Hallo zusammen,
ich wollte eigentlich erst zu diesem Thema nicht schreiben, weil Jaddy, Laila-Sarah, Nicole, Mirjam, Jenina uva eigentlich eh schon alles gesagt haben (danke dafür). Und als Ösi sitz ich natürlich, was die Rechten anlangt, in einem ziemlich instabilen Glashaus.
Einige Posts haben bei mir dann aber doch die imaginäre Hutschnur hochgehen lassen bzw. hätt ich nicht so schön langes Naturhaar würd ich mir die Perücke von der Rübe raufen.
Wenn da Ansagen kommen, dass (Partei)Politik in diesem Forum nichts verloren hat, dann frag' ich mich schon, was denn Politik eigentlich ist? Gesetze sind nichts Anderes als zu Papier gebrachte und für verbindlich erklärte Politik. Da geht's, angefangen von (Grund)Rechten wie Versammlungsfreiheit, Recht auf freie Meinungsäußerung, persönliche Freiheit usw, über Rechtsgrundlagen für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, (jüngst auch) persönlicher Geschlechtsidentität, Rechte in Bezug auf soziale Absicherung uvm, bis hin zu ebenso banalen wie im Einzelfall wichtigen Fragen, welche Leistungen von Krankenversicherungsträgern übernommen werden. Und da soll dieses Forum nicht der richtige Platz sein, darüber zu diskutieren, wie manche Gruppierungen diese Rechte lieber heute als morgen beschneiden, wenn nicht teils sogar ganz abschaffen würden?
Da meint eine Userin, man müsse halt demokratische Mehrheitsverhältnisse respektieren und könne ja auch das Land verlassen, wenn's einem nicht passt. Da gehört aber schon auch die Frage dazu, wie es denn zu solchen (dann) Mehrheitsverhältnissen und Meinungen gekommen ist. Wenn zuerst mit gezielter Falschinformation, Angstmache und Hetzpropaganda Mehrheiten "geschaffen" werden und das brave Volk gegen einen (veremeintlichen) Gegner hinter sich geschart wird, ist es ein Leichtes, in weiterer Folge mit (offener oder stillschweigender) Zustimmung dieser Mehrheit unliebsame Zeitungen und Universitäten usw. zu schließen, Kritiker mundtot zu machen und letztlich (Bürger-)Rechte auszuhöhlen oder abzuschaffen. Immer im Interesse der Sicherheit der braven Leute natürlich. Das muss man dann als echte(r) Demokrat(in) klarerweise auch so hinnehmen.
Schon mal was von Minderheitenrechten gehört?
Wir profitieren heute, teils vielleicht auch erst zukünftig, von einer Vielzahl von Rechten, die Generationen vor uns hart errungen haben und für die immer noch viele tagtäglich in den Medien, vor Gericht und auf der Straße kämpfen (klingt komisch, is' aber so). Ich bin schon mangels Outing keine Aktivistin, aber ich bemühe mich in meinem persönlichen Umfeld, im Bekannten-, Freundes- und Kollegenkreis, nicht zuletzt auch beruflich, für die Rechte von Minderheiten einzutreten. Mag sein, dass das nicht viel ist, aber ich bewege verdammt nochmal zumindest meinen A.... zum Wahllokal, wenn es darum geht, jene ewiggestrigen Gruppierungen, die alles daran setzen, diese Rechte zu unterminieren, möglichst klein zu halten. Und nein, ich bin nicht links.
Man kann natürlich auch aus Bequemlichkeit, Politikverdrossenheit oder aus intelektuellen Defiziten geborenem, generellen Desinteresse meinen, es sei eh alles umsonst, man finde sich in keiner Partei wieder und eigentlich gehe es einem ja eh ganz gut. Man kann beruhigt in seiner persönlichen Wohlfühloase zu Hause bleiben, sich die Fingernägelchen lackieren und sich hier im Forum (immer streng am Thema) ausschließlich über die neuesten Outfits und die Frage unterhalten, welche Strumpfhosenmarke denn die wenigsten Laufmaschen macht.
Das ist spätestens dann Kategorie "wertvolles Wissen", wenn einem auf dem Weg zum persönlichen Lieblingsstammi irgend so ein hasserfüllter Wicht, dem gut eingebläut wurde, dass Trans* die größte Bedrohung der abendländischen Lebensweise seit der Erfindung des Kondoms ist, in den topmodisch gekleideten Allerwertesten tritt, während die anwesende Menge dies stillschweigend goutiert. Vielleicht kommt ja dann noch ein netter Gesetzeshüter und erklärt einem, dass man sich über solche Reaktionen nicht zu wundern braucht, wenn man soooo gekleidet ist und kassiert dann noch eine kleine Geldstrafe wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.
Echt Ladies, wer wirklich Demokratie will, sollte zumindest von seinem Wahlrecht Gebrauch machen, solang es das noch gibt. Ich lass mich ja auch nicht von meiner Frau scheiden, nur weil sie nicht in allen Fragen mit mir übereinstimmt.
Alles Liebe
(eine demokratieverliebte) Luna
p.s.: Weil's grad irgendwie zur Thematik passt noch ein interessanter Artikel von heute
https://derstandard.at/2000083138371/Da ... nterregnum
Alles Liebe
Luna