@Lukretia: Also den "Spiegel" lassen wir mal lieber weg, wenn es um seriöse Studien geht
Literaten und Philosophen sind auch eher ungeeignet. Solche vor der Aufklärung und die der Romantik schon mal mehrfach. Ich rede nicht von subjektiver Einschätzung oder dem privaten Lieblingsweltbild, sondern von beinharten, messbaren Fakten.
Und an dem von Dir erwähnten Artikel lässt sich gut zeigen, was ich damit meine, bzw. woran es in der Regel mangelt.
Das Original findet sich bei
PLOS und in den Kommentaren dazu findet sich eine ausführliche
Stellungnahme der Gegenseite. Tenor: Die Methode erzeugt die gewünschten Ergebnisse. Genau das meinte ich.
Lassen wir mal die Rechentricks beiseite, mit denen aus 16 Faktoren eine binäre Einordnung gebastelt wird. Die sind nämlich nur scheinbar objektiv. Erstens weil sie die 16 Persönlichkeitsfaktoren bereits in der Annahme männlich/weiblich einsortieren, zweitens weil die Erhebung selbst den wesentlichen Fehler erzeugt.
Die Rohdaten basieren auf Selbsteinschätzungen. "Another important point to note is that Del Giudice and colleagues"™ methods rely on subjective self-reports of personality". Mit anderen Worten, die VP oder Bekannte von Ihnen wurden befragt, wo sie sich oder die VP auf einer Skala einschätzen. Die Kommentatorin,
Janet Hyde, führt aus, dass test-basierte Messmethoden weit geringere gender-Differenzen finden.
Der Punkt, den ich besonders betonen möchte folgt im Absatz drauf: "Moreover, subjective self-reports are vulnerable to the effects of stereotyping, and many personality traits are gender stereotyped. Research indicates that people engage in gender-based self-stereotyping when reporting personality traits." Sie hat jeweils Belege dafür, also Studie, die genau diese Fehlerhaftigkeit aufzeigen.
Heisst: Bei (Selbst-)einschätzungen tendieren Menschen dazu, auf die Gender Stereotype zurück zu greifen. Es kommt dann das heraus, was man von sich erwartet. Oder ist zum Beispiel bei dem
COGIATI-Test mal ganz was unerwartetes rausgekommen?
J.Hyde führt genau das weiter aus, was ich mit genderbinärem Einfluss meine: "The two personality factors that show the largest univariate gender differences in the Del Giudice study are Sensitivity (d = -2.29) and Warmth (d = -.89). [...] Most women would be reluctant to rate themselves as low on sensitivity and warmth. Many men, in contrast, would be loathe to describe themselves with the girlie attribute of sensitivity. In short, the larger gender differences found by Del Giudice and colleagues may represent no more than gender stereotypes, and may reveal little about actual behavior."
Nochmal auf Deutsch: Den meisten Frauen würde es widerstreben, sich als wenig sensibel oder warmherzig einzuschätzen. Auf der anderen Seite würden es viele Männer verabscheuen, sich mit "mädchenhaften" Attributen wie sensibel zu beschreiben. Die größeren Gender-Unterschiede, die Del Giudice und Co gefunden haben, könnten nicht mehr darstellen als Gender-Stereotype (die die VP von sich darstellen), und sehr wenig das tatsächliche Verhalten repräsentieren.
Das war jetzt nur mal eine Studie, die Du so "im Internet" gefunden und zitiert hast. Ich kenne den ganzen Kram ja. Und bisher sind mir keine untergekommen, die nicht wegen methodischer Mängel rausfallen würden.
Ich wäre auch ehrlich überrascht, wenn es wirklich welche gäbe, bin aber offen, wenn Du was findest
