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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: Fr 18. Sep 2015, 19:38
von eilinfox
Ich weiss nicht liebe Amanda wie oft du dich schon in deinem Umfeld geoutet hast und welche Begrifflichkeiten du da verwendet hast?
Und wie diese dann von deinen Mitmenschen verarbeitet wurden?
Vielleicht hilft eine Antwort deinerseits weiter.

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: Fr 18. Sep 2015, 21:55
von Marielle
Nabend Rosi,

nein, deine Beiträge sind für mich nicht unsichtbar. Du wirst mir aber zugestehen, dass ich neben der Arbeit nicht nur Beiträge schreibe, die in einer relativ schnellen Diskussionsphase alle zwischenzeitlichen Beiträge berücksichtigen.

Ausserdem weiss ich wirklich nicht, was ich auf deine Einwendungen noch entgegnen sollte. Die Argumente sind alle vorgebracht und oft genug wiederholt, eine Annäherung hat es nicht gegeben. Du kannst meinen Standpunkt offensichtlich so wenig akzeptieren, wie ich deinen.

Bei aller denkbaren Berechtigung des Wunsches nach möglichst differenzierter Kommunikation sehe ich die beiden wesentlichen Problempunkte, nach wie vor, in dem hohen Erklärungsbedarf einer differenzierten Benennung, der in keinem guten Verhältnis zu den wesentlichen Aufgaben der Kommunikation mit Entscheidungsträgern steht (m.E. stellenweise sogar kontraproduktiv wäre) und in der Definitionsproblematik, die, wie dieser Thread ausführlichst gezeigt hat, nicht zur allgemeinen Zufriedenheit zu lösen ist.

Ich fasse das Ergebnis dieser Diskussion (bis auf weiteres) für mich so zusammen: Es gibt unüberbrückbare Differenzen betreffend die, in der Kommunikation mit Aussenstehenden zu verwendenden, Begrifflichkeiten und Unterscheidungen. Daneben gibt es das (mehr oder weniger) übereinstimmende Interesse, die gegenwärtige Situation zu verbessern (betreffend u.a. gesetzliche Regelungen und den gesellschaftlichen Umgang mit unterschiedlichen Geschlechtlichkeiten). Erbracht hat die Diskussion nicht viel mehr als einen weiteren Beleg dafür, dass die LGB-TTTQI-A-Community nicht in der Lage ist, mit einer Stimme zu sprechen. Die Positionen 'Einheit' und 'Differenzierung' scheinen unversöhnlich zu sein. Es wird daher an denen, mit denen gesprochen wird, sein, zu entscheiden, welche der hier zutage getretenen Betrachtungsweisen diejenige ist, die Eingang in politische und gesellschaftliche Prozesse finden wird. Das ist kein schöner Zustand, aber er scheint unabänderlich zu sein und er wird mir Ansporn sein.

Hab es gut

Marielle

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: Sa 19. Sep 2015, 00:22
von Anne-Mette
Guten Abend,

... und das habe ich von transsexuellen Menschen auch anders gehört - und ich nehme ernst, was sie mir sagen )))(:
Ich für mich würde eine Gruppe, die ich nicht persönlich kenne, sondern allgemein "transsexuelle Menschen" nenne, nicht so fremdbestimmend beschreiben wollen; da unterscheiden wir uns ganz deutlich.
- nur ein körperliches Problem haben,
Es gibt kein/kaum ein körperliches Problem, das nicht mit anderen Funktionen des menschlichen Lebens verbunden ist.
Nur mal EIN Artikel dazu: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/03/ ... gesundheit

Gut - ich bin auch erst einmal raus hier (smili)

Gute N8 und guten Start in ein hoffentlich schönes Wochenende
Anne-Mette

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: Sa 19. Sep 2015, 01:14
von Ninakadin
Liebe Rosi,

Ich kann Marielles Argumentationen weitgehend zustimmen (und das schon lange vor der Diskussion hier), auch ich halte diese scharfe Trennung für kontraproduktiv.

Wenn Du und die Anhänger Deiner Auffassung sich lieber von von Trans* distanzieren und alleine kämpfen wollen, dann habe ich damit kein Problem, ich wünsche Euch ehrlich viel Erfolg.
Womit ich aber ein großes Problem habe, ist, dass Ihr die Deutungshoheit über den Begriff "Transsexuelle" für Euch reklamiert. Dem widerspreche ich - und da bin ich definitiv nicht allein - scharf. Aus der Verwendung des Begriffes, der ja auch rechtlich relevant ist, leitet Ihr ja zudem den Anspruch ab, für alle Transsexuelle zu sprechen. Und das tut ihr nicht.

Ehrlich gesagt kenne ich unter den vielen Transsexuellen aus meinem Bekanntenkreis niemanden, der Deiner Argumentation folgt.

LG,

Nina

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: Sa 19. Sep 2015, 06:44
von ab08
Rosi_ hat geschrieben:..., dass transsexuelle Menschen:

- Männer und Frauen sind.
...
- kein Identitätsproblem haben.
- nur ein körperliches Problem haben,
- keine Geschlechter abschaffen möchten und
- kein Gender- oder Rollenthema (Problem) haben.
Hallo meine Lieben, hallo Rosi,

eigentlich wollte ich mich bei dem Thema nicht zu Wort melden, da ich mich heute bei Diskussionen über Begrifflichkeiten nicht wohl fühle.
Wie es andere Menschen, bzw. andere transsexuelle Menschen sehen, kann ich nicht beurteilen.
Denn auch in Gesprächen pflegen viele, anderen und sich selbst gegenüber, nicht immer ehrlich zu sein... :wink:
Aber obige Punkte treffen bei mir(!) so zu, wie sie formuliert wurden.

Danke Rosi (flo)

Liebe Grüße
Andrea

P.S. Da alle Menschen verschieden sind, halte ich exakte Begriffe, d.h. "Abgrenzungen" und "scharfe Trennungen" im übrigen auch für kontraproduktiv.
Daher würde ich auch nie behaupten, dass andere ihre Transsexualität ähnlich empfinden wie ich.
:oops: Aber bei mir treffen obige Punkte eben im Wesentlichen zu. :oops:

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: Sa 19. Sep 2015, 07:45
von Frida
Hallo,

mir geht es so wie Andrea, ich kann mich auch in der Beschreibung von Rosi wiederfinden.
Ich bin ein Mensch der eine Transsexualität hat. Diese Diagnose wurde mir attestiert und ich empfinde mich weiblich...als Frau.
Ich möchte nicht abgegrenzt oder vereinnahmt werden, keinem Lager zugewiesen oder irgendeiner Partei zugehören.
Ich werde mich weiterhin wie oben anderen erklären.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende ))):s

Frida (flo)

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: Sa 19. Sep 2015, 11:35
von Anne-Mette
Moin,

für mich ist die Frage, ob überhaupt - und mit wem - eine gemeinsame Vorgehensweise möglich ist.
Die Schnittmenge scheint mir gering zu sein - und die Gefahr groß, dass es immer wieder zu zermürbenden Grundsatzdiskussionen kommt, die letztendlich nicht viel bringen, höchstens die Erkenntnis: "die Argumente liegen auf dem Tisch!"
Da lagen sie schon oft und lange; deshalb sind sie so gut bekannt und unterscheiden sich auch höchstens in der Wahl der Schrifttype und Schriftgröße von den bisherigen (smili)
... und immer wieder wird eine Deutungshoheit nicht nur für sich, sondern auch für Gruppen in Anspruch genommen.
Die Deutungshoheit scheint mir fast wichtiger zu sein als die Findung gemeinsamer Ziele. Also geht es mal wieder um eine Machtfrage, die manchmal merkwürdige Blüten treibt.
Warum wird die Diskussion nicht mit einer Zielfindung begonnen oder warum wird diese nicht eingearbeitet?

Ich hätte z.B. das (ein) Ziel, dass die dsikriminierende und kostenintensive Gutachterei bei einem bloßen Wechsel des Geschlechtseintrages (oder Streichung dieses) - entfällt. Ich möchte auch nicht, dass es verpflichtend ist, ein Geschlecht eintragen zu lassen.

Gruß
Anne-Mette

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: Sa 19. Sep 2015, 12:05
von JuliaS (†)
Bei einer Debatte, so berechtigt sie auch sein mag, um Begrifflichkeiten sehe ich die Gefahr das unser (ich erlaube mir einmal dieses Begriff für unter das TSG fallende Personen zu verwenden, hilfsweise) wirkliches Problem aus den Augen verloren wird. Viele Betroffene die nach einer sehr unerfreulichen Zeit vor der Erkenntnis ihrer "Annormalität" treffen mit Sicherheit nicht leichtfertig die Entscheidung ihr Leben grundlegend zu verändern. Dies hat rein statistisch zur Folge, das sie in der Transitionsphase einem deutlich erhöhtem Risiko ausgesetzt sind ihren Beruf und somit ihre wirtschaftliche Grundlage verlieren. Das TSG-Verfahren ist durchaus auch kein Wellness-Urlaub und als Preis für die hoffentlich ohne größere seelische Unannehmlichkeiten überstandene Transition ist man immer noch einem erhöhtem Risiko der Langzeitarbeitslosigkeit ausgesetzt. Laut einem gestrigen Vortrag liegt die Arbeitslosenquote von Transidenten Personen mehr als doppelt so hoch wie bei Personen mit Migrationshintergrund. Oftmals kommt noch eine hohe finanzielle Belastug aus der Transitionsphase hinzu. Vor diesem Hintergrund, und mir war all dies durchaus bekannt als ich meine Entscheidung zu transitieren traf, bin ich mir nicht sicher ob ich dies jemanden anderem raten würde.

Ich sehe eher hier die Notwendigkeit wie man dies der breiten Öffentlichkeite vermittelt. Meiner Meinung nach sollten wir eher darum kämpfen aus der "Exoten-Ecke" heraus zu kommen und uns eben nicht in Kategorien einordnen lassen. Deshalb sehe ich den derzeit nicht nur hier geführten Diskurs über Begriffe und deren Inhalte und wer mit wem unter welchem Oberbegriff und nicht zusammengehen kann/will als kontrapoduktiv. Mir fällt hier irgendwie spontan "sepera et imperii" ein.

Ich empfinde die Möglichkeit vieles über die KK abrechnen zu können als segensreich. Wenn hierzu das Verbleiben in irgendeiner Krankheitskategorie notwendig ist, so bin ich durchaus geneigt dies zu akzeptieren. Vor allem da ich selber in der Brange tätig bin möchte ich niemanden die sehr unangenehmen Kreditverhandlungen wegen notwendiger medizinischer Behandlungen zumuten. Nicht jede Person hat die Möglichkeit den Gegenwert einer Mittelklasseautos hierfür freihändig zu begleichen.

Zusammenfassend bin ich der Meinung das ein Austausch über die Inhalte und Bedeutungen von Begriffen durchaus notwendig ist, es jedoch im Moment dringendere Probleme gibt.

Julia

P.S. Ich habe mich bemüht neutral zu schreiben, deshalb sehe man es mir nach wenn einige der verwendeten Begriffe Unmut erzeugen

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: Sa 19. Sep 2015, 13:34
von Frida
@ Amanda

Wie du mich zitierst und kommentierst ist ohne Respekt. Es ist falsch, einfach Quatsch!
Vielleicht aber nur trollig. Weiter werde ich mich damit nicht auseinandersetzen.

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: Sa 19. Sep 2015, 14:46
von Marielle
AS: Amanda, vielen (den meisten?) der Menschen, die sich hier eingebracht haben, bin ich schonmal begegnet. Man kann mit ihnen, auch hart, diskutieren. Es gibt aber keinerlei Grund, sie persönlich und in großen Buchstaben anzugehen; trollig.
------------

Hallo zusammen,

ich möchte diejenigen, die der oben gegebenen Beschreibung von Transsexuellen zustimmen, bitten zu überlegen, ob es ihnen um ihren eigenen, persönlichen Geschlechtsbegriff geht, oder wirklich um das, was im Personenstandsregister steht. Denn:

Heute werden im Land ungefähr 2000 Kinder geboren. Darunter sind 20, 30, 50 oder 100, die im Laufe ihres Lebens zu potentiellen Mitgliedern dieses Forums werden oder die es bereits sind. Menschen wie ihr und ich. Heute ahnt von deren Eltern, Tanten, Onkels und Hebammen so gut wie niemand etwas davon. Man wird ihnen ein Geschlecht zuweisen.

Manche werden mehrere Jahrzehnte unter dem ihnen zugewiesenen Geschlecht leiden, bevor sie zu sich selbst finden, manche werden mühsame Wege finden, sich mit sich selbst zu arrangieren, manche werden zerbrechen.

Wie wichtig darf uns ein Geschlecht als äusserer Wert sein, ein Geschlecht das im Personenstandsregister steht, von dem wir aber eigentlich genau wissen, dass es oft falsch ist und das es Menschen schadet?

Wie würdet ihr es nennen, wenn ein Mensch etwas für sich beansprucht, von dem er weiss, dass es vielen anderen schadet?

Wäre es nicht besser, wenn das Geschlecht der Selbstbeschreibung dient, anstatt eine normierende Kategorie zu sein?

Morgen werden wieder 2000 Kinder geboren. Übermorgen auch.

Habr es gut

Marielle

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: Sa 19. Sep 2015, 15:24
von Anne-Mette
Moin,

ich muss auch mal etwas deutlich sagen )))(:

Viele, die hier mitdiskutiert haben, kenne ich persönlich und weiß sehr gut, wie sehr sie sich (vielleicht nicht gerade in einem Verein) engagieren. Insbesondere möchte ich da auf die bisher stattgefundenen Forentreffen verweisen, für die sich "ein harter Kern" uneigennützig und gemeinnützig eingesetzt hat ---))) (+ Planung, Vorarbeit, Nacharbeit, kreatives und finanzielles Engagement)
Ich glaube, dass alle, die daran teilgenommen haben, jede(r) für sich von den Treffen profitieren konnten - und wir haben "Ergebnisse geliefert" (Gewaltprävention/Diskussionsrunde/...).

Ich muss sicherlich nicht mit weiteren Beispielen etwas rechtfertigen.

Leider streuen solche allgemeinen Äußerungen über andere UserInnen ein Gift, das einem kooperativen Zusammenwirken nicht zuträglich ist. Es sollten lieber die direkt angesprochen werden, die gemeint sind.

Gruß
Anne-Mette

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: Sa 19. Sep 2015, 16:07
von JuliaS (†)
@Armanda

aus meiner privaten als auch beruflichen Erfahrung ist mir bekannt, das (zu) viele kaum in der Lage sind ihr nacktes Überleben zu bestreiten. Wenn nun die Transition zum reinen Privatvergnügen wird, dann heißt das in Zukunft das diese nur noch den Begüteten möglich ist. Etwas sehr verkürzt ausgedrückt: Aus den Krankenkassenbeiträgen ist schon so viel versicherungsfremdes bestritten worden, da können auch diese Mittel hierfür aufgewendet werden. Unter welchem Buchungsposten ist da für mich nebensächlich. Es geht um die Beendigung bzw Behebung von seelischen Leiden, also um Menschen. Hier haben Volkswirtschaftliche Überlegungen nichts zu suchen.

Gruß

Julia

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: Sa 19. Sep 2015, 17:38
von JuliaS (†)
Werte Amanda,

mir ist die KK-Problematik weder egal, noch bin ich ignorant. Dazu habe ich mich mit derartiger Themata zu häufig und zu intensiv beschäftigt.

Ich bin jeden Tag mit der Realität dieses Landes konfrontiert. Leider ist diese nicht so das man wenn es kein Brot gibt halt Kuchen essen kann. Es geht im Kerne darum das es einen im Zweifel einklagbaren Rechtsanspruch gegen wen auch immer geben muss, damit zumindest die wirklich schwer bis nicht finanzierbaren Lasten der Transition aufgefangen werden. Hier kommen nach meinem Dafürhalten nur die Krankenkasssen, da es ein Leiden ist, oder die Rententräger, da es der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit dient, in Frage. Beide sind chronisch unterfinanziert, dies ist aber kein Grund sich in die unendliche Spirale zu begeben welche Gruppe herausgenommen werden soll. So lange die Verbreitung der Blasmusik in Griechenland und ähnlich grenzwärtige Positionen mit Milionenbeträgen alimentiert werden, ist auch Geld da um Menschen zu helfen. Und zwar nicht auf dem Gnadenweg sondern weil sie ein Recht darauf haben.

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: So 20. Sep 2015, 00:17
von Marielle
Guten Abend zusammen,

es ist nicht meine übliche Art, aber ich möchte diesmal auf eine PN öffentlich antworten.

Die Autorin der PN (keine Ahnung, warum sie das nicht im Forum getan hat) schreibt mir, dass mein Beitrag von heute (siehe unten) zeige, dass ich " keine Vorstellung von den Befindlichkeiten transsexueller Menschen" habe. Aha....

Sie begründet dies damit, dass es, Zitat "transsexuellen Menschen in erster Linie nicht wichtig (sei), welcher Geschlechtsbegriff benutzt wird, oder was im Personenstandsregister steht." Es gehe ihnen "um ihren KÖRPER"

Ich staune. Man muss mir nicht erklären, wie sich ein unpassender Körper anfühlt. Hatte ich das nicht gesagt? Und das es transsexuellen Menschen nicht wichtig sei, welches Wort im Register steht, stimmt halt nur für einen Teil der transsexuellen Menschen. Ein anderer, wesentlicher, Teil derer klammert sich an diesen Eintrag, wie an einen Strick im Moor der Selbstidentifikation. Nicht erstaunlich ist, dass das ziemlich genau der Teil ist, der sich gegen jedes Addjektiv und jedes neue Substantiv vehement zu Wehr setzt.

Dann folgt in der PN, wörtlich: "Der Geschlechtsbegriff wird erst dann bedeutend, wenn es um "Beschreibung" und "verstehen" in der Kommunikation geht."

Man könnte sich fast fragen, ob diese elend lange Diskussion hier möglicherweise gar nicht real stattgefunden hat.

Nochmal buchstabengetreu kopiert (lest es langsam und in Ruhe): "Der Geschlechtsbegriff wird erst dann bedeutend, wenn es um "Beschreibung" und "verstehen" in der Kommunikation geht."

Wie bitte? Der Geschlechtsbegriff wird nicht erst dann bedeutend, wenn ein Mensch sich, mit 14 oder 40 Jahren, erklären kann. Der Geschlechtsbegriff IST bedeutend, bevor ein Mensch seinen ersten Rülpser getan hat!

Liebe PN-Schreiberin: Gesellschaftliche Geschichtsvergessenheit ist schon schlimm genug. Wer aber unter individueller Geschichtsvergessenheit leidet, muss sich nicht wundern, wenn nach einem Psycho-Doktor gerufen wird.


Ob jemand ein Identitätsproblem hat oder ob er keines hat, soll jede_r mit sich selbst ausmachen und ggfs. auch Hilfe bei der Lösung eines solchen bekommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein gesellschaftlicher Konsens über die notwendigen medizinischen Leistungen und die zugehörige Kostenträgerschaft erreicht werden muss, der ohne Pathologisierungen auskommt. Es ist mir (in einfacher Sprache) scheissegal, welcher mündige Mensch sich selbst wie benennt oder benannt werden will. Ich akzeptiere jede Eigenaussage dazu. Wer das nicht aus meinen bisherigen Beiträgen entnehmen kann, ist entweder der deutschen Sprache nicht mächtig (was das geringere Problem wäre) oder aus blindem Eigeninteresse nicht willens, einen eigenen, konstruktiven Beitrag zu leisten.


Wenn jemand mit der sinngemäßen Aussage 'Sprache schafft Wirklichkeit' antritt und dann nicht erkennen will, dass es grade die eigene Sprache ist, die eine unmenschliche Wirklichkeit zementiert, dann ist das für mich, es tut mir Leid, blinder Egoismus, der mich wütend macht.


Habt es gut

Marielle

Dr in BEzug genommene Beitrag:
ch möchte diejenigen, die der oben gegebenen Beschreibung von Transsexuellen zustimmen, bitten zu überlegen, ob es ihnen um ihren eigenen, persönlichen Geschlechtsbegriff geht, oder wirklich um das, was im Personenstandsregister steht. Denn:

Heute werden im Land ungefähr 2000 Kinder geboren. Darunter sind 20, 30, 50 oder 100, die im Laufe ihres Lebens zu potentiellen Mitgliedern dieses Forums werden oder die es bereits sind. Menschen wie ihr und ich. Heute ahnt von deren Eltern, Tanten, Onkels und Hebammen so gut wie niemand etwas davon. Man wird ihnen ein Geschlecht zuweisen.

Manche werden mehrere Jahrzehnte unter dem ihnen zugewiesenen Geschlecht leiden, bevor sie zu sich selbst finden, manche werden mühsame Wege finden, sich mit sich selbst zu arrangieren, manche werden zerbrechen.

Wie wichtig darf uns ein Geschlecht als äusserer Wert sein, ein Geschlecht das im Personenstandsregister steht, von dem wir aber eigentlich genau wissen, dass es oft falsch ist und das es Menschen schadet?

Wie würdet ihr es nennen, wenn ein Mensch etwas für sich beansprucht, von dem er weiss, dass es vielen anderen schadet?

Wäre es nicht besser, wenn das Geschlecht der Selbstbeschreibung dient, anstatt eine normierende Kategorie zu sein?

Morgen werden wieder 2000 Kinder geboren. Übermorgen auch.

Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Verfasst: So 20. Sep 2015, 07:47
von ab08
Zitat aus dem Beitrag vom Sa 19. Sep 2015, um 20:56
Daenerys Targaryen hat geschrieben: Nein, ich haue keinem die Murmel vom Hals, wenn er mich als "trans" bezeichnet. Aber mein Ziel ist es, dass die Umgebung mich als Frau sieht. Nicht als Transmensch, Transfrau, als transidente Frau, sondern als Frau. Punkt. Ich selbst habe allerdings keine Probleme damit, unter Familienmitgliedern, engen Freunden oder Gleichgesinnten über meine Transsexualität zu sprechen. so.

Hallo Daenerys,

da geht es mir ähnlich.
--> Dazu kommt, dass ich als Lehrerin mit fast 40 Dienstjahren inzwischen gewöhnt bin, dass manche Probleme haben, sich richtig auszudrücken.
Im Gegensatz zu Mathematik, sind daher Korrekturen in Physik länger und anspruchsvoller. Dort geht es um das inhaltliche Verständnis und(!) um korrekte Begriffe. Beides ist zu berücksichtigen.
Es wäre falsch, sich nur an einen Aspekt zu klammern. Berufsanfängern dies zu vermitteln, gehört zu meinen Aufgaben...

Über Transsexualität spreche ich dort, wo es gewünscht wird, bzw. wo es erforderlich ist. Lehrerin, Vertreterin im Berufsverband usw. das prägt mein Verhalten.
Bei Familie/Freunden ist es bei mir (CO 2007/2008) kaum mehr Thema. Wenn ich in diesbezüglicher Begleitung bin, antworten andere, denn sie kennen sich aus.
Ganz herzlichen Dank für Deine ausgezeichnete Analyse. Besonders die Beschreibung der Einordnung im Bereich M<-->F durch Mitmenschen finde ich toll.
(flo) )))(:


@ Amanda: Wer Einfluß hat und bei Verantwortlichen Einfluß nimmt, spricht nicht öffentlich darüber, denn oft wäre es kontraproduktiv.
Deine diesbezüglichen Vorschläge/Aufforderungen sind überflüssig, daher gehe ich meist nicht darauf ein.
Seit 2004 unterrichte ich in der Psychiatrie, da achte ich auf Kernaussagen und muss Überflüssiges übersehen.
(Ergo schweige ich hier im Forum auch meist, wenn Umgangsformen, Empathie etc. fehlen, da dann antworten keinen Sinn macht.)
Knappe Zusammenfassung zum besseren Verständnis meiner Person und anderer Personen:
Frau, genauer transsexuelle Frau, --> weibliche Gehirnstruktur, eine Form von Intersexualität
bereits der berühmte Harry Benjamin erkannte dies https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Benjamin
Frau, denn das Gehirn legt fest, welches Geschlecht ein Mensch hat: vgl. Dick Swaab https://en.wikipedia.org/wiki/Dick_Swaab
-- Wobei es sich bei M <---> F um ein Kontinuum also um viele Zwischenstufen handelt.
Ergänzung: Sexuelle Identität "Geschlecht" ist unabhängig von sexueller Orientierung http://www.antidiskriminierungsstelle.d ... ds_01.html

Liebe Grüße
Andrea