Re: Das erste Mal
Verfasst: Mo 10. Jun 2019, 19:13
Hallo Céline,Céline hat geschrieben: Mo 10. Jun 2019, 12:02 Momentan bin ich oft sehr traurig da ich gefühlt weder hier noch hier hin gehöre.
dieses Statement und deine trauige Stimmung erinnern mich an meine verzweifelte Seejungfrau:
Diva hat geschrieben: So 9. Jun 2019, 11:12 Ich saß im aufgeheizten Sand, ließ die Füße von den Wellen umspülen und blickte zur Sonne, die sich wie ein roter Ball ins Wasser stürzte. Oh ja, auch du stirbst jeden Tag, versinkst im eigenen Blut. Doch am nächsten Morgen erhebst du dich erneut wie eine Königin. Was war ich für eine Königin? Eine Königin der Schmerzen. Niemals würde ich dazugehören, mein Platz war weder im Wasser noch unter dieser Sonne.
...
Nein, ich war ich kein Fisch - weder ein Mädchen des Meeres noch der Menschen. Ich war nur ein Etwas, das niemand wollte, vor dem alle Abscheu und Ekel empfanden, sobald sie meinten, mein "Geheimnis" zu erahnen.
Das kann der richtige Weg sein. Die Begründung gibts du dir selbst:Céline hat geschrieben: Mo 10. Jun 2019, 12:02 Am liebsten würde ich einfach alles hinter mir lassen und irgendwo neu anfangen....
Dieses ständige auf und ab ist irgendwann nicht mehr zu ertragen!!
Das ist der Schlüssel! In den Betonschädeln deiner alten Umgebung ist unverrückbar für alle Ewigkeiten der "Kerl" eingemeißelt. Ob du in herrlichster damenhafter Schönheit oder unrasiert im Blaumann vor denen stehst, spielt keine Rolle. Sie sehen das, was sie sehen wollen: den Mann, den sie seit Ewigkeiten kannten oder von dem sie sich dank Briefings ein Fantasie-Bild zusammengebastelt haben.Céline hat geschrieben: Mo 10. Jun 2019, 12:02 Nur sobald ich von meiner gewohnten Umgebung ausbreche komme ich meinem wahren Ich näher da ich dann anderst behandelt werde.
Genau dazu hat mir ein besonders aggressiver Kollege mal seine Meinung gesagt, darum weiß ich so genau, was in einigen dieser Betonköpfe vorgeht (s.u.). Das Ergebnis ist, dass die dann immer - selbst nach Gesichts-OP - einen verkleideten Mann vor sich sehen. Den Aberglauben der Ewiggestrigen kannst du nicht kurieren.
Entweder schaffst du es, dir quasi eine Gegenwelt aufzubauen, in der du in der Freizeit komplett neu anfängst und dich ausschließlich mit unvoreingenommenen Menschen umgibst, die dich einzig als Céline kennen - oder du musst den Neuanfang ausdehnen. Das bedeutet nicht, Knall auf Fall den Kontinent zu wechseln. Du könntest z.B. nach VÄ / PÄ korrekt adressierte und gegenderte Arbeitszeugnisse einfordern und dich als Frau neu bewerben. In kleinen Schritten in eine neue Welt.
Es ist zwar hart, sich die Erkenntnis einzugestehen, dass die Transition im alten Umfeld schwer - in bestimmten Bereichen gar nicht - möglich ist, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen und die Umgebung komplett überfordert ist. Doch es ist besser, wenn du das für dich feststellst, bevor fast alle Auswege abgeschnitten sind, du täglich geächtet und diskriminiert wirst, dass du nur noch damit beschäftigt bist, irgendwie zu überleben. Ich hätte diese Erkenntnis gerne schon gehabt, bevor mich ein enger Kollege öffentlich geschlagen hat, bevor mich andere Kollegen betrunken sexuell belästigten, bevor ich mir von hochrangigen Chefs anhören musste, dass sie ein "Problem" mit mir hätten, weil sie selbst nicht in der Lage sind, mit einer derartigen Wandlung umzugehen. Nun denk nicht, die Schlimmsten wären diejenigen, die einen jahrzehntelang als Mann kannten. Nein - gerade die Neuen, die gewissenhaft gebrieft werden, haben mitunter das größte Brett vorm Kopf.
Deshalb erspare dir diesen Wahnsinn, wenn du schon absehen kannst, dass es so werden könnte.
Bei mir ging 15 Monate lang alles gut, bevor das Imperium zurückschlug ...
Immerhin wurdest du weder geschlagen noch beleidigt und sexuell belästigt. Das kommt ggf. als Nächstes.Céline hat geschrieben: Mo 10. Jun 2019, 12:02 Diese Woche habe ich ein Firmensommerfest mit einem Kollegen organisiert und 3Tage daran gearbeitet und das erschreckende daran wie undankbar Kollegen sein Können.
Ein berenteter ehemaliger Kollege bat um die Ausrichtung einer "Tafel" anlässlich seines Geburtstages. Er zahlte - und explizit ich sollte die komplette Orga übernehmen für ca. 25 Leute. Vom Einkauf zurückgehetzt schnippelte ich Obst und Gemüse, stellte die Wurst- und Käseplatten zusammen usw., da kam der gute Rentner grinsend anspaziert, um mir vor allen Leuten, die herumstanden, zu verkünden, dass ich für immer und ewig für ihn "Herr X. Y." bleiben würde, egal wie sehr andere meinten, dass ich mich verändert hatte. Da schossen mir die Tränen in die Augen und ich hatte Mühe, mir nicht die Finger abzuschneiden. Ich schwieg und er schaukelte sich hoch, bis ich die Kraft fand, ihn zu unterbrechen: "Du kannst gerne über mich denken und meinen, was du willst - aber es interessiert mich nicht. Außerdem gehören solche Dinge wohl kaum in den Kollegenkreis." Doch das Maß war für ihn noch nicht voll. An versammelter Tafel kam dann beim Dank der ach so versehentliche Versprecher beim Vornamen und ich verließ den Raum. Ich war die Einzige, die keinen einzigen Bissen aß. So viel zum Thema Dankbarkeit im Kollegenkreis. Sei froh, wenn du nicht obendrein noch verhöhnt und diskriminiert wirst ...
Nein, warum denn? Willst du den Leuten ständig deinen Ausweis zeigen? Die ewiggestrigen Mitmenschen erkennen keinerlei Realitäten an und sind vollständig unbelehrbar.Céline hat geschrieben: Mo 10. Jun 2019, 12:02 Einen positiven Punkt habe ich diese Woche aber erreicht,beim ersten Gutachter bin ich durch und demnächst fange ich bei der Zweiten an und hoffe dann zumindest die NÄ/PÄ endlich hinter mir zu haben.Ich frage mich oft ob dann endlich das ständige Missgendern ein Ende hat???
LG
-Diva