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23.3.2013
Auf diesen Tag hatte ich mich schon lange gefreut, es sollte seit langem mal wieder ein kompletter Andrea-Tag werden. Schon Tage vorher stand ich vor der bangen Frage: Was soll ich bei dem derzeitigen winterlichen Frühlingswetter bloß anziehen? Ideal wäre eins meiner Strickkleider gewesen, aber die hatte ich in den vergangenen Wochen schon oft an. So habe ich bereits am Vortag in meinem noch sehr bescheidenen Kleiderschrank nach etwas Abwechselung gesucht und bin bei einem wadenlangen braunen Stufenrock hängengeblieben. Meine schwarzen Stiefel und die blau-grün-weiß gemusterte Bluse passten ganz gut dazu und für draußen mein cremefarbener Anorak darüber.
Ich bin gegen 6 Uhr aufgestanden, habe mich geschminkt und bin dann als Andrea Brötchen holen gegangen. Dabei sind mir gleich drei Bekannte über den Weg gelaufen, was ich inzwischen gelassen sehe. Nur diesmal hat mich eine Frau beim Bäcker auch sprechen gehört. Ich kenne sie aber nur vom Sehen und hoffe, dass ihr meine Stimme nicht so geläufig ist.
Nach dem Frühstück habe ich mich auf den Weg nach Dresden gemacht. Ich hatte mich mit Flodur (hier aus dem Forum) in seinem Laden verabredet. Ein richtiger Laden war es zwar nicht mehr, da er sein Geschäft aufgibt und nur noch ein kleiner Rest an Mobiliar vorhanden war, aber es reichte, um uns, abgeschirmt von der Öffentlichkeit, zu unterhalten.
Es zeigte sich, dass wir unsere Liebe zu Frauenkleidung zwar auf ganz unterschiedlich Art und Weise ausleben (er deutlich als Mann erkennbar, ich möglichst perfekt als Frau geschminkt), darüber hinaus aber auch viele Gemeinsamkeiten besitzen. Jetzt stand natürlich auch die Frage, inwiefern wir gemeinsam draußen etwas unternehmen. Gerade in letzter Zeit zeigten doch einige Diskussionen hier im Forum, dass es zwischen den verschiedenen CD-Fraktionen zum Teil erheblich Berührungsängste gibt. So hatte auch ich Bedenken, mich mit jemandem in der Öffentlichkeit zu zeigen, dessen auffälliges äußeres Erscheinungsbild auch mich im Blickpunkt stehen lässt. Mein Passing würde so auf eine harte Probe gestellt.
Um es vorweg zu nehmen: Es war weit weniger schlimm als ich dachte. Gelegentliche Blicke von Passanten gab es, aber das war"™s dann schon und ich weiß natürlich nicht, ob die nur dem "Mann im Rock" galten oder ob einigen auch auffiel, dass an der "Dame" daneben etwas nicht stimmte.
Wir hatten beschlossen gemeinsam Mittag zu essen, und fuhren dazu in ein kleines Gasthaus in einem Vorort von Dresden. Die noch freien Tische, die wir vorfanden, waren alle reserviert. Wir fanden noch Platz an einem Tisch, wo bereits ein älterer Herr saß. Nach und nach füllten sich auch die reservierten Plätze. Wie sich herausstellte ist dieses Haus fast immer gut besucht und oft geht ohne Reservierung gar nichts. Da hatten wir noch Glück gehabt!
In diesem vollen Haus dauerte es etwas länger, bis jeder sein Essen bekam. Wir hatten dadurch die Gelegenheit, uns mit dem Herrn an unserem Tisch ausgiebig zu unterhalten. Bezüglich unseres Andersseins hatte er sich nichts anmerken lassen. CD-Themen, über die ich mich mit Flodur gern noch ausgetauscht hätte, sind dabei allerdings ausgespart worden. Es hätte mich natürlich hier besonders interessiert, wie unser Tischnachbar wirklich über uns "Exoten" gedacht hat.
Wenn ich richtig gesehen habe, waren wir die einzigen Gäste, die Röcke trugen. Ansonsten trugen nur die beiden Kellnerinnen klassische Damenkleidung. Nachdem wir gegessen und die Rechnung bezahlt hatten, machte Flodur noch ein Foto von mir an dem Brunnen vor dem Gasthaus. Ich habe es in meine Galerie gestellt:
gallery/image_page.php?album_id=677&image_id=6910 Danach verabschiedeten wir uns.
Wenn ich ein kurzes Fazit dieses etwas heiklen Treffens ziehen darf: Es ist mir nach wie vor unangenehm, wenn durch Auffälligkeiten in meinem Umfeld die Aufmerksamkeit auch auf mich gelenkt wird. Wenn sich so eine Situation aber nicht vermeiden lässt, dann ist es eben so. Für mich ist jedenfalls die Welt nicht untergegangen. Dies nur mal zur Beruhigung für diejenigen, die sich diesbezüglich wegen dem Forumstreffen im Mai Sorgen machen.
Ich bin danach mit der Straßenbahn wieder in die Innenstadt gefahren. Auf meinem Plan stand ein Besuch des Dresdner Stadtmuseums. An der Kasse wurde ich gefragt, ob ich mir im gleichen Gebäude auch die Städtische Galerie ansehen möchte. Klar, wenn ich einmal hier bin! Nachdem ich dann das Kombiticket für beide Ausstellungen in der Hand hielt, fragte mich die Kassiererin noch, ob ich auch genügend Zeit mitgebracht hätte, da sich die Ausstellungen auf vier Etagen verteilen. Natürlich hatte ich Zeit, anderenfalls wäre es ohnehin zu spät gewesen.
Etwa drei Stunden habe ich gebraucht für zwei Etagen Ausstellungen zur Stadtgeschichte und eine Etage Galerie. Eine weitere Etage war wegen Aufbau von zwei neuen Sonderausstellungen gerade gesperrt. Im Gegensatz zu dem Gasthaus von heute Mittag traf ich hier nur sehr wenige Besucher an. Die im Stadtmuseum hätte ich an einer Hand abzählen können, in der Galerie waren es wohl auch nicht mehr. In einer Sonderausstellung in der Galerie lagen Zettel aus, auf denen die Besucher anonym ihre Meinung kundtun konnten. Entgegen meiner Gewohnheit habe ich mich daran beteiligt, weil es nur um zwei Fragen ging, die per Kreuz an der richtigen Stelle zu beantworten waren. Und dann wurde noch nach Altersgruppe und Geschlecht gefragt. Das erste war ja eindeutig, aber beim Geschlecht? Meinten die das gefühlte oder das biologisch echte? Ich habe das gefühlte angekreuzt, weil ich in der biologisch echten Rolle wahrscheinlich nie hierher gekommen wäre.
Nachdem ich zwei Mal die Zeit überschritten hatte, blieb mir für den letzten Tagesordnungspunkt, einen Einkaufsbummel durch Altmarktgalerie und Prager Straße, nur noch eine reichliche Stunde. Für das, wonach ich Ausschau halten wollte, einen Hosenanzug oder ein Kostüm im Business-Stil, eventuell auch alle drei Teile (Blazer, Hose und Rock) zueinander passend, war das definitiv zu wenig Zeit. Ich fand nur einen einzigen Hosenanzug, der mir gefiel und mit dem ich in die Umkleidekabine ging. Aber den Blazer gab es nur bis Größe 42 und das war noch eine Nummer zu klein. Die Hose dazu passte auch nicht richtig und knielange enge Röcke für ein Businesskostüm scheinen derzeit völlig aus der Mode zu sein.
Nebenbei hatte ich noch Ausschau nach einer einfarbigen Bluse gehalten, um für meine bunten Sommerröcke, die ich hoffentlich bald wieder anziehen kann, noch ein passendes Oberteil zu haben. Gleich im ersten Laden sah ich auch etwas Schönes in Himmelblau, habe aber nicht gleich zugeschlagen und noch nicht einmal anprobiert, da ich nicht wissen konnte, dass ich in den anderen Läden nur bunte Sachen vorfand. Ich hätte wohl lieber nach einfarbigen Röcken schauen sollen, denn bunte Blusen habe ich auch schon einige. Als ich dann langsam an die Heimfahrt denken musste, hatte ich keine Lust, noch einmal wegen der blauen Bluse in den ersten Laden zurückzugehen.
So musste ich ohne Einkaufserfolg die Heimreise antreten. Das Stöbern in den Damenmodegeschäften hat aber trotzdem Spaß gemacht, deshalb mein Fazit: Es war wieder ein schöner Andrea-Tag, nur das Tüpfelchen auf dem I fehlte.