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14.8.2015
Wie bereits angekündigt, ging meine Reise diesmal nach Bad Nauheim zum dortigen Elvis-Festival. In dieser hessischen Kleinstadt wohnte der "King of Rock "™n"™ Roll", während er von Oktober 1958 bis März 1960 im benachbarten Friedberg seinen Militärdienst ableistete. Das Festival, welches seit 2002 jährlich um seinen Todestag (16. August) herum stattfindet, ist Treffpunkt für Elvis-Fans aus ganz Europa.
Die Fahrt mit der Bahn verlief reibungslos. Ich trug dazu mein rot-weißes Sommerkleid, hautfarbene Strumpfhosen und cremefarbene Sandaletten. In Frankfurt/M. hatte ich etwas Aufenthalt. Den nutzte ich für ein kleines Mittagessen im Bahnhofsbistro.
In Bad Nauheim angekommen, deutete außer einem eher unscheinbaren Plakat zunächst nichts auf das besondere Ereignis des kommenden Wochenendes hin: Keine Musik von Elvis Presley, keine Männer, die ihn imitieren (wollen) und auch keine Frauen in der Mode seiner Zeit. Auch auf dem etwa 10-minütigen Fußweg zum Hotel sah ich nichts dergleichen.
Außer der Musik der "50er" bin ich ja vor allem wegen der schönen (Damen-)Mode dieser Zeit mit ihren weit schwingenden Petticoats hier hergekommen. In einer vergleichbaren Situation vor einem Jahr bei den "Golden Oldies" in Wettenberg hatte ich mich jedoch noch nicht getraut, gleich in diesem Outfit loszuziehen. Inzwischen aber bin ich es gewohnt, auch einmal aufzufallen und so holte ich mein knielanges schwarz-weiß gemustertes Kleid aus dem Koffer, dazu den passenden Petticoat, hautfarbene Strumpfhosen, weiße Sandaletten und als Accessoires einen roten Gürtel und einen Haarreifen in der gleichen Farbe.
Die wichtigsten Aktivitäten des Festivals finden in einem großen Hotel statt, welches mit zahlreichen Veranstaltungsräumen und einem umfangreichen Außengelände optimale Bedingungen dafür bietet. Der kürzeste Weg dorthin führte für mich durch den Kurpark. Bei meinem nicht ganz unauffälligen Outfit haben schon einige Leute geschaut.
Ich kam am ehemaligen Hotel Grunewald vorbei, Elvis Presleys zweiter Wohnstätte in Bad Nauheim. An dem davor errichteten Denkmal ließ ich meinen Besuch hier erst einmal fotografisch dokumentieren:
Elvis-Presley-Denkmal.JPG
Und da hörte ich auch schon die Musik des "King of Rock "™n"™ Roll". Es waren nur noch wenige Metern bis zum Festivalzentrum. Ich hatte mir im Vorfeld einen Festivalpass besorgt, den einfachsten in Silber. Dieser beinhaltete neben dem Eintritt zum Festgelände den Besuch ausgewählter Veranstaltungen zu vergünstigten Preisen. Ich sah das als gute Empfehlung für den Einstieg in die "Elvis-Welt".
Nach dem Vorzeigen meines Festivalpasses wurde mir ein (silbernes) Kunststoffarmband verpasst, das nicht entfernt werden durfte, weil es als Eintrittskarte für die betreffenden Veranstaltungen diente. Und da stand ich bereits inmitten von Elvis-Fans aller Altersgruppen und beiderlei Geschlechte. Blickfang waren natürlich die Damen - ich schätze mal ein Drittel der anwesenden — die die schönen Kleider der 50er Jahre trugen. In dieser Gesellschaft fühlte ich mich irgendwie wohl.
Es lief gerade noch die Eröffnungsveranstaltung. Dass hier einige Persönlichkeiten anwesend waren, die Elvis Presley persönlich kannten und ihn auf seinen letzten Konzerten als Musiker, Backgroundsänger oder Leibwächter begleitet hatten, konnte ich bereits dem Programm entnehmen. Doch welchen Kultstatus diese Leute hier genießen, erlebte ich erst jetzt, indem sie fast genauso frenetisch gefeiert wurden, wie es beim leibhaftigen "King" der Fall gewesen wäre.
Die erste Veranstaltung, die ich mit meinem Pass gebucht hatte, war die große Elvis-Party. Ich bin zwar eigentlich ein Partymuffel (Oder muss es Muffeline heißen?), ließ mich aber einfach mal überraschen, was da auf mich zukommt. Um es kurz zu machen: Es begann mit Elvis-Musik vom Band. Dem folgte der Auftritt einer Rock "™n"™ Roll-Tanzgruppe und am Ende sorgte eine Gruppe mit bekannten Rock "™n"™ Roll-Hits (nicht nur von Elvis) für eine gute Stimmung.
Weniger gut waren die klimatischen Bedingungen im Saal. Bei dem hochsommerlichen Wetter der vergangenen Tage halfen da auch nach allen Seiten geöffnete Türen und Fenster nichts. Nur ab und zu raus an die frische Luft, so ließ es sich aushalten. Als es dann zu regnen begann, machte ich mir ein wenig Sorgen um den Heimweg, denn ich hatte keinen Schirm mit. Bei diesen Ausflügen nach draußen hatte ich die Gelegenheit zu einigen kurzen Gesprächen mit anderen Elvis-Liebhaber(inne)n.
Völlig überrascht war ich, als mich eine Frau ansprach und fragte, ob ich aus Chemnitz sei. Dank meinem schlechten Personengedächtnis konnte ich sie nicht einordnen. Sie sagte mir daraufhin, dass sie im Chemnitzer Opernhaus als Platzanweiserin arbeitet und mich dort schon bei verschiedenen Veranstaltungen gesehen habe. Ja, so klein ist die Welt! Wir unterhielten uns gleich noch ein wenig über die nächsten Aufführungen in Chemnitz.
An diesem Abend war auch ein Fernsehteam anwesend, dessen Beitrag am Folgetag im Hessischen Fernsehen gesendet wurde:
https://www.youtube.com/watch?v=l0UPTsUZekI Ich konnte es nicht verhindern, dort für einen kleinen Moment mit ins Bild zu kommen.
Einerseits hätte es mich ja gereizt, bei diesen flotten Rhythmen mal mitzutanzen, wenn ich denn einen Partner dazu gehabt hätte. Andererseits, ich wäre dann völlig durchgeschwitzt gewesen und hätte für die nächsten Tage nicht mehr genug zum Anziehen mitgehabt.
Als die Veranstaltung zu Ende war, hatte der Regen zum Glück aufgehört, aber der Rückweg durch den nur spärlich beleuchteten Kurpark war irgendwie unheimlich. Einmal erschrak ich mächtig, als es im Gebüsch plötzlich zu rascheln begann. Keine Ahnung, was das war, aber Hauptsache, ich bin heil im Hotel angekommen, wo ich mich nach diesem erlebnisreichen Tag erst einmal zur Ruhe legte.