Seit einem Monat arbeite ich daran, meine traumatische Welt mit Klimt-inspirierten Elementen abzubilden. Klimts "Goldene Phase" dauerte 10 Jahre und ich dachte, ebenso lange zu brauchen, um endlich hinter das Geheimnis seines
goldenen Sternenhimmels zu kommen. Auf youtube gibt es einen Profi, der sogar die verwendete Farbe verrät. Am Ende hatte ich 7 verschiedene Goldfarben, mit denen ich Testflächen auf einem Leinwandrest anlegte und dann wiederum mit den 7 Farben Sternchen einstreute. Das Ergebnis war ein Reinfall: Keine einzige Farbe brachte den notwendigen Kontrast zu einer anderen. Insgesamt waren alle Farben zu hell. Der clevere Youtuber hatte nicht verraten, dass er entgegen seiner Darstellung im Video die Farbe
abgetönt hatte.
Also fing ich an, die helle Farbe der Sterne selbst zu mischen. Dabei merkte ich, dass sogar die dunkelste Goldfarbe noch zu hell für das Firmament war. Deshalb ging ich den umgekehrten Weg und startete Mischversuche, um das Gold mit dem nötigen Pigment mit anderen Acrylfarben dunkel abzutönen. Entweder war es zu grünstichig oder zu braun, bis endlich nach Stunden ein halbwegs brauchbares Ergebnis herauskam. Trotzdem musste ich die gesamte Fläche vier Mal überstreichen, bis das Himmelsgewölbe in etwa die Farbe wie bei Klimts Bildern bekam. Dazu musste ich genau die Menge ansetzen, die ich für meine 1m x 1,50m große Fläche insgesamt brauchte, weil ich genau diesen Farbton niemals wieder treffen kann.
Dann kam der Test, wie gut sich die Sterne abheben, wenn ich die helle ungemischte Goldfarbe benutze. Da zahlte sich die große Auswahl aus, weil drei meiner Farben in unterschiedlicher Helligkeit als Sternchen taugten.
Weil ich das Geheimnis nicht lüften konnte, mit welchem Werkzeug Klimt die Sterne malte, behalf ich mir mit dem bekannten Spritzverfahren mittels Flachpinsel mit harten Borsten. Dabei darf es niemals passieren, dass zuviel Farbe auf einmal gespritzt wird, weil sich diese nicht ohne Schmiererei entfernen lässt. Also alles super vorsichtig mit viiiel Gefühl verteilen ... in 3 unterschiedlichen Farbtönen, in verschiedener Dichte, um Galaxien, Nebel und Sternhaufen zu simulieren.
Wenn ich mir Klimts Sternenhimmel in doppelter Vergrößerung anschaue, sieht das nach einer Tupftechnik aus. Ich hab zig Pinsel, Schwämme und sogar meinen metallischen Topfkratzer ausprobiert, aber nichts führt zu diesem Ergebnis. Leider gibt es von Klimts Atelier nur ein paar Fotos, auf denen aber kein Werkzeug zu erkennen ist. Bei Monet ist das anders. Der posiert immer mit Zigarette und riesigen Katzenzungenpinseln ...
Dagegen war das Simulieren der
Klimt-Wiese

technisch einfacher, aber eine enorme Fleißarbeit. Wer sich Klimt's "Kuss" in Vergrößerung betrachtet, sieht seine Technik, sogar die kleinen Blüten mit Graphitstift vorgemalt zu haben! Das spricht m.E. sehr für eine Ummalung als eine Untermalung. So sehen auch die einzelnen Grashalme aus, die eher nicht durch die niedlichen Blüten unterbrochen werden.
Auf youtube gibt es beide Varianten. Das Übermalen funktioniert jedoch mit meinen Farben (W&N) nicht, weil die Deckkraft - wie bei Acryl üblich - oftmals nicht ausreicht. Leider wird auf der Tube wieder nicht verraten, welche Farben bei 100% Deckkraft benutzt wurden. Also bedeckte ich eine 1,30m breite Fläche zuerst mit den Krokussen, dann den blauen und den gelben Blümchen. Die Bildung von Trupps nimmt dabei ab, d.h. gelbe Blüten gibt es auch oft als Solitäre. Dann kam das Einstreuen der Klimtschen Goldstückchen, die überall hervorblitzen. Zuletzt hab ich die Zwischenräume mit einem Zweier-Schrägpinsel mit kalten Grüntönen gefüllt, jeden Halm extra und das in stetig hellerem Grün, bis alle ausgemalt waren ... Das funktioniert nur auf einer top grundierten feinen Leinwand, weil sonst winzige Leerstellen auf dem Gewebe entstehen, die nur schwer Farbe annehmen.
Nachdem ich diese Nüsse geknackt habe, komme ich mit meinen drei Bildern weiter, die ich parallel bearbeite. Irgendwie muss die Zeit ja vergehen. Ich könnte mich auch 12 Stunden hinsetzen und weinen, aber dabei läuft die Zeit zu langsam ab. Also ist der nächste Irrsinn ein Klimtscher "Tree of live", den ich vor einen der Sternenhimmel setze. Er hat seine Lebensbäume immer dunkel vor hellem Goldhintergrund gemalt, ich versuche es umgekehrt, damit es zu meinem finalen Thema passt. Unter dem Sternenhimmel zu sterben finde ich sinnvoller als unter der Sonne.