Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz
Verfasst: Mo 6. Mär 2023, 16:34
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Das Problem ist nicht nur, dass ein einzelnes Vorhaben auf Eis liegt, weil einer nicht einverstanden ist, sondern es beeinflusst auch andere Vorjaben. da wird nämlich untereinander um Ausgleich gerungen. Gibst Du mir bei meinem Vorhaben, gebe ich Dir bei Deinem. Die Parteien müssen für ihr Wahlvolk auch Ergebnisse vorweisen. Kann man nachvollziehen, ist aber unschön, da hier Dinge verquickt werden, die nichts miteinander zu tun haben. Ich habe das vor Jahren im Kontext mit dem Gigaliner (Verkehrsminsterium) und Naturschutzmaßnahmen (Umweltministerium) erlebt. Letztlich habe sie sich geeinigt und die Verzögerung belief sich auf über ein halbes Jahr.Jasmine hat geschrieben: Di 7. Mär 2023, 08:29 liegen derzeit rund 30 Gesetzesvorhaben auf Eis, weil einer der drei Koalitionspartner nicht einverstanden ist.
Ich denke nicht, dass daraufhin etwas passiert, aber man sollte die FDP an dieser Stelle mit ihren eigenen Widersprüchen in Sachen Menschenrechte konfrontieren.Sehr geehrter Herr Minister Buschmann, , sehr geehrter Herr Theurer,
mich treibt die Sorge um die eingeschränkten Grundrechte von Minderheiten in Deutschland um. Bereits vor vielen Jahren mahnte das Bundesverfassungsgericht eine Neufassung des Transsexuellengesetzes an.
Erfreulicherweise hat sich die aktuelle Bundesregierung sich dieses Themas angenommen und bereits vor einem knappen Jahr die wesentlichen Eckpunkte eines neuen Selbstbestimmungsgesetzes vorgestellt. Die entsprechende Pressekonferenz ist bekannterweise im Internet zu finden. Sie, H. Buschmann, haben sich hier ja in hervoragender Weise in Szene gesetzt. Die betroffene Community hat aufgeatmet und war sehr hoffnungsvoll.
Doch leider ist die FDP geade dabei sich viele Sympathien zu verspielen, da, entgegen dem "Fahrplan", die Umsetzung des Gesetzes noch immer auf sich warten lässt. Um die Situation von Betroffenen ganz klar zu formulieren: Wir sprechen hier nicht von Lappalien, die man auf die lange Bank schieben kann. Es sind Menschen betroffen, die seit Jahrzehnten unter Diskriminierung leiden und ein unsägliches Verfahren erdulden müssen, um wenigstens in ihrer Akte ihr persönlich empfundenes Geschlecht und den richtigen Namen wieder zu finden. Damit verbunden ist natürlich nicht nur der Eintrag beim Standesamt. Damit verbunden sind all die täglichen "Kleinigkeiten" wie z.B. der Name in Postadressen, bei Bestellungen im Internet, und auf offiziellen Institutionen wie Banken und nicht zuletzt beim Arbeitgeber.
Besonders fatal ist aber die Aussenwirkung der FDP, wenn man sich die Argumentation von Ihnen, H. Buschmann betrachtet, die auf völlig irrigen Argumenten fusst. Die Erfahrungen in anderen Staaten zeigen, dass es sich hierbei weitgehend nur um Scheinargumente handelt. Ganz fatal wird es, wenn man sieht, dass sich das Justizministerium offiziell auf der Homepage des Justizministeriumsgar nicht mehr dieser Frage stellt. Jedenfalls ist seit dem 30.06.2022 keine offizielle Verlautbarung zu finden. Anders als beim Familienministerium, dort scheint man sich wenigstens der Nöte und der Diskriminierung der betroffenen Menschen bewusst zu sein.
Ich meine, einer Partei, die sich klar gegen Diskriminierung und für Menschenrechte äußert, Menscherechtsverletzungen, nicht zuletzt in der Ukraine, anprangert, würde es gut anstehen, wenn endlich auch die Menschenrechtsthemen in unserem Land angegangen und umgesetzt werden.
Ich, und nicht nur ich, würde mich sehr über entsprechende, ernstgemeinte Aktivitäten in allernächster Zukunft freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Viktoria Rose, die ihren Namen gemäß ihres selbst definierten Geschlechts verwendet.
Du kannst ihm wie z.B. die AG SPDqueer in Oberfranken (https://www.wiesentbote.de/2023/01/16/o ... buschmann/), direkt schreiben: marco.buschmann@bundestag.deJasmine hat geschrieben: So 12. Mär 2023, 11:01 Sehr geehrter Herr Buschmann, bitte geben Sie ihre Blockadehaltung auf.
Bei den verschlossenen Türen und Hinterzimmern gebe ich Dir Recht. Aber mehr direkte Demokratie führt meiner Einschätzung nach zu mehr reiner Mehrheitsmeinung und zu Affekthandlungen. Das ist bei der Komplexität unserer Welt vermutlich nicht das Beste, sondern häufig mit zu engem zeitlichem und räumlichen Horizont gedacht - und vernachlässigt Minderheiten, also notorisch die Schwächsten.Jasmine hat geschrieben: So 12. Mär 2023, 11:01 Manchmal wünsche ich mir etwas mehr direkte Demokratie. Welche Auswirkungen eine parlamentarische Demokratie hat sehe ich nicht nur unter der Groko oder auch leider unter der Ampel zu oft. Warum habe ich das Gefühl: Da wird mir persönlich zuviel hinter verschlossenen Türen Politik gemacht?
Da git es noch deutlich mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Keine_Experimente ...Jaddy hat geschrieben: So 12. Mär 2023, 13:03 Oder, wie die CDU es mal plakatierte: "Keine Experimente" (1957).
Hmm, und was hat das aktuelle System der repräsentativen Demokratie da genau besser gemacht?Jaddy hat geschrieben: So 12. Mär 2023, 13:03Ich traue einer direkten Demokratie nicht ausreichend Schwarmintelligenz zu, das zu berücksichtigen. Spätestens seit Pandemiebeginn nicht.
Ich nehme mal das Selbstbestimmungsgesetz als Beispiel. Bist Du der Ansicht, dass bei einer Volksabstimmung darüber die aktuelle wissenschaftliche Erkenntnislage und die Antworten der Fachgremien den Ausgang bestimmen würden? Ich nicht. Ich befürchte vielmehr, dass Kampagnen mit völlig willkürlichen Falschbehauptungen wunderbar verfangen würden, wie zum Beispiel "Frauensauna" oder "Belästigung auf der Toilette". Auch in der Schweiz gibt es eine Menge Beispiele für sehr schief gegangene Initiativen, die völlig unnötiges Leid verursachen. Und auf europäischer Ebene: Brexit.Lana hat geschrieben: So 12. Mär 2023, 23:33Hmm, und was hat das aktuelle System der repräsentativen Demokratie da genau besser gemacht?Jaddy hat geschrieben: So 12. Mär 2023, 13:03Ich traue einer direkten Demokratie nicht ausreichend Schwarmintelligenz zu, das zu berücksichtigen. Spätestens seit Pandemiebeginn nicht.
Wenn Schwarmintelligenz mehr als nur eine Worthülse sein soll, dann muss man den Erkenntnissen des Schwarms auch ausreichend Gehör schenken und Entscheidungen an seiner Fachexpertise ausrichten. Beides wurde in der Pandemie nicht gemacht, aber nicht nur da.
Es ist ein Grundproblem der aktuellen Politik, sich bei ihren Entscheidungen über von ihr selbst teuer beschaffte fachliche Expertise hinweg zu setzen und voller Ignoranz schlechte Entscheidungen zu treffen.
Die Fachkompetenz der politischen Akteure selbst lässt häufig sehr zu wünschen übrig. Auf dieser Grundlage ist es nahezu ausgeschlossen, dass Entscheidungen fundiert getroffen werden.
Wir sehen dieses Phänomen aktuell beim Selbstbestimmungsgesetz, wo immer noch Fragen diskutiert werden, die von den Fachgremien schon längst beantwortet oder als irrelevant eingeordnet wurden. Trotzdem beißt sich ein Buschmann völlig realitätsfern am Frauensaunaproblem fest, das es in der Realität so gar nicht gibt.
Ich sehe die generelle Überlegenheit der Repräsentation gegenüber einer direkten Demokratie jedenfalls nicht.
Ein weiteres großes ungelöstes Problem ist die undemokratische Einflussnahme von finanzstarken, gut vernetzten Lobbygruppen, die exklusiven Zugang zu Entscheidungsträgern in Machtpositionen hat. Korruption ist ein weiteres Problem, das auch vor Deutschland nicht halt macht. Beides ist bei direkten Abstimmungen irrelevant.
LGL