Feldmaus hat geschrieben:Hallo Mel
Ja, wir wohnen in einen kleinen Dorf und einige Feuerwehrleute sind unsere Nachbarn oder wohnen in der Nähe.Leider konnten einige Feuerwehrmänner mit Saskia nichts mehr anfangen .Sie wollen mit "sowas" nichts zu tun haben. Zum Glück sind nicht alle so.Doch viele akzeptieren ihren Weg nicht. Sie bleibt für die Kameraden immer "der komische Mann ". Ihre Weiblichkeit wird nicht anerkannt.
Möchtest Du immer als Mann angesprochen und behandelt werden, obwohl du (auch gesetzlich )schon lange Frau bist ?
Keine schöne Situation für Saskia !
Liebe Grüße Daniela
Hallo Daniela,
das kann ich natürlich nachvollziehen, dass das für Saskia äußerst deprimierend und verletzend ist!
Aber natürlich auch für dich als Partnerin alles andere als erbauend und für Euch als Paar, das nach so vielen Jahren
gemeinsamer (vermeintlich) guter Freundschaft und Nachbarschaft mit vielen Erlebnissen und Erinnerungen dann
mit einer solchen Reaktion das Gefühl aufkommt, dass einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird!
Aber an dieser Stelle möchte ich auch Vicky_Rose zitieren, deren statement ich weitestgehend so teile:
Vicky_Rose hat geschrieben:
dann waren es keine Freunde, höchstens nur Bekannte.
Laß sie ziehen, sie würden Dir auch bei Not nicht beistehen.
Das war auch mein spontaner Gedanke, aber ich denke, das ist (viel) zu hart geurteilt.
Ob jemand Saskia in der Not beigestanden wäre, als sie noch als Mann auftrat, lässt sich nicht beurteilen. Das Problem haben die Freunde, die mit einer solchen Situation nicht klar kommen. Sie haben möglicherweise auch einfach nur Angst, dass sie selber negativ beurteilt werden, wenn sie sich mit Saskia sehen lassen. Vielleicht hilft die Zeit, dass die Menschen besser damit klar kommen.
Etwas anderes ist es natürlich, das mit Aussagen wie " damit möchte ich nichts zu tun haben", entsprechend betont, eine Respektlosigkeit ausgedrückt wird. Aber man muss den Menschen auch das Recht zugestehen, dass mit den Leuten zusammen sein wollen, zu denen sie eine Affinität haben. Für mich endet hier auch die Affinität zu diesen Menschen. In diesem Sinne gebe ich Dir Recht. Ich möchte auch nicht mit Menschen zu tun haben, die mich nicht akzeptieren.
Ich würde trotzdem aktiv keine Brücken abbrechen, weder gedanklich noch real. Viele Menschen brauchen ihre Zeit um sich mit einer Situation zurecht zu finden, die weit von ihrem Empfinden entfernt ist. Für Saskia und Daniela ist das natürlich eine unschöne Situation.
Ergänzend dazu möchte ich noch anmerken, dass gerade in so einem kleinen Ort mit einer "eingeschworenen" Gemeinschaft (FFW)
auch immer eine Gruppendynamik verbunden ist. Also mit dem outing Saskias und dem nachfolgenden Weg der Transition
brodelte natürlich der Diskussionskessel rund um diese Thematik, natürlich weitestgehend in eurer Abwesenheit.
Da werden dann Vorbehalte geäußert, Vergleiche angestellt und eben auch grundsätzliches Unverständnis zur Transidentität
als solches und auf Saskia bezogen im Besonderen kund getan! Tja, manch eine/-r fühlte sich vielleicht gar berufen,
dies in diesen "Zirkeln" dann als nicht tragbar und hinnehmbar zu äußern, bekam ggf. dann von anderer Seite auch noch Zustimmung?!!
Somit fühlte sich vermutlich manch Eine/Einer, die dem Ganzen eigentlich offen gegenüber stand, in die Enge gedrängt,
wollte sich aber keine (in deren Augen!) Blöße geben, blies ins gleiche Horn oder blieb zumindest stumm,
anstatt vor ALLEN aufzustehen und laut für Saskia/Euch Partei zu ergreifen! Aber da gehört natürlich auch
Charakterstärke und Selbstbewußtsein dazu, eben auch auf die Gefahr hin, sich ins vermeintliche Abseits zu begeben.
Aber wenn Du nun schilderst, dass sich wohl doch nicht alle aus diesem "ehemaligen" Kreis zurück gezogen haben,
dann solltet ihr hierauf aufbauen. Daneben die "Abtrünningen" nicht mit Missachtung strafen, sondern euch so verhalten,
wie man es zumindest innerhalb einer normalen zivilisierten Dorfgemeinschaft erwarten darf, auch wenn ihr euch
ja nichts vorzuwerfen habt! Aber vielleicht mag dann ja die Zeit - in Verbindung mit dem Einwirken der Verständnis zeigenden
Nachbarn und Freunde - eine Veränderung hin zu mehr Toleranz und Akzeptanz in der dörflichen Gemeinschaft bewirken?!
Klar wird das nicht bei allen gelingen, die hardliner werden sich da von "ihrer Linie" nicht abbringen lassen und vermutlich
auch weiter Stimmung dagegen machen, aber die muss man dann abhaken und auf die rote Liste als persona non grata setzen!
Drücke Euch die Daumen, dass ihr aus dem Tal der Depression heraus findet und ihr euch einen verlässlicheren Freundeskreis
erschliessen könnt!! Und wie von anderen auch schon deutlich gemacht, nicht die Anzahl der Freunde ist von Bedeutung
und wahre Freundschaft zeigt sich immer dann, wenn echte Krisen zu bewältigen sind und einem diese dann - ohne dass
sie gerufen wurden - zur Seite stehen.
Hoffe, mich zu dieser späten Stunde halbwegs verständlich ausgedrückt zu haben,
wünsche Euch Beiden weiterhin viel Glück auf eurem gemeinsamen Weg
LG MEL