Jacky1971 hat geschrieben: Fr 4. Okt 2019, 17:15
Also meint ihr, ich soll sie erst mal anrufen, ihr versuchen, die Sachlage versuchen zu erklären, und sie fragen, ob wir uns mal Treffen könnten und mal ganz in Ruhe, von Sohn(Tochter) zu Mutter, versuchen zu reden.
Am Telefon würde ich die Sachlage nicht direkt erklären. Aber manchmal geht es nicht anders (Entfernung, Zeitdruck, drohendes Zwangs-Outing durch Dritte ...).
Ich habe mich auch gegenüber einigen Freunden und Kollegen am Telefon geoutet, weil es nicht anders zu machen war. Finde das persönliche Gespräch aber besser.
Damals hatte ich mich zum Mittagessen bei meiner Mutter angemeldet und ihr vorher nur mitgeteilt, daß wir etwas Wichtiges besprechen müssen.
Ich hatte einen Riesenschiss und auch meine Geschwister hatten Bedenken wegen einer möglichen negativen Reaktion.
Es gab daher auch das Angebot, das gemeinsam ihr zu erklären. Kann sicherlich helfen, wenn es schlecht läuft. Hatte ich dann aber doch alleine gemacht.
Meine Mutter sah mich etwas überrascht an und meinte etwas in der Art: "Aber Kind, das ist doch nicht schlimm. Ich bin doch eine moderne Frau und verstehe das.
Ich dachte schon, du hättest eine schlimme Krankheit ... "
Ich habe dann erstmal geheult, auch weil ich eher mit Ärger und Unverständnis gerechnet hatte. Hatten dann ein gutes Gespräch mit Fotos zeigen usw.
Jedenfalls versucht sie mit der Situation zu Recht zu kommen und das macht sie sehr gut, auch wenn ich ihre Fürsorglichkeit ein wenig bremsen muß.
Ob das vor 20 oder 30 Jahren auch so gelaufen wäre, weiß ich nicht. Aber von der Grundeinstellung war sie immer deutlich offener als mein Vater, so daß ich mir bei ihr eine
Chance ausrechnete, daß sie mich als Tochter früher oder später akzeptiert. Der erwartete Krach blieb aber aus. Mit dem Namen dauert es, ist aber noch recht frisch und früher auch
nicht unbedingt einfacher. Sie warf meinen Bruder und mich da gerne mal durcheinander. Das wird sie hoffentlich nicht mehr machen. Ärgerte ihm aber schon immer mehr als mich ...
Mein Vater dagegen wäre sicherlich mit Herzinfakt tod umgefallen. Seine negative Einstellung zu Quer u.a war da ziemlich klar.
Ich werde es nie erfahren, ob er sich nicht doch irgendwann an eine weitere Tochter gewöhnt hätte. Aber vielleicht ist es besser, daß er schon eine Weile in Frieden ruht.
Ich denke, man sollte auf einiges gefaßt sein, aber wird auch mal positiv überrascht.
Manche sind gegenüber Außenstehenden recht tolerant und tun sich mit eigenen Trans-Kinder schwerer.
Und andere springen über ihren Schatten, weil es eben doch "die" Kinder sind.
Grüße,
Astrid