Re: Fasching und Karneval wie haltet Ihr es
Verfasst: Sa 14. Feb 2026, 00:38
Wie unterschiedliche Bilder man doch im Kopf haben kann vom "als Frau auf den Fasching gehen" - als da wären (mit fließenden Übergängen):
-Frau in alltäglichen Klamotten und "normal" geschminkt
-"so wie Frauen halt zu Karneval unterwegs sind" (siehe Liv, Michelle)
-typische Kostüme für Damen: Prinzessin, Elfe, Nonne oder Pippi Langstrumpf
-sexualisierte Klischee-Rollenbilder (Krankenschwester etc.)
-Zerrbild einer Frau (übertriebener Lippenstift und Perücke, bizarr herausgestellte Oberweite, knallrote Punkte als "Rouge")
Schon mal toll, wie vielschichtig und differenziert hier diskutiert und redlich versucht wird, nicht aneinander vorbei zu reden.
Interessant finde ich an der Diskussion auch, dass die einen wie selbstverständlich davon ausgehen, dass man an Karneval einmal wird wonach man sich insgeheim sehnt, und die anderen davon ausgehen, dass man spaßhalber etwas komplett anderes darstellt, was man weder ist noch wirklich sein will. Wenn es letzteres ist, liegt es in der Natur der Sache, "Frau sein nicht ernst zu nehmen". Der Witz ist doch gerade auch der, dass niemand so ganz genau weiß, was bei der Kostümwahl seines Gegenübers so alles mit reingespielt hat...
reiner Jux und Dollerei...
einen geheimen Teil seiner Identität gesellschaftskonform ausleben...
dem eigenen Sehnsuchts-Ich näherkommen...
einmal ausbrechen und etwas ganz anderes ausprobieren...
...und genau diese Ambiguität ermöglicht es erst denen, die sich wirklich mal ausprobieren und als Crossdresser an Sicherheit gewinnen wollen, "im geschützten Rahmen der verkleideten Menschen nicht weiter aufzufallen". Insofern hat alles seine Berechtigung, finde ich.
Eine möglichst wirklichkeitsgetreue Darstellung ist jedenfalls anscheinend nicht der einzige Maßstab an Fasching. Ich kann mit einem Pilotenoverall vom Kostümständer bei Kik gehen oder mit einem echten, und vielleicht ist der echte sogar langweiliger. Ganz zu schweigen von der Frage, ob es dabei einen Unterschied macht ob ich tatsächlich Jetpilot bin, und ob die Leute das wissen. Und mit einem wirklichkeitsgetreu bis ins kleinste Detail modellierten Kostüm einer Biene erzeuge ich eine andere Art von Aufmerksamkeit als mit dem niedlichen einfachen Biene-Maja-Kostüm, ohne dass das eine nun besser als das andere wäre.
Warum "als Frau" zu gehen eine Abwertung von Frauen sein soll erschließt sich mir auch nicht so richtig, in dem zitierten Artikel wird das ganz pauschal verteufelt, obwohl es anscheinend nur um die Kombination "Zerrbild einer Frau" mit Beweggrund "Jux und Dollerei" geht. Und selbst da kann man drüber streiten.
Ich sehe da eine Parallele zu einer ähnlichen Diskussion.
Wann ist etwas eine respektvolle Hommage, wann ein begeistertes Feiern und Mitmachen und Nacheifern, wann ein wohlwollend-humorvolles Aufgreifen, wann ein plumpes Nachäffen, wann eine kulturelle Aneignung?
Ich finde, das lässt sich immer erst durch ein Auseinandersetzen mit den jeweiligen individuellen Beweggründen beantworten, anstatt entweder grundsätzlich und undifferenziert mit dem erhobenen Zeigefinger zu kommen oder andererseits noch die gröbsten Rücksichts- und Geschmacklosigkeiten mit einem "ist doch nur Spaß" rechtfertigen zu wollen.
(Nebenbei: der Artikel berücksichtigt auch nicht, dass - wenn überhaupt - nicht Weiblichkeit lächerlich gemacht wird, sondern die Weiblichkeit am Mann; nicht das Frau-sein, sondern das als-Mann-Frau-sein wird (angeblich) als erniedrigend gesehen. Nicht dass das weniger verwerflich wäre wenn's denn überhaupt so ist, aber die Schlussfolgerung, dass damit weiblich konnotierte Eigenschaften als solche abgewertet werden, lässt sich daraus nicht ziehen. Trans* Personen werden ja auch nicht von Leuten angegriffen, die einfach keine Frauen mögen. Und in gewissen Rollenspielen scheint es kein Widerspruch zu sein, dass ein Mann in Frauenkleidern erniedrigt wird und gleichzeitig eine cis-Frau geradezu vergöttert.)
Aber um zur Ausgangsfrage zurückzukehren:
Es scheint ja doch viele zu geben, für die Fasching der erste Schritt nach draußen war und die dadurch einen Schub für ihr Selbstvertrauen erfahren haben. Und nach allem, was ich hier gelesen habe, finde ich den Ansatz von Liv und Michelle am sympathischsten - eben irgendwas zwischen "einfach nur als Frau" und "übertrieben faschingsmäßig".
Selbst war ich ein paar mal abseits vom Fasching draußen als Crossdresser unterwegs, aber mich beschäftigt das Thema gerade auch deshalb, weil sich nach Jahrzehnten Faschingsabstinenz bei mir für dieses Jahr grade eventuell auch etwas ergibt... und falls meine Freundin und ich tatsächlich hingehen, wird's bei mir diesmal auch nicht mehr das olle Cowboy-Kostüm
-Frau in alltäglichen Klamotten und "normal" geschminkt
-"so wie Frauen halt zu Karneval unterwegs sind" (siehe Liv, Michelle)
-typische Kostüme für Damen: Prinzessin, Elfe, Nonne oder Pippi Langstrumpf
-sexualisierte Klischee-Rollenbilder (Krankenschwester etc.)
-Zerrbild einer Frau (übertriebener Lippenstift und Perücke, bizarr herausgestellte Oberweite, knallrote Punkte als "Rouge")
Schon mal toll, wie vielschichtig und differenziert hier diskutiert und redlich versucht wird, nicht aneinander vorbei zu reden.
Interessant finde ich an der Diskussion auch, dass die einen wie selbstverständlich davon ausgehen, dass man an Karneval einmal wird wonach man sich insgeheim sehnt, und die anderen davon ausgehen, dass man spaßhalber etwas komplett anderes darstellt, was man weder ist noch wirklich sein will. Wenn es letzteres ist, liegt es in der Natur der Sache, "Frau sein nicht ernst zu nehmen". Der Witz ist doch gerade auch der, dass niemand so ganz genau weiß, was bei der Kostümwahl seines Gegenübers so alles mit reingespielt hat...
reiner Jux und Dollerei...
einen geheimen Teil seiner Identität gesellschaftskonform ausleben...
dem eigenen Sehnsuchts-Ich näherkommen...
einmal ausbrechen und etwas ganz anderes ausprobieren...
...und genau diese Ambiguität ermöglicht es erst denen, die sich wirklich mal ausprobieren und als Crossdresser an Sicherheit gewinnen wollen, "im geschützten Rahmen der verkleideten Menschen nicht weiter aufzufallen". Insofern hat alles seine Berechtigung, finde ich.
Eine möglichst wirklichkeitsgetreue Darstellung ist jedenfalls anscheinend nicht der einzige Maßstab an Fasching. Ich kann mit einem Pilotenoverall vom Kostümständer bei Kik gehen oder mit einem echten, und vielleicht ist der echte sogar langweiliger. Ganz zu schweigen von der Frage, ob es dabei einen Unterschied macht ob ich tatsächlich Jetpilot bin, und ob die Leute das wissen. Und mit einem wirklichkeitsgetreu bis ins kleinste Detail modellierten Kostüm einer Biene erzeuge ich eine andere Art von Aufmerksamkeit als mit dem niedlichen einfachen Biene-Maja-Kostüm, ohne dass das eine nun besser als das andere wäre.
Warum "als Frau" zu gehen eine Abwertung von Frauen sein soll erschließt sich mir auch nicht so richtig, in dem zitierten Artikel wird das ganz pauschal verteufelt, obwohl es anscheinend nur um die Kombination "Zerrbild einer Frau" mit Beweggrund "Jux und Dollerei" geht. Und selbst da kann man drüber streiten.
Ich sehe da eine Parallele zu einer ähnlichen Diskussion.
Wann ist etwas eine respektvolle Hommage, wann ein begeistertes Feiern und Mitmachen und Nacheifern, wann ein wohlwollend-humorvolles Aufgreifen, wann ein plumpes Nachäffen, wann eine kulturelle Aneignung?
Ich finde, das lässt sich immer erst durch ein Auseinandersetzen mit den jeweiligen individuellen Beweggründen beantworten, anstatt entweder grundsätzlich und undifferenziert mit dem erhobenen Zeigefinger zu kommen oder andererseits noch die gröbsten Rücksichts- und Geschmacklosigkeiten mit einem "ist doch nur Spaß" rechtfertigen zu wollen.
(Nebenbei: der Artikel berücksichtigt auch nicht, dass - wenn überhaupt - nicht Weiblichkeit lächerlich gemacht wird, sondern die Weiblichkeit am Mann; nicht das Frau-sein, sondern das als-Mann-Frau-sein wird (angeblich) als erniedrigend gesehen. Nicht dass das weniger verwerflich wäre wenn's denn überhaupt so ist, aber die Schlussfolgerung, dass damit weiblich konnotierte Eigenschaften als solche abgewertet werden, lässt sich daraus nicht ziehen. Trans* Personen werden ja auch nicht von Leuten angegriffen, die einfach keine Frauen mögen. Und in gewissen Rollenspielen scheint es kein Widerspruch zu sein, dass ein Mann in Frauenkleidern erniedrigt wird und gleichzeitig eine cis-Frau geradezu vergöttert.)
Aber um zur Ausgangsfrage zurückzukehren:
Es scheint ja doch viele zu geben, für die Fasching der erste Schritt nach draußen war und die dadurch einen Schub für ihr Selbstvertrauen erfahren haben. Und nach allem, was ich hier gelesen habe, finde ich den Ansatz von Liv und Michelle am sympathischsten - eben irgendwas zwischen "einfach nur als Frau" und "übertrieben faschingsmäßig".
Selbst war ich ein paar mal abseits vom Fasching draußen als Crossdresser unterwegs, aber mich beschäftigt das Thema gerade auch deshalb, weil sich nach Jahrzehnten Faschingsabstinenz bei mir für dieses Jahr grade eventuell auch etwas ergibt... und falls meine Freundin und ich tatsächlich hingehen, wird's bei mir diesmal auch nicht mehr das olle Cowboy-Kostüm