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Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Mo 29. Okt 2018, 22:07
von Cybill
Ach Aria,

Diskussionen müssen nicht zu einem Konsens führen. Schon gar nicht in irgendwelchen Internet Foren.
Auch wenn es schwer fällt - einfach mal eine Meinung wertfrei stehen lassen, sie zur Kenntnis nehmen und vielleicht sogar die eigene Ansicht überdenken und sie schließlich neu positionieren.

Das könnte - unter Umständen - dazu führen, dass man/frau/trans* sich weiterentwickelt.

Könnte es....

- Cybill

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Mo 29. Okt 2018, 22:10
von Aria
Ralf-Marlene hat geschrieben: Mo 29. Okt 2018, 21:50
Aria hat geschrieben: Mo 29. Okt 2018, 21:36 Also gut, führen wir hier die Diskussion weiter, wenngleich ich die Aussichten auf einen Konsens als eher gering betrachten würde.
Letzter Stand war, dass mir jemand die Notwendigkeit zur Nennung der Nationalität ausserhalb einer Strafverfolgung nennen soll.
Daraufhin kam das Argument, dass man das aus prophylaktischen Gründen macht, um die Bürgerschaft auf die Gefahren, die aus solch einer ethnischen Gruppe hervorgeht, zu sensibilisieren.

Für mich driftete damit die Diskussion in Richtung Stammtischniveau ab und hatte seinen Reiz verloren.

Unbestritten ist, dass es gewisse Ecken gibt, die man vielleicht nur mit der nötigen Eigensicherheit betreten sollte. Wie die auch immer aussieht, ist jedem selbst überlassen.
Das ist aber nicht erst seit neuestem so, das gab es in FFM schon vor über 25 Jahren. Damals waren Teile Berlins und der Görli noch in Erich's Händen bzw. erholten sich gerade aus seiner Allmacht.
Dass es diese Parallelgesellschaften aber gibt, ist der verfehlten Politik geschuldet und kann nicht daran ausgemacht werden, wie sich verschiedene Nationen zueinander verhalten.
Wie so etwas weitergeht, können wir uns am Beispiel Paris, London oder L.A. anschauen. Die Hoffnung darauf, dass wir es besser machen als andere Städte/Nationen, habe ich allerdings nicht.
Liebe Aria,
schön, dass Du so gar nicht polemisierst und andere in die Ecke stellst.
Den zweiten Teil, den ich hier mit zitiere, bringt neue Aspekte in die Diskussion, auch wenn Du, wenn Du Dich schon auf das geteilte Berlin beziehst, die Stadt kennen. Der Görli war schon immer in Kreuzberg, genau gesagt SO36.
Ansonsten ist die Gefahr von Zerstörung der Gesellschaft durch Ausgrenzung schon benannt worden.
Die Auseinandersetzung, auf die Du Dich beziehst, beinhaltete die Vernmutung. es sei ein Nordafrikaner gewesen und das ist keine Nationalität.
Schön, dass Du Dich auch mit eigenen Vorurteilen auseinandersetzen möchtest und wohl nicht annimmst, davon frei zu sein. Lass uns doch bitte mal den Versuch machen dies unabhängig von dem Beispiel der Herkunft und nicht den anderen wertend zu machen. Die andere Diskussion können wir ja da lassen, wo sie schon geführt wurde.
Dass der Görli ehemals Brachland war und zwischen West/Ost lag, ist mir bewusst. ;) Das soll auch nicht weiter Gegenstand der Diskussion sein. Vielmehr wollte ich mit der Anspielung darauf sagen, dass wir aus der Vergangenheit nichts gelernt haben. Leg jetzt bitte nicht jedes Wort auf die Goldwaage! Dass Nordafrika keine Nation ist, ist mir bewusst. Es ging mir im allgemeinen um die Nennung von ethnischen Zugehörigkeiten. In diesem Zusammenhang möchte ich gerne mal in die Runde fragen, wie sich jeder einzelne dabei fühlt, wenn es um deutsche Touristen geht, die sich am Ballermann mal wieder dermassen daneben benommen haben? Dass das in Spanien genau so auf Unverständnis und Voreingenommenheit Deutschen gegenüber stösst, brauche ich nicht zu erwähnen. Dennoch gehen Spanier viel gelassener damit um, als es die deutschen mit ihren "geduldeten Mitbürgern" geht. Scheint wohl an der Tatsache zu liegen, dass Touris mehr Geld mitbringen als die Nafri's in BER.

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Mo 29. Okt 2018, 22:13
von Aria
Cybill hat geschrieben: Mo 29. Okt 2018, 22:07 Ach Aria,

Diskussionen müssen nicht zu einem Konsens führen. Schon gar nicht in irgendwelchen Internet Foren.
Auch wenn es schwer fällt - einfach mal eine Meinung wertfrei stehen lassen, sie zur Kenntnis nehmen und vielleicht sogar die eigene Ansicht überdenken und sie schließlich neu positionieren.

Das könnte - unter Umständen - dazu führen, dass man/frau/trans* sich weiterentwickelt.

Könnte es....

- Cybill
gilt für mich, wie gleichermassen für dich, liebe Cybill ;)

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Di 30. Okt 2018, 07:36
von ExUserIn-2026-04-08
VanessaL hat geschrieben: Mo 29. Okt 2018, 06:51 ich denke: eine Tätergruppe ist eine Tätergruppe und muss dann zur Gefahrenabwehr auch so benannte werden.
Ich greife den Satz von Vanessa noch einmal auf. Sie spricht ja richtigerweise auch von der Gefahr der Verallgemeinerung. Ausgehend von der Beschreibung "Nordafrikaner" muss man die Frage stellen:

Ist "Nordafrikaner" eine Tätergruppe ?

Natürlich ist sie das nicht. Die Tätergruppe wäre eher als "Schläger" zu bezeichnen. In einer Anzeige bei der Polizei ist "Nordafrikaner" aus ermittlungstechnischen Gründen wichtig. Aber als Info in der Öffentlichkeit halte ich das für bedenklich. Was derzeit in Freiburg los ist, steht ja in den Medien, Stichwort Gruppenvergewaltigung. Es tobt die Diskussion über die Frage der Beteiligung von Ausländern an der Tat. Die Betroffene darf das jeden Tag in großen Buchstaben in der Zeitung lesen.

Wollen wir wirklich jeden Tag das Thema "Gefahr durch Ausländer" lesen ? Und beeinflusst diese Flut an "Informationen" nicht unser Denken ? Oberflächlich betrachtet, sind die Meldungen ja in der Regel korrekt. Aber sie sind nicht die ganze Wahrheit und die Art und Weise, wie sie verpackt werden, spielt auch eine Rolle. Dazu kommt unsere eigene Brille. Ich denke, es ist nahezu unmöglich, Informationen, die wir aufnehmen, unbewertet zu lassen. Aber als Menschen sind wir in der Lage, die ersten Eindrücke und Bewertungen zu hinterfragen. In der Schule nannten wir das ein "Vorausurteil", sozusagen eine Überprüfung, ob ein eigenes schnelles Vorurteil der tatsächlichen Lage angemessen ist.

Ein schnelles Urteil in einer Situation kann mir helfen, Gefahren zu vermeiden. Da bleibt keine Zeit zum Nachdenken. Ich handle reflexhaft. Aber die Frage, ob ich der Reflex wirklich richtig war, kann ich nach der Gefahrensituation hinterfragen. Damit kann ich ja auch meine eigene Handlungsweise optimieren. Ich versuche es mit einem neutralen Beispiel. Wenn überraschenderweise eine Spinne auf meiner Schulter landet, reagiere ich erschreckt. Es ist ja eine vermeintliche Gefahr. Erkenne ich aber, dass damit keine Gefahr verbunden ist und setze mich mit Spinnen auseinander, werde ich auf Dauer meine Verhaltensweise ändern können. Ich erschrecke weniger wegen Spinnen. Genau so ist es mit Menschen.

Komme ich mit Nordafrikanern ins Gespräch, werde ich eine andere Sichtweise daraus gewinnen. Aussagen wie "ich bin von einem Nordafrikaner geschlagen worden" werden anders auf mich wirken. Ein wesentliches Problem besteht für mich an dem Punkt, wenn Menschen bei ihrer ersten Be- oder Verurteilung stehen bleiben. Dann kommt es zu Verallgemeinerungen. Alleine das Bewusstsein, dass die Situation anders sein könnte als ich sie zunächst sehe, ist schon viel wert. Verallgemeinerung bedeutet m.E. nichts anderes, als auf seinem ersten Eindruck bestehen zu wollen und keine Änderung zuzulassen.

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Di 30. Okt 2018, 08:11
von Marlene K.
Aria hat geschrieben: Mo 29. Okt 2018, 22:10 Dass der Görli ehemals Brachland war und zwischen West/Ost lag, ist mir bewusst. ;) Das soll auch nicht weiter Gegenstand der Diskussion sein. Vielmehr wollte ich mit der Anspielung darauf sagen, dass wir aus der Vergangenheit nichts gelernt haben. Leg jetzt bitte nicht jedes Wort auf die Goldwaage! Dass Nordafrika keine Nation ist, ist mir bewusst. Es ging mir im allgemeinen um die Nennung von ethnischen Zugehörigkeiten. In diesem Zusammenhang möchte ich gerne mal in die Runde fragen, wie sich jeder einzelne dabei fühlt, wenn es um deutsche Touristen geht, die sich am Ballermann mal wieder dermassen daneben benommen haben? Dass das in Spanien genau so auf Unverständnis und Voreingenommenheit Deutschen gegenüber stösst, brauche ich nicht zu erwähnen. Dennoch gehen Spanier viel gelassener damit um, als es die deutschen mit ihren "geduldeten Mitbürgern" geht. Scheint wohl an der Tatsache zu liegen, dass Touris mehr Geld mitbringen als die Nafri's in BER.
Liebe Aria,
die Griechen und Spanier gehen bei allen Unzulänglichkeiten auch anders mit Flüchtlingen um. Um hier zu hinterfragen, was eigentlich unserer ureigener in der deutschen Kuiltur begründeter Anteil ist, wäre es meines Erachtens nach sinnvoll, sich auch als international solidarisch denkender Mensch über Reste dieses überwunden geglaubten Denkens klar zu werden.
Da die Brüche in unserer Gesellschaft sich aber meines Erachtens nach nicht nur auf die Haltung gegenüber als nicht deutsch empfundenen Menschen beziehen halte ich es für einfacher und sinnvoller bei einem weniger aufgeladenen Thema anzufangen.

Außerdem erreichen wir nichts, wenn wir so tun, als wären wir besser und hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen.
Ich bin an einer konstruktiven Diskussion interessiert. Die ist nicht möglich, wenn ich jeden, der nicht 100% meinem Ideal folgt zum moralischen Verbrecher erkläre.

So habe ich ganz eindeutig ein Problem mit der Verschleierung bei jungen Musliminnen. Ich weiß aber auch, dass eine radikale Haltung wie die von Alice Schwarzer, bei all' ihren Verdiensten, dem Problem nicht gerecht wird.

Kennst Du solche inneren Widersprüche auch oder bist Du vollkommen frei davon?

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Di 30. Okt 2018, 08:31
von Marlene K.
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 30. Okt 2018, 07:36 Natürlich ist sie das nicht. Die Tätergruppe wäre eher als "Schläger" zu bezeichnen. In einer Anzeige bei der Polizei ist "Nordafrikaner" aus ermittlungstechnischen Gründen wichtig. Aber als Info in der Öffentlichkeit halte ich das für bedenklich. Was derzeit in Freiburg los ist, steht ja in den Medien, Stichwort Gruppenvergewaltigung. Es tobt die Diskussion über die Frage der Beteiligung von Ausländern an der Tat. Die Betroffene darf das jeden Tag in großen Buchstaben in der Zeitung lesen.
Liebe Vicky,
ich habe bewusst nur Deinen Bezug zu den jüngsten Vorgängen in Freiburg zitiert. Mir fällt auf, dass auch Du, wie die meisten, die darüber berichten, nur sagst, dass Ausländer beteiligt waren. Ich habe nur in einem Bericht gehört, dass Ausländer und Deutsche ohne erkennbaren "Migrationshintergrund" beteiligt waren. Wir sind anscheinend schon so daran gewöhnt, dass nur der "Migrationshintergrund", was immer das auch ist, benannt wird und nicht der Anteil unserer Kultur. Selbst bei den Menschen mit "Migrationshintergrund" stellt sich mir die Frage, wo diese Menschen aufgewachsen sind. Welche Gesellschaft hat sie geformt?

Alles Liebe

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Di 30. Okt 2018, 08:33
von Marlene K.
Anscheinend ist die Dsikussion über "Ethnien" für uns alle so beherrschend, dass wir nicht unabhängig von dieser die Frage eigener Vorurteile und des Umgangs mit ihnen bearbeiten können.

Ich kenne in mir selber Vorurteile gegen Denkfaule, Ungebildete, Ungepflegte, Menschen ohne Geschmack, nicht authentische Menschen, Ideologen, Fundamentalisten jeder Religion, Machos, Weibchen, um nur einige zu nennen, die mir spontan einfallen.

Viele dieser Zuschreibungen verknüpfe auch ich im Unterbewussten mit Herkunftsangaben. Aber zum einen lehnt mein bewusstes Denken dies ab und versucht es zurückzuweisen und zum anderen ist die Herkunft nicht die Grundlage für meine Ressentiments. Es sind die mehr oder weniger bewusst eingenommenen Haltungen von Menschen, die mich stören und zu denen ich eine Haltung finden möchte.

Lasst uns doch den Versuch wagen, bei uns selber anzufangen.

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Di 30. Okt 2018, 09:26
von ExUserIn-2026-04-08
Ralf-Marlene hat geschrieben: Di 30. Okt 2018, 08:31 Mir fällt auf, dass auch Du, wie die meisten, die darüber berichten, nur sagst, dass Ausländer beteiligt waren.
Das habe ich so nicht ausgedrückt. Ich habe nur geschrieben, dass die Diskussion über die Ausländer geht. Angeblich lautete das Motto der AfD-Demo:
Sichere Grenzen — Sichere Zukunft! Abschiebungen sofort! — Gegen ausländische Messermörder und Gruppenvergewaltiger in Deutschland!
Hier liegt doch die Verkürzung, nicht in meinen Aussagen zum Thema.

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Di 30. Okt 2018, 10:11
von Marlene K.
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 30. Okt 2018, 09:26 Hier liegt doch die Verkürzung, nicht in meinen Aussagen zum Thema.
Liebe Vicky,
mir war nicht klar, dass Du Dich auf einen AFD-Aufruf beziehst. Diese sehe ich meist nicht und Du hast allgemein von den Medien geschrieben. Ich habe Dich ja auch nur exemplarisch angesprochen und die Fragen benannt, die ich selbst nach der von Dir augenscheinlich zitierten Aussage eines Menschen aus der AFD stelle.
Definitiv kein persönlicher Angriff, nur eine Hinterfragung unserer, also in anderen Fällen, auch meiner Wahrnehmung, die sich meiner Erfahrung nach auf die gesammte Presse bezieht. Hier haben wir sehr den Ton von AFD und zum Beispiel Horst Seehofer übernommen.

Bezeichnend ist ja auch, dass es mir positiv (wieso eigentlich, sollte dies nicht selbstverständlich sein, wenn wir diese Unterscheidung überhaupt veröffentlichen?) im Gedächtnis geblieben ist, dass an anderer Stelle auch Mittäter mit "rein" deutschem Hintergrund erwähnt wurden.

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Di 30. Okt 2018, 10:13
von Lavendellöwin
Guten Morgen zusammen,

ich möchte kurz etwas zu Freiburg schreiben, weil es in der Nachbarschaft ist und wir auch lange da gewohnt haben.

Es gab in letzter Zeit mehrere Übergriffe, vor allem gegen junge Cis-Frauen. Auch Tötungsdelikte oder den Fall
in Staufen, wo eine deutsche Mutter ihren Sohn zur Prostitution frei gegeben hat.

Es sind also durchweg verschiedene "Tätergruppen".
Im speziellen Fall zuletzt waren die Täter soweit ich weiss 7 Syrer und ein Deutscher, die das Opfer geplant
und vorsätzlich chemisch ausgeknockt haben.
Syrer sind jetzt rein ethnologisch gesehen keine Nordafrikaner sondern Levantiner.
Was den Fall aber wirklich schlimm macht, ist das geplante Vorgehen. Da ist es herzlich egal wo die Täter
herkommen. Auch der beteiligte Deutsche kann das geplant haben und die anderen sorry, Blödmänner,
haben mitgezogen.

Besonders traurig ist, das ein junges Leben in einer Weise beeinflusst wurde, die im Grunde mit keiner Strafe
aufzuwiegen ist. Für mich hat eine Vergewaltigung etwas von vorsätzlicher Tötung.

Bevor ich mich jetzt aber reinsteigere, versuche ich dem Opfer Liebe und Mitgefühl zu senden.

Alles Liebe Marie ---)))

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Di 30. Okt 2018, 10:31
von Marlene K.
!Marie! hat geschrieben: Di 30. Okt 2018, 10:13 Guten Morgen zusammen,

ich möchte kurz etwas zu Freiburg schreiben, weil es in der Nachbarschaft ist und wir auch lange da gewohnt haben.

Es gab in letzter Zeit mehrere Übergriffe, vor allem gegen junge Cis-Frauen. Auch Tötungsdelikte oder den Fall
in Staufen, wo eine deutsche Mutter ihren Sohn zur Prostitution frei gegeben hat.

Es sind also durchweg verschiedene "Tätergruppen".
Im speziellen Fall zuletzt waren die Täter soweit ich weiss 7 Syrer und ein Deutscher, die das Opfer geplant
und vorsätzlich chemisch ausgeknockt haben.
Syrer sind jetzt rein ethnologisch gesehen keine Nordafrikaner sondern Levantiner.
Was den Fall aber wirklich schlimm macht, ist das geplante Vorgehen. Da ist es herzlich egal wo die Täter
herkommen. Auch der beteiligte Deutsche kann das geplant haben und die anderen sorry, Blödmänner,
haben mitgezogen.

Besonders traurig ist, das ein junges Leben in einer Weise beeinflusst wurde, die im Grunde mit keiner Strafe
aufzuwiegen ist. Für mich hat eine Vergewaltigung etwas von vorsätzlicher Tötung.

Bevor ich mich jetzt aber reinsteigere, versuche ich dem Opfer Liebe und Mitgefühl zu senden.

Alles Liebe Marie ---)))
Ja, so wurde es auch in der Tagesschau gesagt. Ich habe bewusst die Zahlenverhältnisse außen vor gelassen.
Du willst etwas anderes, aber bestärkst ein veröffentlichtes Bild. Macht das Sinn?

...und wieder diskutieren wir nur über (unseren Umgang) mit Menschen aufgrund ihrer Herkunft, anstatt uns zu fragen, was wir alleine damit sagen.

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Di 30. Okt 2018, 10:41
von Marlene K.
Ich starte den nächsten Versuch, mal die Frage von der Funktion von Vorurteilen in uns slber zurückzuführen und weg von "Schuldzuweisungen" und "ich bin besser/klüger/empathischer als Du" zu kommen.

Überlegt mal, wie Ihr Altersgruppen, die nicht der Euren entsprechen, be(ver)urteilt:

Ich höre oft von Menschen in meinem Alter und darüber, dass ja die jüngeren Menschen heute nur noch selbstverliebt und genusssüchtig seien. Dies hätten keinerlei politisches Interesse und würden nur um sich selber Kreisen. Bevor ich jetzt gesteinigt werde betone ich, dass ich schon beim hören solcher Sätze widerspreche und die Dinge differenzierter sehe. Da habe ich eher Vorurteile gegen Menschen m eines Alters... (um die 60, feiere im November zum 30ten mal den 29ten Geburtstag...)

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Di 30. Okt 2018, 11:10
von Aria
Ralf-Marlene hat geschrieben: Di 30. Okt 2018, 08:11
Aria hat geschrieben: Mo 29. Okt 2018, 22:10 Dass der Görli ehemals Brachland war und zwischen West/Ost lag, ist mir bewusst. ;) Das soll auch nicht weiter Gegenstand der Diskussion sein. Vielmehr wollte ich mit der Anspielung darauf sagen, dass wir aus der Vergangenheit nichts gelernt haben. Leg jetzt bitte nicht jedes Wort auf die Goldwaage! Dass Nordafrika keine Nation ist, ist mir bewusst. Es ging mir im allgemeinen um die Nennung von ethnischen Zugehörigkeiten. In diesem Zusammenhang möchte ich gerne mal in die Runde fragen, wie sich jeder einzelne dabei fühlt, wenn es um deutsche Touristen geht, die sich am Ballermann mal wieder dermassen daneben benommen haben? Dass das in Spanien genau so auf Unverständnis und Voreingenommenheit Deutschen gegenüber stösst, brauche ich nicht zu erwähnen. Dennoch gehen Spanier viel gelassener damit um, als es die deutschen mit ihren "geduldeten Mitbürgern" geht. Scheint wohl an der Tatsache zu liegen, dass Touris mehr Geld mitbringen als die Nafri's in BER.
Liebe Aria,
die Griechen und Spanier gehen bei allen Unzulänglichkeiten auch anders mit Flüchtlingen um. Um hier zu hinterfragen, was eigentlich unserer ureigener in der deutschen Kuiltur begründeter Anteil ist, wäre es meines Erachtens nach sinnvoll, sich auch als international solidarisch denkender Mensch über Reste dieses überwunden geglaubten Denkens klar zu werden.
Da die Brüche in unserer Gesellschaft sich aber meines Erachtens nach nicht nur auf die Haltung gegenüber als nicht deutsch empfundenen Menschen beziehen halte ich es für einfacher und sinnvoller bei einem weniger aufgeladenen Thema anzufangen.

Außerdem erreichen wir nichts, wenn wir so tun, als wären wir besser und hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen.
Ich bin an einer konstruktiven Diskussion interessiert. Die ist nicht möglich, wenn ich jeden, der nicht 100% meinem Ideal folgt zum moralischen Verbrecher erkläre.

So habe ich ganz eindeutig ein Problem mit der Verschleierung bei jungen Musliminnen. Ich weiß aber auch, dass eine radikale Haltung wie die von Alice Schwarzer, bei all' ihren Verdiensten, dem Problem nicht gerecht wird.

Kennst Du solche inneren Widersprüche auch oder bist Du vollkommen frei davon?
Spanien hat in jüngster Vergangenheit seine Einwanderungspolitik zum Negativen überdacht, was ich zwar in Teilen nachvollziehen kann, dennoch nicht gutheisse. Das ist aber ein anderes Thema. Darum ging es mir aber in meinem letzten Beitrag nicht. Mir ging es darum, wie sich die Leute fühlen, wenn von den deutschen Touri-Deppen am Ballermann berichtet wird. Ich denke, da reichen die Meinungen/Gefühle von fremdschämen bis hin zu "...sollen sich nicht so anstellen! Nehmen ja auch gerne unser Geld". Wie auch immer die Reaktionen sind, sie erzeugen in uns was, das uns auf die beklagende Nation anders blicken und Vorurteile entstehen lässt.

Thema Vorurteile: Ich kann nicht sagen, dass ich vollkommen frei davon bin. Denn Vorurteile bilden sich aus Erfahrungen. Es kommt dann aber darauf an, ob man gewillt ist, diese auch wieder abzulegen, indem man z.B. gegenteilige Erfahrungen gemacht hat. Das bedingt aber, dass man sich erneut auf eine Situation einlässt, die einem eine negative Erfahrung beschert hat. Und da bin ich offener als manch anderer, würde ich meinen. Ich leere mein, durch schlechte Erfahrungen, getrübtes Glas immer wieder. Nun werden viele sagen, dass so ein Verhalten schwachsinnig ist und ich damit nicht weiterkommen werde. Dann frage ich mich aber, worin sie ein weiterkommen sehen, wenn sie sich durch Vorurteile immer mehr beschränken.

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Di 30. Okt 2018, 11:15
von Marlene K.
Aria hat geschrieben: Di 30. Okt 2018, 11:10 Thema Vorurteile: Ich kann nicht sagen, dass ich vollkommen frei davon bin. Denn Vorurteile bilden sich aus Erfahrungen. Es kommt dann aber darauf an, ob man gewillt ist, diese auch wieder abzulegen, indem man z.B. gegenteilige Erfahrungen gemacht hat. Das bedingt aber, dass man sich erneut auf eine Situation einlässt, die einem eine negative Erfahrung beschert hat. Und da bin ich offener als manch anderer, würde ich meinen. Ich leere mein, durch schlechte Erfahrungen, getrübtes Glas immer wieder. Nun werden viele sagen, dass so ein Verhalten schwachsinnig ist und ich damit nicht weiterkommen werde. Dann frage ich mich aber, worin sie ein weiterkommen sehen, wenn sie sich durch Vorurteile immer mehr beschränken.
Liebe Aria,
danke für diese klare und für mich gut nachvollziehbare Aussage. Hier denken wir ähnlich. (dr)

Re: Vorsicht oder Vorurteil, Aspekte von verinnerlichten Erfahrungen.

Verfasst: Mi 31. Okt 2018, 10:57
von Marlene K.
Ich hole das Thema bewusst noch mal nach vorne. Sonst endet es wie von Aria und Laila-Sarah befürchtet wirklich ohne Ergebnis. Fände ich schade bei dem angeregten Austausch, den wir hatten.

Ich denke, ich fasse einigermaßen richtig zusammen, wenn ich sage, dass jeder Mensch Erfahrungen sammelt und damit, zunächst einmal vollkommen wertfrei, Grundlagen zur Beurteilung späterer ähnlicher Situationen anlegt.
Das führt im Umgang mit Anderen dazu, dass von diesen unabhängige Erfahrungen unser Verhalten ihnen gegenüber beeinflussen.
  • Im positiven Fall, egal ob unser (Vor)Urteil zutrifft oder nicht, kann das zu einem schnelleren Verstehen und Einigkeit führen.
  • Im positiven Fall, wenn unser positives Urteil zutrifft, sammeln wir eine gute Erfahrung und werden bestärkt.
  • Im positiven Fall, wenn unser negatives (Vor)Urteil zutrifft, kann es uns schützen vor weitern schlechten Erfahrungen.
  • Im negativen Fall, egal ob unser (Vor)Urteil zutrifft oder nicht, kann es zu Misstrauen und verpassten Chancen für Beteiligte führen.
  • Im negativen Fall, wenn unser negatives (Vor)Urteil nicht zutrifft, vergeben wir eine Chance auf eine gute Erfahrung und eine Chance, von anderen zu lernen.
  • Im negativen Fall, wenn unser positives (Vor)Urteil nicht zutrifft, sammeln wir eine schlechte Erfahrung.
Ich weiß, ein solcher Versuch, Grundgedanken zusammen zu fassen, ist immer auch eine Verkürzung.

Aber mich würde interessieren, ob Ihr diese Grundannahmen teilt, ob Ihr wichtige Aspekte vermisst und ob Ihr hier die Möglichkeit seht, eigenes Verhalten zu verbessern, eigene Haltungen zu hinterfragen?