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Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: So 10. Dez 2017, 19:22
von Tinchen
Ich geniesse es sehr, wenn man mich als Frau behandelt, dann fühle ich mich auch so wahrgenommen. Man wird einfach etwas feiner behandelt, wie ein kostbares Porzellan. (und nicht mehr wie ein Bierkrug ) Man kann das vermutlich sogar als eine Form von Sexismus abstempeln, wenn es jedoch nett ist, ist es doch nur dieser kleine alltägliche Flirt (ohne weitere Absicht), den wir für unser Selbstbewusstsein manchmal brauchen.

Feiner behandelt zu werden, hat aber rein gar nichts mit als "Dummchen" behandelt zu werden zu tun. (auch wenn es vorkommen kann) @Simone: Ein Mann, der einer Frau anbietet, ihre den Unterboden ihres Wagens zu zeigen, hat in der Regel keinen glücklichen Einstieg ins Gespräch gewählt. :-) Frauen interessieren sich einfach viel seltener für so etwas, als Männer. Keine Ahnung warum....auch wenn ich eine Kollegin habe, die mir Bilder von ihrer Käferrestauration schickt :-) Freue dich über das Kaffeeangebot und sage, ich würde aber gerne zuschauen...

Zu ChristinaF kann ich nur sagen: Das passiert auch Männern, es gibt einfach Werkstätten, die versuchen die Unwissenheit von Menschen auszunutzen. Unwissenheit hat übrigens nichts mit Dummheit zu tun. Ich hätte gesagt: "Ok, Du wechselst ungefragt meine Räder, dann wechsle ich nun ungefragt die Werkstatt."...führt meist zu Kulanz...
Marielle hat geschrieben: Fr 8. Dez 2017, 00:17 Meine Beste, eine cis-Frau mit Ing.-Diplom im Maschinenbau und Unternehmerin, sagt dazu (Zitat): "Wenn man fachlich und auch menschlich nicht ernst genommen werden will, bitte, kein Problem. Aber für die Frauen, die immer wieder gegen klischeehaftes Benehmen, Vorurteile und das nicht ernst genommen werden kämpfen müssen, ist das kein Spass, sondern anstrengender Ernst."
Den Satz unterschreibe ich fast voll und ganz, nur das Wort Frauen würde ich durch Menschen ersetzen. Ich habe zufällig genau den gleichen Beruf und aufgrund meiner langen Haare ein sehr ähnliches Problem. Zugegebenermaßen könnte ich das Problem beheben, indem ich mit die Runkel schneiden lasse.....das kann eine Frau so nicht. Frauen sagen mir oft, das passiert euch Männern doch seltener...na ja, sage ich dann. Nur weil es nicht so oft passiert, ist es für den Betroffenen noch lange nicht besser. Marielles Frau schwimmt gegen den Strom, das ist schwierig wie bewundernswert zugleich.

Es geht nicht darum, dass man es einer Frau gar nicht zutraut oder denkt sie kann das nicht. Es geht darum, dass es viel zu wenig Frauen gibt, die sich für Themen wie Maschinenbau überhaupt interessieren. Ende der 9ziger waren es unter 5% Frauen die das studiert haben. Die Welt ist also einfach nur verdutzt. Wenn zu mir Jemand sagt: "Wie, ausgerechnet Du willst mir erzählen Dipl. Ing zu sein?" Sage ich immer: Früher wusste ich nicht wie man Inschenöhr schreibt, heute bin ich einem. (Mit bewussten Grammatikfehlern)

Frauen sind übrigens da auch kein Stück besser, ich habe mal einen Hauswirtschaftskurs besucht.....sehr witzig kann ich dazu nur sagen :-)

Wir haben leider unsere Vorurteile, Klischees oder Schubladen, egal wie man es nennt. So ganz kann sich keiner davon frei machen. Stellt euch einfach einen Biker als Schülerlotsen vor und sagt mir ohne rot zu werden, so habe ich mir das immer schon gedacht :-) (Den Biker mit der Kelle gibt es tatsächlich)

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: So 10. Dez 2017, 20:29
von Marielle
Hallo Nana, Hallo zusammen,

der Thread ist ziemlich weit fortgeschritten, aber ich bin noch eine Antwort schuldig.
NanaVistor hat geschrieben: Fr 8. Dez 2017, 16:45
Marielle hat geschrieben: Fr 8. Dez 2017, 00:17
was spricht gegen das klischeehafte Frauenrollenbild?
Eine ganze Menge guter Argumente und schlechter Erfahrungen.
und die wären?
....
Über die schlechten Erfahrungen solltest du dich mal mit meiner Besten und ihren Berufskolleginnen austauschen. Das ist erhellend und niederschmetternd zugleich.

Aufgrund der Möglichkeit des direkten Vergleiches, wir arbeiten im gleichen Berufsfeld, haben die gleichen Kontakte, die gleichen Aufgaben usw, können wir ganz gut beobachten, wie Männer und Frauen aufgrund von Klischeevorstellungen und -übertragungen unterschiedlich behandelt werden; und zwar nicht zum Vorteil der Frauen. Mittlerweile experimentieren wir auch gelegentlich damit. Ein Ergebnis davon ist z.B., dass kurze Röcke und hohe Schuhe in der Bau- und der Energiebranche eindeutige Kompetenzzubilligungskiller sind; egal, wer von uns beiden sie trägt :wink:


Daraus folgt die Argumentation: Klischees und daraus abgeleitete Erwartungen und Zuweisungen stehen der möglichst freien Entfaltung von Menschen und der individuellen Beurteilung durch Andere im Weg, weil sie den, von den Klischeebildern betroffenen, Menschen einengen, weil ihre Überwindung diese Menschen Zeit und Energie kostet, die ihnen für anderes dann nicht mehr zur Verfügung steht und weil die anderen, die in Klischees verhafteten Menschen, sich selbst der Möglichkeit berauben, Menschen richtig, d.h. anhand ihrer Individuellen Persönlichkeit zu beurteilen. Klischees werden Menschen nicht gerecht, weil damit vereinheitlicht werden soll, was nicht einheitlich ist. Das gilt übrigens für Frauen wie für Männer und auch für alle anderen*.

Und deswegen gehören Klischees, als Zuweisung, Erwartung und auch als Teil der Fremdbestimmung bekämpft.

und für mich als Teilzeit-Frau?
Das weiss ich nicht. Ich kann schon mit dem Begriff 'Teilzeit-Frau' nichts anfangen, ich verstehe ihn nicht wirklich.

Wenn du damit aber meinst, dass bzw. ob du dich selbst klischeehaft kleiden und verhalten können willst bzw. sollst/darfst: Ja, natürlich. Mach dir ein Bild, ein Klischee, und handle danach. Ist doch völlig ok. Nur: Es ist dein Klischee und es passt mit hoher Sicherheit auf keinen zweiten Menschen auf diesem Planeten. Also mach dir dein Bild, egal wie klischeehaft es sein mag, und nutze es für dich allein.

Hab es gut

Marielle

PS:
Ob Schubladen nötig sind steht auf einem anderen Blatt, aber sie sind nun mal Realität.
Mag sein, aber sie sind nicht in Stein gemeisselt oder gottgegeben. Kaum ein Student der Genderstudies oder Aktivist in der links-alternativen Szene käme heutzutage z.B. auf die Idee, einer Kommilitonin oder Mitstreiterin die Tür aufzuhalten; viel zu gefährlich. :wink:


*)Grade Trans*-Personen sollten ein Lied davon singen können. Allerdings vergessen manche von denen offenbar Text und Melodie dieses Liedes sehr rasch.

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: Mo 11. Dez 2017, 11:44
von Anja
Moinsen,

ich frage mich, warum das Thema Selbstbestimmung ständig wieder hochkommt? Oder wie werde ich von anderen gelesen?
Zur Selbstbestimmung
Ich kann mich jederzeit selbst bestimmen (was ich auch tue), das kann mir auch niemand nehmen. Ich werde aber niemals verhindern (können), fremdbestimmt zu werden. Unser Gehirn hat doch kaum was anderes zu tun, als ständig Eindrücke wegzusortieren. Wenn mir auf der Straße ein Mensch entgegenkommt, der mein Interesse weckt, weil mein Gehirn den Eindruck eben nicht einfach wegsortieren kann, soll ich ihn dann ansprechen? "Entschuldigung, ich will nachhher meiner Frau von Ihnen erzählen. Wie würden sie sich selbst bestimmen?" Genauso ist es auch wenn ein Jemand einen Artikel über uns schreiben möchte. Irgendwie muss er uns ja beschreiben. Was soll er denn sonst machen? Also evolutionsbedingt wird man die Fremdbestimmung niemals abstellen können. Das tut jeder. Immer. Egal ob man in der SHG aufgedonnerte Olivia Jones einsortiert oder den androgynen Menschen in der Straßenbahn. Damit muss man sich einfach abfinden.
Ich finde das auch nicht schlimm. Wenn jemand Schwierigkeiten hat, mich einzusortieren, helfe ich halt nach. Das tue ich aber auch nicht immer. Nur in Fällen wo es mir wichtig ist. Bei jemandem, den ich vermutlich niemals wieder seh, ist es mir vollkommen Banane, wie derjenige mich einsortiert. Oder wenn ich einen Artikel lese, über Transfrauen und Transmänner. Oder Transmenschen. Oder Menschen mit Transsexualität. Es ist nie böse gemeint und ich weiß ja wer gemeint ist. Irgendwie müssen die 99,99% der Gesellschaft (die sich mit ihrem körperlichen Geschlecht identifizieren) für die 0,01% die das nicht tun, einen Namen finden. Und auch stark verallgemeinern. Bei fast allen Menschen passen Körper und Identität nun mal zusammen, da wird die Einsortierung in männlich und weiblich mit Sicherheit nicht eingestellt, nur weil es ganz selten mal nicht passt. Man kann nun ewig drüber dikutieren das man es gerne anders hätte, oder eben akzeptieren, das es so ist. Und sich auch nicht ändern wird. Ich kann für mich selbst bestimmen und das gegenüber einem Menschen der mich falsch einsortiert (fremdbestimmt) gerade rücken. Ich werde aber niemals verhindern können fremdbestimmt zu werden.
Dazu fiel mir noch dieses Bild ein...
Trans.PNG
Zum Passing / gelesen werden
Warum ist das so wichtig? Wenn ich in den Spiegel schaue möchte ich mir gefallen. Ich mache mich für mich schick, für meine Frau (oder vielleicht für einen Anlass), aber doch nicht für fremde Menschen?
Wie mich jemand einsortiert, dem ich auf der Straße begegne, kann mir doch egal sein. vermutlich sehe ich den nie wieder. Und selbst wenn dich enjenigen ansprechen würde, wie er mich denn gelesen hätte, wüsste ich ja immer noch nicht, ob er mir die Wahrheit sagt oder ob er nett sein will und sagt was ich hören möchte.
Ist ein knappes Jahr her, da war ich in einer Apotheke, wo ich sonst nicht hingehe. Ich fragte nach einer Medizin und die Apothekerin fragte eine andere. Die fragte was zurück. Darauf sagte die erste "er" fragte danach. "Er" war auf mich bezogen. Natürlich habe ich mich geärgert, das sie mich falsch einsortiert hat (vermutlich wegen der Stimme), aber die sehe ich ja kein zweites Mal. Da fange ich jetzt mit Sicherheit kein Aufklärungsgespräch an. Bei Leuten, wo ich weiß, das ich sie häufiger sehe, rücke ich das dann gerade.
Aber bei den meisten Menschen, die lediglich an mir vorbei gehen, warum soll ich mir da Gedanken machen, was die von mir halten? Bzw. ob sie jetzt einen Mann, eine Frau oder einen übergewichten Menschen in mir sehen? :wink:
Die Leute, die mich kennen, behandeln mich entsprechend meiner gelebten sozialen Rolle. Unabhängig von meiner Stimme wissen sie, das ich eine Frau bin. Und die mich neu kennenlernen "norde" ich eben dementsprechend ein...

Zum Thread Thema
Fiel mir gerade noch ein.
Wenn die Firma Papier geliefert bekommt, sind die männlichen Kollegen angehalten, die Pakete ins Lager zu schleppen. Da ich nun nicht mehr dazugehöre, werde ich auch nicht mehr gefragt, ob ich mal eben mit anfassen könnte. Kann ich entspannt mein Käffchen genießen :) während die Männer schleppen...
Grüße
die Anja

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: Mo 11. Dez 2017, 14:13
von Lina
Auch wenn man nicht verpflichtet ist Bierkisten und Papierbündel zu schleppen ist es doch "interessant" was alle so von einem erwarten oder welche Themen die ansprechen, wenn die mich als Mann empfinden und eben nicht wenn die mich erst mal als Frau eingestuft haben. Die meisten Leute, die ich kenne, kennen mich entweder im male mode oder en femme - nur wenige beides. Da wird es richtig deutlich, wie groß der Unterschied ist.

Ich verstehe eigentlich auch nicht wieso einige diesen Unterschied runter spielen wollen. Wenn es keinen Unterschied gäbe, hätte man sich doch wohl auch keine großen Gedanken über die Gender-Identität gemacht.

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: Mo 11. Dez 2017, 17:52
von NanaVistor
Ich war gestern bei der großen Jahresabschlußveranstaltung einer Tanzschule (Orient trifft Okzident)
Beim Heimfahren musste ich mich mit dem Auto durch das gestrige Schneechaos kämpfen.
Ein Kumpel, der Ehemann einer der Künstlerinnen, fuhr mit mir mit.
Auf dem Heimweg kehrten wir für das leibliche Wohl ein.
Als der Wirt die Getränke brachte, fragte er wie es denn zu fahren ist, da viel Schnee gefallen war.
Wie selbstverständlich sprach er natürlich ausschließlich meinen Kumpel an. Denn es ist doch wohl klar, das bei so einem Wetter immer der Mann fährt :-)

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: Mo 11. Dez 2017, 18:03
von Lina
NanaVistor hat geschrieben: Mo 11. Dez 2017, 17:52 Ich war gestern bei der großen Jahresabschlußveranstaltung einer Tanzschule (Orient trifft Okzident)
Beim Heimfahren musste ich mich mit dem Auto durch das gestrige Schneechaos kämpfen.
Ein Kumpel, der Ehemann einer der Künstlerinnen, fuhr mit mir mit.
Auf dem Heimweg kehrten wir für das leibliche Wohl ein.
Als der Wirt die Getränke brachte, fragte er wie es denn zu fahren ist, da viel Schnee gefallen war.
Wie selbstverständlich sprach er natürlich ausschließlich meinen Kumpel an. Denn es ist doch wohl klar, das bei so einem Wetter immer der Mann fährt :-)
Zumindest ist es vom Mann, dass er die Art von Gespräch erwartet, die er sucht - so viel ist klar.

---

Oder auf der Party: Jetzt kommt die Phase, wo man auch Zigarren und teuren Whisky ausprobiert. Wer wird gefragt: Die Männer - Frauen mussten sich selber melden, falls Interesse. Die restlichen Frauen (inkl. ich): Auf der Couch und unterhalten sich über Beziehungsprobleme. Klingt sehr klassisch aber war so. Und ganz ehrlich - als Mann hätte ich mich da total daneben gefühlt. Keine Lust auf Zigarren und Whisky, nicht mal Lust auf die Nähe von denen - und dann wäre ich sozusagen von beiden Gruppen abgehängt gewesen.

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: Mo 11. Dez 2017, 18:35
von NanaVistor
Marielle hat geschrieben: So 10. Dez 2017, 20:29
und für mich als Teilzeit-Frau?
Das weiss ich nicht. Ich kann schon mit dem Begriff 'Teilzeit-Frau' nichts anfangen, ich verstehe ihn nicht wirklich.

Wenn du damit aber meinst, dass bzw. ob du dich selbst klischeehaft kleiden und verhalten können willst bzw. sollst/darfst: Ja, natürlich. Mach dir ein Bild, ein Klischee, und handle danach. Ist doch völlig ok. Nur: Es ist dein Klischee und es passt mit hoher Sicherheit auf keinen zweiten Menschen auf diesem Planeten. Also mach dir dein Bild, egal wie klischeehaft es sein mag, und nutze es für dich allein.

Hab es gut

Marielle
Teilzeitfrau?
Eine Frau wie ich, die sich nur zeitweise in diese Rolle begibt. ZB für einen Abend, einen Theaterbesuch, ein Essen, ein Treffen, und manchmal auch für ein paar Tage.
Da diese Zeiten meist recht knapp bemessen sind, will man sich mit nicht-Klischeehaftem erst gar nicht aufhalten :-)

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: Mo 11. Dez 2017, 22:40
von Jaddy
Wer's gerade nicht mitbekommen hat; #ichgebeab bzw. #ichgebab, gestartet von https://twitter.com/machmirdiewelt

Es geht darum, wie penetrant uns Genderklischees aufgeprägt weren, gerade Kindern.

Die Tweets sind zu finden unter
https://twitter.com/hashtag/ichgebab
bzw.
https://twitter.com/hashtag/ichgebeab

Zum Hintergrund siehe Blog-Artikel unter http://ich-mach-mir-die-welt.de/2017/12 ... ichgebeab/

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: Di 12. Dez 2017, 07:11
von Simone 65
Danke Jaddy für die Artikel . Ich habe mal den Blog Artikel durchgelesen . Die Antworten machen mich traurig. Es geht doch um kleine Kinder , die nicht Welt erobern dürfen .
,, Sich anpassen , heißt sich verbiegen " .

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: Di 12. Dez 2017, 08:16
von Jenina
Hallo,
Marielle hat geschrieben: So 10. Dez 2017, 20:29 ....
Und deswegen gehören Klischees, als Zuweisung, Erwartung und auch als Teil der Fremdbestimmung bekämpft.
...
Genau das ist der springende Punkt. Und da ist es schon seltsam wenn in diesem Thread diskutiert wird, wie "man als Frau behandelt" wird. Wo es doch darum geht als Mensch behandelt zu werden.

Wenn damit so manche alte Regel der Höflichkeit gemeint ist ist das ja eher harmlos. Die sind nur etwas angestaubt und kommen mir immer als eine Art Entschuldigung vor nach dem Motto: "wenn ich dich schon im gewöhnlichen Leben unterdrücke muss ich wenigstens beim Tür aufhalten so tun als wärest du was besonderes"

Und das Frauenbild der meisten Männer ist aus einer Zeit noch vor diesen Regeln... :roll: Daher auch Marielles Ängste "zu feminin" aufzutreten. Was sich verstehen kann wenn man tatgtäglich so lebt und in solch einer Umgebung, die diesen mittelalterlichen Klischees huldigt, zurecht kommen muss.

Da ich mich aber ebenso wie viele andere hier zu den Teilzeitfrauen zähle ist mir solche Angst, "falsch" behandelt zu werden, eher fremd. Durch einige Ausgänge "gestählt" bin ich sowie so eher angstfrei. :wink: Das heisst man ist als Teilzeitfrau doch zu einem bestimmten Anlass unterwegs, der mit dem täglichen Trott eher nichts zu tun hat. Und da ist es angemessen sich auch entsprechend zu kleiden: eben nicht als graue Maus sondern als selbstbewusste Frau. So wie das viele Cis-Frauen - die meinige eingeschlossen - eben auch tun. Der dabei sichtbare Stil ist dann auch ein persönliches Problem - die eine hats, die andere nicht - was kein spezifisches Problem von trans* ist.

Wenn man das aus dieser Richtung sieht, also den Kampf gegen Klischees nicht als Kampf gegen unsere Freiheit im äußerliche Erscheinungsbild zu sehen, dann kann ich nur noch mal wiederholen:
Und deswegen gehören Klischees, als Zuweisung, Erwartung und auch als Teil der Fremdbestimmung bekämpft.
Dann ist es eine Wandlung in unserem gesellschaftlichen Leben in Gänze. Und da bin ich wieder bei meiner These: wir brauchen eine Kulturrevolution.

Jenina

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: Di 12. Dez 2017, 08:56
von Tinchen
@Jaddy, schöne Aktion

#Ichgebab an den kleinen Jungen, der mit seinem älteren Bruder zum Spielen mit zum Nachbarsjungen musste.
Cool war, der hatte eine Carrera-Rennbahn.
Doof war, die beiden Großen wollten den Furzknoten nicht dabei haben.
Cool war, der Nachbarsjunge hatte eine kleine Schwester mit Puppenstube.
Doof war, da musste er immer den Ken nehmen und der durfte nicht in der Puppenstube backen, sonder musste den ganzen tag auf Arbeit sein.
Schlau war den Ken sagen zu lassen, dass Barbie nicht mit dem pinken Wohnmobil fahren darf, weil das hat Ken ja bezahlt.
Cool war, nun durfte der Junge öfter mal die Barbie haben und backen. Während Ken im Wohnmobil fuhr.
Doof war, dem Ken schmeckten die liebevoll gebackenen Plätzchen nicht.
Cool war, dass ich dann die Barbie sagen ließ: "Ihr Männer seid doof und undankbar."
Doof war, wegen dem anschließendem Streit durfte ich nicht mehr mit der Puppenstube spielen.
Cool war, ich habe trotzdem wieder mit der Barbie gespielt :-)

Aber, bei aller Kritik an der "Gleichmacherei" und klischeehaftem Erziehen. Es gibt auch die Angst der Eltern, dass das eigen Kind wegen "falscher" Turnschuhfarbe oder Haarspange, dass das Kind von den Anderen fürchterlich gehänselt wird. Ich habe auch mal auf einem Bauspielplatz gearbeitet und weiß wie grausam die lieben Kleinen zueinander sein können. Daher kann ich meine Eltern verstehen, dass sie mir keine Barbiepuppe zu Weihnachten schenkten, sondern eine Actionfigur. Die hieß übrigens Joe und konnte so backen, dass sich Barbie die Lippen leckte.....nur die Schürze sah doof an ihm aus.

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: Di 12. Dez 2017, 13:52
von Lina
Gab es auch Kleider für GI Joe, oder nur Tarnanzüge? Haben GI Joe und Action Man die gleichen Maße wie Ken? ... nur so nebenbei.

Was Tinchen hier schreibt berührt eigentlich auch das ständig - von gewissen Leuten absichtlich - falsch dargestellte Gender Mainstreaming. Mit non-binärer Erziehung will man ja eben vermeiden, dass die Kinder in solchen Rollen gedrängt werden. Wenn Jungen sich zu 80% sich so verhalten wollen, wie Jungen es meistens tun und mit den Spielzeugen spielen, die jungs-typisch sind - und Mädchen umgekehrt ein mädchen-typisches Verhalten überwiegend annehmen - ist es ja völlig OK. Die sollen nur eine Chance gehabt haben es wirklich auch selber gewählt zu haben. Und die 20% - ohne dass ich darauf eingehe, ob es 20% der Leute oder 20% des Verhaltens einer einzelnen Person eingehe - sollen es halt stereotyp aber zur anderen Seite, oder es mischen, wie sie wollen. Das hat ja auch kaum andere als die AfDer und Ähnliche behauptet - da die ja immer behaupten Gender Mainstreaming ginge darum, dass Jungen und Mädchen "gleichgeschaltet" werden sollten. (Eigentlich tragisch, dass man die so oft mit der Lüge davon kommen lässt.) Die Erfahrungen aus den Egalia Kindergärten in Schweden zeigen ja eben, dass die weit überwiegende Mehrheit, der Kinder sich später für die Gender-Rollen typischen Berufe und andere Dinge - aber haben auch gelernt, dass es völlig OK ist, dass andere dies eben nicht tun und die Dinge anders betrachten.

Deshalb finde ich es auch tragisch, dass Eltern sich erpressen lassen, dem Kind was schönes wie eine Barbiepuppe vorzuenthalten - weil die Anderen was dagegen hätten. Da wäre es doch wesentlich besser, dem kleinen Jungen oder das kleine Mädchen tun zu lassen, was "hen" für richtig hält - aber auch während der Erziehung warnen, dass es Leute gibt, die sich nicht OK verhalten, und ein bisschen "Ausbildung" in schwarzer Retorik mit auf den Weg geben.

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: Di 12. Dez 2017, 16:22
von Tinchen
@Lina: Es war kein GI Joe, Action Man könnte sein....Die Figur war jedenfalls größer als Ken und Barbie....und die Kleidchen haben gar nicht gepasst....bis auf die Schürze :-)....ist nun fast 50 Jahre her, aber unvergessen. Ich mochte ja auch die Action mit der Puppe....Taucheranzug z.B. ....damit konnte ich aber beim Nachbarsmädchen nicht punkten.

Ich habe nicht das Gefühl, dass sich meine Eltern erpressen lassen haben, sie wollten mich nur schützen. Verglichen mit der Zeit damals, leben wir ja schon in einer sehr toleranten Welt, das ist auch etwas, was mich immer wieder froh stimmt. Was nicht heißen will, es geht nicht noch besser. (Jetzt frage ich mich, ob doppelte Verneinung nicht was falsches wiedergibt).....*lacht*

Mein Wahlspruch ist ja: "Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen." Das hat mir sehr viele Schwierigkeiten im Leben bereitet, habe es aber nie bereut. Gegen den Strom ist eben anstrengend, aber ich liebe ungewöhnliches. Ob ich das meinen Kindern raten würde wenn ich welche hätte, kann ich nicht beantworten....

Nun die Barbie habe ich nicht bekommen und bin trotzdem Transe geworden....allen "Schutzmaßnahmen" zum Trotz. Allerdings kommt mir nun ganz spontan die Idee, wenn ich eine Barbie Puppe bekommen hätte und meine weibliche Ader in der Kindheit ausgelebt hätte....vielleicht wäre ich ja gar keine Transe geworden?....da muss ich mal länger drüber sinnieren....*lacht sich scheckig bei dem Gedanken* <- nicht so ernst nehmen

Ach ja, da fällt mir noch ein. Vor 25 Jahren rief mich der Nachbarsjunge an und fragte ob ich seine Carrera-Bahn nicht haben möchte. Ich sagte natürlich ja, weil ich dann endlich auch mal damit spielen kann. Liegt bei mir im Keller und alle paar Jahre baue ich eine kleine Runde auf und lasse die Autos flitzen......da kommen die Erinnerungen immer wieder hoch :-) UND spontan in diesem Moment ärgere ich mich total, dass ich nicht auch gleich nach der Puppenstube samt Barbie gefragt habe. Ich habe schließlich beides gemocht. Die Action Figur ist jedenfalls kaputt und weg ...vermutlich ein Tauchunfall :-)

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: Di 12. Dez 2017, 19:46
von Michi
Delfinium hat geschrieben: Di 12. Dez 2017, 18:35 Sagtmal ist es normal dass Frauen sich untereinander "abchecken"?
Kennst du das wirklich noch nicht? Guckst du hier:

Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://nazley.files.wordpress.com/2010 ... -women.jpg



Liebe Grüße
Michi

Re: Als Frau anders behandelt werden .

Verfasst: Di 12. Dez 2017, 20:47
von Lina
Delfinium hat geschrieben: Di 12. Dez 2017, 18:35 Sagtmal ist es normal dass Frauen sich untereinander "abchecken"? Ich bin es mittlerweile gewohnt dass Männer mich mustern und ganz genau von oben bis unten abchecken, aber heute ist mir eine Frau aufgefallen die Blickkontakt zu mir hatte und danach direkt auf meine Füße bis zum Kopf ging und mir zum abschluss wieder in die Augen geschaut hat. Als Mann bzw Junge kann ich mich nicht erinnern gemustert zu werden, villeicht habe ich nie darauf geachtet aber seitdem ich als Frau lebe habe ich das Gefühl nichtmehr "unsichtbar" zu sein wie es vorher der Fall war.
Männer und Frauen tun es - aber unterschiedlich. Männer checken Männer ab und natürlich unterschiedlich als sie Frauen abchecken. Und Frauen checken Frauen ab - ungefähr wie die Linke Karrikaturzeichnung (ich tue das übrigens auch) und die checken Männer manchmal ähnlich detailliert ab, aber z.T. nach ganz anderen Kriterien.

Das Witzigste finde ich ist eine Gruppe Männer zu beobachten - insbesondere Junge Männer die sich gerade kennen lernen - obwohl es auch spannend ist bei Älteren: Da findet immer einen subtilen Konkurrenzkampf an, wer der Alpha in der Gruppe ist. Das ist für viele wahrscheinlich sogar ein unbewusster Prozess, aber dadurch manchmal nicht weniger erkennbar, wenn man es von außerhalb der Gruppe betrachtet.

Wenn du es mal genau sehen willst als soziales Experiment, dann such mal auf YouTube ein bisschen rum (Suchparameter: Body Language male female social experiment - oder so). Irgendwo gibt es eine alte BBC Sendung, wo man ein Haufen Männer und Frauen, dies sich alle nicht kannten, in ein sxtra für den Zweck eingerichteten Party-Raum geschickt hat und den ganzen Abend von allen Ecken auf Video aufgenommen. Da sieht man alle Varianten vom Spiel. Männner und Frauen abchecken, subtile signale senden, Männer diese bemerken und darauf reagieren, welche die die gar nicht peilen, und deshalb auch keinen Kontakt aubauen können usw. usw.