Magdalena hat geschrieben: Mi 19. Feb 2025, 19:37wichtig ist überhaupt wählen zu gehen.
Hm ja. Generell. Wie schon andere schrieben, ist die Frage, ob dies auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Bundestags haben wird. Nämlich nur, wenn die Stimme an eine Partei geht, die nachher auch Sitze im BT hat.
Magdalena hat geschrieben: Mi 19. Feb 2025, 19:37Wirtschaft, Ukraine, Kriminalität allgemein, mit Migranten im Besonderen!
Echt? Was genau meint "Wirtschaft"? Der
DAX steigt quasi stetig. Seit 2000 sogar massiv. Trotz Dotcom-Blase, "Finanzkrise", Corona & Co. Die
Unternehmesgewinne steigen auch, ebenso das
BIP. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, das größte Problem sind Qualifikation, Bildung und Mobilität. "Fachkräftemangel", you know?
Die Einkommen sind allerdings weniger
gestiegen und höhere Preise haben das auch tw aufgefressen. Gerade bei Familien mit Kindern muss der Staat eigentlich
mehr helfen. Die
Ungleichheit ist aber seit 2000 auch gestiegen. Das bedeutet, dass mehr Geld von "unten" nach "oben" umverteilt wird.
Wenn es nach den Parteiprogrammen geht, müssten quasi alle in Deutschland aus reinem wirtschaftlichen Eigennutz Linke oder Grüne wählen, um mehr verfügbares Einkommen zu haben. Spätestens ab FDP nach rechts hin würden laut Prognosen sehr reiche Menschen mehr Geld bekommen und Unternehmen noch mehr Gewinne machen, ohne dass die "hart arbeitenden Menschen" in Deutschland ("Fleiss/Leistung muss sich wieder lohnen"...) etwas davon abbekommen.
Und dann sind da Rente, Pflege, Gesundheit und die dazu gehörigen Beiträge und Kosten. Ich erwähne nur mal kurz die Privatisierungs- und Sparpläne von FDP, CDU und Afd.
Also welche Wirtschaft genau ist das Thema?
Ukraine? Ich würde mal sagen: Putins imperialistischer Expansionskrieg, oder? Wäre ja nicht nötig gewesen, wenn er und seine Oligarchenfreunde sich nicht die Ressourcen der Ukraine (bzw der damaligen Oligarchen dort) hätten abgreifen wollen. Der ganze Kram mit Verteidigungsbudget, Wehrpflicht und so weiter wäre nicht nötig, würde sich Putin auf seine heimische Kleptokratie beschränken. Also wie umgehen damit? Putin seinen Willen geben? Sein erklärtes Ziel ist die gesamte Ukraine in Besitz zu nehmen. Wir würden die Leute in der Ukraine und die Geflüchteten im Stich lassen. Können wir uns dann jemals sicher fühlen? Was ist mit dem Baltikum, Georgien, Moldawien?
Kriminalität allgemein? Ist quasi stabil seit 2000 und niedriger als in den 90ern nach der Wiedervereinigung. Aufklärungsquote: Stabil. Gewaltkriminalität? Gesunken. Spitzenwert seit 2000? Im Jahr 2007. Aber wir erzählen uns dauernd böse Geschichten:
https://perspective-daily.de/article/35 ... =link-user
Kriminalität "mit Migranten"? Nicht mehr oder weniger als unter "Deutschen". Hauptmerkmale: Geschlecht (männlich), Alter (bis Ende 30), sozialer Stand (arm, benachteiligt, aussichtslos). Aber medial sieht es völlig anders aus: Fernsehen und Zeitungen berichten 3mal häufiger über "Ausländer" als (mutmassliche) Täter, als selbst die polizeiliche Kriminalstatistik sagt, und die ist schon überproportional gegen "Ausländer" verzerrt, weil sie nur Tatverdächtige aufführt, nicht Verurteilte. Quellen zum Beispiel in diesem Artikel:
https://www.volksverpetzer.de/analyse/m ... rangriffe/ aber andere Medien und wissenschaftliche Institute hatten das auch schon.
Also sind das wirklich die Themen? Oder werden da öffentlich in Talkshows, Politsendungen und auf den Plakatwänden eigentlich Ablenkungskampagnen gefahren, weil die tatsächlichen Fragen komplex und die absehbaren Probleme nicht mit Rezepten der Vergangenheit lösbar sind? Weil es leichter ist, sich irgendwelche Sündenböcke zu suchen? Und weil sehr viele Menschen sich nicht mit komplexen Themen befassen wollen und deshalb lieber mehrheitlich ein völlig unhaltbares Versprechen wählen, dass sich nichts ändern muss, am wenigsten sie selbst?
Das wird aber nichts helfen bei dem was trotzdem auf uns zu kommt. Ich zähle mal auf: Demografischer Wandel, insbesondere Überalterung. Deshalb Kosten für Renten, Pflege, Gesundheit und fehlende Arbeitskräfte - insbesondere weil Rente und Sozialleistungen quasi direkt von Arbeitnehmenden gezahlt wird, nicht von Unternehmensgewinnen (siehe oben). Überalterte und verbrauchte Infrastruktur, Verwaltung, Bildungssystem inkl der Gebäude, weil zugunsten buchhalterischer "schwarzer Null" und "Entlastung der Bürger*innen (und vor allem der Unternehmen!)" Instandhaltung und Modernisierung weggespart wurde. Wir wissen auch, dass wir schon in der Klimakrise sind. Die 1,5°C sind überschritten, also die die 50:50 Chance für ein einigemassen glimpfliches Jahrhundert. Die Katastrophen werden häufiger werden und die Schäden größer. Mindestens die Anpassungsmassnahmen werden sehr viel Geld kosten und wenn wir nicht global die Notbremse ziehen - Energiewende, Decarbonisierung - wird es noch schlimmer; Stichwort: Kipppunkte.
Magdalena hat geschrieben: Mi 19. Feb 2025, 19:37Eine abnehmbare Antwort ist nicht leicht zu finden. Vor allem wenn im Bundestag die Uneinigkeit lähmt. Es gibt ein schlechtes Bild von Deutschland.
So schwierig finde ich die Frage nicht. Ich kann locker die Parteien ausschliessen, die diese Ablenkungen spielen, die du oben aufgezählt hast und die weder mir noch anderen irgendwas bringen.
Ich kann jene Parteien ausschliessen, die hauptsächlich gegen andere hetzen. Egal ob gegen Arme, Hilfsbedürftige, Zugewanderte, Queere oder auch gegen angebliche "Schmarotzer" etc. während Gewerkschaften, Sozialverbände und andere immer wieder die sozialen Ungerechtigkeiten anprangern und Milliarden Euro durch Steuervermeidung und -hinterziehung verloren gehen.
Ich kann die (gleichen) Parteien ausschliessen, die pauschal "Wirtschaft" und "Leistung" und solche Dinge predigen, aber die mit "Wirtschaft" Unternehmensgewinne statt Löhnen meinen und für die "Leistung" der Bilanzgewinn ist und nicht die Arbeit in der Produktion oder in der Pflege. Deren Programme und deren Poliitk (da wo sie mitregieren) klar machen, dass alle Menschen unter 120.000 Euro Jahreseinkommen eher weniger als mehr haben werden und dass gleichbleibender Lebensstandard nur mit gut gefüllten eigenen Bankkonto erreicht werden kann.
Ich kann diese Parteien ausschliessen, die einfach so weitermachen wollen wie im letzten Jahrtausend und die Welt da draussen ignorieren.
Und dann bleiben, wenn ich einen Unterschied im Bundestag machen möchte, vielleicht sogar bei der Regierung, nicht nur aus Eigennutz sondern auch aus Verantwortung für die nächsten Generationen eigentlich nur zwei Parteien übrig. Auch wenn ich nicht in allen Punkten mit ihnen übereinstimme und sie auch Fehler machen und manchmal Unfug erzählen. Aber wenigstens stimmt die Richtung und ich fühle mich nicht von ihnen für dumm verkauft.