Hallo,
eigentlich sollte meine GaOp im Juni stattfinden, aber nun habe ich schon alles hinter mir und bin in der Heilungsphase.
Etwa 6 Wochen vor meinem Einweisungstag am 26.2.2018 bekam ich den Bescheid mich bereit zu halten und die Hormone abzusetzen. Das habe ich dann 14 Tage vorher gemacht, weil mein Endokrinologe meinte, das sei völlig ausreichend.
Etwas Panik bekam ich nun doch, da ich ich einiges zu organisieren hatte, z.B. die Unterbringung
meines Hundes in dieser Zeit, weil meine Frau noch nicht zu Hause war und sich um sie kümmern konnte. Was dann gut passte war, dass sie am 9.2. ihren letzten Arbeitstag hatte und dass das mein Entlasstag in der Klinik sein sollte, was dann auch wunderbar klappte.
Ich erschien am 26.2. in der Klinik Essen-Mitte und ließ alle Voruntersuchungen und Arztgespräche über mich ergehen. Auf der Urologie bekam ich mein Bett in einem Zweibettzimmer zugewiesen, war erst allein und später mit einer Frau in meinem Alter zusammen, die schon vor langer Zeit ihre GaOp hatte und nun Komplikationen am Harnröhrenausgang behoben haben wollte. Wir hatten eine harmonische Zeit im Krankenhaus.
Am 27.2 wurde ich von Frau Dr. Bohr (sehr nett ) vom Team Prof.Dr. Krege operiert.
Die Op war gut verlaufen. Die Schmerzen in den folgenden Tagen waren heftig, aber mit starken Schmerzmittel auszuhalten. Zwei Tage nach der Op war der erste Verbandswechsel und ich konnte das erste Mal das Ergebnis schauen. Durch die Nähte, die Schwellungen und die noch offene und arg lädierte Klitoris, die noch sehr offen lag, sah alles recht wild aus, aber trotzdem hatte ich sofort das Gefühl, das ist genau richtig so und meins. Ich vermisste nichts.
In der zweiten Woche fing ich dann mit dem Bougieren an und nach und nach wurden meine Katheter aus Harnröhre und Blase ( Bauchdeckenkatheter ) entfernt. Am 9.2 wurde ich tatsächlich nach Hause entlassen.
Es wurde ein kurzes Vergnügen. Freitag entlassen, war ich am Sonntag im hiesigen Krankenhaus in der Notarztambulanz um mir erneut einen Bauchdeckenkatheter setzen zu lassen. Am Wochenende war der Harnröhrenbereich so sehr angeschwollen, so dass ich kein Wasser mehr lassen konnte.
Montag wieder im Essener Krankenhaus wurde ich sofort operiert, da ein Abszess in der Nähe der Harnröhrenöffnung festgestellt wurde. So etwas oder andere Wundheilungsstörungen kommen nicht selten vor. Glücklicherweise blieb es bei dieser Op, weil alles mit Hilfe guter Versorgung und Antibiotikum gut verheilte. Freitags konnte ich mit Kathetern nach Hause und wurde in der nächsten Woche zweimal ambulant behandelt. Das war viel Fahrerei, aber so musste ich die Zeit nicht im Kh verbringen. Natürlich konnte ich nicht selber fahren, denn das Sitzen klappte nur eine kurze Zeit so leidlich mit einem Sitzring. Meine Frau war liebenswerter Weise immer bereit mich zu fahren ( Danke! <3 ).
Am 3.4. wurde dann mein Harnröhrenkatheter gezogen und 8 Wochen nach der ersten Op, am 24.4., hatte ich meine zweite, die Korrektur-Op, bei der der untere Steg vergrößert und die Klitoris verpackt wird.
Dienstag operiert und Donnerstag schon wieder entlassen. Am Montag wurde mir in Essen wieder der Harnröhrenkatheter gezogen und zur Sicherheit und um zu schauen, ob das Wasserlassen klappt und die Restharnmenge ok ist, der Blasenkatheter erstmal belassen. Am Freitag soll ich dann endlich den Bauchdeckenblasenkatheter, gezogen (schmerzhaft! ) bekommen.
Alles heilt nun gut, aber es ist viel Geduld nötig, weil es nur schrittweise voran geht. Ich bin immer noch nicht ganz schmerzfrei. Das längere Sitzen, das Bücken oder in die Hockegehen fällt mir noch schwer, aber es geht jeden Tag etwas besser.
Sonst bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Ich will nun so nach und nach mein neu geformtes Körperteil kennenlernen. Ich merke, dass das immer besser geht, je weniger ich noch Schmerzen in diesem Bereich habe.
Ich hatte eigentlich auch vor, bei der 2. Op einen Brustaufbau vornehmen zu lassen. Darauf habe ich nun aber verzichtet, weil ich gespürt hatte, dass mich die bisherigen Operationen viel Kraft gekostet hatten. Ich bin mit meinen 68 Jahren ja auch nicht mehr die Jüngste. Vielleicht werde ich das noch einmal nachholen, aber im Moment ist es mir nicht so wichtig.
Die letzten Wochen waren durch die Operationen sehr kräftezehrend und schmerzhaft. Man kann sich das vorher gar nicht vorstellen und das ist auch gut so. Es ist ein schwerer Eingriff in den Körper und man sollte sich auch im Klaren sein, dass es zu vielerlei Komplikationen kommen kann.
Bin ich jetzt mehr Frau, fühle ich mich mehr als Frau? Nein. Für mich ist Frau-sein eine Entwicklung, auch wenn ich wahrscheinlich immer schon weiblich bin. Jetzt ist mein Genital an mein weibliches Geschlecht angeglichen. Das ist ein sehr gutes Gefühl. Es passt nun und wenn ich mich jetzt damit im Spiegel sehe, weiß ich, alles ist gut so. Ich hatte aber auch vorher nie Zweifel daran, dass dieser Weg der richtige für mich ist. Ich glaube nur so kann man das alles, das schmerzvolle Leiden, gut aushalten ohne daran zu (ver)zweifeln.
Ich freue mich riesig auf meine weitere Zukunft zusammen mit meiner lieben Frau. Ich hatte bisher auf meinem Weg der Transition viel Glück gehabt. Ich fühle mich angenommen in meiner Rolle als Frau, so wie ich sie lebe, und mir geht es gut dabei. Sicherlich liegt es auch daran, dass ich vieles richtig gemacht habe. Ein gutes Gefühl!
Die Transition ist für mich nun abgeschlossen, auch wenn ich mich sicher als Frau und vor allem als Mensch weiterentwickeln werde/ will.
Liebe Grüße, Frida
