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Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Mi 20. Mär 2019, 17:20
von Anne-Mette
Guten Tag,

es tut gut, Dir zuzuhören, bzw. von Dir zu lesen!
Du machst Dir viele Gedanken. Deshalb würde ich die "Leichtfertigkeit" bei Dir ausschließen, die manchen Menschen angedichtet oder vorgeworfen wird.
Deine kritische Auseinandersetzung ist sicherlich hilfreich für andere UserInnen, die sich mit ähnlichen Gedanken beschäftigen (müssen) oder nicht in die gleiche Lage kommen wollen.

Danke (flo)

Herzliche Grüße
Anne-Mette

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Mi 20. Mär 2019, 19:38
von Joe95
Whoopy Highfly hat geschrieben: Mi 20. Mär 2019, 15:03 Spielen wir eine Rolle, die uns missfällt, werden wir krank.
Ja, genau das meinte ich.
Das Problem dabei ist nur das es für einige Menschen keine andere Möglichkeit gibt als ihre angestammte Rolle auszufüllen, aus welchen Gründen auch immer.

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Mi 20. Mär 2019, 19:45
von Joe95
Mercyful hat geschrieben: Mi 20. Mär 2019, 17:11 nur dann kam irgendwann die Realisierung, dass ich eventuell doch einen Fehler gemacht und nicht das angestrebt habe, was mich endlich erfüllt.
Ich bin vor diesem Fehler wohl nur durch mein extrem schlechtes Passing bewahrt geblieben, obwohl das Endergebnis etwa das gleiche ist.
Eine Frau zu sein habe ich immer für unmöglich gehalten, daher habe ich versucht mein Leben so zu gestalten, wie ich es gerne leben möchte. Erst viel später habe ich realisiert das es das Leben einer Frau ist.

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Mi 20. Mär 2019, 20:47
von Aria
Da möchte ich mich Anne-Mette anschliessen. Dich zu lesen ist sehr interessant! So eine gute Selbstreflektion in Worte gepackt, kommt mir persönlich selten unter die Augen. Und dabei so ruhig, sachlich und strukturiert dass man meinen könnte einer Vorlesung beizuwohnen ;) So, nun mal gut mit der Bauchpinselei und zurück zum Thema!
Ich finde es immer sehr interessant, auch mal von der Kehrseite der Medaille zu lesen. Das kann gut dabei helfen seine eigenen Gefühle/Wünsche/Entscheidungen zu überdenken, sie zu verwerfen oder zu manifestieren. Das geschieht am besten mit solchen Beiträgen wie die deinen. Deshalb möchte ich dich ermuntern hier weiter von deinem Weg zu berichten. Was ich aber ausserdem interessant fände, ob es nicht eine Art roten Faden bei all den Detransitionierenden gibt. Anders gesagt, was sind die Erkenntnisse, die euch miteinander verbinden, dass ihr euch zum Weg zurück entschieden habt. Im Umkehrschluss könnte man davon ja vielleicht herleiten, was denn eine Transition rechtfertigt.

Ich kann ja mal anfangen und behaupten, dass es sie nicht allein rechtfertigt mit einem Glauben an ein besseres, glücklicheres und erfüllteres Leben. Ich sage bewusst nicht alleine rechtfertigt, denn mir ist klar, dass das bisherige Leben als Mann oder Frau kein gutes ist, wenn man sich im falschen Körper wähnt. Nein, das Leben ist abgesehen davon sogar sehr gut. Man hat alles, was man braucht aber dennoch ist da was, dass einen nicht mehr schlafen lässt und sich das Gedankenkarussell in Dauerschleife dreht. So war es jedenfalls bei mir. Erst durch die Erkenntnis, dass ich trans bin hat sich das beruhigt. Und die Beruhigung ging weiter, nachdem ich die HET beginnen konnte. Dies war ja in deinem Fall nicht so. Du beschreibst es ja förmlich so, als ob du dir Gift gespritzt hättest.

Welche Motive rechtfertigen sie oder rechtfertigen sie nicht, in euren Augen? Ich fände es ziemlich toll, wenn wir eine Art Auflistung pro/contra hinbekämen. Die Leute, die am Anfang stehen, den Weg zum Psy schon gegangen sind oder ihn noch gehen werden, sich das anschauen und sich dabei hinterfragen, welche Motive auf sie zu treffen. Ist bestimmt auch für so manche Therapiestunden als Thema ganz hilfreich.

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Mi 20. Mär 2019, 21:54
von Jaddy
Der häufigste Fehlschluss ist meiner Ansicht nach, dass sich mit "der Transition" (in welchem Umfang auch immer) plötzlich alles ändern wird, was im Leben bisher schlecht war. Bei Formulierungen der Art "wenn ich erst X habe", werde ich hellhörig. X kann der neue Name sein, Hormone, irgendwelche körperlichen Merkmale. All das ändert nichts an Familie, Job, Freunden, etc. Es ändert auch nichts grundlegend am eigenen Wesen. Und das sollte meines Erachtens in einer begleitenden Therapie deutlich herauskommen. Alle ereichbaren Angleichungen ändern auch nichts an den Ängsten, auch später noch "erkannt" zu werden. Die Zweifel, wie andere eins lesen, werden unter Umständen jahrelang bleiben. Die Zweifel am eigenen Spiegelbild vielleicht auch.

Ich betrachte alle Maßnahmen als kosmetische Korrekturen, also Äusserlichkeiten. Die eigene Vergangenheit kann eins damit nicht auslöschen. Wenn das bisherige Leben falsch ist, dann ist das Leben zu ändern. Kosmetik kann dabei höchstens ein bisschen unterstützen.

Welche Motivationen rechtfertigen kosmetische Maßnahmen? Alle. Wenn eins das möchte, dann viel Spass. Aber erstens gelten die bekannten Risiken und Nebenwirkungen, zweitens ändert es eben maximal die Erscheinung.

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Mi 20. Mär 2019, 23:07
von Mercyful
Joe95 hat geschrieben: Mi 20. Mär 2019, 19:45 Ich bin vor diesem Fehler wohl nur durch mein extrem schlechtes Passing bewahrt geblieben, obwohl das Endergebnis etwa das gleiche ist.
Eine Frau zu sein habe ich immer für unmöglich gehalten, daher habe ich versucht mein Leben so zu gestalten, wie ich es gerne leben möchte. Erst viel später habe ich realisiert das es das Leben einer Frau ist.
Mein Passing schien anfangs auch nicht gut gewesen zu sein, oder sagen wir, überzeugend genug, dass jemand zu hundert Prozent sagen konnte 'Oh das ist definitiv ein Mann'. Ich wollte allerdings auch nicht dazu beitragen, mich besonders 'männlich' zu geben (was auch immer das eigentlich heißen mag; das Bild wird einem ja mehr oder weniger von der Gesellschaft vorgegeben), weil das zum Beispiel auch kleidungstechnisch überhaupt nicht meinem Geschmack entsprach. Ich war da doch mehr Unisex und meine Psychologin betrachtete das als äußerst kritisch, sagte Sachen wie 'Männer dürfen keine Stiefel tragen' oder 'der Mantel sieht jetzt aber doch eher feminin aus, finden Sie nicht?' Erst, als ich meine 'Surfer-Boy' Frisur abgelegt und mir einen wirklich kurzen und 'trendigen' Haarschnitt habe verpassen lassen, war sie begeistert und meinte, das würde schon eher für mein Passing hinhauen und Alltagstauglich sein. Dazu kamen die weiter geschnittenen Klamotten, die wirklich keinen Hauch des feminin seins mehr besaßen. Wirklich wohl gefühlt habe ich mich dabei allerdings nicht... und ich empfand ihre Aussagen auch teilweise als eher fragwürdig und sehr altertümlich, denn auch Männer können Stiefel tragen, sowie auch Mäntel oder Schmuck. Dazu gibt es genügend Angebote in Otto Katalogen, in Werbungen und auch Filialen. Vielleicht war das aber auch einfach nur ihr persönlicher Geschmack bei Männern; die mussten durch und durch 'maksulin' sein. Ich glaube sie war da auch schon ein wenig arg erpicht, mich zu überzeugen, dass wenn ich ein Passing als Mann möchte, ich dafür auch von alten Interessen und Gewohnheiten loslassen muss, die irgendwo zwischen den Geschlechtern liegen.
Aria hat geschrieben: Mi 20. Mär 2019, 20:47 Man hat alles, was man braucht aber dennoch ist da was, dass einen nicht mehr schlafen lässt und sich das Gedankenkarussell in Dauerschleife dreht. So war es jedenfalls bei mir. Erst durch die Erkenntnis, dass ich trans bin hat sich das beruhigt. Und die Beruhigung ging weiter, nachdem ich die HET beginnen konnte. Dies war ja in deinem Fall nicht so. Du beschreibst es ja förmlich so, als ob du dir Gift gespritzt hättest.
Nein nein, das muss ich falsch formuliert haben. ^^ Die Hormontherapie war für mich damals auch etwas ganz besonderes und definitiv ein großartiges Event, ein erster Schritt in meine bessere Zukunft mit einem wahren Ich, ohne mich verstecken zu müssen. Ich habe jede Spritze auf's neue genossen (abgesehen von den Schmerzen aber die erduldet man liebend gerne, wenn es bedeutet, seinem Traum einen Schritt/Stich näher zu kommen) und mich noch während der einen bereits auf die nächste gefreut. Ich konnte es jedes Mal kaum abwarten, war gespannt auf die Veränderungen, die die Hormonumstellung mir bringen würde und war endlos glücklich. Wenn ich nun drüber nachdenke und versuche, mir zu erklären, warum ich sie JETZT nach 6 Jahren verabscheue und mich so fühle, als würde ich meinem Körper und meiner Seele nicht länger etwas Gutes tun, so vermute ich, dass es mit meinen kleinen Veränderungen damals und der wirklich stark andersartigen Erscheinung zutun hat. Meine Schritte der 'Transformation' begonnen klein, doch gewannen über die Jahre immer mehr an Substanz, wurden ausgeprägter und das sah man dann auch deutlich. Natürlich wusste ich ja, dass diese Veränderungen stattfinden würden, ich habe mich mit dem Thema Testo ja auseinandergesetzt - doch so, wie ich nun bin und erscheine, für mich selbst und andere, ist es letzten Endes nicht die Erfüllung, die ich mir erhofft hatte. Ich war überzeugt, im falschen Körper zu stecken und eigentlich ein Mann sein zu wollen aber womöglich steckte noch mehr dahinter und meine Emotionen haben mich stur und eilig handeln lassen. Nun bin ich fast 30 und sehe die Dinge anders, nicht mehr mit den Augen eines jungen Erwachsenen, der irgendwie noch in der Pubertät festzustecken schien und vielleicht auch viele emotionale Krisen nie richtig überwinden konnte. Ich blicke in den Spiegel mit nüchternem Blick und sehe abermals eine Fassade, eine Erscheinung, die nun doch nicht das preisgibt, was ich im Inneren eigentlich bin und sein möchte, und muss meine Tränen zurückhalten, weil ich mein altes Ich vermisse.

Vielleicht habe ich die Transition benötigt, wie eine Art Schutzschild, um mich vor meiner Jugendkrise zu schützen (Schulstress, familiäre Auseinandersetzungen, Unverständnis, Ignoranz, Vernachlässigung, Mobbing usw. ) und sie hat mich auch bestärkt, hat mir Freude und neuen Mut geschenkt. Aber letzten Endes fürchte ich, dass das eben kein Ergebnis zustande gebracht hat, das ich mir erhoffte. Ich bin kein Mann, will nicht länger versuchen einer zu sein, sondern zu meinem Ursprung zurückkehren. Zumindest sagt mir das meine innere Stimme, mein Herz, es sehnt sich danach, aber mein Verstand blockiert mich, will mich keinen Entschluss ziehen lassen, weil er weiß, dass ich einmal einen Fehler gemacht habe und eben dieser wieder passieren kann - bis ich mich vielleicht irgendwann selbst vollkommen in einer Geschlechterkrise verliere, was ich definitiv vermeiden möchte. Also horche ich weiter in mich hinein, wäge weiter die Optionen ab, die ich HÄTTE, wenn ich mich denn für den Rücktritt entscheide, und denke ebenso über meine Anlässe nach, die mich zu einer Transition bewegt haben, um zu wissen, ob ich noch immer so denke oder mein Sehnen nach meinem biologischen Geschlecht doch stärker ist.

Fakt ist, dass ich die Transition aus voller Überzeugung wollte. Ich hatte das Gefühl, im falschen Körper zu stecken und das ich mich, in meiner biologischen Rolle, nicht zurechtfinden würde. Jetzt aber, wo das nicht mehr der Fall ist, kommt mir meine Transition mehr wie eine Rolle vor und mein wahres Ich, das hinter der Maske, habe ich abgelegt, vergraben und zur Ruhe gebettet. Aber ich möchte es nicht loslassen, will es wieder ausgraben und dieses Mal mit Stolz und Würde tragen.

Für eure lieben Worte bin ich euch sehr dankbar und es freut mich, dass meine Beiträge einen solchen Eindruck hinterlassen. Um ehrlich zu sein, hätte ich nicht erwartet, dass mein Problem auf so viel Verständnis stoßen würde und darüber bin ich sehr erleichtert. Es hilft, darüber zu schreiben, sich mit anderen auszutauschen und auch Ratschläge zu bekommen, denn dann fühlt man sich mit der inneren Schwere nicht mehr ganz so alleine. Ich hatte auch die Befürchtung, dass meine Erklärung vielleicht nicht deutlich ist, oder viel zu verworren klingt, weil ich eben selbst verwirrt war und es teilweise auch immernoch bin. Ich danke deswegen allen, die mir Gehör schenken und ihre Hilfe anbieten, mir Ärzte vorschlagen, an die ich mich eventuell wenden könnte und mir auch viele gute Ratschläge gaben. Das bedeutet mir wirklich sehr sehr viel. (flo)

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Do 21. Mär 2019, 03:01
von dunkles_sternchen
Mercyful hat geschrieben: Mi 20. Mär 2019, 17:11
dunkles_sternchen hat geschrieben: Mi 20. Mär 2019, 01:27 Ja, das ist doch aber mein Reden. Die Therapie Frau-zu-Mann unter Wirkung des Testosterons läuft prima. Das Zeug wirkt, aber richtig und spürbar. Östrogen bei Mann-zu-Frau kann man dagegen total in die Tonne kloppen. Da passiert schlichtweg nichts oder oft nur im estoterisch-gefühlten Bereich. Östrogene besitzen halt nicht ansatzweise das Potenzial, das Testosteron mitbringt.
Was ich damit sagen will ist ; Hormone wirken sich immer anders auf den Menschen aus. Bei dem einen ist das eine mehr ausgeprägt als bei dem anderen und man kann solche Wirkungen wohl nie klar voraussagen. Darauf wurde ich von meinen Ärzten hingewiesen, das sollte auch so geschehen, denn andernfalls bekommen TS falsche Hoffnungen und Erwartungen. Ich habe mich in dem Falle von meinen eigenen Vorstellungen blenden lassen, wohl auch von der festgefahrenen Vorstellung, dann jemand zu werden, von dem ich fest überzeugt war, in meinem Herzen zu sein. Das ist aber letzten Endes doch nicht so gewesen und das erkenne ich nun. Ich denke ich war damals sehr überzeugend mit meinen Aussagen gegenüber meiner Ärzte, deswegen wurde ich nach gut einem Jahr der Therapie auch für Hormone durchgewunken. Man darf keine übernatürlich großen Erwartungen haben, denn zu 100% wird nichts so, wie man es sich vorstellt. Das weiß ich jetzt auch. Das ist ernüchternd aber für viele Trans sind auch sagen wir mal knapp der Durchschnitt aller möglichen Veränderungen ausreichend. Ich für meinen Teil hätte auch vollkommen auf meinen Bartwuchs verzichten können. Dafür, dass er so schleppend und langsam kam, wurde er dafür umso intensiver. ^^'
Vielleicht hast Du da auch die Gabe das besser zu kommunizieren. Das kann schon sein. Natürlich wirken sich die Hormone bei jedem anders aus. So viel Verständnis sollte man zu Beginn einer Transition mitbringen. Ich schaue aber selbst heute, nach 6 Jahren, in den Spiegel und habe keine Ahnung, was sich körperlich verändert haben soll. Das Epilieren der Körperhaare ist immer ein sehr schmerzhafter Prozess. Durch meine Atopie bekomme ich davon überall Ausschläge. Ich habe dann zwei Tage am ganzen Körper schmerzen und Schwellungen. Mir wurde erzählt, dass der Wuchs der Körperhaare zurückgeht. Wo? Wo ist mein Brustwachstum, die weiche Haut ... die Fettverteilung, alles leere Worthülsen!

Das man nie das volle 100%-Paket abgreift, sollte doch jedem klar sein. Ich würde meine Veränderungen mal auf 10% datieren, sehr großzügig auf 20% ... die Akzeptanz meinen Körpers liegt bei 0%. Ich habe mir pure Ignoranz über die Jahre antrainiert und so komme ich irgendwie über die Runden. Mehr ist es dann aber nicht. Ich bin sehr, sehr enttäuscht. Mir hätte das alles wirklich sehr viel Leid erspart. Die letzten Jahre waren die Hölle auf Erden!!!

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Do 21. Mär 2019, 11:24
von Anja
Moinsen,
dunkles_sternchen hat geschrieben: Mi 20. Mär 2019, 01:27 Jemandem, dem ich mehr oder weniger sofort anmerke "ah, okay Trans", hat für mich eine Niete gezogen, keinen Hauptgewinn.
Da bin ich ja beruhigt, das mir Fremdbestimmungen ziemlich Banane sind. So bald ich den Mund aufmache, werde ich eindeutig als "keine geborene Frau" erkannt. Und trotzdem sehe ich mein neues Leben auch nach nunmehr 3 Jahren immer noch als Hauptgewinn. Ich bin keine geborene Frau. Warum soll ich mein Glück davon abhängig machen, das man mir das (nicht) ansieht, was ich bin?
Selbst wenn ich von anderen nicht von einer geborenen Frau unterschieden werden kann, kann ich immer noch durch dritte geoutet werden, die meine Vergangenheit kennen. Allein überhaupt mir die ganze Zeit Gedanken darüber zu machen, fände ich schon so ermüdend...
Wenn einem es wichtiger ist, wie Fremde einen einordnen, kann man garnicht glücklich werden. Was mache ich denn, wenn mich jemand zu dick findet und jemand anderes zu dünn? Nur mal so als Beispiel. Ich sollte bei mir selbst immer an 1. Stelle stehen. Mache ich mein Selbstwertgefühl von Fremd-Bewertungen abhängig, kann ich nur verlieren. Vielleicht begreifst du das ja irgendwann...

Grüße
die glückliche (Niete) Anja

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Do 21. Mär 2019, 13:51
von Tatjana_59
Anja hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 11:24 Moinsen,
dunkles_sternchen hat geschrieben: Mi 20. Mär 2019, 01:27 Jemandem, dem ich mehr oder weniger sofort anmerke "ah, okay Trans", hat für mich eine Niete gezogen, keinen Hauptgewinn.
Da bin ich ja beruhigt, das mir Fremdbestimmungen ziemlich Banane sind. So bald ich den Mund aufmache, werde ich eindeutig als "keine geborene Frau" erkannt. Und trotzdem sehe ich mein neues Leben auch nach nunmehr 3 Jahren immer noch als Hauptgewinn. Ich bin keine geborene Frau. Warum soll ich mein Glück davon abhängig machen, das man mir das (nicht) ansieht, was ich bin?
Selbst wenn ich von anderen nicht von einer geborenen Frau unterschieden werden kann, kann ich immer noch durch dritte geoutet werden, die meine Vergangenheit kennen. Allein überhaupt mir die ganze Zeit Gedanken darüber zu machen, fände ich schon so ermüdend...
Wenn einem es wichtiger ist, wie Fremde einen einordnen, kann man garnicht glücklich werden. Was mache ich denn, wenn mich jemand zu dick findet und jemand anderes zu dünn? Nur mal so als Beispiel. Ich sollte bei mir selbst immer an 1. Stelle stehen. Mache ich mein Selbstwertgefühl von Fremd-Bewertungen abhängig, kann ich nur verlieren. Vielleicht begreifst du das ja irgendwann...

Grüße
die glückliche (Niete) Anja
Du sprichst mir aus der Seele Anja,

Ich bin auch eine glückliche (Niete) die den Hauptgewinn gezogen hat.
Fast alles was du aussagst deckt sich mit mir.
Mit dem Unterschied dass ich auf den zweiten Blick anderer immer mein Geburtsgeschlecht zwangsläufig bekanntgebe.
Ich wäre gerne femininer, gerade im Gesicht.
Allerdings für mich, nur für mich.
Dritte oder vierte, fünfte, sechste jucken mich nicht im geringsten.
Meine Angleichung gab vor 14 Monaten noch das i - Tüpfelchen zur Het und dem was ich immer schon war. Frau nämlich!
Ich bin glücklich mit mir, mit mir im reinen.
Private Probleme mal ausgenommen.

LG Tatjana

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Do 21. Mär 2019, 14:45
von Michelle_Engelhardt
Eigentlich wollte ich mich zu dem Statement mit der Niete nicht äußern....bringt ja auch nix. In den Worten von Anja und Tatjana finde ich mich aber wieder. Danke euch beiden (ki)

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Do 21. Mär 2019, 16:52
von Mercyful
dunkles_sternchen hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 03:01 Ich schaue aber selbst heute, nach 6 Jahren, in den Spiegel und habe keine Ahnung, was sich körperlich verändert haben soll. Das Epilieren der Körperhaare ist immer ein sehr schmerzhafter Prozess. Durch meine Atopie bekomme ich davon überall Ausschläge. Ich habe dann zwei Tage am ganzen Körper schmerzen und Schwellungen. Mir wurde erzählt, dass der Wuchs der Körperhaare zurückgeht. Wo? Wo ist mein Brustwachstum, die weiche Haut ... die Fettverteilung, alles leere Worthülsen!

Das man nie das volle 100%-Paket abgreift, sollte doch jedem klar sein. Ich würde meine Veränderungen mal auf 10% datieren, sehr großzügig auf 20% ... die Akzeptanz meinen Körpers liegt bei 0%. Ich habe mir pure Ignoranz über die Jahre antrainiert und so komme ich irgendwie über die Runden. Mehr ist es dann aber nicht. Ich bin sehr, sehr enttäuscht. Mir hätte das alles wirklich sehr viel Leid erspart. Die letzten Jahre waren die Hölle auf Erden!!!
Was sagen denn andere? Sehen die eventuelle Veränderungen bzw. nehmen sie diese eher wahr? Die Selbstwahrnehmung ist gerne sehr trügerisch; ich könnte sagen, ich habe mich komplett verändert und meine beste Freundin würde sagen 'Finde ich nicht. Hier und da und dort siehst du immernoch gleich aus'. Abgesehen davon aber ist es natürlich kein schönes Gefühl, selbst keine Veränderung zu verspüren, denn das ist schließlich nicht Sinn der HRT. Es gut um das eigene Wohlbefinden, nicht die Wahrnehmung anderer. Und wenn du selbst unzufrieden damit bist, ist das natürlich nach hinten losgegangen. 6 Jahre ist eine lange Zeit, dieselbe Zeitspanne, in der auch ich mich befinde. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass die Hormone bei mir unzureichend angeschlagen haben. Allerdings haben sie auch nichts großartiges an meinem Körper verändert, dass mich eindeutig als Mann identifiziert. Ich habe teilweise immernoch Taille, weiche Züge, keinen überaus muskulösen Körper (was man mit trainieren vielleicht ändern könnte aber das will ich gar nicht / bin zu faul xp) und bin noch genauso klein wie zuvor. Aber das mich Testo nicht wachsen lässt, war mir natürlich klar. Für mein Umfeld erscheine ich also gerne mal wie ein Zwischendrin. Anfangs war ich die Kampflesbe und nun denken viele, ich sei ein sehr androgyner, schwuler Mann usw. In diesem Falle wäre ich also auch eine 'Niete', denn zu hundert Prozent Mann bin ich nicht. Das hat mich anfangs verunsichert, tut es auch immernoch, aber eher, weil ich jetzt beginne, meine Entscheidung in Frage zu stellen, weil ich das Frau-sein halt doch nicht abschalten kann, es Teil von mir ist. Der Teil, der meine Männlichkeit doch aussticht.

Das ist bei dir natürlich nicht der Fall. Du möchtest als Frau wahrgenommen werden, ohne Zweifel und ganz und gar. Das ist schwierig aber es gibt auch durchaus Cis-Frauen, die kein 'babydoll' Gesicht haben aber trotzdem Frau sind, aufgrund ihres Auftretens und ihrem Selbstbewusstsein. Ich möchte hier nicht predigen, denn ich selbst habe mit Selbstzweifeln zu kämpfen, aber wenn die Transition bei dir hormontechnisch so wenig Erfolg erbracht hat, ist es jetzt vielleicht wichtig, auf dein Auftreten oder auf andere Tipps und Tricks zu setzen. Das wird deine Enttäuschung natürlich nicht mindern aber irgend einen Weg müsste es für dich geben, damit du glücklich sein kannst. Den gilt es nun zu finden.

Statt Epilieren, könntest du dir eine Lasertherapie vorstellen? Oder die Nadelepilation? Die sind zwar nicht weniger anstrengend für die Haut oder gar günstig aber zeigen wenigstens einen permanenten Effekt (zumindest die Nadelepilation).

Ich will mir nicht ausmalen, was du schlimmes in den letzten Jahren erdulden musstest und das tut mir auch sehr, sehr leid. Keiner, der den Trans-Weg geht, wird es einfach haben. Der Leidensdruck ist sehr groß, besonders, wenn die Erwartungen nicht erfüllt wurden und man das Gefühl hat, auf der Stelle zu treten. Im Moment wünschte ich mir wirklich sehr, dass ich dir die Wirkung, die bei mir angeschlagen hat, mich aber nicht glücklich macht, einfach geben könnte und dafür deine 20% nehme und somit leichter zurückkehren könnte. Nun kann ich aber nur sagen, dass wir beide versuchen müssen, stark zu bleiben, uns Wege schaffen sollten, mit der Situation umzugehen.

Kopf hoch <3

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Do 21. Mär 2019, 20:46
von Joe95
Mercyful hat geschrieben: Mi 20. Mär 2019, 23:07 Ich war da doch mehr Unisex und meine Psychologin betrachtete das als äußerst kritisch, sagte Sachen wie 'Männer dürfen keine Stiefel tragen' oder 'der Mantel sieht jetzt aber doch eher feminin aus, finden Sie nicht?' Erst, als ich meine 'Surfer-Boy' Frisur abgelegt und mir einen wirklich kurzen und 'trendigen' Haarschnitt habe verpassen lassen, war sie begeistert und meinte, das würde schon eher für mein Passing hinhauen und Alltagstauglich sein.
Das stelle ich mir schon schrecklich vor. Keine Ahnung was aus mir geworden wäre wenn mein Therapeut so mit mir geredet hätte.
Ähnliches habe ich auch aus ganz anderen Quellen gehört, z.B. eine Transsexuelle, die von ihrem Therapeuten gerügt wurde, weil sie keinen Nagellack trug.

Mein Therapeut sagte mir es ist ganz alleine meine Entscheidung was oder wieviel ich mache. Seine Aufgabe ist zu erkennen ob es wirklich Transsexualität ist oder vllt. doch etwas anderes.
Die Definition des Geschlechts muss aus mir heraus kommen.

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 00:43
von dunkles_sternchen
Anja hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 11:24 Moinsen,
dunkles_sternchen hat geschrieben: Mi 20. Mär 2019, 01:27 Jemandem, dem ich mehr oder weniger sofort anmerke "ah, okay Trans", hat für mich eine Niete gezogen, keinen Hauptgewinn.
Da bin ich ja beruhigt, das mir Fremdbestimmungen ziemlich Banane sind. So bald ich den Mund aufmache, werde ich eindeutig als "keine geborene Frau" erkannt. Und trotzdem sehe ich mein neues Leben auch nach nunmehr 3 Jahren immer noch als Hauptgewinn. Ich bin keine geborene Frau. Warum soll ich mein Glück davon abhängig machen, das man mir das (nicht) ansieht, was ich bin?
Ich bin doch jetzt nicht dumm, nur weil ich eine andere Meinung vertreten und generell eine anderen Standpunk ... ich lebe ganz sicher nicht fremdbestimmt. Die Grundlage jeder Transition sollte für mich aber sein, dass die Person gesellschaftlich wenigsten zweifelsfrei im Zielgeschlecht angekommt. Das dürfen andere gern anders definieren. Ich definiere das so. Das ist das mindeste, was dabei rumkommen sollte. Ich kann zumindest behaupten in den meisten Fällen damit keine Probleme zu haben. Und ich möchte mir auch nicht vorstellen, wie ist, wenn das nicht so wäre! ICH könnte das nicht. Ich kann aber auch kein Tier töten oder Streuselkuchen backen. Andere können das. Auch wenn es komisch klingt: Jeder hat da andere Vorstellungen vom Leben. Sonst hätten alle die gleiche Arbeit, das gleiche Auto und die gleichen Klamotten. Da muss man nicht gleich wieder empört auf den Baum springen! :roll:

Und was dann daheim mit einem persönlich passiert ist doch eine völlig andere Welt. Wie ich meinen Körper empfinde, wie die Beziehung ist - ob ich ihn abstoßend finde oder ich mich darin wohlfühle. Das hat doch rein gar nichts damit zu tun, wie ich auf andere wirke. Die Leute interessiert nicht, weil Maße man hat und ob man sich nun betont schick kleidet oder nicht. Die sehen dich, hauen dich in eine Schublade und gut. Aber wenn man selbst dann für sich in den Spiegel schaut, werden einem schnell die vielen Unzulänglichkeiten auffallen. Und damit komme ich nicht klar. Dafür, dass ich sehr gesund esse und Sport treibe ist die Figur sowieso unterirdisch, aber auch so - männlich - eben. Manchmal sieht man dann so Mädels, die haben locker 10kg mehr drauf und wirken durch die Fettverteilung deutlich schlanker als ich - mein "Schwerpunkt" ist halt der Bauch - Apfel-Figur. Finde ich absolut schrecklich. Bikini und so Sachen fallen definitiv aus bei mir - nur über meine Leiche.

Achso, und in puncto Haare ging es um die Körperhaare. Beine lasern lassen kann niemand bezahlen, oder auch noch Bauch dazu. Die Bartgeschichte ist im Vergleich recht pflegeleicht. Auf dem Kopf wächst es nicht, unten sprießt alles ... sehr weiblich, ja! :?

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 08:47
von Anne-Mette
Guten Morgen,
dunkles_sternchen hat geschrieben: Fr 22. Mär 2019, 00:43 zweifelsfrei im Zielgeschlecht
Ein "Zielgeschlecht" kann es doch nur "amtlich" geben: vorher Mann - nachher Frau oder vorher Frau - nachher Mann.
Das ist eindeutig und steht dann auf amtlichen Dokumenten (offen oder verschlüsselt).

... oder aber

Dein "persönliches Zielgeschlecht".
Du mischt (angebliche) Anforderungen "der Gesellschaft" mit eigenen Anforderungen, die aber auch wieder etwas miteinander zu tun haben.
Das "persönliche Zielgeschlecht" kann unerreichbar sein und bleiben, wenn die Anforderungen zu hoch sind.

Herzliche Grüße
Anne-Mette

Re: Der Weg einer Detransition?

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 10:51
von Lavendellöwin
Mercyful hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 16:52 Ich will mir nicht ausmalen, was du schlimmes in den letzten Jahren erdulden musstest und das tut mir auch sehr, sehr leid. Keiner, der den Trans-Weg geht, wird es einfach haben. Der Leidensdruck ist sehr groß, besonders, wenn die Erwartungen nicht erfüllt wurden und man das Gefühl hat, auf der Stelle zu treten. Im Moment wünschte ich mir wirklich sehr, dass ich dir die Wirkung, die bei mir angeschlagen hat, mich aber nicht glücklich macht, einfach geben könnte und dafür deine 20% nehme und somit leichter zurückkehren könnte. Nun kann ich aber nur sagen, dass wir beide versuchen müssen, stark zu bleiben, uns Wege schaffen sollten, mit der Situation umzugehen.

Kopf hoch <3
Hi Mercyful,

ganz ehrlich? Zuerst dachte ich, oh nein, nicht schon wieder so ein Thread...

aber was du trotz deiner eigenen Situation für ein grosses Herz zeigst ist einfach
nur wunderschön (he)
so offen, freundlich und reflektiert-ich bin total hin und weg...
dunkles_sternchen hat geschrieben: Fr 22. Mär 2019, 00:43 Da muss man nicht gleich wieder empört auf den Baum springen!
Da gebe ich dir irgendwie völlig Recht.

Aber, viele hier haben schon versucht dich etwas aufzubauen-warum magst
du das nicht mal ein bisschen annehmen? Niemand will es dir schwerer sondern eher leichter machen.
Klar ist deine Situation völlig unschön und wahrscheinlich würde ich nach deinen 6
Jahren sogar ähnlich reagieren.

Oder auch nicht, weil ich immer und für alle Zeit eine Frau im Herzen bin und
das kann mir einfach niemand nehmen, never ever...

Alles Liebe Marie (flo)