Seite 4 von 9

Re: CD vs. TS

Verfasst: Di 20. Mär 2018, 11:15
von Anja
Hallo Saari,

Hier gibt es meinen Avatar etwas größer. Da wir hier ziemlich vom eigentlichen Thema abweichen, kannst du ja die Kommentarfunktion des Bildes für weitere Bemerkungen benutzen ;-)

Grüße
die Anja

Re: CD vs. TS

Verfasst: Do 22. Mär 2018, 18:09
von Exuser-2019-01-04
Anja hat geschrieben: Mi 14. Mär 2018, 10:04
Crossdresser bevorzugen bestimmte Kleidung und/oder Accessoires, Schminke, Perücke um sich wohl (weiblich?) zu fühlen. Transfrauen fühlen sich immer weiblich, egal ob sie ne Hose oder einen Rock oder einen Bart tragen...
Hallo,

die Betrachtungsweise von Anja finde ich persönlich sehr zutreffend, weil ich mich genau darin wiederfinde. Mit einer Einschränkung aber: der Begriff "Transfrau" ist zu weit gefasst oder geht einen Schritt zu weit, denn auf Transidente oder Non-Binäre trifft die Feststellung m.E. auch zu, ohne bereits "Transfrau" zu sein.

Nun habe ich diese Beitragsserie aufmerksam gelesen, jedoch erkennen müssen, daß auch ich immer noch keine Eindeutigkeiten der Begriffe ausmachen kann - sie sind interpretierbar und werden auch von der Community folgerichtig sehr unterschiedlich betrachtet.

Eigentlich wäre dieser Umstand nicht wirklich schlimm, aber für mich stellt es dennoch ein Problem dar: wie erkläre ich, ohne Vorträge zu halten, was ich bin?
Eine kleine Analyse gibt meine Gedanken hierzu wieder:

CD? Nein! Mag sein, daß ich vor langer Zeit diese Motivation hatte.
TS? Nein! Eigentlich akzeptiere ich mein biologisches Dasein als Mann; wäre ich als Frau geboren worden, wäre manches wohl einfacher...
TG? Nein! Als Oberbegriff ist Transgender zu unspezifisch...
TI? Ja! Das trifft es wohl ganz gut, wenn man sich selbst (zu einem wesentlichen Teil, aber nicht vollständig) vom Denken her in einer weiblichen Rolle sieht und dies auch durch das Tragen entsprechender Kleidung sich selbst und anderen gegenüber zum Ausdruck bringen möchte.
Androgynität, ein Begriff, den ich gerne verwende, scheint da zwar auch nicht für Klarheit zu sorgen, ich nutze ihn dennoch aus pragmatischen Gründen.

Warum ich dies hier schreibe? Weil auch ich hin- und hergerissen bin zwischen freundlichen und weniger freundlichen - bis hin zu verletzenden - Betrachtungsweisen und ich mich manchmal frage, ob meine Probleme mit dem Outing tatsächlich mit meiner Phobie gegenüber vermuteten Anfeindungen oder der Angst vor dem Verlust des derzeitigen sozialen Status herrühren.

Ich drehe mich da seit längerem im Kreise - mir ist schon schwindelig

LG Sasha

Re: CD vs. TS

Verfasst: Do 22. Mär 2018, 19:56
von Michi
Sasha hat geschrieben: Do 22. Mär 2018, 18:09 Nun habe ich diese Beitragsserie aufmerksam gelesen, jedoch erkennen müssen, daß auch ich immer noch keine Eindeutigkeiten der Begriffe ausmachen kann - sie sind interpretierbar und werden auch von der Community folgerichtig sehr unterschiedlich betrachtet.

Eigentlich wäre dieser Umstand nicht wirklich schlimm, aber für mich stellt es dennoch ein Problem dar: wie erkläre ich, ohne Vorträge zu halten, was ich bin?
Eine kleine Analyse gibt meine Gedanken hierzu wieder:

CD? Nein! Mag sein, daß ich vor langer Zeit diese Motivation hatte.
TS? Nein! Eigentlich akzeptiere ich mein biologisches Dasein als Mann; wäre ich als Frau geboren worden, wäre manches wohl einfacher...
TG? Nein! Als Oberbegriff ist Transgender zu unspezifisch...
TI? Ja! Das trifft es wohl ganz gut, wenn man sich selbst (zu einem wesentlichen Teil, aber nicht vollständig) vom Denken her in einer weiblichen Rolle sieht und dies auch durch das Tragen entsprechender Kleidung sich selbst und anderen gegenüber zum Ausdruck bringen möchte.
Androgynität, ein Begriff, den ich gerne verwende, scheint da zwar auch nicht für Klarheit zu sorgen, ich nutze ihn dennoch aus pragmatischen Gründen.
Hallo Sasha, Hallo ihr alle,

ich will mal den Versuch einer Erklärung wagen, auch wenn mir bewusst ist, dass mich sicherlich ein paar für die eine oder andere meiner Aussagen und Feststellungen abgrundtief hassen werden und am liebsten lynchen würden, wenn ich zu sehr in die Tiefe gehe. :roll:

:arrow: Zuerst einmal zur Begrifflichkeit ganz allgemein:

Die Begriffe ist im Grunde genommen nicht interpretierbar, sondern sie werden interpretiert. Das kann von Unwissenheit über Falschinformation bis hin zum willkürlichen Falschgebrauch gehen. Man kann das sehr gut bei kleinen Kindern beobachten, die Worte ausprobieren. Mit der Zeit lernen wir, dass Begriffe feststehen, und ein Auto eben ein Auto ist und kein Ball. :wink:

:arrow: Ein kurzer Ausflug in die Mengenlehre:

Ganz gleich, wie sehr man es sich auch wünschen mag, dass Leben besteht eben nicht aus schönen übersichtlichen Schubladen (fein säuberlich getrennten Mengen), in die man sich und andere einsortieren kann.

Viel öfter, als es manchem lieb ist, gibt es Teilmengen und Schnittmengen, d.h. es gibt mehr oder weniger viele Elemente, die zu mehr als einer Menge gehören.

:arrow: Und damit kommen wir zurück zum Thema:

Es gibt kein striktes "entweder dies oder das", sondern eigentlich immer "dies und auch das".

Nehmen wir ein einfaches Beispiel, was mir die Chance gibt, vielleicht doch nicht so viel Zorn zu produzieren:

"Crossdresser" beschreibt eine Gruppe von Menschen, die Kleidung tragen, die dem anderen Geschlecht zugeschrieben wird. Eine Aussage über die Motivation für das Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung wird nicht getroffen.

"Transvestiten" tragen gegengeschlechtliche Kleidung, um im weitesten Sinne Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht auszudrücken und zu erleben.

"Transvestiten" sind also eine Teilmenge der "Crossdresser".

Dann gibt es "Fetischisten", die bestimmte Gegenstände (recht häufig Kleidung) verehren und/oder davon erregt werden.

Bei "Transvestiten" und "Fetischisten" gibt es eine Schnittmenge "Transvestitischer Fetischismus" genannt.

"Transvestiten" können(!) also auch "Fetischisten" sein und umgekehrt, und "Fetischisten" können "Crossdresser" sein.

Klingt vielleicht im ersten Moment etwas kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach.


Die Zusammenhänge der übrigen Begriffe kann nun jede(r) von euch ganz leicht sortieren, so sie/er auch gewillt ist. (dr) Und ich habe die Chance, doch noch einigermaßen glimpflich aus der Sache hier heraus zu kommen. :mrgreen:


Liebe Grüße
Michi

Re: CD vs. TS

Verfasst: Do 22. Mär 2018, 20:36
von Ronda_PTL
Hallo, liebe Michi,

meinen Zorn hast Du jedenfalls nicht zugezogen, denn ich finde Deinen Ausflug in die "Mengenlehre" einen recht tauglichen Versuch der Komplexität der Fragestellung gereicht zu werden. (yes)

Abschließend werden wir wohl auch hier "nicht jede (Un)Klarheit beseitigen können", auch wenn wir auf einem guten Weg bisher sind ... :lol: :lol: Denn neue Schubladen wollten wir ja nicht basteln, zumindest DA sind sich glaube ich alle einig.

VLG, die Ronda. (so)

Re: CD vs. TS

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 00:31
von Laila-Sarah
MichiWell hat geschrieben: Do 22. Mär 2018, 19:56 Klingt vielleicht im ersten Moment etwas kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach.
Du solltest mal die Sendung mit der Trannymaus moderieren (ap)

Re: CD vs. TS

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 07:54
von Jenina
Michi,

Wissenschaft hat noch immer geholfen! Sehr schöne Darstellung!

Das können wir natürlich nach oben erweitern auf die Menge der Transidenten Menschen oder auch Transgender, die dann als weitere Untermenge die Transsexuellen enthält ("Ich mag aber den Begriff Transsexuell nicht weil da sexuell drin vorkommt. mimimi mimimi")

Michi, wir werden es mit den Begrifflichkeiten niemals allen recht machen und deshalb lasse ich mich auch gerne schlagen. Geteilter Schlag ist halber Schlag.

Jenina

Re: CD vs. TS

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 11:08
von Exuser-2019-01-04
Hallo Michi,

danke für Deinen Versuch, Klarheit in die Angelegenheit zu bringen. Leider bleibt es in meinem Falle nur beim Versuch....

@ALLE

Es ist eigenartig, daß, wenn von Schubladen gesprochen wird, alle sofort in den Tenor einfallen: Schubladendenken, ach wie pfui...
Doch der Mensch, wenn er auch oberflächlich "Schubladen" ablehnt, verwendet sie dennoch fast immer, um ein erstes, vielleicht sogar Vor-, Urteil zu fällen. Und gar viele unserer Mitmenschen lassen sich dann nicht gerne von ihren Vorurteilen abbringen. So ist er, der Mensch.

Ich gehöre zu denjenigen, die vermeiden möchten, dank eines Fehlvorurteils in die falsche Schublade gesteckt zu werden, denn ich kann eben nicht darauf vertrauen, daß ich da jemals wieder herauskomme. Vielleicht gehöre ich damit zu einer konservativen und von manchen belächelten Minderheit, doch lebe ich umgekehrt auch danach: jedes Vorurteil meinerseits ist ein Referenzpunkt, von dem aus ich mein Bild vom anderen nach und nach nach oben oder unten korrigiere. Beachte: welcher Mensch benutzt keine Schubladen?

Wenn man in einer Sprache Worte verwendet, die nicht klar beschreiben, worum es geht, sind sie wertlos. Das ist so ähnlich wie mit den Worten "dergleiche / derselbe".
Diese richtig verwendet, erspart eine Menge Erklärungen und Mißverständnisse. Begriffe, die sogar Gegensätzlichkeiten oder sich einander ausschliessende Eigenschaften beinhalten, schaffen Verwirrung. Aber zugegeben: genau das entspricht dem Zeitgeist, leider...

Deshalb plädiere ich für: Nieder mit der Beliebigkeit! Lieber beschriftete Schubladen als ein zu Mus zerkochter Eintopf, wo ein jeder Löffel schmeckt wie jeder andere auch.

P.S. meine Betrachtungen erheben keinen Anspruch auf wissenschaftliche Relevanz oder Allgemeingültigkeit, sie entsprechen meinem derzeitigen, leider unvollständigen Kenntnisstand. Sollte ich jemandem zu nahe gekommen sein, bitte ich um Nachsicht mit mir.

Gruß, Sasha

Re: CD vs. TS

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 11:46
von sbsr
MichiWell hat geschrieben: Do 22. Mär 2018, 19:56 "Crossdresser" beschreibt eine Gruppe von Menschen, die Kleidung tragen, die dem anderen Geschlecht zugeschrieben wird. Eine Aussage über die Motivation für das Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung wird nicht getroffen.
Jetzt könnte man sich den Spaß machen und fragen, welchem Geschlecht? Ist ein Bio Mann, der sich als Frau fühlt sobald er Kleid, Makeup und Perücke trägt, und dank perfektem Passing auch gesellschaftlich so angesehen wird, dann immer noch ein Crossdresser? Eigentlich mehr Transvestit, weil er will ja seine Weiblichkeit in den Vordergrund stellen. Aber dadurch ist er nur noch biologisch Mann und ansonsten vollständig Frau. Also eigentlich dann gar nichts von dem mehr, weil eine Frau kann ja problemlos Kleider tragen.

Wie man es dreht und wendet, nicht mal eine Doktorarbeit könnte unumstößliche Begriffe für etwas liefern, das so vielfältig ist wie wir.

Deshalb bin ich bei Sasha, es ist gut Begriffe zu haben, um zumindest Ansatzweise mit der Umwelt kommunizieren zu können. Wer Wert auf bestimmte Eigenschaften legt, kommt um eine ausführlichere Erläuterung aber nicht herum.

Re: CD vs. TS

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 16:32
von Michi
Hallo Svenja,

da ist es wieder, dieses berühmt-berüchtigte: "Wasch mich, aber mach mich nicht naß!" :?

Einerseits lehnst du meine Erläuterung ab, weil es ja tatsächlich soooo viiiieeeel komplizirter sei, und andererseits ist sie dir zu kompliziert, weil du lieber eine gaaaaanz einfache Erklärung haben willst.


Liebe Grüße
Michi

Re: CD vs. TS

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 16:50
von Simone 65
Bin ich CD , bin ich mehr ? Ich bin mehr . TS ? Diese Frage stellen bestimmt Viele . Bin ich TS ? Bin ich TS ?
Wie weiss ich Das ?
Bin ich TS?

Re: CD vs. TS

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 17:26
von Tatjana_59
Simone 65 hat geschrieben: Fr 23. Mär 2018, 16:50 Bin ich CD , bin ich mehr ? Ich bin mehr . TS ? Diese Frage stellen bestimmt Viele . Bin ich TS ? Bin ich TS ?
Wie weiss ich Das ?
Bin ich TS?
Liebe Simone,

das kannst du nur für dich selbst beantworten, kein Mensch sonst, auch kein Psychoklemptner.
Ich glaube aber ja, du bist TS!
Ich glaube auch du kennst die Antwort für dich.
Stell dir vor du wärst nicht in deinem Job eingebunden, der dir ein CO nicht möglich macht, mach die Augen zu und sehe!.....

LG Tatjana

Re: CD vs. TS

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 17:28
von NanaVistor
Simone 65 hat geschrieben: Fr 23. Mär 2018, 16:50 Bin ich CD , bin ich mehr ? Ich bin mehr . TS ? Diese Frage stellen bestimmt Viele . Bin ich TS ? Bin ich TS ?
Wie weiss ich Das ?
Bin ich TS?
wenn dir das jemand sagen würde, würde sich dadurch etwäs ändern?

Re: CD vs. TS

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 18:20
von Exuser-2019-01-04
Hallo,

ich denke gerade so bei mir, hier im Forum ist es wie im richtigen Leben:

die einen, die wissen es immer besser als die anderen,
die anderen nehmen nicht alles so ernst,
manche wollen es immer ganz einfach und vor allem keine Probleme haben und
dann die, die versuchen, einem Problem auf den Grund zu gehen.

Ja, so verschieden sind die Menschen. Deshalb ist es ja auch so schwer, finde ich, jemanden zu finden, der auf derselben Frequenz funkt.... (smili)

Ein wenig gefrustet (nur ein ganz klein bisschen), Sasha

Re: CD vs. TS

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 18:25
von Mina
Das Leben als solches ist komplex, dynamisch vor allem aber bunt. ;-)

Und niemals so ernst wie gedacht!

Re: CD vs. TS

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 18:30
von Exuser-2019-01-04
Aha.
.