Liebe Céline,
danke für deine Offenheit! Irgendwie schreiben wir uns hier beide um Kopf um Kragen. Deshalb hab ich meinen neuen Thread wenigstens in einem geschützten Bereich eröffnet, der nur nach Anmeldung sichtbar ist. Frau weiß nie, wer sich hier anonym überall durchschmökert ...
Céline hat geschrieben: So 14. Jul 2019, 22:19
Das Konzert...der Hammer.Die Vorgruppe von der ich dachte die muss ich jetzt nicht unbedingt hören war einfach nur der Hammer .Rue Oberkampf, noch nie gehört aber genau meins.Im Anschluss dann Light Asylum aus New York,der ganze Saal hat gebebt und getanzt.Einfach nur genial wieviel Power eine Frau haben kann und für eine New Yorkerin völlig untypische Musikrichtung.
Interessant - werde ich mal reinhören. Bin stilistisch recht offen, trotz meiner Schwerpunkte Minimal Techno, Deep House und Electro Swing.
Céline hat geschrieben: So 14. Jul 2019, 22:19
Nach dem Konzert ging die Party los und ein Abend den ich mit Sicherheit nicht so schnell vergessen werde...eigentlich nieeee
Ich habe natürlich wieder einige bekannte Gesichter gesehen und wieder neue kennen gelernt.
Und so tanzte ich bis morgens um 4 durch und........
Ja, das waren noch Zeiten! Bei mir ging die Party fast ein Jahr! Bin sogar hunderte Kilometer weit gefahren, wenn in der Hauptstadt mal nichts los war. Hab jede 20er-Jahre-Party mitgenommen, Boheme Sauvage, Infame Royale usw. Zum letzten Mal tanzte ich Weihnachten 2018 durch bis zum 30.12. Nur am 31.12. blieb ich - erschöpft mit brennenden Füßen - brav daheim. Nichts ist schlimmer, als alleine unter hundert Paaren zu sein, die sich um Mitternacht küssen - seufz. Nie wieder!!
Céline hat geschrieben: So 14. Jul 2019, 22:19
Er berrührt mich immer öfter und dann nahm er meine Hände , legte seine um mich und hielt mich total zärtlich in seinen Armen.Es war ein Gefühl das ich gar nicht beschreiben kann und anstatt mich zu wehren drückte ich mich noch fester an ihn und tanzte noch enger mit ihm.Ich konnte endlich meinen Kopf auf die Schultern eines starken Mannes legen.
Das Gefühl gehalten zu werden und meinen Kopf an die Schulter eines Mannes zu legen..unbeschreiblich.Es fühlte sich so unendlich gut an aber gleichzeitig auch falsch.
Da hatte ich - so lange ich noch mit meiner Frau mehr schlecht als recht zusammen war - einen ganz klaren Kurs:
Ich hab niemals eine meine Partnerinnen betrogen, noch nicht mal fremd geflirtet, obwohl ich keine von ihnen liebte. Ich liebte niemanden, weil ich selbst kaputt war. Aber als ich aus der Depri rauskam und meine Freizeit als äußere Frau - soweit möglich, lach - verbrachte, hielt ich strikt die Treue.
Natürlich gab es Situationen wie jene, die du erlebt hast. Doch zusammen zu tanzen ist kein Ehebruch.
Céline hat geschrieben: So 14. Jul 2019, 22:19
Das Lied war ewig lang und wir tanzten ewig weiter und er berrührte und streichelte mich so unglaublich zärtlich und es hat nicht viel gefehlt dann hätten wir uns geküsst aber ich hatte mich zum Glück doch so unter Kontrolle das nicht zu tun.Ich weis das dann eine Grenze überschritten wäre was ich bereut hätte.
Genauso dachte ich damals auch. Ich hab mich zwar fleißig küssen und streicheln lassen (alle fragten brav!), aber nur die Hände, Arme, Achseln, Schultern - nie das Gesicht. Und Zurückküssen war ein Tabu. Erst ab jetzt wird zurückgeküsst - die Trennung ist seit einem Jahr amtlich.
Céline hat geschrieben: So 14. Jul 2019, 22:19
Aber diese zärtlichen Berührungen als ich meine Arme hochnahm und er zärtlich darüber strich und mich festhielt unbeschreiblich.
Oh, jaaaaaa. Empfand ich damals auch so. Es kostete enorme Überwindung, den Verehrern davonzurennen. Besonders schlimm waren die Gitarristen oder Bassisten von Live-(Rock and Roll-) Bands. Da bin ich regelmäßig ausgerastet, hab abgetanzt bis zum Beinahe-Kollaps und war amouröse Zielscheibe der Bandmitglieder nach dem Auftritt. Sobald die auf dem Klo waren, bin ich abgehauen.
Später nach der Trennung bin ich aus anderen Gründen weggelaufen, weil ich keinen Bock auf Offenbarung meines "kleinen" Geheimnisses hatte ...
Ich interpretiere das als das Erwachen der vollkommen normalen heterosexuellen Gefühle einer Frau. Keine Ahnung, wie das Menschen empfinden, die jederzeit zu 200% auf ihre Partnerin fixiert sind, ob dort diese Entwicklungsstufe übersprungen wird.
Céline hat geschrieben: So 14. Jul 2019, 22:19
Genau das wünsche ich mir von einen starken Mann gehalten und gestützt werden.Einen der mir einfach einmal Halt gibt. Halt den ich so dringend benötigte auf diesem so schweren Weg.Ein Weg auf dem sich auch noch die sexuelle Identität ändert.
Du sprichst mir aus dem Herzen, Céline. Ich wäre beinahe ausgeblutet, ohne jemals diese Erfahrung machen zu dürfen. Ich hab mich aufgefressen danach. Immer alles alleine durchzuhalten, zu kämpfen, stark zu sein funktioniert nicht - es ist grauenhaft, selbst für eine Diva, Kämpferin und Löwin (Sternbild) wie mich. Irgendwann wird der Misthaufen zu groß, er stinkt zum Himmel und verpestet die Seele. Niemand schafft es allein, so viel Dreck alleine aufzuarbeiten. Da helfen auch keine schlauen Psychs. Hab ich alles durch.
Jetzt hab ich meine starke Schulter - und mehr als das. Mein Leben hat sich radikal geändert. Ich erkenne, dass alle Opfer nicht umsonst waren, dass mein Teddybär damals wusste, warum die Blutung nach drei Stunden aufhörte und ich weiterleben musste ...
Du kennst mich - ich hab die Sache durch und ahne, dass es bei dir in eine ähnliche Richtung geht. Es hat keinen Sinn, gegen die Gefühle zu kämpfen. Für mich war die sprichwörtliche "starke Schulter" letztlich überlebenswichtig. Meine Frau hätte mich bereits damals eiskalt draufgehen lassen. Entweder könnt ihr deine Entwicklung schonend in die Beziehung integrieren - oder ihr plant die Trennung, so lange noch kein Hass entstanden ist, der jedes vernünftige, menschenwürdige Vorgehen unmöglich macht und nur in die Taschen der Anwälte und Gerichte arbeitet.
Alles Gute!
LG
-Diva