Valeries Welt
Valeries Welt - # 26

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 376 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Danke Maria,
ich mag die Art, wie du mit fast jedem Kapitel der Geschichte so richtig mitgehst. Und ja, die Valerie hat verstanden wie wichtig die Achtsamkeit ist und wie vorsichtig sie umgehen sollte mit ihrem sozusagen "neuen Körper". Schönheit und Gesundheit bewahrt sie sich nur durch eine gesunde Lebensweise. 'Mens sana in corpore sano`, das wussten schon die alten Römer. Wurde leider etwas vergessen, dieser Satz. Den gesunden Körper will sich Valerie bewahren, deshalb die Hirschhausen_Diät, deshalb möglichst oft fleischlos, aufpassen beim Fett und den süßen Sachen, weniger Wurst aufs Brot und mehr Obst und Gemüse zu sich nehmen. Finde ich toll, dass du selbst auch kochst, das können heute ja nur noch wenige so richtig. Fastfood und Pizza- und sonstige "Menüs" im Pappkarton beherrschen die Szene, eigentlich sehr schade.

Lieben Gruß, Valerie
Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 377 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Teil 2 Kap. 9: Freundinnen tratschen halt gerne über Männer

Valerie schaffte es pünktlich zur S-Bahn, obwohl sie natürlich mal wieder getrödelt hatte beim Anziehen und Sich-Zurechtmachen. All das brauchte jetzt mehr Zeit als früher, obwohl sie nicht mehr täglich diese deckende und dekorative Kosmetik benutzte wie Foundation oder Eyeliner, heute zum Beispiel hatte sie nur einen hellen Lippenstift aufgetragen, wenig auffällig. Aber bis die Hautcreme eingezogen und sie mit ihren Haaren wirklich zufrieden war, das dauerte eben jetzt mit dem Naturhaar alles etwas länger. Es ist schon irgendwie eigenartig, aber das Thema Körperpflege ist schon irgendwo zentral wichtig für ein weibliches Wesen, und das hatte sie inzwischen irgendwie verinnerlicht, es war quasi an sie rangeflogen, ohne dass irgendjemand es ihr gesagt oder gepredigt hätte. Es war einfach 'learning by seeing', also beobachten, wie machen andere Frauen das. Und dann eben 'learning by doing', also einfach Nachmachen.

Egal, woher sie es gelernt hatte, aber jedenfalls war das Ergebnis absolut positiv. Sie fühlte sich richtig gut dort auf dem Bahnsteig unter all den vielen Menschen, die dort auf die S-Bahn nach Stuttgart warteten. Sehr gutes Feeling, good vibrations könnte man fast sagen. Irgendwie schien heute Abend alles zu passen, ihr Äußeres und ihre innere Verfassung waren in Harmonie. Und ja, das war alles an der Alice festgemacht. Valerie freute sich richtig darauf, die alte Kollegin endlich mal wiederzusehen.

Der Zug erreichte schon einige Minuten später den Cannstatter Bahnhof. Dank ihrer flachen Schuhe hatte sie die paar hundert Meter über den verkehrsreichen Wilhelmsplatz und durch die hübsch beuleuchtete Altstadt hinüber zu Alis Tanzcafé in flottem Tempo zurückgelegt. Da niemand vor der Türe wartete, ging sie schon mal rein, und dort saß sie auch schon, die Alice, sie trug die Haare offen und war aber ganz allein, ihre Verena hatte sie nicht dabei. Valerie bemerkte es sofort und es war ihr eigentlich auch ganz recht so, im Augenblick wenigstens.

"Huhu Valerie!"

"Ja grüß dich, Alice!"

Bei beiden Mädels kam spontane Freude auf, Alice stand auf aus ihrem Plüschsessel. Es folgte eine gegenseitig Umarmung, ganz eng und intensiv, denn man hatte sich sozusagen "schon ewig" nicht mehr gesehen. Dann hielt Alice die Freundin aber kurz auf Armlänge von sich ab, um sie genauer anzuschauen, genauer, sie scannte ihre Figur ab.

"Mensch Mädel, sag bloß. Richtig gut siehst du aus, Lass dich mal wirklich betrachten, Nein echt toll!"

Ihr Blick blieb an Valeries neuer Oberweite hängen und damit wurde es sofort klar, was konkret sie mit dem "einfach toll" gemeint hatte. Ein wenig Stolz kam in Valerie auf, zumindest war sie nicht unzufrieden. Sie hatte heute Abend nicht einmal ihre kleinen Silikonkissen in den BH eingelegt, nein, heute Abend war alles an ihr quasi reine Natur. Wir wissen natürlich, reine Natur ist ein relativ dehnbarer Begriff. Darunter, unter ihrem Top trug sie nämlich einen kleinen weißen Halbschalen-BH, dessen gemoldete Unterschalen ihre neuen Brüste etwas anhoben, so dass ein hübscher kleiner push-up Effekt entstand. Man sieht, Valerie lernte sie sehr schnell, die kleinen Tricks der attraktiven Mädels, und sie hatte begriffen, wie man sich in Szene setzt. Und sie wollte es auch, heute Abend.

Man bestellte sich die altbekannten Hausdrinks, bei Alice war das ein Daiquiri oder so ähnlich, bei Valerie dufte es gerne etwas "mehr Natürliches" sein, also brachte ihr Ali einen kleinen Sekt mit viel Orangensaft.

Worüber man plauderte?

Natürlich zuerst über die Beziehungen. Bei Valerie waren diese in erster Linie männlich und konzentrierten sich im Moment hauptsächlich um das Thema "Gunnar". Dieses Thema war eigentlich schnell durch, nicht viel neues zu erzählen, und im Grunde schien ja auch alles in Butter. Danach aber kamen von Alice's Seite die wirklichen Neuigkeiten mit Kollegin Verena auf den Tisch. Ja, man sein zusammengezogen, man lebt jetzt in einem gemeinsamen Haushalt. Und ja, sie glaubte, es wäre schon etwas Richtiges, das mit der Verena.

"Verstehst du, was ich meine?"

Valerie machte zuerst große Augen, aber dann lächelte sie und strahlte der Freundin ins Gesicht. Alice hatte aus ihrer Neigung zu Frauen nie ein großes Geheimnis gemacht. Und Valerie wäre die letzte gewesen, die so etwas nicht sofort verstanden oder nicht akzeptiert hätte. Wie käme sie auch darauf, sich ein urteil darüber anzumaßen, mit wem ihre alte Kollegin zusammenleben sollte?

Nachdem ernsten Themen erst einmal geklärt schienen, ging das Gespräch dann schnell in die Regionen des lockeren Smalltalks über. Das hatten beide gut drauf, und schnell blödelten die beiden in gewohnter Manier über die früheren gemeinsamen Zeiten im Geschäft und dann natürlich auch über Valeries alten Chef, den Dr. Schmidt, der jetzt Alice's neuer Chef war, sie hatte ihn der Freundin ja quasi weitervererbt.

"Dem geht's blendend, dem Dr. Schmidt"

sagte Alice und setzte hinzu:

"Und weißt du, er spricht im Geschäft öfters mal von dir und lobt deine Arbeit früher in der Abteilung. Und überhaupt scheinst du ihn schon beeindruckt zu haben mit allem, was du letztes Jahr dort durchgezogen hast, und überhaupt deine ganze Geschichte..."

Valerie verstand sofort, was mit der "ganzen Geschichte" gemeint war, nämlich die Sache mit ihrer äußerlichen Wandlung vom Mann zur Frau. Jetzt einmal nur äußerlich gemeint, was Kleidung angeht. Und dass sie damals in Frankfurt als Messehostess eingesprungen war und damit Erica aus der Patsche geholfen hatte. Und Dr. Schmidt hatte die Sache mit dem Wandel hinterher spontan akzeptiert, auch als Valerie hinterher weiter im femme-Modus im Büro der Hauptverwaltung in Stuttgart erschienen war. Super tolerant, schon ein lieber Mensch, der Dr. Schmidt.

"Und weißt du, ich glaube ich habe ihm eigentlich ganz gut gefallen, so äußerlich als Frau"

setzte Valerie hinzu und hatte ein spitzbübisches Grinsen aufgesetzt. Sie dachte an den Altersunterschied zwischen ihr und Dr. Schmidt, er hätte leicht ihr Vater sein Können vom Alter her, aber er war im allerbesten Alter und bestimmt ein attraktiver Mann. Und sie dachte an die bleistiftengen Röcke und die taillierten Blusen, die sie damals im Vorzimmer ihres Chefs immer getragen hatte, weil sie wusste, wie sehr er das in ihr mochte.

"Sag bloß, hatte er ein Auge auf dich? Oder war da was zwischen euch beiden?"

"Nö, nö, nöö, quatsch, nein, niemals. Nein da war nichts zwischen uns, Garnichts.. Bisschen kucken, ja, aber niemals hat er mich angefasst, kannst du mir glauben"

sagte Valerie und es war die Wahrheit. Alice wechselte schnell das Thema.

"Und deine Brust-Transplantation verlief also ganz problemlos, sagtest du ?"

Eigentlich waren es ja Implantate, die ihr eingesetzt worden waren dort in der Böblinger Klinik. Aber Valerie korrigierte die Freundin nicht. ja, alles sei gut gelaufen, so ziemlich ohne Probleme, und wenn, dann waren die jetzt bereits weitgehend vergessen.

Ob Alice wohl wusste, dass Dr. Schmidt ihr den Aufenthalt und die OP in der Schönheitsklinik quasi erst ermöglich hatte durch seine großzügige Übergangsbeihilfe? Sie ließ das Thema mit dem alten Chef fallen. Obwohl der bestimmt Kulleraugen gekriegt hätte, würde er sie jetzt zu Gesicht bekommen. Männer halt, das zieht sich durch alle Altersgruppen.

"Weißt du, es fühlt sich wirklich toll an, jetzt diese neuen Brüste unter der Haut zu haben. Alles wird jetzte viel normaler für mich, und ich fühle mich einfach richtiger. Verstehst du was ich meine? Vollständiger halt."

Alice schien es nicht ganz mitzukriegen, was Valerie zum Ausdruck bringen wollte, man sah es ihrem Gesicht an.

"Es ist halt alles viel einfacher, der Alltag als Frau. Nicht mehr immer diese ständige Gefummel mit den Silikoneinlagen. Nicht mehr jeden Morgen die Frage, bin ich heute mit Kunden zusammen? Also welche Sili-Größe nehme ich dafür. Weißt du das nervte wirklich auf Dauer. Oder tagsüber im Büro muss ich nicht mehr ständig an den Trägern rumzupfen oder kucken, ob der Busen noch richtig sitzt. Kein BH-Träger rutscht jetzt mehr runter, nein, nein, ich fühle mich einfach kompletter als Frau."

Sie war jetzt mal in Fahrt und setze nach einer kurzen Pause noch einen drauf:

"Und ich sage dir noch was: beim Sex geht es bei mir jetzt auch viel lockerer ab als früher. Und ich glaube, dem Gunnar gefalle ich jetzt auch besser. Ich weiß es nicht, wir reden nicht täglich über meinen neuen Busen, aber irgendwie denke ich, es ist jetzt schon besser so, wie es jetzt ist".

Wieder so ein Thema, dachte Valerie bei sich. Ihre Außenwirkung auf Männer.

Alice nickte, mit ihr konnte man so etwas besprechen. In den Augen von Alice sah sie schon deutliches Verständnis, als sie erzählte, sie bewegte sich jetzt mit der neuen Oberweite einfach viel natürlicher und ungezwungener im Alltag und in der Öffentlichkeit und habe auch den deutlichen Eindruck, manche Männer würde das durchaus bemerken. Männer schauten ihr jetzt öfters mal nach, und das sei ihr eigentlich ganz angenehm, dieses Gefühl, für einen Mann interessant zu sein.

Alice schaute ihr tief in die Augen und nickte. Dann kam wieder so ein typischer Alice-Satz, sie konnte ein Thema wirklich auf den Punkt bringen, so mit einem einzigen Satz, einer einzigen Frage, die eigentlich gar keine war, denn die Antwort darauf war beiden bekannt. Aber wie Immer, wenn Alice so ein Ding ablässt, kam es und trocken und lakonisch, war einfach mal so kurz locker hingerotzt:

"Es gefällt dir, wenn du merkst, ein Mann begehrt dich?

Valerie nahm es zuerst fast die Luft weg, aber dann kriegte sie sich wieder ein und nickte.

Ja, genau so war es.




Soviel für heute, demnächst gerne mehr.

L.G. Valerie :()b
Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 378 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

An meine kleine Lesergemeinde,
Ich war die letzten Tage relativ fleißig und habe euch alle paar Tage ein Kapitel abgeliefert, wobei es thematisch vor allem um Valeries Innenleben ging. Die neuen Abschnitte werden sich hauptsächlich mit ihren Abenteuern im neuen Beruf beschäftigen. Dafür brauche ich als Autor aber ein wenig mehr Zeit als mir im Moment zur Verfügung steht. Mein Wochenplan sieht z.Zt. so aus, dass ich morgen (Sonntag) in einem Petanque Tournier mitspielen muss, (auch bekannt als "boule"). Danach, am Montag und Dienstag habe ich zwei freie Tage allein für mich, die ich gerne en femme hier in der Gegend verbringen möchte, und zwar ganz für mich allein. Anschließend ist dann Packen angesagt und das Haus winterfest machen, denn für das Winterhalbjahr verlassen wir unser französisches Sommerquartier und ziehen für die Wintermonate wieder in die Stuttgarter Region um. Erst danach werde ich mich vom neuen Standort aus wieder melden können. Aber macht euch keine Sorgen, ich gehe euch nicht verloren und Valerie auch nicht, sie hat noch viel vor, unsere kleine Protagonistin.

V.B. :()b
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Re: Valeries Welt

Post 379 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Teil 2 Kap. 10: Immo-Business

Die Welt dreht sich zwar von alleine, was immerhin beruhigend ist. Dennoch bleiben in den sozialen Zirkeln, in denen wir uns bewegen, für jeden einzelnen nach wie vor viele Felder übrig, die zu beackern sind, egal, ob sich jemand zum männlichen, weiblichen oder auch dritten Geschlecht zugehörig fühlt. Das gilt für die Stinknormalen, aber auch für Crossdresser, Transvestiten, TS-Menschen und überhaupt alle.

Der Punkt dabei ist: Für Unterhalt und Vorankommen muss jeder von uns arbeiten, reinhauen, und oft sogar recht heftig. Wie es der sogenannte Volksmund so schön aber doch wahrhaftig zum Ausdruck bringt:

"Wer nicht reich heiratet oder was erbt... bleibt ein armer Teufel, als bis dass er sterbt".

Bei Valerie war da auch nicht anders. Heiraten war nicht in Sicht, erben sowieso nicht, und ein armer Teufel wollte sie keinesfalls bleiben. Klar, sie besaß ein komplexes Wesen und führte auch kein ganz einfaches Leben, wir wissen das. Aber gleichzeitig wissen wir auch: Ihre ganzen neuen Lebensumstände als Crossdresser 24/7 waren selbstgewählt, niemand hatte ihr das aufgezwungen. Es war ihre eigene Idee gewesen, den Industriejob als hoffnungsfroher Marketingmanager aufzukündigen und zukünftig als Frau und mit Brüsten zu leben, und die anderen hatten das so angenommen, auch Gunnar liebte sie so wie sie eben war.

Auf der anderen Seite war sie realistisch genug (bei all ihren Tagträumereien) um zu wissen, sie war nicht aus der Welt gefallen durch diese Entscheidung, nein Im Gegenteil sie stand mitten im rauen Alltag, der Schornstein musste rauchen und der Rubel rollen, irgendwie. Und dass sie etwas konnte, das wusste sie sowieso.

Der neue Arbeitsvertrag den sie mit Michaels Stuttgarter Immo-Firma geschlossen hatte, war für sie äußerst attraktiv gestaltet. Sie arbeitete selbständig, also auf Provisionsbasis, sie kriegte also ihre Prozente von dem, was sie für die Firma reinschaffte an Aufträgen. Michael, der Chef, wusste, was er an ihr hatte (in dem Fall sind jetzt einmal nur ihre Französischkenntnisse gemeint), und deshalb hatte er den Vertrag so gestaltet, dass er ihr maximale Freiheiten ließ, gleichzeitig aber sehr viele Leistungsanreize bot, d.h. ihre Erfolgsprämien bei Abschluss eines Mietvertrags waren wirklich "premium", sie verdienten den Namen Prämie. Noch mehr stand ihr bei Haus-Verkäufen in Aussicht, aber da ließ er sie noch nicht ran.

Jetzt lag ihre Hauptaufgabe darin, die Vermietung von Ferienwohnungen, die in Frankreich gelegen waren, zu organisieren und abzuwickeln. Es gab damals wie heute viele Franzosen, die irgendwo im romantischen Süden oder Westen, Provence oder Auvergne oder Bretagne oder wo auch immer es die Deutschen hinzieht, eine Wohnung oder einen kleinen verlassenen Bauernhof besitzen oder z.B. geerbt haben und diesen jetzt an Feriengäste vermieten wollen. Damit sie neben der Steuer auch noch ein kleines Einkommen daraus haben. Und wer hat in Europa den längsten Urlaub und das meiste Geld? Richtig, die Deutschen, und deshalb wandte man sich dem deutschen Nachfrager zu, und Michaels Immo-Firma war auf diesen Zug aufgesprungen und verdiente damit nicht schlecht Geld. Diese Wohnung und Häuser lagen vor allem im Süden von Frankreich. Dort, wo es nach allgemeiner Meinung der Mittel- und Nordeuropäer immer warm ist und trocken.

Sie hatte sich den Ablauf ihres Bürotages streng strukturiert, sich einen eigenen Stundenplan über den Tag gemacht. Jeder dieser Home Office-Tage (also wenn sie mal, was gelegentlich schon vorkam, zuhause arbeitete und nicht auf Reisen war) begann morgens um neun Uhr. Um Neun Uhr kann man Leute schon anrufen, wenn man etwas Nettes zu verkaufen hat. Dann betrat sie also, das inzwischen mehr als schulterlange Haar meistens streng nach hinten gekämmt und dort mit einem kleinen Haarband zu einem Pferdeschwanz gebunden, casual aber nicht nachlässig gekleidet, ungeschminkt und meistens in Turnschuhen (wenn sie keine Kunden erwartete, sonst hatte sie Pulli und Rock an) betrat sie also ihren Arbeitsraum, der ein separierter Teil der neuen Wohnung war und auch auf Kundenbesuche eingerichtet; setzte sich an den Schreibtisch, fuhr den PC hoch,, griff zum Telefon und begann mit 'Business as usual'.

Das ging dann so los: Briefpost und e-mails sichten, Bestandskunden waren anzurufen (man sagte "kontakten"), neue Kunden mussten an ihre Ferienwohnungen herangeführt werden.

"Kennen Sie eigentlich schon unsere Internetseite? Wir haben da etwas wirklich Tolles für sie zusammengestellt"

Die Firma besaß eine umfangreiche Internetseite mit wirklich vielen Fotos und Videos hübscher südländischer Ferienwohnungen darin, meistens war auf den Katalog- und Internetbildern die Menschen glücklich und braungebrannt, der Himmel blau und die Strände weiß. Fischerboote, Segelboote, Häfen voller weißer Yachten. Fotografen können so etwas, das sind Künstler. Die Realität mit den Augen des Betrachters sehen lernen. Fotografieren sie das so wie unsere Kunden das sehen wollen. Solche Fotos brauchen wir in unserem Katalog.

"Ihre Urlaubsträume können Sie verwirklichen. Bei uns..."

Solche Büroroutine war das eben, nicht besonders aufregend aber nötig, um das Geschäft am Laufen zu halten. Sie haute rein, sie biss sich durch, und im Laufe der Zeit bekam sie Freude daran.

Viel interessanter aber waren die Besuche beim Kunden, oft mit Auslandsreisen verbunden, aber keine Reisen im im Flieger, nein, meistens waren lange Autobahnstrecken zu fahren, dann in ein Billighotel an der Straße, kurze Nächte in harten Betten, wieder gefolgt vom nächsten langen ermüdenden Arbeitstag. Aber es war immer etwas los, sie war frei und immer auf der 'Jagd nach der Mark', wie die Branche es damals ganz cool nannte. Heute heißt das "Euro", aber die Jagd ist noch unverändert die gleiche.


Soviel für heute.
Am WE geht es weiter

Liebe Grüße

Valerie :()b
Christiane04
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Re: Valeries Welt

Post 380 im Thema

Beitrag von Christiane04 »

Liebe Valerie,

Wieder ein schöner Beitrag! Du wünscht dir doch immer Input?
Wie wäre es mit Valerie bei der Arbeit und sie wird angeflrtet, ob es ihr gefällt oder
Nicht würde ich der Autorin überlassen. Einfach diesen Aspekt der weiblichen
Arbeitswelt mal beleuchten, aus Valeries Sicht?
Liebe deine Story. Danke
"Ein Mann kann anziehen, was er will, er bleibt doch nur ein Accessoire der Frau. " Coco Chanel
Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 381 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Liebe Christiane04,

Das ist genau das Spannungsfeld in dem sie sich jetzt bewegt. Mitten im Beruf stehen, jedoch als Frau. Aber auch der Job besteht nicht nur aus Planung und Arbeit, denn natürlich sind da immer und überall auch Männer. Und das gibt Emotionen, ob sie will oder nicht. Angeflirtet werden im beruflichen Umfeld, ein attraktives Themenfeld. Sie ist offen für solche Abenteuer, sie hat sich noch nicht an Gunnar gebunden. Irgendwie denkt sie auch manchmal, Gunnar sei ein wenig zu gut, zu ideal für sie. Verstehst du? Immer so diese kleinen Selbstzweifel, und Gunnar an sich ist ja wirklich ein Idealtyp, groß, schlank, supergut aussehend, klug, gebildet, und lieb ist er auch noch. Worauf soll das hinauslaufen? Für ein Happy End bin ich als Autor noch nicht bereit, dann würde die Story langweilig und bald zuende. Mal sehen wie es sich weiterentwickelt. Ich hab's erstmal auf meinen Zettel geschrieben, deinen Gedanken, und danke dir für deinen Input, am WE geht's dann weiter.

Valerie
Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 382 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Teil 2 Kap. 11: Erste Außeneinsätze in Frankreich

Sie waren kaum vorauszuplanen, diese Außeneinsätze nach neuen Kundenkontakten, fielen aber ständig irgendwann einmal an. Unterstreichen sollte man hier die beiden Worte kleinen Worte ständig und irgendwann, sie brachten eine Menge neuer Überraschungen in ihr Leben. Der freelancer im Verkauf ist im Prinzip ein Jäger in einem zugewiesenen Gebiet auf eigene Rechnung, und Valerie war hier die Jägerin. Keine griechische Diana mit dem Bogen, eher eine moderne Form der Jägerin, aber die Prinzipien der Jagd galten im Grunde unverändert, es gab das Jagdgebiet, bestimmt Regeln waren dort einzuhalten, und das zu jagende Wild war nicht nur Opfer, sondern hatte auch seine Möglichkeiten und Chancen, dann ging die Jägerin leer aus.

Nicht, dass sich Valerie ständig und täglich und immer in Jagdstimmung befand, aber potentiell konnte die Jagd immer losgehen, sie musste stets auf der Hut sein. Der Schnellste gewinnt, der Zweite hat schon verloren. So ist das im Immo-Management.

"Es tut uns leid aber wir haben das Objekt gerade an ein anderes Büro gegeben"

Da war schon eine gewisse Spannung drin, in diesem Geschäft. Wenn irgendetwas passierte, dann konnte es alles sein, oder aber auch nichts. Zum Beispiel die Spannung beim Abhören des Anrufbeantworters, oder wenn man ein eMail von einer unbekannten neuen Adresse kriegte:

"Den kenne ich nicht... Was ist das für einer...? Könnte daraus 'was werden...?

Dann musste sie halt los, dann setzte sich die kleine Immo-Maschinerie in Bewegung. An Valerie soll es nicht liegen. Sie kann sich selbst Druck machen, sozusagen von Null auf Hundert gehen, wenn ein Kunde "mit Auftrag drohte". Dann musste schnell improvisiert werden, ein paar kurze Telefonate in der Zentrale, Rückfragen beim Kunden, mehr Infos anfordern, oder am besten gleich einen Besuchstermin mit ihm vereinbaren. Prima, die haben ja sogar Fotos geschickt. Die könnte man ja mal gegenchecken im Internet, ein Segen dass es Google Earth gibt, also reinzoomen, das ist aber ein hübsches Häuschen, und das Dörfchen aha das scheint ja so was von putzig zu sein... Na, mal sehen. Also sie muss mal wieder los, also Gunnar Bescheid geben, vielleicht Erica anrufen, Michael muss sowieso immer wissen, wo sie ist. Dann schnell ein kleines Hotel irgendwo in der Nähe vom Ziel gebucht, zwei Nächte? oder nur eine Übernachtung? Sie bleibt eine Optimistin, will es aber nicht überreizen. Sie kann ja immer verlängern.

Ist genügend Diesel im Tank, ja? Dann schnell den Koffer gepackt, Zahnbürste, bisschen Wäsche, und ab geht's.

Oft mussten große Strecken gefahren werden für diese Kontakte vor Ort mit Anbietern von Ferienimmobilien, also Franzosen, die eine Ferienimmobilie für den deutschen Markt anzubieten hatten. Besichtigungen mussten dann gemacht werden, Besprechungen vor Ort standen an, und all das zog sie jetzt ganz alleine durch. Mit Micheals Unterstützung hatte sie einen großen Leasingwagen angeschafft (der lief auf Michaels Firma), das war ein Mercedes mit automatischem Getriebe, wirklich ganz komfortabel auf der Langstrecke Stuttgart, Mulhouse, Lyon, Valence, Marseille, ab Lyon begann der Süden, das merkte man an den Temperaturen.

Oft fuhr sie auch über Genf und Grenoble, oder gelegentlich auch die Languedoc-Autobahn hinunter in Richtung Pyrenäen, vorbei an den Mittelmeerstränden, Agde, Sete, Leucate, aber zum Baden im Meer blieb leider nie Zeit. Oder sie fuhr hinein in die Weingebiete des Roussillon und weiter nach Westen, in Richtung auf die Stadt Carcassonne in die Hügel hinein, die voller Kiefernwälder waren, gelegentlich ein paar einzeln stehende Zypressen, wie gemalt von Vincent van Gogh, und im Frühjahr voll mit dem schweren Geruch der Berggewürze des Südens, Rosmarin, Thymian, Salbei. In den Frühjahrsmonaten waren die Straßenränder hier oft voll mit gelben Ginsterbüschen, und es gab wirklich eine Menge an Ferienhäusern in diesen hübschen südfranzösischen Departements dort unten in der Region Okzitanien, das ist grob gesprochen die weitere Mittelmeer-Region Frankreichs.

Sie liebte diese Außeneinsätze. Der Kundenkontakt vor Ort war ihr viel interessanter und angenehmer als die Verwaltungsarbeit zuhause, wo sie doch meistens alleine war in ihrem Home Office.

Vor Ort lief das dann meistens immer ähnlich ab. Am Vortag die Anfahrt aus Deutschland mit 800, 900 oder mehr Kilometer Strecke auf der Autobahn, danach nur noch kurz eine Kleinigkeit essen, dann todmüde ins Hotelbett und schlafen. Am Morgen des Besuchstags klingelt der Wecker besonders aufdringlich, trotzdem: raus mit dir und schön duschen, frisch machen, was Hübsches anziehen. Nicht zu sexy, also flache Schuhe, denn diese Leute suchen ein seriöses deutsches Partnerbüro. Trotzdem, man darf durchaus bemerken, sie ist noch keine Vierzig, eher noch näher an den Dreissig dran. Nach dem Frühstück (nur Kaffee, süss, heiss, schwarz) ab ins Büro des lokalen französischen Partnerbüros, der war vom Ort oder aus der Nähe und kannte sich aus, eine große Hilfe, ohne diese Leute ginge es nicht, dieses Geschäft. Diese lokalen Büros waren die Quelle ihres Geschäfts, sie waren zu hofieren, ohne sie wäre niemals etwas gelaufen, denn von einem französisches Häusles-Besitzer kann nicht erwartet werden, dass er sich zwecks Vermietung seines Objekts direkt mit einem deutschen Büro in Verbindung setzt. Also man schätzte sich und brauchte sich gegenseitig, denn natürlich wollten die auch etwas vom Kuchen abhaben. Oft waren die Hausvermieter auch bereits mit dabei, das war eigentlich das allerbeste, dann war sie vor späteren Überraschungen sicher.

Man stellt sich also gegenseitig der Reihe nach vor

"Ahhh, bien, et vous etes la représentante de l'immobilier allemand? Je suis enchanté de faire votre connaisance, madame."

Das ging ihr immer runter wie Öl und bedeutet in etwa: Ahhh... sehr angenehm... Sie sind also die Vertreterin des deutschen Büros?

Und all das dient dazu, das Eis zu brechen. Ebenso wie die Routinen, die jetzt abgehen. Danach gibt es nämlich erst mal ringsum bisous (Wangenküsschen) und Umarmungen mit den Beteiligten. Valerie war darin absolut routiniert und konnte diese bisous oft mit zwei, drei, vier Personen nacheinander abwickeln wie eine kurze gymnastische Übung. Haben wir den Chef nicht vergessen? Wo ist eigentlich der Vermieter? Den Patron zu vergessen, das wäre nicht gegangen, wenn einer bisous brauchte, dann der Patron.
Das gehört sich einfach. Nach dem Chef alle anderen, kurz und schnell abgebusselt, und weiter zum nächsten. Ohne diese Formalien geht in Frankreichs Süden gar nichts. Erst danach versammelt man sich, nickt sich kurz zu:

"On y va?" (Gehen wir?)

und fährt ab zum Objekt der Begierde. Dort die Hausbesichtigung. Der erste Eindruck. Kann man das vermieten oder eher nicht so gut? Für welches Geld pro Woche? Valerie legte bei all dem Trubel, den die anderen um sie herum veranstalteten, immer Wert auf systematisches Arbeiten vor Ort, also hielt sie die Augen offen. Und immer schön die Checkliste ihrer Firma abarbeiten, das Haus abscannen, wie sie es bei sich nannte, Und alles dokumentieren, das wichtig ist, also Fotos machen. Zahl der Schlafzimmer? Wie viele Bäder? Salon mit cheminée? Quadratmeter Wohnfläche Gesamthaus und Nebengebäude? Größe des Grundstücks? Hat es Wasser und Strom? Nicht jedes Haus dort unten hat Wasser und Strom. Wie viele Toiletten? Die Zahl der Klos ist in Frankreich ein Kriterium für die Bemessung der Höhe der Wohnsteuer, das ist also wichtig. Gibt es ein Schwimmbad im Garten?

Sie machte Fotos über Fotos vom Grundstück, Fotos von besonders charmanten Ecken im Garten, von Brunnen, alten Mauerteilen, von alten Bäumen, das waren Imagebilder, die man später in die Werbeanzeige würde einbauen können.

Immer vorher den Patron fragen, ob sie etwas am Objekt knipsen darf. Und dabei lächeln. Ist zwar schon klar dass er ihr nichts abschlägt, aber sie weiß, der Patron wird es mögen, wenn er von einer jungen Deutschen hofiert wird.

"Vous me permettez de faire un petit photo, Monsieur?"

Später die höheren Weihen, wenn das Gröbste geschafft und im Kasten ist: Hat das Haus Internet?, wie ist die Verkehrsanbindung, wie sind die Nachbarn? Und so weiter, as geht schon eine, zwei Stunden lang so. Dann, irgendwann später, man hätte inzwischen Haus und Garten abgelaufen, die Obstbäume gelobt, je nachdem ein paar Kirschen gegessen oder Feigen (qui'ils sont merveilleux vos figues"), dann den Hund gestreichelt, den Weinkeller besichtigt und auch den grenier (die Bühne) gesehen... Erst dann würde man sich schließlich am Wohnzimmertisch versammeln. Jetzt wird erst einmal ein Aperitif genommen oder man trinkt einen Pastis.

Sie bespricht sich kurz mit dem französischen Kollegen, dann sagt sie zum Patron:

"Ja Monsieur, es ist wunderbar. Wir machen Ihnen also ein schriftliches Angebot, wir denken wir können ihr Haus guten Gewissens in unserem europäischen Standard-Katalog anbieten, es ist ein Schnäppchen".

Oder aber, wenn es ein qualitativ richtig gutes Objekt ist:

""Monsieur, es ist eine Perle, ihr Haus. Ich empfehle Ihnen, einen Internetauftritt auf unserer Webseite zu buchen, wir machen das alles für Sie, inklusive Fotos und Videos, das kostet nur 500 Euro jährlich und bringt Ihnen eine Masse an Mietern, Sie müssen denen dann später nur noch den Mietvertrag zuschicken und Ihre Kontonummer. Alles andere macht unsere Firma, Versicherung, Schlüsselversand und Hausputz, das machen wir für Sie, alles Bingo".



Soviel für heute. Fortsetzung bald mal wieder. Heute war zum ersten mal ein wenig Kapitalismus in Valeries Welt, aber mit dem Eintritt in Micheals Firma hat sich unsere Kleine diesem System verschrieben, es ging jetzt nicht mehr um Analysen und paperwork wie in der Autoindustrie, sondern um knallhartes praktisches Verkaufsgeschäft und wie alles was sie anfasste, wollte sie auch das richtig gut machen. Nächstens werden wir erfahren, dass es in französischen Notariaten auch Männer gibt, und zwar attraktive Männer, ein solches Notariat lernt sie bald mal kennen, es ist in der Stadt Narbonne.

Lieben Gruß

Valerie
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Re: Valeries Welt

Post 383 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

An meinen kleinen Leserkreis.

Ich wollte euch für das Kommende WE noch eine gute Zeit wünschen und auch noch mitteilen, dass das 12. Kapitel gerade beendet wurde. Nachtarbeit, nächtliches Schreiben liegt mir, also warum eigentlich immer vorm TV hocken? Das neue Kapitel heißt:

"Alain, Delphine und Thierry" und handelt von ihren neuen französischen Freunden.

Hier, real, regnet es seit Tagen. Wir, meine Familie und ich sind zur Zeit dabei, unsere Zelte hier abzubrechen und wieder ins Stuttgarter Winterlager überzusiedeln. Abfahrt ist Sonntag, übermorgen und hoffentlich ist dann auch der Verkehr ruhig. Ich melde mich, wenn alles gut geht, Mitte nächster Woche wieder mit dem neuen Kapitel.

Liebe Grüße, Valerie :()b
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Re: Valeries Welt

Post 384 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Teil 2 Kap. 12: Alain, Delphine, und Thierry

In den folgenden Monaten war Valerie noch mehrmals für Kundengeschäfte dort unten im Languedoc-Rousillon unterwegs, wie diese weitgehend flache bis leicht hügelige mittelmeerische Küstenregion in Südfrankreich zwischen Rhonedelta und den Pyrenäen genannt wird, die im wesentlich voller weißer Kalkfelsen ist, nur wenige Städte und viele arme kleine Dörfer hat, kaum Landwirtschaft kennt außer Weinbau und Oliven, aber für die Immobilienbranche so etwas darstellt wie eine kleine Zukunftsregion, also hier, so glaubt man, werden die Europäer in Zukunft immer mehr Urlaub machen oder ihren Lebensabend verbringen, also hier wird er irgendwann einmal rollen, der Rubel, der sagenhafte.

Nüchtern betrachtet, hat die Region außer dem Meer und der wilden Landschaft eigentlich wenig zu bieten. Die Vegetation Im Languedoc ist ärmlich, die Sonne brennt heiß und im Frühling es gibt nur wenig frisches wenig Grün, nur ab und zu beleben kleinere Gruppen von dunkelgrünen Schirmkiefern die Landschaft, sonst gibt es meistens nur dürres krüppeliges Buschzeug, genannt "Garrigue". Und dann sieht man auch mal ab und zu diese wunderschönen schlanken Zypressen, einzelstehend und zehn Meter hoch und größer, die wirken gegen den dunkelblauen Himmel manchmal wie schwarze Flammen, die himmelwärts züngeln. Der Maler Vincent hat den Zypressenbaum in seinen Provence-Bildern oft gemalt, als er in Arles malte und Avignon, das liegt ein wenig nördlicher und war zwischen 1888 bis 1890, dann stoppte eine Krise seine Kreativität.

Im Languedoc, das ist der nördliche Teil Okzitaniens, gibt es zwei größere Flüsse, die münden ins Mittelmeer, den Hérault und die Aude, die zwei kleineren Departements den Namen geben und klare Landschaftsmarken sind. Die Region Occitanie ist im Norden begrenzt von den schwarzen Bergen (la montagne noire), im Süden aber vom Pyrenäengebirge und im Osten eben von Mittelmeer, einer scheinbar immerwährend blauen Wasserfläche, von den Anwohnern deshalb auch das große Blau genannt ("le grand bleu").

Landschaftlich betrachtet, ist die Okzitanie (frz. l'occitancie) bis heute weitgehend das wilde, ursprüngliche Gebiet geblieben, das sie einmal war, und heute noch nicht so von Touristen überlaufen wie die Provence oder die Cote d'Azur. Aber eine Menge von Europäern haben in den letzten Jahrzehnten dort ein Haus gekauft, und deshalb sind viele der kleinen Dörfer der Occitanie heute sozusagen international bevölkert, nicht nur von "eingeborenen Franzosen", sondern auch von zugezogenen Briten, Deutschen, Italienern, Skandinaviern, und Holländern, quasi europäische Dörfer, Europa im Miniformat. Immobilienbüros sieht man an jeder Ecke, in jedem Dorf, es wird viel vermietet, verkauft und gekauft, hier geht echt etwas ab.

Nach ihren ersten Erfolgen hatte Valerie großen Gefallen gefunden am Immo-Geschäft, sie hatte jetzt sozusagen den Fuß in der Türe. Worum es ihr ging? In erster Linie ging es ihr um das Finden, d.h. Aufspüren von möglichen Kunden und dann natürlich vor allem um den Abschluss, also wenn sie Michael in Stuttgart wieder einmal einen unterschriebenen Kommissionsvertrag vorlegen konnte, in dem der Kunde der Firma sein Objekt zum Vermieten überließ, dann war sie happy und das Gefühl stellte sich ein, "es" wieder mal geschafft zu haben. Daran war sie interessiert, an diesem Gefühl des Erfolgs, und deshalb betrieb sie ihre Arbeit auch mit Ehrgeiz und Einsatz.

Sie verstand sich als Jägerin, Valerie war zu Artemis und Diana in einem geworden, aber weil die Welt der Mythen heute längst versunken ist und wir im Hier und Jetzt leben, arbeitete sie ohne Pfeil und Bogen, sondern mit Mobiltelefon, Zeitungsannonce und Internet, und sie arbeitete auch systematisch und mit Planung. Was heißt, sie suchte sich, wenn sie länger unten war, sich selbst vor Ort mögliche Interessenten, ging hin, klingelte und fragte, ob dieses oder jenes Haus für eine Vermietung wohl infrage käme. Nach kurzer Zeit hatte sie so ein funktionierendes Netzwerk, ihr eigenes Netzwerk aufgebaut, das ihr zuarbeitete, d.h. ihr Infos zukommen ließ.
Bald hielt sie sich längere Zeit dort unten vor Ort auf als im Waiblinger Home Office, mit der Folge, dass die alten Freunde ein wenig vernachlässigt wurden. Dafür hatte sie jetzt neue Freunde gefunden, und in Narbonne, einer Kreisstadt im Departement Aude, wo sie im Büro eines Kollegen kurzzeitig Unterschlupf gefunden hatte, waren ihre Freunde Alain und Delphine, und später kam dann auch noch Thierry dazu.

Alain und Delphine waren die Inhaber des lokalen Narbonner Partnerbüros, mit dem Michaels Firma hier zusammenarbeitete, und beide waren wirklich außerordentlich nette Menschen. Beide etwa in Valeries Alter, vielleicht ein klein wenig jünger. Alain der typische Südfranzose, immer freundlich und charmant, dunkelhaarig, schmal gebaut, aber mit einem mächtigen schwarzen Schnauzbart wie seinerzeit Magnum oder Burt Reynolds, die Hollywood-Schauspieler.

Delphine war körperlich das genaue Gegenteil von Alain, sie war groß, ebenso groß wie Valerie, aber kräftig und laut, eine hellhäutige blonde Nordfranzösin mit großer Klappe und immer hatte sie neue Witze drauf.

"Femme faible avec forte geule"

So hatte sie sich selbst bei Valerie vorstellt, als man sich dort im Büro zum ersten mal traf, und das hieß etwa folgendes:

"Schwache Frau mit großer Gosche"

Genau so war Delphine, immer den Schalk im Nacken, immer irgendeine Bemerkung auf Lager, passend oder unpassend, unwichtig, Hauptsache, es geht etwas ab und man hat etwas zum Lachen. Alain, ihr Mann, war anders, er war liebeswürdiger, ruhiger als seine Frau, aber er hatte Charme und konnte die Leute um den Finger wickeln, kein unwichtiger Charakterzug für einen Immobilienhändler. Beide hatten ihr Büro im Zentrum Narbonnes schon seit mehreren Jahren, das Lokal war angemietet, Angestellte hatten sie keine, und die Schaufenster des Büros waren vollgeklebt mit Bildern von Häusern, die zum Verkauf oder zur Vermietung standen. Die beiden Franzosen hatten sich ein wenig angefreundet mit Valerie, vielleicht fühlten sie sich auch ein wenig verantwortlich für ihre Betreuung, nachdem man nun die ersten Projekte gemeinsam durchgestanden hatte.

"Il faut qu'on s'occupe de la petite Allemande toute seule dans la grande ville étrangère"

sagte Alain zu Delphine, was etwas soviel heisst: "Diese kleine Deutsche da ganz allein in der großen fremden Stadt, da müssen wir und doch drum kümmern".

Also wurde Valerie nach Büroschluss öfters öfters mal zum Essen mit Nachhause genommen. Meistens aber gingen die beiden Franzosen, weil sie ja keine Kinder hatten, mit Valerie abends gemeinsam in ein Bistro um die Ecke oder aber zum Essen in eines der romantischen Lokale am Kai des Canal du Midi, der mitten durch die Altstadt von Narbonne führt. An einem dieser Abende sah sie dort zum ersten Mal auch Thierry Elouard.



Ob Monsieur Elouard gut aussieht oder schlecht, und ob sie ihn gleich Thierry nennen darf oder nicht, erfahrt ihr nächstes mal. Mit diesem cliffhanger ist erst mal Schluss für heute. Fortsetzung in Bälde, in diesem Theater.


Liebe Grüße

Valerie :()b
Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 385 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Kleine Leserumfrage

Bitte nicht lügen beim Ausfüllen

1) Warum liest du Valeries Welt?
Freie Antworten, z. B. weil mir langweilig ist / weil es eine tolle Story ist ist / weil ich nichts anderes zu tun habe

2) Wie gefällt dir die Story bisher?
Eine Kategorie auswählen, z.B. sehr gut, weiter so, / ganz nett, aber mehr Leben rein / Mist, schnell aufhören bitte

3) Wie oft soll das neue Kapitel immer kommen?
Eine Kategorie auswählen, z.B. wöchentlich / seltener / mir egal / denk dir 'nen netten Schluß aus und hör auf damit.

4) Was sollte anders werden?
Freie Antworten, z.B. mehr über ihre Arbeit / mehr über ihre Freizeit / mehr über ihre Probleme als CD / mehr Sex mit Gunnar

5) Wo sollte die Story mehr spielen in Zukunft
Freie Antworten, z. B. Mehr in Frankreich / wieder zurück in die Heimat

Bin glücklich über alle Antworten, selbst die kleinste Idee hilft, aber auch großartige Ideen werden gerne angenommen

Lieben Gruß, eure Valerie :()b
Maria T
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Re: Valeries Welt

Post 386 im Thema

Beitrag von Maria T »

Hallo Valerie,
1. Weil es spaß macht zu lesen
2. Sehr gut, weiter so,
3. Passt so einmal die woche, wie du es schaffst
4. Vielleicht mehr über die Probleme als CD, aber auch das drum herum arbeit, Freizeit und Beziehung
5. Ausgewogen, also beide Orte, das leben von Valerie spielt in Frankreich und Deutschland.

Lg Maria
Einfach ist am schwersten.
SusiS
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Valeries Welt „ Leserumfrage

Post 387 im Thema

Beitrag von SusiS »

1) Warum liest du Valeries Welt?
Weil mir diese Geschichte gefällt.

2) Wie gefällt dir die Story bisher?
Zur Geschichte würde ich sagen weiter so.

3) Wie oft soll das neue Kapitel immer kommen?
Das hängt von verschiedenen Faktoren zusammen. 2 Beispiele:
Wie lang ist die einzelne Folge [bei längeren Folge kann durchaus größere Abstände zwischen den Folgen sein]
Wie viel Zeit du für die Geschichte jeweils zur Verfügung hast.

4) Was sollte anders werden?
Nun dazu würde ich sagen, eine gute Mischung von Arbeit, Freizeit, Probleme + Werdegang als CD, Liebesleben mit Gunnar

5) Wo sollte die Story mehr spielen in Zukunft
Warum nicht ausgewogen zwischen Frankreich und ihrer Heimat
Joe95
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Re: Valeries Welt

Post 388 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Valerie Bellegarde hat geschrieben: Di 16. Okt 2018, 17:24 Kleine Leserumfrage

Bitte nicht lügen beim Ausfüllen

1) Warum liest du Valeries Welt?
Freie Antworten, z. B. weil mir langweilig ist / weil es eine tolle Story ist ist / weil ich nichts anderes zu tun habe
Weil ich neugierig bin.
2) Wie gefällt dir die Story bisher?
Eine Kategorie auswählen, z.B. sehr gut, weiter so, / ganz nett, aber mehr Leben rein / Mist, schnell aufhören bitte
Das ist schon in Ordnung so. Mach weiter wie bisher.
3) Wie oft soll das neue Kapitel immer kommen?
Eine Kategorie auswählen, z.B. wöchentlich / seltener / mir egal / denk dir 'nen netten Schluß aus und hör auf damit.
Wöchentlich scheint mir Ok.
Frau kann ja lesen wann und wie sie Zeit hat.
4) Was sollte anders werden?
Freie Antworten, z.B. mehr über ihre Arbeit / mehr über ihre Freizeit / mehr über ihre Probleme als CD / mehr Sex mit Gunnar
Wenn man über Themen schreibt hat man irgendwann alles durch und die Geschichte ist zwangsweise zu Ende.
Schreib kleine Abenteuer oder Erlebnisse über ein/zwei Kapitel.
5) Wo sollte die Story mehr spielen in Zukunft
Freie Antworten, z. B. Mehr in Frankreich / wieder zurück in die Heimat
Wie es sich ergibt.
Bin glücklich über alle Antworten, selbst die kleinste Idee hilft, aber auch großartige Ideen werden gerne angenommen

Lieben Gruß, eure Valerie :()b
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Re: Valeries Welt

Post 389 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Danke an Maria T, SusiS, und Joe95 für ihre Antworten. Das wären schon mal drei Meinungen. Ich warte jetzt erst mal noch ab. Wenn ich so ca. 6 bis 8 Antworten zusammen habe, kommt das neue Kapitel :mrgreen: , spätestens aber am kommenden WE. :()b

Freundlichen Gruß.
Valerie
Christiane04
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Re: Valeries Welt

Post 390 im Thema

Beitrag von Christiane04 »

Guten Morgen,

Schöne Idee per gezielter Meinungsumfrage.
1. weil deine Geschichte ein schöner Ausflug aus dem " männlichen " Alltag ist
2. Sehr gut, spannend wird es immer, wenn es um Gefühle geht
3. wöchentlich ist toll
4.eine schöne Mischung aus allem, wie das reale Leben halt so ist
5.das hängt nach meinem Verständnis davon ab, wie sich die Beziehung zu Gunnar so weiter entwickelt!

Vielen Dank liebe Valerie
"Ein Mann kann anziehen, was er will, er bleibt doch nur ein Accessoire der Frau. " Coco Chanel
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