Huhu Ihr Lieben!
Ihr seit süß - vielen Dank
Ja, dass das nun alles doch etwas flotter ging, war so nicht geplant. Aber nuja... ich bin nicht unglücklich deswegen

@Bianca, die Sache mit dem Datum war einfach nur so ein Plan um - naja - einen Plan zu haben... um etwas Ordnung in diese Verwirrende Zeit zu bringen und etwas mehr das Gefühl zu haben, die Situation selbst zu kontrollieren. Das hat jetzt also mal nicht so ganz geklappt

Da wollte etwas schon früher rausgelassen werden. Das war dann zum Schluss doch schon sehr erstaunlich.
@Andrea, ja, wir sind, was unsere Transgender Veranlagung betrifft, in der Tat sehr unterschiedlich - aber das ist doch auch so großartig! Es gibt so viele unterschiedliche Spielarten davon und jede ist gleich wertig, gleich wichtig und gleich richtig. Und gerade dieser Unterschied zwischen uns, den wir ja auch damals in Dresden schon recht schnell ausmachen konnten, war es dann auch zu einem guten Stück, der mir klar machte, dass mein Problem nicht Cross-Dressing ist. Das war für ich sehr wichtig zu erkennen. Wie weit das so schnell gehen würde, war mir damals auch nicht so ganz klar. Aber es machte den Weg frei.
@Saskia, ja, ich denke auch, dass es sehr oft sehr viel positiver abläuft, als man sich das je ausmalen würde. Ich denke ein großer Faktor dabei ist, wie man selbst damit umgeht. Geht man selbst in diese Situation mit dem Gefühl, ein Opfer zu sein, dass alles deswegen so schlecht ist und man schon fast Mitleid erwartet, dann wird es ganz sicher auch so kommen. Aber das beste aus der Situation zu machen, positiv auf die Mitmenschen zuzugehen und auch die Erleichterung von den Jahren des falschen Lebens auszustrahlen, wird ganz sicher helfen. Was mir auch viele gesagt haben ist, dass mein offener Umgang damit sie beeindruckt hat. Das wirkt wohl auch ein Stück weit entwaffnend.
@Adriana - es ist doch völlig egal, ob Du "jemals so weit" sein würdest? Du bist gerade schon so weit, denn genau so weit, wie Du sein musst. Weil andere etwas anderes machen, bedeutet das gar nichts. Dem brauchst Du nicht nachzueifern und gerade so ein Theater wie Vollzeit Trans-Mensch ist etwas, was man wirklich nicht ohne Not anfangen sollte, wenn es sich noch irgendwie vermeiden lässt. Wenn Du so noch halbwegs gut zurecht kommst, dann sei froh und genieße Deine Zeit! Wenn das dann nicht mehr geht, dann wirst Du es ganz sicher merken. Also alles gut - sei einfach Du!
Nachdem es nun die Kollegen im Betrieb schon alle wussten, war ich also heute zum ersten mal schick Business-Lady im Büro und, was soll ich sagen, es war, als wäre das völlig normal - sowohl für mich als auch die Reaktion der Kollegen. Schön!
Und als ob das mit den Kollegen noch nicht genug war, hatte ich heute Nachmittag noch einen Zahnarzttermin zur Kontrolle. Dort war ich noch mit meinem männlichen Namen angemeldet. Als ich also in die Praxis kam, habe ich zuerst einmal meine neue Krankenkassenkarte, mit dem neue Vornamen, gezückt und die arme Dame am Empfang etwas ins Schleudern gebracht. Sie hat offenbar nicht so ganz gewusst, warum ich ihr die Karte zeigte "Waren Sie schonmal bei uns in Behandlung?" - "Ja ja, ich habe einen Termin, aber als Herr..., das hat sich aber geändert.". Nach (wirklich) kurzer Denkpause hat sie es aber dann verstanden und gesagt, dass sie die Daten dann mal ändern würde. Schön! Ich musste noch warten, also ins Wartezimmer. Dann wurde ich aufgerufen "Herr B. bitte!" - ich stand auf und die Helferin guckte verdutzt auf ihre Unterlagen und wieder mich an "Oh, Frau B. - was steht denn da für ein Unsinn in unserem Computer!? Das lasse ich gleich mal prüfen.". Fein

Den behandelnden Arzt kannte ich nach einer Wurzelbehandlung in fünf Teilen vom letzten Jahr gut. Doch wie selbstverständlich sprach er mich nun mit Frau B. an, toll! Am Ende der Behandlung ging er noch mit mir zum Empfang "Frau B. braucht noch einen Termin für <XY-Behandlung> für nächste Woche.".
Ja, danke!
Der Rest der Woche wird Stress pur, denn - Trommelwirbel - wir haben die ganze Woche Kundenbesuche. Dienstag und Mittwoch steht ein großes Arbeitstreffen mit einem Kunden an, das wir in einem guten Hotel abhalten werden. Donnerstag und Freitag kommen jeweils andere Kunden, die vielleicht Aufträge bei uns abkippen wollen. Also durchaus schon Treffen mit etwas repräsentativem Charakter. Ich bin gespannt!
Aber heute Abend wird ersteinmal angestoßen, auf Nicoles gelungenen ersten Arbeitstag!
Ach, noch zwei kurze Geschichten vom Wochenende und letzter Woche...
Letzte Woche waren wir als Aussteller auf dem LinuxTag in Berlin. Meine Theorie bzgl. der femininen Wirkung nach außen ist ja, dass man es einfach ausstrahlt, wenn es so ist. Da braucht es dann gar nicht viel und es wird auch wahrgenommen. In Berlin war ich noch en-homme, aber es war mir ja völlig klar, dass es mein letzter öffentlicher Auftritt als Mann sein würde. Also habe ich, ohne das bewusst zu wollen oder zu forcieren, offenbar schon für einige etwas ausgestrahlt, was da nicht zu meinem normalen Bild gehörte - nur wussten sie nicht, was es war. Das erste mal fiel mir das auf, als mich ein langjähriger Bekannter, den ich praktisch nur auf Events wie diesem sehe, mich sehr direkt fragte, ob denn alles OK bei mir sei, ich hätte mich ja schon sichtbar verändert. Aha? Eigentlich nicht, ich hatte praktisch die gleichen Klamotten wie sonst an und auch sonst war nichts groß anders. Dennoch hat er es gemerkt. Noch klarer wurde mir das dann einmal auf der Herren-Toilette, bzw. beim Verlassen derselben

Ich war gerade auf dem Weg aus der Tür, öffnete diese also von innen und direkt dahinter stand schon ein neuer Besucher. Er schaute mich etwas verwirrt an und man merkte deutlich, dass er nochmal kurz nach links auf das Schild schaute, ob er denn richtig sei

Da musste ich doch etwas schmunzeln. Es sind nicht bestimmte Klamotten, Make-Up oder etwas, was wir künstlich hinzufügen. Das wichtigste kommt ganz von alleine von innen und wir können mit Äußerlichkeiten nur etwas nachhelfen.
Sehr nett war dann noch der Samstag Abend. Da war ich auf der Geburtstagsfeier meines Onkels - auch nach wie vor en-homme, denn ich kam gerade per Flugzeug aus Berlin und ich wollte seine Party, auf der die Gäste noch nichts von Nicole wussten, nicht damit belasten. Mein Onkel weiß es ja und hat damit wirklich keinerlei Probleme, genau wie meine Tante. Sein bester Kumpel, noch aus Schulzeiten, hat sich vor vielleicht 20 Jahren als homosexuell geoutet und ihm hatte mein Onkel bereits von meiner kleinen Besonderheit erzählt - als einzigem. Dieser Freund, der praktisch ein Freund unserer Familie ist und den ich daher auch von einige Feiern lose kenne, ist ein Charmeur vor dem Herrn, total süß! Wenn der noch zu haben und etwas jünger wäre, könnte ich mir das mit den Männern glatt nochmal überlegen

Auf jeden Fall setzte er sich dann später zu mir und wir kamen ins Gespräch, natürlich über mich, was ich da vor hätte, das er das toll fände, ich solle nur Mut haben, er kenne in seinem Umfeld auch ein paar etc... Und dann entschuldigte er sich dafür, dass er erst so spät zu mir käme, denn er hätte mich zunächst gar nicht erkannt. Er kannte alle anderen Gäste und hätte sich gefragte, wer denn die Frau am Ende des Tisches sei? Mein Onkel musste ihn dann aufklären, dass ich das sei. Sagte ich, dass er ein Charmeur ist

? Die weitere Unterhaltung mit ihm war einfach nur goldig. Er beschwor mich schon fast, "Du bist jemand! Du bist erfolgreiche Geschäftsführerin, eine Business Frau! Du bestimmst jetzt die Situation, setze das auch ein!" und dergleichen mehr - das war total süß, wie er mir damit Mut machen und mein Ego stärken wollte - toll.
Hach ja, was soll ich sagen? Bis auf das meine Füße etwas weh tun (was aber schon wieder nachlässt) ein toller Tag und ein tolles Wochenende.
Mal sehen, was der Rest der Woche noch so bringt. Ich bin da aber recht zuversichtlich. Und die positiven eMail Reaktionen der Kunden haben nicht abgenommen. Allerdings besorgt mich auch etwas, dass einige doch noch nicht geantwortet haben... z.B. auch die, die morgen zu Besuch kommen. Na wir werden es sehen. Aber das Meeting geht um technische Fragen zu deren Projekt und sie kommen zu uns, d.h. sie bewegen sich in unserem Spielfeld und wir/ich bestimme(n) also die Regeln. Das wird schon.
So, nun aber schlafen gegen, um viertel vor sieben klingelt der Wecker - igitt!
Liebe Grüße
nicole