Sasha hat geschrieben: Do 22. Mär 2018, 18:09
Nun habe ich diese Beitragsserie aufmerksam gelesen, jedoch erkennen müssen, daß auch ich immer noch keine Eindeutigkeiten der Begriffe ausmachen kann - sie sind interpretierbar und werden auch von der Community folgerichtig sehr unterschiedlich betrachtet.
Eigentlich wäre dieser Umstand nicht wirklich schlimm, aber für mich stellt es dennoch ein Problem dar: wie erkläre ich, ohne Vorträge zu halten, was ich bin?
Eine kleine Analyse gibt meine Gedanken hierzu wieder:
CD? Nein! Mag sein, daß ich vor langer Zeit diese Motivation hatte.
TS? Nein! Eigentlich akzeptiere ich mein biologisches Dasein als Mann; wäre ich als Frau geboren worden, wäre manches wohl einfacher...
TG? Nein! Als Oberbegriff ist Transgender zu unspezifisch...
TI? Ja! Das trifft es wohl ganz gut, wenn man sich selbst (zu einem wesentlichen Teil, aber nicht vollständig) vom Denken her in einer weiblichen Rolle sieht und dies auch durch das Tragen entsprechender Kleidung sich selbst und anderen gegenüber zum Ausdruck bringen möchte.
Androgynität, ein Begriff, den ich gerne verwende, scheint da zwar auch nicht für Klarheit zu sorgen, ich nutze ihn dennoch aus pragmatischen Gründen.
Hallo Sasha, Hallo ihr alle,
ich will mal den Versuch einer Erklärung wagen, auch wenn mir bewusst ist, dass mich sicherlich ein paar für die eine oder andere meiner Aussagen und Feststellungen abgrundtief hassen werden und am liebsten lynchen würden, wenn ich zu sehr in die Tiefe gehe.

Zuerst einmal zur Begrifflichkeit ganz allgemein:
Die Begriffe ist im Grunde genommen nicht interpretierbar, sondern sie werden interpretiert. Das kann von Unwissenheit über Falschinformation bis hin zum willkürlichen Falschgebrauch gehen. Man kann das sehr gut bei kleinen Kindern beobachten, die Worte ausprobieren. Mit der Zeit lernen wir, dass Begriffe feststehen, und ein Auto eben ein Auto ist und kein Ball.

Ein kurzer Ausflug in die
Mengenlehre:
Ganz gleich, wie sehr man es sich auch wünschen mag, dass Leben besteht eben nicht aus schönen übersichtlichen Schubladen (fein säuberlich getrennten Mengen), in die man sich und andere einsortieren kann.
Viel öfter, als es manchem lieb ist, gibt es Teilmengen und Schnittmengen, d.h. es gibt mehr oder weniger viele Elemente, die zu mehr als einer Menge gehören.

Und damit kommen wir zurück zum Thema:
Es gibt kein striktes "entweder dies oder das", sondern eigentlich immer "dies und auch das".
Nehmen wir ein einfaches Beispiel, was mir die Chance gibt, vielleicht doch nicht so viel Zorn zu produzieren:
"Crossdresser" beschreibt eine Gruppe von Menschen, die Kleidung tragen, die dem anderen Geschlecht zugeschrieben wird. Eine Aussage über die Motivation für das Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung wird nicht getroffen.
"Transvestiten" tragen gegengeschlechtliche Kleidung, um im weitesten Sinne Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht auszudrücken und zu erleben.
"Transvestiten" sind also eine Teilmenge der "Crossdresser".
Dann gibt es
"Fetischisten", die bestimmte Gegenstände (recht häufig Kleidung) verehren und/oder davon erregt werden.
Bei "Transvestiten" und "Fetischisten" gibt es eine Schnittmenge
"Transvestitischer Fetischismus" genannt.
"Transvestiten"
können(!) also auch "Fetischisten" sein und umgekehrt, und "Fetischisten" können "Crossdresser" sein.
Klingt vielleicht im ersten Moment etwas kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach.
Die Zusammenhänge der übrigen Begriffe kann nun jede(r) von euch ganz leicht sortieren, so sie/er auch gewillt ist.

Und ich habe die Chance, doch noch einigermaßen glimpflich aus der Sache hier heraus zu kommen.
Liebe Grüße
Michi