÄPÄ. Beide Gutachten liegen vor, sind positiv und heute hatte ich meinen Termin bei der zuständigen Richterin. Wenn ich Richterin lese, dann baut sich bei mir in Gedanken die Vorstellung an ein Tribunal mit Richtern in schwarzen Roben auf. Fühlt sich erstmal bedrohlich an. Die Realität sah dagegen komplett anders aus.
Nachdem ich etwas früher dran war und mich der Pförtner freundlich gebeten hat zu warten und auf die Cafeteria verwiesen hat, besorgte ich mir dort erstmal einen Kaffee. Nach wenigen Minuten sprach mich eine freundliche Dame an, ob ich Frau D. sei und ob wir schon früher anfangen könnten. Nachdem ich das bejahte, zogen wir in ihr Büro um und führten dort ein sehr entspanntes und angenehmes Gespräch. Sie meinte dann gleich, meine Gutachten wäre ja sehr eindeutig und der persönliche Eindruck würde das bestätigen. Am Ende des Gespräch diktierte sie dann auch gleich ihren Aktenvermerk und bat mich korrigierend einzugreifen, falls aus meiner Sicht etwas zu ändern wäre. Sie klärte mich dann über das weitere Verfahren auf. Ihr Aktenvermerk und die beiden Gutachten würden direkt zur Staatsanwaltschaft als Vertreter des öffentlichen Interesses gehen und sobald sie von dort ein Antwort hätte, würde sie sofort ihr (positives) Urteil schreiben. Dies würde voraussichtlich bis zu 4 Wochen dauern. Da ab diesem Zeitpunkt die Widerspruchsfrist von 4 Wochen losläuft, hätte ich in ca. 8 Wochen ein rechtsgültiges Urteil.
Wenn ich das Urteil mal habe, werde ich hier die Zeitachse für meine VÄPÄ mit den einzelnen Zwischenschritten darstellen. Gefühlt dauert es ziemlich lange, aber wenn ich von anderen höre oder lese, geht es bei mir wirklich schnell.
Sorgen macht mir vor allem meine Krankenkasse. Alles was bisher passiert ist, hatte ich weitestgehend in der Hand, selbst bei der VÄPÄ konnte ich Einfluss nehmen. Bei der Kasse läuft alles schriftlich und es gibt praktisch kaum eine Möglichkeit, ein abstimmendes Gespräch zu führen. Das erzeugt bei mir das Gefühl, dem "Goodwill" eines anonymen Sachbearbeiters ausgeliefert zu sein - nicht schön. Ich merke wie es mir schwerfällt, damit umzugehen und deshalb hoffe ich auf die Unterstützung durch meine Therapeutin und meine Frau (Juristin).
Zusammenfassend kann ich aber sagen, dass der Stein gut weiterrollt und ich auch zuversichtlich bin, dass er auch die nächsten Hürden nimmt.
Ansonsten wollte ich noch ein paar Worte zu unserem Treffen in Berlin schreiben. Für mich waren das ganz wunderbare Tage. Schöne Kontakte und Gespräche, interessantes Programm in entspannter Atmosphäre. All denen, die das auf die Beine gestellt haben nochmal ein dickes Dankeschön!
Liebe Grüße
Anke
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Mi 27. Mai 2015, 17:44
von Bianca D.
Moin Anke,
na das liest sich doch sehr gut. Bei mir lief das Gespräch mit der Richterin auch so ab,mit dem Unterschied,daß es vor den Gutachten stattfand und nicht danach. Wie klappt es sonst mit den Hormonen? Nebenwirkungen? Schwitzen,Gemütsschwankungen?
Alles Gute weiterhin!
LG Bianca
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Do 28. Mai 2015, 13:47
von Anke
Hallo Bianca,
wie läuft es mit den Hormonen, gute Frage.
Neben den kleinen körperlichen Veränderungen, erlebe ich auch "innere" Veränderungen. Das ist aber nicht einfach zu beschreiben.
Auf der einen Seite empfinde ich mich selbst im Grundtonus als ruhiger und ausgeglichener, was ich sehr angenehm finde. Nebenwirkungen oder Schwitzen habe ich bisher nicht erlebt. Allerdings nehme ich bisher auch kein Antigestagen, da warte ich erstmal die Ergebnisse vom Labor ab.
Auf der anderen Seite gibt es schon ein paar Schwankungen, wobei ich derzeit auch etwas überarbeitet bin und dann auch dazu neige. Konkret äußert sich das so, das ich mich durchaus mal schneller genervt oder frustriert fühle. Im Unterschied zu früher ziehe ich mich dann zurück, während ich ansonsten eher wütend geworden bin.
Wirklich beurteilen kann ich es erst, wenn ich mal wieder Urlaub hatte. In den letzten Monaten ist so viel passiert und auch wenn das allermeiste richtig gut gelaufen ist, ich merke wie mich das mitgenommen hat. In meinem gab es schon des öfteren Veränderungen, aber das war ich gerade erlebe ist mit nichts zu vergleichen. Leider gibt es diese Auszeit erst Ende Juli, abgesehen von einem verlängerten Wochenende im Elsass.
Liebe Grüße
Anke
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Do 28. Mai 2015, 19:29
von Bianca D.
Anke hat geschrieben: Das ist aber nicht einfach zu beschreiben.
Moin Anke,
danke, ist in der Tat nicht so leicht,das alles in Worte zu fassen. Aber ich hab schon verstanden,was du sagen willst.
LG Bianca
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Sa 11. Jul 2015, 12:43
von Anke
Hallo,
endlich komme ich dazu, meinen Thread fortzusetzen. Es ist wieder einiges passiert und es gab Höhen und Tiefen.
Ich fange mal mit den Höhen an. Seit Mittwoch ist meine VÄPÄ endlich durch und mein neuer Name Anke Patricia ist jetzt rechtsgültig. Den zweiten Namen habe ich kurz vor Antragstellung hinzugefügt, als Referenz an meine Vergangenheit. Jetzt geht die Änderung bei Ämtern, Versicherungen, Schulen, Uni und früheren Arbeitgebern los. Das wird bestimmt spannend, mal sehen, wie so die Reaktionen ausfallen. Am Montag fange ich mit dem Standesamt an, vermutlich bin ich dort der erste Fall.
Mit der HET ging es eine Weile nicht so recht voran. Nach den ersten vielversprechenden Veränderungen ist erstmal Stillstand eingetreten. An manchen Tagen war das ziemlich frustig. Das zweite Labor hat das dann auch bestätigt. Östrogen ging nicht weiter nach oben und das Testosteron ist wieder ordentlich angestiegen. Seit ca. einer Woche ist deshalb auch die Medikation verändet. Gynokadin jetzt von 2 auf 4 Hübe am Tag erhöht und zusätzlich nehme ich Utrogest. Mit meiner Endokrinologin hatte ich eine kleine Diskussion zu CPA an deren Ende sie eingesehen hat, dass ich nicht bereit bin es zu nehmen. Jetzt hoffe ich, dass es damit besser wird.
Einen richtigen Rückschlag gab es für mich beim Thema Kopfbehaarung. Ich wollte das Problem mit 3 Haartransplantationen lösen, die erste fand bereits im März diesen Jahres statt. Leider sahen die Ergebnisse alles andere als vielversprechend aus. Nach einem langen und schweren Beratungsgespräch habe ich die Transplantationen schweren Herzens aufgegeben und mich für ein Haarteil entschieden. Einerseits bin ich sehr enttäuscht, dass das nicht geklappt hat. Andererseits auch froh und erleichtert, dass ich es jetzt angegangen bin und entschieden habe. Wenn alles glatt läuft, bekomme ich das Haarteil Anfang November.
In meinem berufliche Umfeld läuft es dagegen um so besser. Wir hatten in den letzten Wochen eine sehr intensive Phase zur Fertigstellung eines Angebots und wir haben uns in der letzten Woche in Frankfurt zusammen "eingesperrt" um letzte Hand anzulegen. Als Leiterin der ganzen Operation war ich vollständig anerkannt, akzeptiert und nicht mal ansatzweise umstritten. Ganz im Gegenteil. Als am Mittwoch dann meine Nachricht vom Gericht zur VÄPÄ kam, haben wir abends zusammen ein wenig gefeiert und alle haben sich mit mir gefreut. Einfach Toll!
Auch meine Chefs haben Rückgrat bewiesen. In 14 Tagen starten die ersten Verhandlungstermine beim Kunden. Ich hatte zunächst darum gebeten, daran nicht teilnehmen zu müssen, obwohl die Verhandlungsführung üblicherweise zusammen mit 2 anderen bei mir liegt. Meine Chefs hatten das voll akzeptiert. Vor ein paar Wochen hatte ich jedoch das Gefühl, dass ich soweit bin, diese Aufgabe wieder wahrzunehmen und habe das auch entsprechend kommuniziert. Nun gab es plötzlich Gegenwind von den Kundenverantwortlichen, die Bedenken bezüglich der Reaktion beim Kunden hatten. Meine Chefs haben da gar nicht lange gefackelt und haben durchgesetzt, dass ich das mache. O-Ton: "Das ist deine Aufgabe und wir haben volles Vertrauen zu dir. Und wenn wir Diversity ernst nehmen, dann darf das überhaupt keine Diskussion sein." Fühlt sich richtig gut an.
Besonders schön finde ich, dass einfach Normalität herrscht. Die Zusammenarbeit läuft wie bisher, gefühlt sogar besser als zuvor. Einzige Veränderung ist, dass die Männer mich ähnlich wie die anderen Kolleginnen zuvorkommend behandeln und ich mit den Kolleginnen Frauengespräche führe. Alles so wie es sein soll.
Unterm Strich ein paar kleinere Rückschläge, insgesamt geht es dafür gut weiter.
Liebe Grüße
Anke