Teil 2 Kap. 19: Strangers in the night.
In diesem Welthit von 1966 besingt Frank Sinatra zwei einsame Fremde, Mann und Frau, die sich eines Nachts in den hell erleuchteten Boulevards einer großen Stadt begegnen, sich im Vorbeigehen kurz in die Augen schauen, um sich dann sofort, sozusagen auf den ersten Blick, also Knall auf Fall, ineinander zu verlieben und zu versprechen, von da an nie mehr auseinander zu gehen. Die Melodie des romantischen Schlagers komponierte Bert Kaempfert, sie ist ein richtiger Ohrwurm und so eingängig, wie der Text verlogen und schwülstig ist. Aber wie gesagt, das Lied wurde sofort zum Welthit, um dessen Tantiemen-Millionen dann hinterher lt. Wikipedia auch jahrelang später noch gerichtlich gestritten wurde. Ausgang unbekannt.
Cabanes de Fleury ist keine hell beleuchtete Weltstadt sondern das genaue Gegenteil, nämliches ein winziges tief verschlafenes Fischerdorf am Mittelmeer, jedoch wiederholt sich dort die oben erwähnte Story von den zwei Fremden, hier haben sie sogar Namen, nämlich Valerie und Jean-Claude. Auch sie haben sich vorher noch nie gesehen aber vergucken sich trotzdem sofort ineinander, sozusagen stantepede und heftig, und beschließen dann auch, miteinander ins Bett zu gehen. Im Grunde ein oft erzählte und immer wiederkehrende Geschichte, aber trotzdem nie langweilig, schon von der Thematik her.
Was Jean-Claude eigentlich zu seiner erotischen Avance in Richtung auf Valerie motivierte, ist im einzelnen unbekannt, vielleicht hat er irgendwas gespürt, irgendein Signal, was von ihr ausging, vielleicht auch nicht. Möglicherweise war es auch die reine Lust am Abenteuer, oder er war eben scharf darauf, mal eine Transe aufzureißen (man muss sich keine Illusionen machen und sollte es deshalb auch in diesen Worten formulieren, Worte, die die meisten Männer benutzen würden, wenn sie in eine solche Situation kommen: aufreißen). Und Valerie hat es ihm ja auch von vorneherein klar gesagt, wer oder was sie ist, nämlich etwas Spezielles, eine Transe halt, die zwischen Mann und Frau steht, genau in der Mitte eben.
Gut soweit. Was Valerie andererseits betrifft, so war es bestimmt keine Liebe, die sie zu dem Abenteuer motivierte, und nachgeben musste sie dem Drängen des Mannes auch nicht, denn das, was er vorschlug, war mindestens genauso sehr ihr eigener Wunsch wie der seinige, nämlich zusammen Liebe zu machen, faire l'amour, sich ohne lange nachzudenken einzulassen in diesen one night stand, mein Gott was ist denn schon dabei.
Sagen wir es, wie es ist. Sie wollte es, sie war geil und ihr war langweilig. Sie hatte lange genug pausiert mit Sex, sie wollte wieder einmal einen Mann haben, der sie bestieg und durchvögelte, der sie besaß, der ihr das Gefühl gab, eine Frau zu sein. Sie wollte ihn in sich fühlen, seine Kraft spüren, seinen heißen Atem in ihrem Genick haben, und ja, sie wusste, es würde ihr verdammte Lust machen, sich diesem Mann ganz hinzugeben, diese eine Nacht, und mehr sollte es ja auch nicht sein...
Sie fühlte sich wohl in seiner Umarmung dort im Restaurant, blieb an ihn gekuschelt und löste sich auch nicht daraus, bis er sie freigab. Es war ihr völlig gleichgültig, was die Wirtsleute hinter der Theke von der Sache hielten, die bestimmt bemerkt hatten, was sich zwischen den beiden abspielte. Und die wohl auch ahnten, dass Valeries Bett heute Nacht unberührt bleiben würde. Jean-Claude war unverfroren genug, mit Valerie im Arm die Treppen zu den Zimmern hochzugehen und im Vorübergehen beim Wirt noch einen Flasche Champagner auf sein Zimmer zu bestellen.
"Aber bitte erst für später, so in einer Stunde etwa"
"Oui, d'accord, ob servira la bouteille plus tard, dans une petite heure à la chambre" bestätigte der Wirt und verzog das Gesicht keinen Millimeter.
Für die nächste Stunde wollte der Gast in Zimmer 6 also seinen Ruhe. Oder keine Störung, besser ausgedrückt.
Zimmer 6, das fast eine Kopie ihres eigenen war, nur weniger aufgeräumt, lag dem ihrigen genau gegenüber, wie praktisch. Der Schlüssel war innen im Türschloss kaum umgedreht und die Tür verriegelt, da hatte er sie von hinten schon umschlungen, mit beiden Armen hielt er sie umfasst, ihre Brüste in seinen Händen, sie blieb passiv, machte die Augen zu und überließ ihm ganz die Initiative. Seine Hände gingen auf Wanderschaft, strichen an ihren Körperseiten herab, zeichneten die Linie von Taille, Hüfte und Po nach, landeten auf den Oberschenkel, und kamen zurück, machten den gleichen Weg noch einmal aufwärts. Zweimal, dreimal spürte sie, wie seine Hände diese Erkundungsfahrt an ihren Körperseiten hinauf und hinunter machten, sie genoss sein Streicheln und hielt die Augen geschlossen, drehte sich dann aber nach einiger Zeit zu ihm hin, um ihn anzuschauen, er ließ sie dann auch los.
Suchte dann aufgeregt in seinen Taschen und anschließend auf dem Nachttisch herum, fand aber offenbar nicht, wonach er suchte.
"Mince ! Ich hatte das Dings doch dabei und jetzt ist es verschwunden"
(Für die, die nicht so gut französisch können: Mince ist die gehobene Form von merde. Also, wenn ein gebildeter Franzose einmal "scheisse" sagen will, dann sagt er normalerweise mince und nicht merde, aber eben mit der entsprechenden Schärfe und Betonung. Richtig betont, kommt mince als Fluch genauso gut wie merde).
"Putain, il est disparu, ce petit truc" (Putain, es ist weg, das kleine Dingsda)
sagte er und zuckte hilflos mit der Schulter.
"Putain" ist ebenfalls ein Fluch, ein ziemlich heftiger Ausdruck sogar, und ebenfalls sehr unangemessen, obwohl, man hört das Wort oft, in allen Lebenslagen.
Er wusste kurzzeitig nicht weiter, aber sie blieb ganz locker und half ihm bei der Suche, und schließlich brachen beide in großes Gelächter aus. Zu dumm, dass so ein kleines Dingsda immer dann verschwindet, wenn man es so dringend bräuchte. Das Lachen entspannte die Lage.
"Du wirst es nicht brauchen, falls du ein Präservativ suchst, denn ich werde heute Abend sicher nicht schwanger von dir, da bin ich mir sehr sicher"
sagte Valerie und begann damit, sich auszuziehen. Ihre Selbstsicherheit imponierte ihm und er verfolgte genau, mit welcher Gelassenheit sie aus ihren Jeans schlüpfte und dann den himmelblauen Pulli mit verschränkten Armen anhob, um ihn anschließend über Busen und Kopf zu heben, ohne die Haare allzu sehr in Unordnung zu bringen. Sie konnte das, und es sah richtig gut und elegant aus, diese Bewegung, wirklich sehr weiblich. Natürlich hätte sie es ebenso leicht geschafft, selbst ihren BH-Verschluss auf dem Rücken aufzuhaken, alle Frauen können das. Aber logisch, sie tat so, als schaffte sie es nicht allein (ungeschicktes Weibchen)und bat ihn, ihr dabei zu helfen. Und ja, schon wieder hatte er dann seine großen warmen Hände auf ihrem Busen, als ob er ihr Gewicht abschätzen wollte, und fuhr anschließend fort, beide Brüste leicht zu massieren und zu kneten, sie mochte das sehr und sagte es ihm auch. Brav fuhr er mit der Massage fort und befingerte dabei auch ihre Nippel, indem er sie leicht zwischen Daumen und Zeigefinger zwirbelte. Wieder dieses Wohlgefühl. Der Mann schien tausend Hände zu haben, denn irgendwie spürte sie seine Finger überall, und noch während er sie rücklings aufs Bett legte, sorgsam wie einen kostbaren Gegenstand, bemerkte sie auch, wie er mit der anderen Hand versuchte, den eigenen Hosengürtel zu öffnen um aus den Hosen zu kommen. Keine Leichte Übung, das wird jedermann leicht verstehen, der schon einmal in dieser oder einer ähnlichen Situation war.
Hier muss vom Erzähler leider eine kleine Pause eingelegt werden. Die Story wird aber fortgesetzt, wie üblich am kommenden Wochenende, falls nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt.
Liebe Grüße,
Valerie
