Seite 4 von 4

Re: Wie soll es weitergehen?

Verfasst: Mi 27. Nov 2019, 23:33
von Astrid_M
Alexandra1985 hat geschrieben: Mi 27. Nov 2019, 07:58 Ich sag das es eine blöde Frage ist. 😉 aber Danke für die schnelle Antwort. Gibt es eigentlich eine Leitfaden auf was ich achten muss. Also mit Anträge stellen und Krankenkassen benachrichtigen usw?
https://csw.berlin/wp-content/uploads/B ... i_2019.pdf

Hier findest du einige Adressen von Beratungsstellen, Psychotherapeuten, Ärzten in Berlin, falls das entfernungsmäßig in Frage kommt. Bei Brandenburg / Umland weiß ich leider nicht weiter.
Versuche es zunächst mit einem Termin bei einer Beratungsstellen. Das dauert zwar einen zu bekommen, aber ist am Anfang ohne klare Orientierung wohl das beste.

Die Suche nach einem Psychotherapeuten kann selbst in Berlin ziemlich anstrengend sein. Im Umland ist es sicher noch schwieriger, aber lasse dich davon nicht entmutigen.
Daß du TI/TS (oder was sonst) bist oder nur den Verdacht hast, würde ich gleich am Telefon ansprechen, Rumdrucksen hilft dir nicht weiter.
Am Anfang steht das Erstberatungsgespräch: bei dem klärt ihr, worum es im Detail geht, was für Probleme du hast und was die Therapie bringen soll (z.B. Klarheit finden).
Beim Erstberatungsgespräch stellt der Therapeut grob fest, ob es was zu therapieren gibt. Einfach mal so, gibt es keine Therapie (dafür sind die Wartelisten auch zu lang).
Hier solltest du schauen, ob der Therapeut sich mit deinem Problem auskennt und ob du ein gutes Gefühl mit dem hast.
Ich hatte da mal einen, der war nett, hatte aber keine Ahnung. Deshalb habe ich sein Therapieangebot dann auch ablehnt und lieber weitergesucht.
Komplette Beratung zu medizinischen Fragen (HET, OPs,...) darf man aber auch von erfahrenen Therapeuten nicht erwarten. Die beschäftigen sich mit Psyche und sind keine Ärzte.

Dann folgen 5 probatorische Sitzungen (https://de.wikipedia.org/wiki/Probatorik), die bei GKs ohne Antrag gewährt werden. Hier ist es wichtig herauszufinden, ob der Therapeut zu einem paßt.
Wenn es nicht funktioniert, kann man abbrechen bzw. neu suchen. Das ist völlig in Ordnung.
Antrag für die Therapie macht der Therapeut. Bei der gesetzlichen (GKs) besteht die Möglichkeit, wenn du lange Zeit keinen GK-Therapeuten findest, per Antrag auf Kostenübernahme
einen ohne Kassensitz vorzuschlagen. Näheres steht im PDF und sollte der ausgewählte Therapeut wissen. Bei GKs und Therapeut mit Kassensitz wird ansonsten über die Karte abgerechnet
und den Antrag stellt der Therapeut (weniger Papierkrieg). Du muß je nach Therapiedauer (Kurzzeit = 2 mal 12 "Stunden", Langzeit = 60 "Stunden"), mehr oder weniger Fragebogen / Unterlagen
ausfüllen, damit der Therapeut den Antrag begründen kann.

Für den Antrag wird i.R. ein sogenannter Konsilar-Bericht verlangt, den ein Hausarzt (aber auch anderer Arzt) erstellen muß. Die Unterlagen dazu bekommst du vom Therapeuten.
Bei der ärztlichen Untersuchung soll nur ausgeschlossen werden, daß keine weiteren Probleme (Drogen? ...) vorliegen. Einfach machen lassen und lächeln.
Für Private Kassen kenne ich die Prozedure nicht genau, aber grob läuft es auch nach dem Schema: Erstgespräch => "probatorische Sitzungen" => Therapieantrag & Therapie.

Was dein Ziel ist und wie du glücklich wirst, mußt du am Ende selbst herausfinden. Das kann dir kein Therapeut und kein Arzt sagen. Die können nur helfen deinen Weg zu finden.
LG,
Astrid

Re: Wie soll es weitergehen?

Verfasst: Do 28. Nov 2019, 07:31
von Alexandra1985
Danke liebe Astrid für die ganzen Informationen und Links. Das wird mir bestimmt helfen. So eine Beratungsstelle ist wohl erst mal das beste, um zu starten.

Re: Wie soll es weitergehen?

Verfasst: Do 28. Nov 2019, 10:33
von AnnaJo
Liebe Alexandra,

ich habe mir die Antworten aus zeittechnischen Gründen jetzt nicht durchgelesen und falls ich das selbe Schreibe, wie eventuell davor schon erwähnt bitte ich um Nachsicht.

Du schreibst, dass du dich darüber freust beinahe keinen Sex mehr haben zu müssen und von Ekel der dich überkommt, wenn deine Frau in "einfordert". Sex sollte immer im Einvernehmen stattfinden (blöde Bemerkung und das ist dir sicher selber bewusst), da musst du wirklich auf dich schauen. Etwas zu tun, was für dich unerträglich ist, ist nicht die Lösung.

Den Kindern zuliebe weiter den Vater spielen? - Kinder sind mit so sensiblen Antennen ausgerüstet, dass sie Veränderungen schon wahrnehmen noch bevor wir sie richtig wahrgenommen haben. Das ist wichtig um ihr Überleben zu sichern und wird erst in Bereichen sichtbar, die wir uns gar nicht vorstellen wollen. Ich denke aber, dass auch deine Kinder spüren, dass etwa nicht stimmt, auch wenn sie es nicht einordnen können. Ebenso ist es nicht richtig das Eheleben aufrecht zu erhalten, wenn es ein nebeneinander her leben ist und du damit nicht glücklich bist. Niemals würde ich zu einer Trennung raten und das tue ich auch hier nicht. Es ist einfach wichtig darüber zu reden, auch wenn deine Frau gerne ihre Augen verschließen möchte und weiter so leben wie bisher (was ich auch irgendwie ein bißchen nachvollziehen kann, aber eben nicht richtig ist). Es ist halt der Weg des gerinsten Widerstandes ...

Du leidest, dies ist aus deiner Nachricht hier durchaus herauszulesen. Ebenso denke ich, dass deine Frau leidet. Eventuell wäre eine Lösung, die Kinder wo unter zu bringen und gemeinsam zu reden. Am Besten, wenn man am nächsten Tag nicht früh raus muss, um eben auch Tränen zulassen zu können und jede Menge Zeit zu haben auch ein neutraler Boden kann helfen (wobei dies in so einer Situation schon schwieriger wird). Ich kenne eure genaue Situation und Charaktere nicht, also bitte sieh es einfach als Überlegung von mir. Du musst dich für nichts rechtfertigen oder richtig stellen. Findest du etwas gut, dann verwende es, wenn nicht, dann lösche meine Nachricht aus deinen Gedanken ;)

Fühl dich gedrückt und ich hoffe ihr findet einen Weg, wie auch immer der aussehen mag.

AnnaJo
))):s

Re: Wie soll es weitergehen?

Verfasst: Do 28. Nov 2019, 12:24
von Alexandra1985
Hallo AnnaJo, danke für einen Kommentar. Ich bin für jeden Nachrichten dankbar. Es tut gut nicht allein zu sein und das ich viele Denkanstöße von euch hier bekomme.

Und du hast vollkommen recht zwingend zum Geschlechtsverkehr tut mich keiner. Aber ich war auch sehr überrascht das ich so angewidert war. Das das für mich der Punkt war um Hilfe zu suchen. Es hatte sich schon angedeutet in den letzten Jahren. Das ich mit meinem Körper nicht im reinen bin. Das hier irgendwas nicht stimmt. Und das muss ich ändern sonst sehe ich gerade keine Zukunft.

Zum Thema Kinder muss ich dir beipflichten. Im Moment klammern beide Kinder stark an mir. Ich denke sie ahnen etwas. Alle anderen sind abgeschrieben wenn ich die Wohnung betrete. Sie fordern gerade sehr viel Aufmerksamkeit und liebe von mir, wie ich es noch nie erlebt habe.

Lg Alexandra

Re: Wie soll es weitergehen?

Verfasst: Do 28. Nov 2019, 13:34
von ExuserIn-2023-06-22
Vielleicht strahlst du mit deiner Erkenntnis über dich etwas besonderes aus, das gerade Kinder noch wahrnehmen können.
Menalee

Re: Wie soll es weitergehen?

Verfasst: Do 28. Nov 2019, 14:24
von Alexandra1985
Menalee hat geschrieben: Do 28. Nov 2019, 13:34 Vielleicht strahlst du mit deiner Erkenntnis über dich etwas besonderes aus, das gerade Kinder noch wahrnehmen können.
Menalee
Ja Menalee, das wird es wohl sein.

Lg Alexandra

Re: Wie soll es weitergehen?

Verfasst: Mo 2. Dez 2019, 13:23
von Joe95
Alexandra1985 hat geschrieben: Mi 27. Nov 2019, 21:03 Nun bin ich ein wenig verwirrt. Peer Beratung, Psychologen, Paarberatung, Transberatung, Hausarzt, Onlineberatung? Wo soll ich da anfangen, wusste gar nicht das man soviel Hilfe bekommen kann. Die Frage ist. Was ist das richtige für den Einstieg für mich.
Es gibt sicherlich viele Möglichkeiten seinen Weg zu beginnen und kaum eine davon wird wirklich falsch sein.
Vielleicht hilft dir ja wenn ich meinen Anfang beschreibe.
Vorweg noch: Wenn ich einem Arzt nicht vertrauen kann muss ich ihn wechseln.

Als ich einsah das ich professionelle Hilfe brauche bin ich zu meinem Hausarzt gegangen und habe ihm gesagt das ich Probleme mit meiner Rolle als Mann habe.
Er konnte mir absolut nicht helfen, aber er hatte eine Adresse für mich, ein Urologe und Therapeut.
Bei dem war ich etwa ein Jahr, so lange hat es gedauert bis ich eingesehen habe TS zu sein (na ja, mehr Enby, aber das ist ein völlig anderes Thema). Von da an konnte er mir nicht mehr helfen und ich suchte mir einen transerfahrenen Therapeuten.
Bei dem fühle ich mich sehr gut aufgehoben, was wohl daran liegt das wir ein paar grundsätzliche Ansichten gemein haben.
Erst hinterher habe ich viele Beispiele gehört von Therapeuten und teilweise echt schrägen Ansichten, wobei meckern über das "nicht weiblich genug" Aussehen, z.B. weil jemand keinen Lippenstift trug, noch harmlos war.
Das hat mich zu der Erkenntnis gebracht dass es zwischen Patient und Therapeut einfach stimmen muss.
Wie Anfangs erwähnt, du musst vertrauen können und ihr müsst euch verstehen.
Wenn das nicht ist bleib da weg, auch wenn du wo anders lange Wartezeiten oder weite Anfahrt hast.

Re: Wie soll es weitergehen?

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 18:49
von Alex_andra
Ein paar Beratungsmöglichkeiten in Berlin und Potsdam:

http://www.sonntags-club.de/beratung/transberatung.html (Berlin, jeden zweiten Montag im Monat SHG, jeden Dienstag offener Trans*treff, ansonsten Beratungsmöglichkeit bei Vera Fritz, newsletter extra für Veranstaltungen zum Thema Trans* )
www.meingeschlecht.de/angebot/transistor-potsdam (immer am ersten Mittwoch im Monat findet ein Trans*stammmtisch statt, la leander ab 19.00, Newsletter informiert zu allen queeren Veranstaltungen)
https://www.dgti.org/beratungsstellen.html
www.transinterqueer.org
https://queer-leben.de (hier kannst du auch Paar und Familienberatung bekommen)
http://ivtf.de/

Re: Wie soll es weitergehen?

Verfasst: Do 12. Nov 2020, 14:34
von Alexandra1985
Ich hole meinen altes Thema mal wieder hervor. Gestern hat mir meine Frau klipp und klar gesagt das sie nicht mit mir leben kann wenn ich zur Frau werde auch wenn ich sie liebe und sie mich. Hat sie einen Mann geheiratet. Dabei soll ich natürlich nicht die Kinder vergessen. 🙈 was ich natürlich nicht tue. Ich denke pausenlos an alle. Nur mir ist damit nicht geholfen. Ich will ja bei meiner Familie bleiben. Aber wie soll ich nur zu mir selbst finden. 😐 und nein ich habe mir noch keinen Therapeuten gesucht. Irgendwie schaffe ich das nicht.

Soviel zum aktuellen Stand bei mir.

Wie sieht es bei euch aus? Hat jemanden ähnliche Erfahrungen gemacht?

Lg Alexandra