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Zunächst mal vielen Dank für die anerkennenden Worte. Wenn meine Berichte so gut ankommen, werde ich also weiterschreiben.
5.1.2013
Das neue Jahr sollte gleich mit einem kulturellen Höhepunkt beginnen. Wie ich in einem anderen Beitrag schrieb, hatte ich eine CD-Freundin kennengelernt, die wie ich gern in die Oper geht. Unser erster gemeinsamer Besuch einer Aufführung war seit einigen Wochen beschlossene Sache. Es sollte nach Dresden in die Semperoper gehen und damit sich die Sache lohnt, hatten wir uns ein zweitägiges Programm zusammen gestellt. Aber alles der Reihe nach:
Emma, so nennt sich meine Freundin, wohnt auch in der Nähe von Chemnitz, aber in einer etwas anderen Richtung davon. Wir trafen uns am Vormittag in Chemnitz und fuhren mit der Bahn nach Dresden. Für Emma war es, trotz reichlicher Outdoor-Erfahrung, die erste Bahnfahrt.
Zu meinem Outfit gibt es diesmal nichts Neues zu berichten, ich trug wieder mein weinrotes Strickkleid und alles was dazugehört, wie bei meinem letzten Ausflug nach Dresden (
gallery/image_page.php?album_id=677&image_id=6320). Man mag mir vorwerfen, dass ich ob dieser Wiederholung keine modischen Einfälle mehr hätte. Ich hatte aber die Tage zuvor schon wieder ein volles Arbeitspensum zu bewältigen, sodass ich gar keine Zeit fand, mir über Alternativen Gedanken zu machen.
Bei der Fahrkartenkontrolle im Zug zeigte ich auf Verlangen meine Bahncard, wobei ich, wie schon oft in der Vergangenheit sie so anfasste, dass ein Finger meinen männlichen Vornamen verdeckte. Diesmal nahm der Kontrolleur die Bahncard an sich, inspizierte sie genauer und verlangte dann meinen Ausweis. Aus zahlreichen Berichten hier im Forum wusste ich, dass ich trotz männlichem Namen und Passbild nichts zu befürchten hätte, aber ein ungutes Gefühl hatte ich trotzdem.
Der Kontrolleur machte ein etwas ungläubiges Gesicht, und sein Blick wechselte ständig zwischen mir und meinem Ausweis. Ich weiß nicht, wie lange das noch gegangen wäre, hätte ich nicht auf mein verändertes Outfit hingewiesen. Der Kontrolleur meinte nur, dass er mich nicht erkennen kann und als ich wiederholte, dass ich heute anders aussehe, sagte er nach einer kurzen Pause: "Na gut, lassen wir"™s gelten" und gab mir meine Dokumente zurück. Auch wenn nichts Schlimmes passiert ist, mag ich solche Situationen nicht. Ich denke deshalb darüber nach, wie ich diese künftig vermeiden könnte.
In Dresden angekommen, haben wir zuerst unsere Koffer im Hotel deponiert und sind dann über die Augustusbrücke in die Dresdner Neustadt gegangen. Das Wetter war etwas durchwachsen, fast den ganzen Tag Sprühregen. Aber dadurch wollten wir uns die gute Laune nicht verderben lassen. In der Dresdner Neustadt gibt es eine Vielzahl von Galerien und Kunstausstellungen. Zuerst steuerten wir das Völkerkundemuseum an, waren aber auch schnell wieder raus, weil zur Zeit nur ein Bruchteil der Ausstellung zu sehen ist.
Danach machten wir einen Abstecher in zwei private Galerien. Während die eine unserer Ansicht nichts Besonderes bot, war die andere dafür umso interessanter. Deren aktuelle Ausstellung nannte sich Wertewandel, und zeigte Alltagsgegenstände, die scheinbar wertlos in Müllcontainern oder auf Schrottplätzen gefunden, durch entsprechende Umgestaltung aber als Kunstgegenstände zu Teil beträchtliche Werte (wieder-)erlangten.
Den Abschluss unseres "Kunstpfades" bildete das sogenannte Kügelgenhaus. In dem ehemaligen Wohnhaus des Malers und Professors der Dresdner Kunstakademie Gerhard von Kügelgen ist heute ein Kunst-, Literatur- und Musikmuseum untergebracht.
Es war bereits Zeit zum Mittagessen. Emma kannte ein schönes Restaurant gleich um die Ecke, wo das Essen auch vorzüglich geschmeckt hat. Wieder auf der anderen Elbseite, haben wir uns noch die Kathedrale Ss. Trinitatis (ehemalige katholische Hofkirche) angesehen, bevor es erst einmal ins Hotel zurück ging.
An dieser Stelle sei mir ein erstes Resümee gestattet, insbesondere da ich zum ersten Mal mit einer CD-Freundin unterwegs war. Einerseits ist es natürlich schöner, eine Gesprächspartnerin dabei zu haben. Andererseits fällt dadurch Passanten oder anderen Besuchern eher auf, wenn das optische Erscheinungsbild nicht mit dem, was akustisch ankommt, übereinstimmt. Ich bin es ja inzwischen gewöhnt, als Andrea draußen ganz ungehemmt zu sprechen. Emma dagegen achtete viel stärker darauf, dass möglichst niemand mithört. Sie hat wohl auch eine tiefere, männlichere Stimme.
Ein Einkaufsbummel in der Innenstadt musste sehr kurz ausfallen. Zwischendurch noch schnell einen Kaffee getrunken und dann mussten wir schon an die Vorbereitungen für den Abend denken. Gekauft hatten wir beide nichts, auf die Schnelle war einfach nichts zu finden.
Im Hotel haben wir uns dann noch einmal neu geschminkt und unsere Festkleidung angezogen. Ich trug wie bei meinem ersten Besuch in der Semperoper mein langes rotes Abendkleid. Der Regen hatte inzwischen aufgehört. So konnte ich gleich mit Sandaletten in die Oper gehen. Es herrschten sogar angenehme Temperaturen draußen, sodass ich davon nicht mal kalte Füße bekam. Emma trug ein knielanges blaues Kleid und dazu ein schwarzes Bolerojäckchen. Ein bodenlanges Kleid wie ich es trug, sah ich bei den anderen Besucherinnen noch 4 oder 5 Mal, aber immer in schwarz.
Es fällt mir auch nach mehreren ähnlichen Berichten schwer, die Atmosphäre eines Opernabends in einem so exklusiven Haus in Worte zu fassen. So inmitten der anderen festlich gekleideten Besucher(innen) durch die Gänge schlendern, in der Pause ein Glas Wein trinken und dann wieder die herrliche Musik genießen, das Gefühl ist einfach unbeschreiblich.
Apropos Musik: Gespielt wurde Un ballo in maschera (Ein Maskenball) von Giuseppe Verdi, meinem Lieblingskomponist. Da konnte eigentlich nichts schiefgehen, wäre es aber beinahe doch, da kurzfristig der männlich Hauptdarsteller ausgefallen war. Im letzten Moment war es aber gelungen, Ersatz einzufliegen. Da dieser offenbar die Inszenierung nicht kannte, kam es zu folgender Konstellation: Einer spielte die Rolle auf der Bühne, während der Ersatz-Sänger vom Rand der Bühne aus für den richtigen Ton dazu sorgte. Das sah zwar etwas komisch aus, aber immer noch besser als gar keine Vorstellung, und dem Gesamterlebnis tat das keinen Abbruch.
Die Inszenierung fiel durch einige skurrile Kostüme, besonders der Kleindarsteller auf. Dabei waren auch einige Männer in langen Kleidern. Da ich etwas Ähnliches schon bei meinem letzten Besuch der Semperoper beobachtet hatte, frage ich mich, ob der Kostümbildner wohl ein Crossdresser ist? Wer mehr über das Werk wissen möchte, kann hier nachlesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Un_ballo_in_maschera
Emma machte noch ein paar Fotos von mir. Die sind zwar nicht von bester Qualität, eins davon habe ich trotzdem in meine Galerie gestellt (
gallery/image_page.php?album_id=677&image_id=6508).
Wir ließen den Abend bei einem Glas Wein in einem Restaurant ausklingen. Mit meinem Outfit bin ich dort durchaus etwas aufgefallen, sodass sich ein schon sehr betagter Herr zu der Bemerkung hinreißen ließ: "Oh, ein langes Kleid, so was sieht man heute selten!
Damit ging ein überaus erlebnisreicher Andrea-Tag mit vielen neuen Erfahrungen zu Ende. Ich möchte fast behaupten, es war der bisher schönste.