Wieder Zeit für eine Nabelschau ...
Araia hatte in einem Beitrag mein Selbstverständnis vom Frausein hinterfragt (
viewtopic.php?p=366042#p366042). Zuerst war ich verärgert, da ich das Gefühl hatte, sie wolle mir mein Frausein absprechen. Aber das mein Nerv, den sie unwillkürlich getroffen hat. Also muss ich mich mit meinem Thema beschäftigen. Dafür bin ich ihr dankbar und nicht mehr verärgert. Also schreibe ich mir jetzt wieder einmal meine Innensicht vom Leibe, um klarer sehen zu können. Ein wenig habe ich im aktuellen "Passing"-Fred geschrieben (
viewtopic.php?p=366652#p366652). Hier nun die Teile, die nicht dorthin gehören.
Gestern abend hatte Zeit und Gelegenheit, ein paar Interviews mit Frauen aus der Filmbranche in Fernsehen anzuschauen (
https://www.zdf.de/kultur/international ... g-108.html, Rubrik "FilmFrauen reden Klartext"). Wie sehr ich mich mit Frauen und nicht Männern verbunden fühle, weiß ich ja schon eine Weile. Aber jetzt komme ich an einen neuen Punkt. Ich stelle mir einige Fragen:
- Ist der internationale Frauentag auch ein Frauentag für mich ?
- Kann ich mich mit den Frauen im Interview so identifizieren, dass wir das gleiche Geschlecht haben, dass ich eine von ihnen bin ?
Bei diesen Fragen spüre ich einen Schmerz in mir. Mir ist bewusst, dass mein Körper immer eine Grenze darstellen wird. Ich wünsche mir als Frau sehnlichst die Solidarität von Frauen und fürchte, sie niemals zu bekommen. Aber wie viel Frau bin ich wirklich ?
Da ist eine Erziehung, die ist männlich orientiert. Ich wurde als Junge und später als Mann gelesen und habe mich nicht dagegen gewehrt. In der Pubertät habe ich die Haare wachsen lassen. Das war damals Mode. Den Satz "Lasse Dir die Haare schneiden, Du siehst ja aus wie ein Mädchen" habe damals öfters gehört. Ich konnte ihn nicht einsortieren. Er war keine Provokation für mich, aber was davon meine Wahrheit ist, habe ich nicht erkannt. Die Erwartungen an mich waren stärker. Ich glaube, dass ist ein gutes Stück weit noch heute so. Angst und Scham dominieren noch immer mein Verhalten, auch wenn ich mir eine Menge Freiräume geschaffen habe. Die Kernfrage ist ungelöst. Bei allem Selbstbewusstsein, dass ich an den Tag lege, ist da auch eine Menge Unsicherheit. Wie tief steckt dieses Frausein wirklich in mir ? Könnte ich das leben, wenn ich es wollte, Tag für Tag ?
Ich glaube, was mich mit den Frauen am Frauentag verbunden hat, war das Bewusstsein, dass es mir um den "Traum von Freiheit, Frieden und Selbstbestimmung" geht, wie es in einem Film über Frauen im Iran heißt. Mir kamen fast die Tränen als ich diese Worte gelesen habe. Aber bei mir ist es nicht ein Regime, dass mich unterdrückt, sondern ich spüre nur die Begrenzungen in mir selber. Die Scham, nicht akzeptiert zu werden und die Angst vor dem Ausgeschlossensein sind mein inneres Gefängnis. Und da ist der innere Druck, so zu sein, wie ich es mir wünsche. Der innere Konflikt wird immer massiver. Ich hatte gehofft, er würde geringer werden, wenn ich mich mit dem Thema auseinander setze. Aber das Gegenteil ist der Fall. Je mehr ich mich mit meiner Weiblichkeit beschäftige, um so mehr Raum nimmt sie ein. Sie lässt mich nicht in Ruhe. Sie drängt und schiebt gegen die Schale, die ich nach außen krampfhaft versuche zu erhalten. Aber die Risse in der Schale werden immer größer. Ich habe das Gefühl, dass ich unkontrolliert falle und möchte mich festhalten. Aber kein Mensch gibt mir den Halt den ich brauche. Es ist klar, ich muss mir erst selber den Halt geben, damit auch andere mich halten können.
Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich habe den Eindruck, vielen geht es ähnlich. Es ist schön, dass es ein Forum wie dieses gibt, in dem ich Solidarität erfahre und auch geben kann. Hier kann ich über die "undenkbaren" Dinge schreiben. Hier kann ich mich dem Gefühl hingeben, eine Frau zu sein. Aber das ist auch nur eine Blase. Das Leben findet draußen statt.
Soweit für heute ...