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Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Fr 8. Dez 2023, 11:26
von Jaddy
MatthiasTV hat geschrieben: Do 7. Dez 2023, 13:07 Schau dir mal ARD und ZDF an . In jeder Sendung wird gegendert. Egal ob Kindersendung , Nachrichtern , Talks , Tiersendungen jeder Moderator muss oder glaubst du die machen das weil sie es toll finden. Oder stellt man dort nur noch Leute ein die gendern toll finden? Ne da gibt es von oben vom Programmdirektor oder von noch höher die Anweisung wir müssen das Volk zum gendern bringen. Es gab Umfragen ob die Zuschauer das wollen ,sie wollen es mit großer Mehrheit nicht und was passiert es wird weiter gestottert was das Zeug hält. Da Frage ich mich schon warum ? Wer hat was von dem Quatsch. Wer spinnt da von oben die Fäden? Wer übt hier Druck aus?
Im ZDF ist es den einzelnen Redaktionen überlassen. D.h. die entscheiden für sich. Eine Hausregel gibt es nicht. Deshalb ist z.B. bei manchen heute-Moderatorys der Glottisschlag zu hören und bei anderen nicht.

Die FAZ - anerkannt nicht-linkes Blatt ;) - berichtet: "Der Intendant Thomas Bellut erklärte bei einer Sitzung des ZDF-Fernsehrats, er sehe sich nicht in der Lage, Moderatoren die Kunstpausen zu verbieten. Auch Studiogäste sprächen das Gendersternchen mit, dies könne der Sender erst recht nicht beeinflussen. Zuvor hatten Gremienmitglieder massiven Unmut über die Tendenz zum gesprochenen Genderstern geäußert und eine "Leitungsentscheidung" zu dem Thema gefordert. ... Bellut versicherte, das ZDF achte auf eine geschlechtergerechte Sprache, aber zugleich auch darauf, dass die "Rezeption unserer Sendungen nicht beschädigt" werde: "Ich kann Ihnen versichern, es wird bei uns nicht zwangsgegendert."" FAZ.

Das ZDF selbst hat einen Artikel dazu https://www.zdf.de/comedy/heute-show/wh ... r-102.html
Darin übrigens auch viele nützliche Verweise für einen differenzierten Umgang mit geschlechter-sensibler und geschlechter-gerechter Sprache. Das muss ja nicht immer Sternchen heissen. Zum Beispiel in dem vom ZDF verlinkten Artikel zur niedersächsischen Regelung (Link), die mir gestern wer als "Genderzwang" verkaufen wollte.

Sehr schön finde ich die Zusammenstellung der Süddeutschen, "Wie es die Öffentlich-Rechtlichen mit dem Gendern halten": Wenn Hausregeln, dann Sternchenverbot, ansonsten Freiheit der Redaktionen. Allerdings auch übergreifend die das Bewusstsein, dass "generisches Maskulin" nicht mehr zeitgemäss ist und nicht mal die Doppelnennung alle Menschen einschliesst. Ganz interessant, dass sich der BR auf die "Gesellschaft für deutsche Sprache" beruft, die offen zugeben, im Moment keine konsistenten Angebote für Formen jenseits der Zweigeschlechtlichkeit zu haben. Das ist... so ein gewisser Rückzug auf Grammatik-Formalien auf den sich zB der BR abstützt, obwohl er mehr als Grammatik berücksichtigen müsste. Sind schliesslich Grund- und Gleichstellungsrechte.

Das Fazit im letzten Absatz: "Die Gemengelage zeigt: Den Öffentlich-Rechtlichen ist weder die Sprache noch ihr Publikum egal. In einer Welt, in der viele mitsprechen, fällt es schwerer, sich auf eine Sprache zu einigen. Eine Vielzahl von Regelungen existiert nebeneinander. Bei aller Komplexität, Verwirrung und Irritation heißt das aber auch: Hier wird experimentiert, reagiert, verworfen, neu probiert. Und das ist doch eine gute Nachricht für jede, jeden, für alle." Ich möchte allerdings anfügen: Nur dort, wo nicht generell verboten wird.

All diese Quellen sind schon mehrere Jahre alt. Neuere gibt es offenbar nicht. Es hat sich daran wohl auch nichts geändert.

Hier zusätzlich die oben angesprochene niedersächsische Regelung, weil staatliche Stellen sich nicht so leicht um die Rechtslage (Gleichstellung!) rumdrücken können: Link
Und die Anleitung im Original: PDF

Ich finde sie pragmatisch und ziemlich elegant.

Die Einleitung:
Verwaltungssprache soll alle Menschen ansprechen. Frauen und Männer und jene, die sich nicht als Frau oder Mann selbst beschreiben. Deshalb sollen zukünftig von der Verwaltung geschlechtsumfassende Formulierungen (z.B. Beschäftigte) verwendet werden.
Wenn eine geschlechtsumfassende Formulierung nicht möglich ist, ist der Genderstar (z.B. Antragsteller*innen) zu verwenden.
Diese Regelung gilt für sämtlichen Schriftverkehr der Verwaltung — Emails, Präsentationen, Broschüren, Presseartikel, Drucksachen, Hausmitteilungen, Flyer, Briefe - und schließt somit auch Formulare ein.
Mit Zustimmung des Oberbürgermeisters und der Dezernent*innenkonferenz wird mit diesen neuen Regelungen die aus dem Jahr 2003 stammende "Empfehlung für eine zeitgemäße, Frauen und Männer angemessen berücksichtigende Verwaltungssprache" abgelöst
Selbst da liesse sich die "Dezernent*innenkonferenz" noch durch "Dezernatskonferenz" ersetzen, weil offenbar kein feststehender Begriff (sondern im Original vermutlich eher Konferenz der Dezernatsleitungen).

Das heisst: Von den meisten Formen geschlechtergerechter Sprache wirst du gar nichts mitbekommen. Nur wo, aus welchem Grund auch immer, keine neutrale Form gefunden wurde.

Also: Wenn du in den öffentlich-rechtlichen einen Glottisschlag hörst, jenseits von Wörtern, die eh einen haben, dann ist der tatsächlich freiwillig. Es sei denn, du möchtest Verschwörungsmythen folgen.

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Fr 8. Dez 2023, 13:33
von Jaddy
Im übrigen wird dem ganzen auch eine humoristische Seite abgewonnen:
Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://assets.chaos.social/media_attac ... 6c81d8.png
(Q)
und
Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://images.nordbayern.de/image/cont ... enannt.PNG
(übrigens kein Misgendern, sondern inklusives Bayrisch: Der Söder, die Söderin und alle Söderschen dazwischen und ausserhalb (so) )

Dazu ein netter Artikel in der Zeitung "Nordbayern" mit der Aufdröselung der Lage in Bayern und eine Übersicht zum Thema "Sternchen in Schulen" in allen Bundesländern. ("Volksverpetzer" formuliert es etwas drastischer ;) )

Von wegen "nicht gendern" in Bayern:
In Bayern gilt seit 2002 für staatliche Behörden die Vorgaben der "Organisationsrichtlinien" der Bayerischen Staatskanzlei: Erlaubt sind Paarformen wie Schüler und Schülerinnen und geschlechtsneutrale Ausdrücke wie die Angestellten sowie Geschlechtsabstraktionen wie die Lehrerschaft oder das Kollegium. "Generische Maskulina sollen nur dann gebraucht werden, wenn gebräuchliche und verständliche Formulierungen nicht gefunden werden können oder die inhaltlichen Aussagen der Vorschriften unpräzise und unverständlich würden".

Im August 2022 ergänzte das Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration in der 4. Auflage der Broschüre "Freundlich, korrekt und klar — Bürgernahe Sprache in der Verwaltung": "Verwenden Sie bitte keine Schrägstriche, Klammern, großes "Binnen-I" oder Sternchen. Formulierungen in Vorschriften und sonstigen Schriftstücken müssen so abgefasst sein, dass sie z.B. bei mündlichen Verhandlungen oder Beratungen zitierfähig sind und vorgelesen werden können."

Behörden im Freistaat unterliegen demnach schon länger den Vorgaben der "Organisationsrichtlinien" Bayerns. Wenn es auch kein Gesetz im juristischen Sinne ist, würde sich durch das "Gender-Verbot" also in der Verwaltungs-Praxis für die meisten nichts ändern.
Sturm → Wasserglas und so.

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Fr 8. Dez 2023, 16:13
von conny
Im Fernsehen hört man nicht die Nachrichten von Moderator oder Moderatorin xy, sondern die Nachrichten der ARD, des ZDF oder andere, die von den Angestellten vorgetragen werden. Da eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung das Gendern ablehnt, sollten auch hier die offiziellen Schreib- und Sprachregelungen gelten. Anderes wird zu recht als erzieherische Maßnahme empfunden, zumindest als störend in der Vermittlung der eigentlichen Nachricht. Das gilt i.ü. auch für Geschriebenes.

Wenn Journalisten dennoch meinen, dass sie mit dem Gendern einer guten Sache dienen:
"Einen guten Journalisten erkennt man daran, ["¦] dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache." (Hans-Joachim Friedrichs)

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Fr 8. Dez 2023, 16:49
von Viggy
Also ich finde es wieder mal bezeichnend, dass die bayerische Staatsregierung hier in Bayern nichts dringenderes zu tun hat, als das Gendern zu verbieten.

Gott, lass' Hirn regnen und auf das Maximilianeum einen Sturzbach davon.

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Fr 8. Dez 2023, 16:57
von Laila-Sarah
Tja,

1. nur die Schniedel haben dürfen benannt werden.

2. Es gibt da nur Schniedel und kein Schniedel. Keine Sonderwünsche.

3. Alle ohne Schniedel die gesondert angesprochen werden wollen ...und die mit Schniedel die auch gesondert angesprochen werden wollen, sind böse. Denn sie diktieren von oben herab und wollen dem Volk den Mund verbieten.

Einfach und schlüssig. So ist die heile Welt.
LG

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Fr 8. Dez 2023, 17:15
von MelanieD
In der gleichen Regierungserklärung vom 5.12., in der er ankündigt Gendern zu verbieten (!), sagt er nach 5:45 Minuten (siehe Rede z.B. bei @Bayern in YT): "In Bayern gilt das Motto 'Leben und Leben lassen' [...] Die Grundidee alles mit Verboten und Ideologie zu machen, das lehnen wir in Bayern ab"

Was für eine Scheinheiligkeit (ko)

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Fr 8. Dez 2023, 17:47
von Maya
Viggy hat geschrieben: Fr 8. Dez 2023, 16:49 Also ich finde es wieder mal bezeichnend, dass die bayerische Staatsregierung hier in Bayern nichts dringenderes zu tun hat, als das Gendern zu verbieten.
OK, aber ganz offensichtlich wurde das in Bayern mal eben so nebenbei entschieden.
Besser als 12 Monate Diskussionen ohne Ergebnis. :roll:

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Fr 8. Dez 2023, 18:18
von Jaddy
conny hat geschrieben: Fr 8. Dez 2023, 16:13 Im Fernsehen hört man nicht die Nachrichten von Moderator oder Moderatorin xy, sondern die Nachrichten der ARD, des ZDF oder andere, die von den Angestellten vorgetragen werden. Da eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung das Gendern ablehnt, sollten auch hier die offiziellen Schreib- und Sprachregelungen gelten. Anderes wird zu recht als erzieherische Maßnahme empfunden, zumindest als störend in der Vermittlung der eigentlichen Nachricht. Das gilt i.ü. auch für Geschriebenes.
Naja, dir (und mir) fällt vor allem jeder Glottisschlag auf. Die anderen hören wir ggf weniger, so dass die Perspektive schon verzerrt wird durch die eigenen Präferenzen.

Was du forderst wäre eine reine Mehrheitsdiktatur oder eigentliche Conny-genehme Medien, keine moderne Demokratie. Die kann nämlich nur funktionieren, wenn Minderheiten auch repräsentiert werden.

Wir hatten die ganze Geschichte schon mit der Repräsentation von homosexuellen Menschen in den Medien. Da wurde auch gefordert, die dürften nicht auf den Bildschirm, weil schlechtes Beispiel und Verführung der Jugend... Also ich meine: Alfred Biolek, Wilhelm Wieben, Inge Meisel (bisexuell)? Hat sich erledigt und ist hierzulande höchstens bei ganz in der Vergangenheit gebliebenen noch ein Thema.

Und was Sprache selbst angeht; wer erinnert sich an heftigste Diskussionen über Anglizismen? Das war in den 90ern, wenn ich mich recht erinnere. Wurde auch verbittert gegen gewettert von C-Partei-Leuten, in Feuilletons, Satire, usw. Wer aus der Zeit übrig ist, googlet heute auf dem Handy (das Wort gibt's ausserhalb D gar nicht), weiss was ein Service-Point ist, usw. Hat sich erledigt und - siehe oben. Ich könnte noch weiter zurückgehen zu urdeutschen Wörtern wie Mayonnaise, Porte-­mon-­naie, Souterrain, etc. Hat sich erledigt...

Mein persönlicher pet peeve ist "Quali". Kann ich mich endlos künstlich drüber aufregen, weil in meinem Kopf Qualität und Qualifikation parallel existieren. Ist aber völlig fruchtlos :)

Ich wäre also für ein bisschen Entspannung. Klar könnten wir uns über jede Stelle aufregen. Wahlweise mit oder ohne Glottisschlag. Ich finde zum Beispiel die Doppelnennungen viel zu lang, vor allem wenn sie mehr oder weniger pflichtbewusst hingenuschelt werden wie weiland Erichs "d'tsche dmkrt'sche Republik". Aber hey, es ist eine Form. Ich komm klar. Manche Sender oder Sendungen tu ich mir auch nicht an, hauptsächlich wegen deren Inhalte. So what.

Es ist doch keine Erziehung, wenn ich selbst entscheiden kann, wem ich wann zuhöre. Ein Anspruch, dass keinein anders reden darf als es mir genehm ist, ist schon etwas ... drastisch, um schlimmere Wörter zu vermeiden.

Das bringt mich allerdings zu einem Punkt den ich problematischer finde. Bestimmte Vielfalt findet nämlich tatsächlich nicht statt. Zapp hat das mal thematisiert: "Akzente in Medien: Was die Mehrheit der Deutschen will".

Da hab ich gemerkt, was tatsächlich fehlt und auch die Folge: Ich habe tatsächlich Schwierigkeiten mit Akzenten, weil ich nicht gewohnt bin, sie zu hören. Ausserdem fehlt die Repräsentation eines großen Bevölkerungsanteils, ihre Perspektiven und ihre Sprache. Danke, ich kann mir die Kommentare vorstellen. Aber nur so als Gedanke: Da werden Millionen Menschen nicht abgebildet, die in D leben, arbeiten, Steuern zahlen, vielfach wählen. Was die wohl angesichts ihrer medialen Unsichbarkeit dazu sagen, dass sich Menschen über Glottisschläge aufregen, weil es ihren Hörgenuss stört.

Eines noch:
conny hat geschrieben: Fr 8. Dez 2023, 16:13Wenn Journalisten dennoch meinen, dass sie mit dem Gendern einer guten Sache dienen: "Einen guten Journalisten erkennt man daran, ["¦] dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache." (Hans-Joachim Friedrichs)
Sehr schön. Vielen Dank für die Gelegenheit, mich mit dem Satz noch mal zu beschäftigen. Damit und mit H.J.Friedrichs verhält es sich nämlich ganz anders, als auf den ersten Blick gedacht. Übermedien hat einen wunderbaren Artikel zu allem: "Mit keiner Sache gemein? Die Wahrheit über das Hanns-Joachim-Friedrichs-Zitat"
Anders als ihm heute von Bewunderern und Kritikern unterstellt wird, hatte Friedrichs nichts gegen Meinungsfreude im Journalismus. Er verachtete Journalisten wie den ZDF-Chefredakteur Reinhard Appel und nannte ihn in seinem Buch einen "Propheten der Ausgewogenheit, der brotlosen Kunst, es allen recht zu machen". Den bissigen "Monitor"-Moderator Klaus Bednarz schätzte er dagegen sehr. An den täglichen Kommentaren in den "Tagesthemen" störte Friedrichs, dass in denen eine Meinung oft gar nicht zu erkennen sei: "Da wird einerseits zu bedenken gegeben, andererseits aber darauf hingewiesen, um am Ende bleibt irgendetwas abzuwarten."

Er selbst verstand sich als Reporter und Moderator. Nur selten zeigte er eine Haltung. Vor der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien schrieb Friedrichs in einer Fernsehzeitschrift eine Kolumne über sein "Unbehagen" angesichts einer WM in einem Land, das nach einem Putsch im Jahr zuvor von einer Junta regiert wurde und in dem die politischen Gegner der Generäle erbarmungslos verfolgt wurden. Demokratie und Freiheit schätzte Friedrichs sehr, er war ein Individualist und angelsächsisch geprägt.

Heute würde sich Hanns Joachim Friedrichs vermutlich sehr wundern, wenn er sähe, welches Eigenleben dieser eine, ursprünglich gar nicht von ihm selbst stammende Satz entwickelt hat — und wie diese Worte sogar in politischen Auseinandersetzungen immer wieder instrumentalisiert werden.

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Fr 8. Dez 2023, 19:16
von Blossom
Jaddy hat geschrieben: Fr 8. Dez 2023, 18:18 Ich habe tatsächlich Schwierigkeiten mit Akzenten, weil ich nicht gewohnt bin, sie zu hören. Ausserdem fehlt die Repräsentation eines großen Bevölkerungsanteils, ihre Perspektiven und ihre Sprache. Danke, ich kann mir die Kommentare vorstellen.
Abgesehen, dass so einige Akzente Schmerzen in den Ohren bereiten, würden andere Untertitel benötigen, was widerum eine gewisse Lesekompentenz voraussetzt. Vermutlich wollen sich die Bürger aber unterhalten und nicht gefoltert fühlen ... Scherz

Soweit mit bekannt, gab es schon ab dem 17. Jahrhundert Normungsversuche der deutschen Sprache - woraus sich das heutige Hochdeutsch bzw. Standarddeutsch entwickelt hat und letztlich so gelehrt wird. Immerhin braucht es eine Ebene auf der wir uns hier alle verständigen können. In regionalen Dritten Programmen (und dort haben die benannten Bevölkerungsanteile einen Platz), ist es mir gleich wenn "rumgebrabbelt" wird, bei ARD und ZDF empfinde ich das anders. Und was die Anglezismen angeht nervt es zumindest mich, denn es ist bedauerlich, wenn insbesondere junge Menschen, sofern gefragt, nicht einmal mehr eine deutsche Entsprechung kennen. Da du das "Handy" schon angesprochen hast, auch den "Oldtimer" gibt es nur hier. Mir scheint, da ist bei einigen im Englischunterricht etwas arg fehlgelaufen.

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Fr 8. Dez 2023, 20:16
von conny
Jaddy hat geschrieben: Fr 8. Dez 2023, 18:18 Wir hatten die ganze Geschichte schon mit der Repräsentation von homosexuellen Menschen in den Medien. Da wurde auch gefordert, die dürften nicht auf den Bildschirm, weil schlechtes Beispiel und Verführung der Jugend... Also ich meine: Alfred Biolek, Wilhelm Wieben, Inge Meisel (bisexuell)? Hat sich erledigt und ist hierzulande höchstens bei ganz in der Vergangenheit gebliebenen noch ein Thema.
Nö, das ist eine ganz andere Geschichte.
Zum Zitat von Hans Joachim Friedrich: bitte zwischen den Sendeformaten unterscheiden, sonst macht das Zitat gar keinen Sinn.

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Fr 8. Dez 2023, 21:24
von Jaddy
Blossom hat geschrieben: Fr 8. Dez 2023, 19:16Abgesehen, dass so einige Akzente Schmerzen in den Ohren bereiten, würden andere Untertitel benötigen, was widerum eine gewisse Lesekompentenz voraussetzt.
In der Tat. Ich finde es immer wieder lustig, wenn das schweizer Fernsehen Schwyzerdütsch untertitelt :) Das ist allerdings auch kein Akzent mehr.
Blossom hat geschrieben: Fr 8. Dez 2023, 19:16Soweit mit bekannt, gab es schon ab dem 17. Jahrhundert Normungsversuche der deutschen Sprache - woraus sich das heutige Hochdeutsch bzw. Standarddeutsch entwickelt hat und letztlich so gelehrt wird.
Ja. Darunter sehr unterschiedliche Ansätze, wie ich gestern nur mal zum Thema Genus gelernt habe
Dabei ist es nicht so, dass dieses generische oder geschlechtsübergreifende Maskulinum schon immer die Standardverwendung war. So fasst zum Beispiel der Schriftsteller und Sprachforscher Johann Christoph Gottsched 1748 in seiner "Grundlegung einer deutschen Sprachkunst" zusammen: "Wörter, die männliche Namen, Ämter, Würden oder Verrichtungen bedeuten, sind auch männliches Geschlechts. Z.E. [Zum Exempel, Anm. d. Aut.] der Mann, der Herr, der Graf, der Fürst, der König, der Kaiser". Zum Femininum schreibt er: "Alle Namen und Benennungen, Ämter und Titel, Würden und Verrichtungen des Frauenvolkes sind weibliches Geschlechts. Z.E. ("¦) Benennungen, Frau, Mutter, Tochter, Schwester ("¦), Aemter, Kaiserinn, Königinn, Herzoginn ("¦), Würden, Prinzessinn, Feldmarschallinn, Oberstinn, Hauptmanninn, Hofräthinn, Doctorinn ("¦)." Auch der Sprachforscher Johann Christoph Adelung gibt dem grammatischen Geschlecht in seinem Werk "Umständliches Lehrgebäude der deutschen Sprache" von 1782 eine semantische Klassifizierung: "Alles, was den Begriff der Lebhaftigkeit, Thätigkeit, Stärke, Größe, auch wohl des Furchtbaren und Schrecklichen hatte, ward männlich; alles, was man als empfänglich, fruchtbar, sanft, leidend, angenehm dachte, ward weiblich." Auch der Grammatik-Duden von 1966 referiert über solche semantikbasierten Genussysteme. Erst ab seiner dritten Auflage von 1977 wird der Zusammenhang zwischen Genus und Sexus strikt verneint.
(bpb)

Ich finde die gemeinsame Verständigungsbasis sehr sinnvoll. Als Minimalkonsens, nicht als einzig richtige Form, die alles andere ausschliesst.

Bei den Dialekten war das lange so. Die wurden in Schulen und anderswo abgewertet, ausgegrenzt, galten als minderwertig. Naja, ausser in Bayern wohl. Für Plattdüütsch weiss ich es. Selbst wenn ab und zu ein Ohnsorg-Stück lief (das ist ja irgendwas, aber kein Platt), kam es nirgends vor. Die Wiederbelebung, auch in den Regionalprogrammen, ist noch nicht so alt.

Ich finde Aufregung über Sprachveränderung etwas ~nunja~ putzig :) Als ob sich Gruppen, die eine andere Sprachen brauchen, irgendwas vorschreiben liessen. Meine erheblich jüngere trans-enby Bubble verwendet japanische und koreanische Wörter und Memes. Die Leute bringen aus ihrer Erstsprache türkische, polnische, arabische Wörter ein und ich bin neidisch, wie locker das geht. Auch wie fliessend sie Englisch schreiben und reden. Was kann ich da machen? Mit dem Krückstock wedeln und rum ranten[sic!]?

Wahrscheinlich wird unsere Alltagssprache in einigen Jahrzehnten so weit von der heutigen Sprachnorm entfernt sein, wie unsere von der aus der Kaiserzeit. Da lässt sich nichts verbieten.

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Fr 8. Dez 2023, 23:24
von Ulrike-Marisa
Dzien dobre a dobre den,

alles ist im Fluss und wir nehmen ständig neue Worte in unsere Umgangssprache auf. Meine Heimat liegt im Osten, daher auch von dort einige Beiträge und ich bin francophil von der Sprache her... My Grandfather comes from USA and belongs to a Jewish family. Also worum streiten wir??

Grüße, Ulrike-Marisa

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Sa 9. Dez 2023, 00:05
von Nicole Fritz
Was soll das ganze Verbieten oder Vorschreiben? - Wer beispielsweise nur für männliche Mitarbeiter wirbt, sollte schreiben dürfen: "Suche Putzmänner für unser Meister Proper Team." Dann beschäftigen sich Frauen, nicht Binäre oder sonstige Diverse mit keiner überflüssigen Bewerbung.

LG Nicole

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Sa 9. Dez 2023, 00:17
von Violetta Arden
Soll doch wer will gendern - und wer nicht will nicht....bitte keine weiteren Vorschriften

Re: Söder will Gendern in Schulen und Behörden verbieten

Verfasst: Sa 9. Dez 2023, 00:19
von Malvine
Nicole Fritz hat geschrieben: Sa 9. Dez 2023, 00:05 ....mit keiner überflüssigen Bewerbung...
...hatten wir ja schon vor langer Zeit, das Stellen geschlechtsspezifisch ausgeschrieben wurden....dann kamen die Klagen wegen der Diskriminierung! Seit dem werden ja die Stellenanzeigen mit einem (m/w/d) versehen.

Malvine