Liebe Mitmenschen!
Natürlich möchte auch ich ein frohes Weihnachtsfest in die Runde wünschen!
Und falls ihr ein wenig Zeit übrig haben solltet, hier ein paar passende Zeilen:
(PS für diejenigen, die auch an anderer Stelle von mir lesen: Das Ende dieser Textversion ist anders...

)
Weihnachtsmann, das Christkind, die Engelchen und ein Geschenk
Erst waren es nur die hell klingenden Glöckchen, die zu hören waren. Dann, nur einen winzigen Moment später, sauste das große, aufwändig mit burgunderfarbenem Samt, den vielen Glöckchen und kunstvoll schmiedeeisern gearbeiteten Laternen dekorierte Gespann des Weihnachtsmannes in einem halsbrecherischen Tempo den engen Weg heraus aus dem verschneiten Wald.
Das durch die Geschwindigkeit erzeugte flirrende Sirren ließ die hohen Tannen, deren Äste ihre weiße Last kaum zu tragen vermochten, kurz aber doch spürbar leicht erzittern.
Der tiefe, betörend weiß glitzernde Schnee spritzte im hohen Bogen dort zur Seite, wo sich die blanken breiten Kufen deutlich vernehmbar knirschend ihre Spur durch die Unberührtheit der Schneedecke bahnten.
Die fest im Geschirr eingespannten sechs kräftig gewachsenen Rentiere eilten dem Schlitten in einem halsbrecherischen Tempo voraus, kaum dass sie ihre sonst so flinken Beine im richtigen Takt und Tempo koordinieren konnten.
Von weitem schon war dieses wie ein leichter Pfeil dahin schießende Gespann in der späten Nachmittagssonne, die mit ihren gelb changierenden Strahlen der weiten Schneelandschaft einen Anblick verlieh, der ganz tief im Herzen des heimlichen Betrachters wohlige, wärmende und heimelige Gefühle aufkeimen lassen konnte, sichtbar.
Je näher sich der Schlitten auf dem einen langen Bogen beschreibenden, kaum als solchen erkennbaren, Weg dem Haus näherte, desto unruhiger wurden die Engel.
In ihrer wie immer, wenn sie sich zeigten, großen Schar, winkten die kleinen Engelchen fröhlich mit ihren Armen 'ihrem' Weihnachtsmann zu. Sie tanzten einen wahren Freudentanz: Auf und nieder, hin und her, auf und nieder, manche hielten sich an ihren Händchen, andere drehten heitere Pirouetten im glitzernden Schnee vor dem hölzernen und natürlich auch schneebedeckten Haus.
Doch, je geringer die Distanz des Schlittens zum Haus wurde, desto deutlicher konnten die Engel auch erkennen, dass ihr Freund scheinbar nicht die beste Laune von seiner Auslieferungstour zu den Gabentischen mitgebracht zu haben schien.
Aber sie wollten sich in ihrer Freude so gar nicht von ihren guten Gedanken und ihrer guten Stimmung abbringen lassen. Einfach immer weiter tanzten sie glücklich ihren Tanz zu Ehren ihres guten Freundes Weihnachtsmann.
Fröhlich winkten die Engel in seine Richtung, sie ließen ihre Flügel nun auch noch einen freudigen Reigen schwingen. "Weihnachtsmann, Weihnachtsmann", riefen sie mit ihren betörenden Stimmen, "Weihnachtsmann, das hast du wieder toll hinbekommen! Alle Menschen haben ganz pünktlich ihre Gaben unter den geschmückten Bäumen vorgefunden!"
Und immer wieder tanzten sie in ihrer Freude über die Rückkehr ihres Kumpels und ihrem Glück entrückt hin und her, auf und nieder.
"Weihnachtsmann, willkommen zu Hause! Nun hast du es geschafft!"
Mit einem energischen Zug an den Zügeln gab der wohl tatsächlich etwas grimmig gelaunte bärtige Kerl seinem Rentier-Gespann zu verstehen, dass ihr gemeinsames Ziel endlich erreicht war. Bereitwillig verlangsamten die Rentiere ihr halsbrecherisches Tempo gerade so stark, dass Schlitten und Weihnachtsmann nicht am Ende doch noch aus der letzten Kurve in den zu hohen Wehen aufgetürmten Schnee kippen würden. Millimetergenau kam der weihnachtliche Schlitten mit einem letzten Klingen der Glöckchen vor den Stufen des Hauses zum Stehen, auf denen die Engel ihre Freude kundtaten.
Ein paar Worte, die aber wohl eigentlich nicht eines Weihnachtsmannes würdig waren, murmelte der Gesell beim Sprung vom Schlitten in den Schnee in seinen Bart.
Er schüttelte seinen Kopf einige Male hin und her, betrachtete, kurz innehaltend, die fröhlichen Engel, nur, um dann kurzerhand und mit eiligem Schritt die Stufen hinaufzueilen.
Als eingespieltes Team erlösten die Engel die Rentiere vom Zaumzeug und führten sie in den nahen Stall, der schon mit frischem klaren Wasser und nahrhaftem Heu auf sie wartete.
Wohlverdient würden sie sich dort von den Strapazen ausruhen und, nachdem sie Kraft geschöpft und sich erholt hatten, den Engeln von den Abenteuern der langen Reise zu den vielen Familien berichten. Sie würden erzählen von den Wohnzimmern mit den festlich geschmückten Weihnachtsbäumen, unter denen dann die Geschenke vom Weihnachtsmann schön dekoriert platziert worden waren. Ach, so viele Erlebnisse warteten darauf, berichtet zu werden!
Doch Weihnachtsmann war mürrisch, er schmiss die Tür ins Schloss und polterte die wenigen Schritte über die hölzernen Dielen Richtung Garderobe. Mit einem Schwung pfefferte er den nun leeren Sack, in dem vorhin noch die letzten Gaben und Geschenke zu ihren Empfängern transportiert wurden, in die Ecke neben der Garderobe. Und er machte sich auch nicht die Mühe, seinen am Kragen und Revers üppig mit Pelz besetzten Mantel auf den schweren hölzernen Bügel zu hängen, auch der landete in der Ecke.
"Ich kündige!", fluchte Weihnachtsmann. Er ließ sich in den im Flur platzierten wuchtigen Ohrensessel fallen, streifte mühsam und fast zornig die eng am Bein anliegenden hohen ledernen Stiefel von den Füßen und beförderte auch diese Utensilien seiner eigentlich ja schönen Arbeit mit Getöse in die Ecke des Raumes.
"Oooh, nein, oh, oh, wo ist der Whiskey, wo ist die Pulle?" rief er halblaut vor sich hin. Und dann doch etwas lauter ließ er vernehmen: "Ich kündige, ich habe die Schnauze ja sowas von voll. Ich will nicht mehr, nein, nein, nein!"
Die Engel hatten sich inzwischen fürsorglich um das Wohlergehen der Rentiere gekümmert und waren nun ins Haus geeilt, um jetzt nach ihrem Weihnachtsmann zu schauen. Denn sie kannten ihn ja nur zu genau und spürten tief in ihren Herzen, dass auch er ein wenig Zuwendung dringend nötig hatte.
Selten hatten sie den sonst so freundlichen und hilfsbereiten Kerl in solch einer hoffnungslos traurigen Verfassung erlebt! Es musste wohl schon eine wirklich anstrengende Auslieferungsreise gewesen sein, dieses Jahr!
Vielleicht hatte ihrem Freund auch die angespannte Situation in den Familien so zugesetzt? Die vielen Kinder, die ein so schwieriges Jahr hinter sich hatten, die sich dann so sehr auf ein Weihnachtsfest mit der ganzen Familie und einen Weihnachtsbaum mit vielen Geschenken gefreut hatten. Die voller Erwartung und Vorfreude waren, nur, um dann so sehr enttäuscht zu werden. Vertröstet zu werden, auf ein Später mit Oma und Opa, ein vielleicht später.
Die Engel kannten ihren Kameraden nur zu gut, dass sie natürlich wussten, dass ihm das alles so sehr zu schaffen machte, dass genau das der Grund war, dass er ein wenig ungnädig mit der Welt um ihn herum war. Ungnädig deshalb auch mit sich selber, dass er doch so gerne in noch viel mehr glückliche Kinderaugen geblickt hätte, noch viel mehr glückliche Eltern und Großeltern in der Welt zurückgelassen hätte.
Milde blickten die Engel auf ihren Freund, der sichtlich erschöpft im großen Sessel verharrte. Ohne große Eile und fast lautlos scharten sich die Engel um ihn herum, auf all' ihren kleinen Gesichtern war eine gütig milde Freude erkennbar.
Immer näher rückten sie zum Sessel um dann vorsichtig anzufragen: "Du, Weihnachtsmann?" "Mmmmmmh...", kam ein noch immer etwas mürrisch klingender Laut zurück.
"Du, Weihnachtsmann", fragten die Engel erneut in Richtung Weihnachtsmann an, "wir wissen wohl nur zu genau, dass es in diesem Jahr besonders anstrengend für dich war!" "Ach, was wisst ihr denn schon!", war die noch nicht wirklich freundliche, aber schon etwas versöhnlicher klingende Antwort.
Ermuntert durch ihren schon leise spürbaren Erfolg, ihren Freund wieder milder stimmen zu können, ihn bald wieder in seiner sonst so liebenswürdigen Gutherzigkeit zurück zu haben, sprachen sie ihn erneut an:
"Weihnachtsmann, wir und das Christkind haben uns da mal etwas überlegt." "So? Ihr und das Christkind?" "Ja, lieber Weihnachtsmann, wir haben uns gemeinsam etwas überlegt, nur für dich!"
Und Weihnachtsmann drehte und hob leicht seinen Kopf auf den müden Schultern, sah die Engel ein wenig fragend an.
"Jaja, wir haben ein kleines Geschenk für dich, eine Überraschung!"
"Mmmmmmh...", ertönte es noch einmal aus dem rauschigen Bart, inzwischen aber war der grimmige Unterton, der einige Momente vorher noch unüberhörbar war, gänzlich aus der tiefen und ruhigen Stimme verschwunden, hatte die ihm sonst immer innewohnende Freundlichkeit wieder die Oberhand gewonnen.
"Ja, Weihnachtsmann, schau hier, hier diese Schachtel haben wir extra für dich besorgt!".
"Hmmh", kam es kurz zurück. Weihnachtsmann ergriff die ihm gereichte Schachtel, wog sie ein wenig in seinen Händen, rüttelte mit einer leichten Handbewegung, um den Inhalt wohl zu erraten: "Eine Flasche könnte es sein," stellte er fest. "Hmmh, vielleicht wieder ein trockener Bourbon, wie ihr ihn mir ja vor ein paar Jahren einmal geschenkt habt?".
Mit ein wenig unbeholfenen Handgriffen entfernte Weihnachtsmann das lustig mit kleinen Weihnachtsbäumen, Kerzen und Päckchen bedruckte Papier, nur um dann mit geöffnetem Mund etwas sprachlos auf eine Flache in einem Karton zu blicken.
"Eierlikör!!! Das kann doch nicht euer Ernst sein?"
Und die Engel tanzten voller Glück über die schweren hölzernen Dielen, hin und her, auf und ab. Und sie klatschen in ihre Händchen und schwangen ihre Flügelchen vor Freude über Ihr Geschenk.
Weihnachtsmann stöhnte auf : "Ohhhh, was wird mir angetan? Erst die so sehr anstrengende Auslieferungstour und jetzt das! Als Belohnung für mich eine Flasche Eierlikör!"
Und weiter brach es aus ihm heraus: "Eierlikör - ja, bin ich denn hier auf der Andrea Doria, bin ich denn Udo Lindenberg?
Eierlikör? Das darf doch nicht sein!
Hab' ich mich abgemüht für so viele - alle habe ich glücklich gemacht - und dann sowas!"
Und während Weihnachtsmann noch ein wenig fassungslos vor sich hin grummelte, immer noch das Wort 'Eierlikör' in seinen Gedanken nicht wirklich positiv besetzen konnte, kam Bewegung in die Schar der Engel.
Ganz langsam und der weihnachtlichen Stimmung in der Welt angemessen, schritt das Christkind die Stufen der geschwungenen ebenfalls hölzernen Treppe hinunter.
Und genau das war der Moment, wo die betrübten Minen der Engel, die sich doch anscheinend so sehr viel Gedanken um eine Freude für ihren Freund gemacht hatten, plötzlich in ein vielstimmiges Kichern verfielen.
Nur einen Moment später erfüllte dann das fröhliche Lachen ihrer hell klingenden Stimmchen das ganze Zimmer. Ein glückliches Lachen, das darüber hinaus auch noch das ganze Haus und ja vielleicht sogar die ganze winterliche Welt verzaubern wollte.
Nachdem das Lachen etwas abgeebbt war, füllte noch eine kleine Weile das Knistern der wärmenden Scheite im Kamin den Raum, bis dann endlich der arme Weihnachtsmann aus seiner natürlich auch in seinem bärtigen Gesicht sichtbaren Verwirrung erlöst wurde:
Aus der Heerschar der Engel löste sich eine kleine Gruppe und schwebte langsam auf das Christkind, das inzwischen von der Treppe ins Wohnzimmer getreten war, zu. Vorsichtig übernahmen sie eine auch wieder hübsch verpackte Schachtel, schwebten dann hinüber zu Weihnachtsmann und überreichten ihm nun das wirklich für ihn erdachte und vorbereitete Geschenk.
Wieder entfernte Weihnachtsmann mit ein wenig unbeholfenen Handgriffen das lustig mit kleinen Weihnachtsbäumen, Kerzen und Päckchen bedruckte Papier, nur um dann abermals mit geöffnetem Mund etwas sprachlos auf eine Geschenkverpackung aus hochwertigem Karton mit einer allen Sinnen schmeichelnden Bedruckung und Prägung, deren im Deckel eingearbeitete transparente Folie eine verheißungsvolle Vorahnung bot, zu blicken.
Doch dieses Mal war es eine andere Sprachlosigkeit, die Weihnachtsmann hatte verstummen lassen.
Denn an diesem Tag hielt er eine Geschenkverpackung mit den wundervollsten Dessous und dazu passenden Seidenstrümpfen in den Händen, die er jemals an den vielen schon von ihm betreuten Weihnachtsfesten erblickt hatte.
Oft schon hatte er solch wahr gewordene zarte, betörende, verführerische Dessousträume beim Beschaffen der Geschenke in den speziellen Abteilungen der Geschäfte für immer nur einen kurzen Moment in seinen Händen halten dürfen, bevor sie dann für die weihnachtliche Auslieferungstour eingepackt werden mussten
Immer nur hatte er diese so wundervollen Dinge in den Vitrinen liegen sehen, doch selber niemals probieren können oder dürfen. Nicht können und dürfen, obwohl ER doch der Weihnachtsmann war!
Und als er die Verpackung vorsichtig und voller Spannung geöffnet hatte, den seidigen Stoff dieses so besonderen Kleidungsstückes dann strahlend mit seinen Händen gegen das weiche Licht im Zimmer hielt, da riefen das Christkind und all die Engel glücklich über die gelungene Überraschung:
"FROHE WEIHNACHTEN, lieber Weihnachtsmann!
Und vorsichtig, fast als würde er ein Heiligtum entweihen, hielt Weihnachtsmann dieses kunstvolle Etwas und gleichzeitige Nichts in die Luft vor sich, fast, als wolle er sich selber gleich schon hier, vor allen Engeln und dem Christkind hineinschlüpfen.
Und als er dann vor so viel gefühltem Glück träumend die Augen schloss, nach so vielen Jahren der Entbehrung, Sehnsucht und so sehr großen Angst vor Bloßstellung sich selber schon vor dem Spiegel stehend sehend, spürte er tatsächlich schon die seidige Textur von Dessous und Strümpfen auf und an seiner Haut, fühlte auch er sich endlich einmal, als wäre er im Himmel ...
(c) by Kerstin1958
Frohe Weihnachten!!!
Eure Kerstin