Was macht das T-Wort mit einer Frau mit trans Hintergrund? I Jetzt mal ehrlich
Was macht das T-Wort mit einer Frau mit trans Hintergrund? I Jetzt mal ehrlich - # 3

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Helga
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Re: Was macht das T„Wort mit einer Frau mit trans Hintergrund? I Jetzt mal ehrlich

Post 31 im Thema

Beitrag von Helga »

Interessante Diskussion!
Die Linie zwischen Akzeptanz und Nichtakzeptanz des Begriffes "Transe" scheint relativ deckungsgleich mit der Trennlinie zwischen CD und TS zu sein.
Ich könnte jetzt nachfragen, ob sich diejenigen, die sich von dem Begriff "Transe" beleidigt fühlen, für etwas Besseres halten? Tue ich aber nicht. Nicht, weil ich keine Lust auf Shitstorm hätte, sondern weil mir klar ist, dass diese Frage am Kern vorbeigeht. Es geht nicht darum etwas Besseres zu sein, es geht darum etwas Anderes zu sein.
Die Allermeisten aus diesem Forum sind irgendwo in den letzten 5 Dekaden eines längst vergangenen Jahrtausends sozialisiert worden. Quasi mit der Muttermilch wurde uns eingeflöst, dass ein Transvestit oder eine Transe entweder etwas abartig perverses oder eine Witzfigur zum auslachen ist. Diese beiden Label will sich doch niemand ernsthaft anhängen lassen?
Also was machen? Die meisten (so wie ich) haben es verdrängt, versteckt, negiert. Einige haben einen anderen Weg gefunden (oder sich zeigen lassen), indem sie erklärt haben, eigentlich eine Frau zu sein. Eine Transe ist ein verkleideter Mann, also kann eine Frau keine Transe sein. Also kann auch TS keine Transe sein. Einfacher Dreisatz, dem aber ein großer Teil der Gesellschaft trotzdem nicht folgen kann. Daraus entsteht ein hohes Verletzungsrisiko.
Ich möchte dringend raten: Egal ob TS, CD, NB oder was auch immer: Nehmt diese Begriffe: Transe, Tunte, Tucke... für euch an und füllt sie mit positiven Definitionen. Sprache ist in einer ständigen Weiterentwicklung.
Im Duden von 2035 heißt es: "Eine Transe ist ein Mensch mit einem geschlechterübergreifend breitem Spektrum an Interessen und Fähigkeiten" oder "Eine Transe ist ein Mensch mit hoher Sozialkompetenz, herausragendem Einfühlungsvermögen und einem ausgeprägten Sinn für Schönheit".
Das würde insbesondere auch nachfolgenden Generationen helfen, sich nicht mehr für Ihre Gefühle zu schämen und diese verstecken zu müssen.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
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Re: Was macht das T„Wort mit einer Frau mit trans Hintergrund? I Jetzt mal ehrlich

Post 32 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Helga hat geschrieben: So 9. Jul 2023, 22:24 ... dass ein Transvestit oder eine Transe entweder etwas abartig perverses oder eine Witzfigur zum auslachen ist. Diese beiden Label will sich doch niemand ernsthaft anhängen lassen?
(yes)

Das eigentlich Problem dahinter ist für mich eine verkrüppelte Selbstakzeptanz. In erster Linie unterwerfen wir uns den äußeren Einflüssen, statt sie für uns selber zu definieren.
Nehmt diese Begriffe: Transe, Tunte, Tucke... für euch an und füllt sie mit positiven Definitionen
Und das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg. (hs)

Ich nehme den ewig verschmähten Begriff "Fetisch": Ich habe nicht einen Fetisch ... Ich habe viele ! Macht mich das, erotisch betrachtet, interessanter oder uninteressanter ?

Ich habe in meiner Geschlechtsidentität viele Facetten. Ist das nicht spannender als das ewig Eintönige ?
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Marlene K.
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Re: Was macht das T„Wort mit einer Frau mit trans Hintergrund? I Jetzt mal ehrlich

Post 33 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Helga hat geschrieben: So 9. Jul 2023, 22:24 Interessante Diskussion!
...
Egal ob TS, CD, NB oder was auch immer: Nehmt diese Begriffe: Transe, Tunte, Tucke... für euch an und füllt sie mit positiven Definitionen.
...
Du hast die Begriffe ja sehr gut erklärt. Je nach Zusammenhang habe ich diese Worte ja auch für mich benutzt und gefüllt, da auch meine Identitäten fließend sind.
Als ich hier hin gefunden habe nannte ich mich selbst "Polittunte", was aus einem anderen schwulen Forum entstanden war. Bis diese Selbstdefinition nicht mehr passte und ich Anne_Mette bat, dies für mich zu ändern. Danke dafür.

Aber damit komme ich zu Deiner anfangs ketzerisch aufgeworfenen Frage. Hier in Berlin gibt es oft Führungen durch Dragqueens und seltener auch Dragkings. Diese definieren sich als Tunte, Transe und schwuler Mann oder als kesser Vater und lesbische Frau. Diese Menschen leisten auch für uns und alle eine wichtige Arbeit und werden von mir bewundert und nicht abgewertet.
Trotzdem bin ich nicht wie sie, verkleide mich nicht und möchte nicht in der (Ver)Kleidung auffallen, tue dies meist auch nicht. Ich kann nur für mich sprechen, aber wenn ich Unterschiede benenne werte ich, zumindest in diesem Fall, nicht. Eine Dragqueen und ich sind beides Menschen, die Geschlechterrollen und -darstellung in Frage stellen.
Beide Arten des Seins stehen gleichberechtigt und sich bereichernd nebeneinander, gehen zumindest bei mir teilweise ineinander über. Hier ist mir keine Wertung sondern nur eine Betrachtung möglich.

Ja, ich finde die Diskussion auch bereichernd und spannend und für mich lehrreich.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Lavendellöwin
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Re: Was macht das T„Wort mit einer Frau mit trans Hintergrund? I Jetzt mal ehrlich

Post 34 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Helga hat geschrieben: So 9. Jul 2023, 22:24 Ich könnte jetzt nachfragen, ob sich diejenigen, die sich von dem Begriff "Transe" beleidigt fühlen, für etwas Besseres halten?
Schwierig, schwierig...

du darfst nachfragen, alles gut, und du hast dir ja auch selbst die Antwort gegeben, auch gut. Und sie stimmt auch,
ich halte mich für etwas anderes. Ich halte mich aber nicht nur dafür, inzwischen werde ich auch von aussen zu dem
gemacht, was ich bin. Denn ich bin nicht nur eine Freundin der eigenen Selbstauskunft.
Denn meine Selbstauskunft spiegelt mir nichts, sie läuft ohne Rückmeldung ins Leere.
Selbstauskunft alleine macht mich in der Welt draussen wenn ich nicht richtig wirke und wahrgenommen werde vielleicht wirklich zu
einer Witzfigur.

Und ich bin ganz offen, wenn ich manche Bilder hier sehe, bekomme ich kein "sie" über die Lippen, ich kann das nicht.
Dann bin ich an der Stelle lieber still. Ja, dieses ich fühle mich Rock weiblich, sorry, nein. Das geht für mich einfach am Kern
vorbei. Bei mir ist es der Körper und wo ich den reinstecke ändert daran nichts, es nur ein Ausdruck meiner Laune.

Hmm, ja, ich könnte mir Begriffe positiv besetzen, aber ist das mein Job? Nein, nämlich auch nicht alleine.
Vielleicht könnten andere verstehen, das ein Begriff für mich negativ besetzt ist und die könnten das dann mitübernehmen?
Wäre auch ne coole Lösung...oder wir treffen uns in der Mitte und das Wort ist irgendwann gar nicht mehr da.
Spar ich mir Zeit für die Erklärung, davon habe ich nämlich nicht so viel.

Dann steht vielleicht im Duden: (ein/eine) Transe (ugs., veraltet) Mann in Frauenkleidung, wird nicht mehr benutzt und ist besser so.

Aber unterm Strich definiere ich mich nicht alleine, ich werde das auch und wenn ich damit nicht umgehen kann
wird das Leben einfach hölle schwer.

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Was macht das T„Wort mit einer Frau mit trans Hintergrund? I Jetzt mal ehrlich

Post 35 im Thema

Beitrag von Annette »

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 7. Jul 2023, 06:34 Ich bin trans, na und ?
Ich darf eine Transfrau sein. Das ist ein Privileg...

Etwas anderes ist es, wenn der Begriff abwertend gemeint ist. Das spürt man wahrscheinlich ziemlich schnell...
Genauso sehe ich das auch. Generell spricht nichts dagegen, wenn einer meint, ich sei trans. Bin ich ja auch, ich bin eine trans Frau und empfinde sogar etwas wie Stolz deswegen. Ich bin glücklich, trans zu sein! Darüber hinaus ist es immer der Ton, der die Musik macht. Wenn mich zB jemand als "Scheiss-Transe" beschimpft (was ich ja bereits erlebt hatte) so ist dies ganz klar beleidigend und verletzend. Dies jedoch fällt in eine ganz andere Kategorie wie die des normalen Sprachgebrauchs.

Das was ich als extrem herabsetzend und erniedrigend empfinde, ist, wenn mich jemand mit "Herr" anredet (ist zwar selten, kommt aber manchmal noch vor). Da lass auch die Option von alter Gewohnheit oder Verwechslung nicht gelten. "Mann" oder "Herr" sind für mich die fiesesten Schimpfwörter von allen. Darauf reagiere ich sehr empfindlich, das darf einfach nicht sein! Lieber das "T-Wort" als das "M- oder H-Wort".

Liebe Grüsse von Annette
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