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Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Do 23. Apr 2020, 14:30
von ExuserIn-2020-10-20
Eine richtige Dame werde ich nie. Damit habe ich zwar gelernt umzugehen, aber es nervt mich gelegentlich doch. Ich fühle mich als Frau, das meiner Umwelt zu vermitteln ist nicht ganz einfach. Werde viel zu oft als Mann gesehen und angesprochen. Viel wird heute über Schreibweisen mit Sternchen oder Doppelpunkt diskutiert und oft auch, man kann schon sagen militant gefordert. Die Gesellschaft im Allgemeinen betrachtet Menschen entweder als Mann oder als Frau. Das ist ja so weit gut und richtig, wären da nicht gewisse Nuancen. Nuancen die nicht gerade häufig im Gegensatz zur gesamt Bevölkerung auftreten. Jetzt die Forderung aufzustellen ihr alle müßt mich jetzt aber, ganz anders ansprechen, ist als Forderung ungeschickt. Aber durchaus legitim, nur wie bringt man das geschickt an sein Gegenüber?
Es gab eine Zeit, da waren Umgangsformen mehr gefragt, im Gegensatz zu heute. Da wird jeder mit DU angesprochen, weil man das im englischen Sprachgebrauch so macht. Das ist falsch, denn YOU bedeutet sowohl DU als auch SIE. Es ist im englischen Sprachgebrauch nun einmal so, das man sich mit dem Vornamen vorstellt, aber übersetzt mit Sie Frau Petra Sofie angesprochen und behandelt wird. Hier in Deutschland artet die Ansprache mit dem DU fast schon in Kumpelei aus, während im englischen Sprachraum die höfliche Distanz gewahrt bleibt.
Ich denke es ist an der Zeit die Umgangsformen wieder mehr in den Vordergrund zu stellen. Nicht die alten Zöpfe, sondern der herrschenden Problematik angepaßt.
Da gebietet es einfach nur die Höflichkeit, einen kurzen Moment zu verharren, und zu warten, bis sich mein Gegenüber vorstellt oder vorgestellt wird. Ganz einfach mit :
" Frau und Vornamen" oder Frau und Nachname oder Frau und Vor- und Nachname" ( Bei den Herren mit Herr, muß nicht extra betont werden, oder )
Kannst du dich selbst weder als Mann oder Frau einordnen, kannst du das in der Form anzeigen, in dem du die Anrede Frau oder Herr bei der Vorstellung weg läßt. Das SIE bleibt vorrangig bestehen, das DU wird angeboten, auch dann wenn nur der Vorname genannt wird.
Damit wären, würde sich die Gesellschaft ein wenig mehr Knigge leisten, einige Problem vom Tisch. Vor Allem die ganze Erklärungsnot. Ob mein Gegenüber das nun in Ordnung findet oder nicht ist mir egal. Nachfragen würde ich schon als Unhöflichkeit ansehen.
LG
Petra Sofie
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Do 23. Apr 2020, 20:50
von Kerstin
Vicky_Rose hat geschrieben: Do 23. Apr 2020, 09:47
Genau das meine ich. Wie will man anderen Menschen begreiflich machen, wie ich ticke. Da in der Öffentlichkeit diese Variation des Themas nicht diskutiert wird, steht man ziemlich alleine. Man nimmt mir mein Gefühl für die eigene Weiblichkeit nicht ab. Weiblichkeit sei ja etwas ganz anderes ...
Sorry - ich mach mich mal wieder unbeliebt.
Ich denke das das Grundproblem darin besteht, das wir uns über das Geschlecht erklären.
Wir kennen die Welt als dreidimensionalen Raum und ich glaube wir, die Menschenheit, ist tatsächlich auch so aufgebaut. Nur erkennen wir das nicht.
Länge, Höhe und Tiefe definiert den Raum, Körper, Geist und Seele den Menschen.
Körper, das sind die Knochen, sehnen, Organe usw.
Geist, das ist die Welt der Gedanken. Bewußt wie unbewusst.
Seele, etwas von dem ich weiß das es da ist, was ich aber nicht beschreiben kann.
Jede der drei Achsen hat ihre Bedürfnisse, essen, drinken, lernen, Gespräche und vieles mehr.
Meine "Weiblichkeit" schreibe ich der Seele zu, da man sowohl Körper als auch den Geist fördern und Formen kann.
Die Seele nicht.
Dieses Modell erklärt für mich, warum ich sowohl als Mann agieren kann aber auch meine weibliche Seite habe.
Und es erklärt warum ich Kerstin nicht loswerden kann.
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Do 23. Apr 2020, 23:10
von Inga
Hallo, Kerstin,
dreidimensional ist interessantes Modell vom Menschen. Da muss ich jetzt beim einschlafen nachdenken und sacken lassen.
Danke dir für den Anstoß.
Jetzt habe ich darüber geschlafen. Ichglaube, das Modell gefällt mir, weil es mir erklärt, warum ich in mich so widersprüchlich fühle, wenn ich mich zufrieden fühle. Seelisch irgendwie mehr Frau als Mann bin ich es körperlich mehr Mann als Frau und der Geist ist völlig neutral dazwischen.
Ich stehe zu dem Sammelbgriff "divers". nicht richtig Mann, nicht richtig Frau, sondern dazwischen. Zu wissen, das zu sein, bringt mir Freiheitsgefühl und Ruhe. Ich habe eher die Sorge, wie ich das zur Akzeptanz im breiten Bekanntenkreis bringe, ohne als Spinner abgetan oder gemieden zu werden. Der naheliegende Schritt ist der Personenstand.
Zwar regt mich die Anrede "Herr" bei jedem Brief immer mehr auf. Doch insgesamt gehöre ich zu denen, die sich schwer tun, es im Alltag in der Öffentlichkeit zu vertreten.
Liebe Grüße
Inga
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Fr 24. Apr 2020, 08:15
von sbsr
Anne-Mette hat geschrieben: Do 23. Apr 2020, 10:05
Das wird nur durch "tätige Öffentlichkeitsarbeit" gelingen, wie ich es nenne.
Da beißt sich die Katze mal wieder in den Schwanz. Solange es nicht halbwegs gesellschaftlich akzeptiert ist, traut sich niemand öffentlich, und solange es niemand öffentlich macht, wird es keine gesellschaftliche Akzeptanz geben.
Vicky_Rose hat geschrieben: Do 23. Apr 2020, 10:36
En femme in die Öffentlichkeit zu gehen, ist kein prinzipielles Problem. Reicht uns das ? Oder geht es vielleicht doch um mehr, Stichwort Familie, Ffreunde, Nachbarn, Arbeit ? Wie wollen wir es denn damit halten ?
Man muss sich selbst die Frage stellen, wie weit man bereit ist, "Öffentlichkeitsarbeit" zu leisten. Ich sage ja des Öfteren, normaler Umgang und normales Verhalten ist die beste Werbung. Wenn wir uns in der Öffentlichkeit bewegen, werden wir gesehen. Solange bei den Passanten ankommt, dass Männer die Kleider tragen auch nur Menschen sind, haben wir im Grunde schon gewonnen.
So handhabe ich das in meinem Umfeld, soweit möglich. Bei meiner Frau gelingt das bestenfalls halbwegs, für sie bleibt alles weibliche am Mann ein rotes Tuch. In Familie und Bekanntenkreis muss ich deshalb weitgehend darauf verzichten. Hingegen relativ gut klappt die Nummer in der Arbeit, da hat man sich ziemlich daran gewöhnt, dass ich mal mehr mal weniger feminin daher komme. Die meisten kennen mich von "vorher" als Standard Mann in schwarzer Anzughose und Pullover und respektieren mich, deshalb ist es möglich jetzt zunehmend feminin aufzutreten, ohne als Spinner abgestempelt zu werden.
Natürlich kam da hinter vorgehaltener Hand auch die Frage auf, will er jetzt eine Frau werden? Aber durch normales Verhalten und offenen Umgang hat sich herumgesprochen, er steht halt einfach auf das Zeug. Meine Kolleg*innen nehmen den femininen Mann zwar immer noch als Mann wahr, aber für mich ist das so in Ordnung, denn das wichtigste ist, für alle anderen auch.
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Fr 24. Apr 2020, 11:44
von ExuserIn-2020-10-20
Nur gelegentlich mal en femme ist immer nur ein Behlef, der eine ganze Weile funktioniert. Während der Arbeitszeit bin ich auch vollständig en femme unterwegs. In blauen Arbeitsklamotten Sicherheitsschuhe, und wenn angesagt mit Helm. Danach Damen, Damen-Jeans, Damen-Polo usw. Meine Kollegen haben sich dran gewöhnt, da guckt keiner mehr. Unter der Hand wird auch ein wenig getuschelt, das hält sich in Grenzen. Aaaaber, wie weit kann ich den Bogen spannen, das macht mir immer noch ein wenig Kopfzerbrechen. Allerdings werde ich zuhnemend provokanter, denn denn BH und Sillies gehören seit einiger Zeit immer zum Outfit. Mal sehen wann der Knoten platzt, Privat wie bei Kollegen, und bei mir. Noch kriege ich die Schranken aus meinem Kopf nicht ganz raus, aber ich arbeite dran.
LG
Petra Sofie
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Fr 24. Apr 2020, 20:59
von ExuserIn-2022-05-28
sbsr hat geschrieben: Fr 24. Apr 2020, 08:15
Da beißt sich die Katze mal wieder in den Schwanz. Solange es nicht halbwegs gesellschaftlich akzeptiert ist, traut sich niemand öffentlich, und solange es niemand öffentlich macht, wird es keine gesellschaftliche Akzeptanz?
Hi das kann ich so nicht stehen lassen. Es gibt viele, insbesondere auch Organisatoren von Selbsthilfegruppen, die sich öffentlich outen. Nicht nur die vielen Stände z.B auf dem CSD zeugen davon sondern auch unzählige Zeitungsberichte über Transmenschen. Ich selbst war auch schon mehrfach mit verschiedensten Berichten über das Thema Trans und meine Selbsthilfegruppe in unseren Lokalen Zeitungen ( natürlich mit Bild und Name, zuletzt mit einem Bericht über unser Treffen mit Paul Ziemiak von der CDU zum Thema TSG)
Wenn mich jemand auf der Straße anstarrt, weil ich so gross bin, oder er mich vorher in der Zeitung gesehen hat, und er sich nicht sicher ist, ob ich ein Mann bin oder nicht gehe ich gern auf ihn zu und biete ihm an ihn über Trans aufzuklären.
Und ich kenne einige, die genauso reagieren.
Ich bin in meinem Kreis auch noch nie beleidigt worden. Ich fordere allerdings auch nicht unbedingt Akzeptanz, Toleranz reicht mir. Wenn jemand absolut nicht mit dem Thema klar kommt ist das doch ok, solange er mich aber toleriert, mich also nicht in irgend einer Form angeht.
LG Chrissie
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Fr 24. Apr 2020, 21:32
von sbsr
Chrissie hat geschrieben: Fr 24. Apr 2020, 20:59
Nicht nur die vielen Stände z.B auf dem CSD zeugen davon sondern auch unzählige Zeitungsberichte über Transmenschen.
Unbestritten bewegt sich etwas in Sachen Akzeptanz für Trans*menschen.
Hier geht es speziell um trans in der Form, dass man sich eben nicht als Trans*frau oder Trans*mann in dem Sinn sieht, sondern irgendwo dazwischen hängt. Dazu sind mir bislang noch nicht allzu viele Berichte untergekommen, kann mich aber täuschen, weil ich das nicht aktiv verfolge.
CSD finde ich ehrlich gesagt alles andere als repräsentativ, und nützt glaube ich auch nicht unbedingt, Toleranz zu schaffen für Männer, die einfach nur im Alltag gerne normale Damenkleidung tragen wollen und sich mit Tages Makeup wohl fühlen. Aber das nur am Rande.
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Sa 25. Apr 2020, 07:05
von ExuserIn-2020-10-20
Egal welcher Fachrichtung man zugehörig ist, sich sich zu offebaren, ist und bleibt ein riskantes Spiel, zur Zeit jeden Falls noch.
Vertrauen ist das schärfste Schwert, das ich einem Freund in die Hand geben kann.
Er kann mich damit beschützen, oder vernichten, es kommt auf seinen Charakter an.
Es bleibt abzuwägen, ob und wann ich mein persönlches Umfeld ins Vertrauen ziehe, eine schwere Entscheidung.
LG
Petra Sofie
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Sa 25. Apr 2020, 08:23
von ExUserIn-2026-04-08
Petra Sofie hat geschrieben: Sa 25. Apr 2020, 07:05
Vertrauen ist das schärfste Schwert, das ich einem Freund in die Hand geben kann.
Er kann mich damit beschützen, oder vernichten, es kommt auf seinen Charakter an.
Das sehe ich nicht so. Was bedeutet denn "vernichten" ? Was soll denn passieren ? Ich denke, dadurch bekommt ein Outing vor einem Freund nur eine Dramatik, die es nicht verdient. Es ist ein Vertrauensbeweis. Und es wird sich zeigen, ob der Freund es wert ist ...
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Sa 25. Apr 2020, 11:39
von ExuserIn-2020-10-20
Ob es der Freund Wert ist steht gleich dabei: " Es kommt auf seinen Charakter an."
Genau das ist der Grund, weshalb ich so manchen "Freund" aussortiert habe.
In meiner Jugendzeit, bedeutete ein Outing noch die soziale Isolation, oder auch mehr.
LG
Petra Sofie
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Sa 25. Apr 2020, 14:49
von Wally
Die Zeiten haben sich sehr geändert. In meinen jungen Jahren - 60er - galt unsereins noch als sexuell pervers: sich zu outen war ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht mal im Fasching konnte damals ein Junge Mädchenkleider tragen, ohne sich in seinem gesamten, sozialen Umfeld zu isolieren. Heute - und erst recht seit meiner Verrentung - ist es für mich selbstverständlich geworden, mich zu outen: nicht nur verbal, sondern schon vom Outfit her. Ich gehe schon lange nicht mehr in die Öffentlichkeit, ohne meine Brüste so sichtbar werden zu lassen, dass es wirklich niemand mehr übersieht. Probleme deshalb? Wirklich keine mehr, nicht mal irgendwie schräge Blicke. Und wenn irgendwie die Rede darauf kommt, kriege ich so sicher wie das Amen in der Kirche die Zusicherung, dass das völlig okay sei -
meistens sogar wirklich ehrlich gemeint

Dass ich wegen dieser Thematik Freunde verloren habe, ist schon Jahrzehnte her.
Wesentlich heikler wird's schon mit meiner (nur sehr milden - eigentlich bloß Bondage) sadomasochistischen Veranlagung. Das wissen (neben meiner Frau natürlich) nur meine engsten Freunde. Freunde verloren habe ich dadurch zwar noch nie - es haben ja auch nur wenige erfahren, und die betrifft das auch nur theoretisch. Aber da gibt's doch immer noch so viel Ablehnung als "pervers" in der Gesellschaft, dass man schon noch ein bißchen vorsichtig sein muß.
Richtig heikel wird es bei meiner politischen Einstellung: über meine aktive AfD-Mitgliedschaft wissen nur ganz wenige, ausgesuchte Leute aus unserem Freundeskreis Bescheid - nämlich diejenigen, mit denen ein echtes Gespräch darüber möglich ist. Die anderen - diejenigen, die jeden AfDler für den Teufel persönlich halten - sind zwar für mich als Freunde durchaus okay; aber mit denen ist halt leider kein politisches Gespräch möglich, mangels Toleranz von deren Seite. Ziemlich identisch dasselbe Phänomen erlebe ich übrigens auch bezüglich meines seit Jahrzehnten geübten Engagements für Männer- und Väterrechte. Ich will damit jetzt, BITTE, KEINE politische Diskussion auslösen: es geht mir hier nur - im Vergleich mit anderen Themen - um die Outing-Situation.
Am heikelsten bezüglich des Outings ist bemerkenswerterweise ausgerechnet eine Eigenschaft, die seit je her ausschließlich positiv assoziiert wird: dass ich Mitglied beim Hochbegabten-Verein Mensa bin, wissen deshalb nur meine Frau (als einzige Nicht-Mensanerin) - und natürlich die Mensaner unter meinen Freunden. Die Mensa-Mitgliedschaft ist tatsächlich das Einzige, was mich auch in den letzten 10 Jahren noch Freundschaften gekostet hat, sobald ich mich damit geoutet habe...
Was folgt daraus? Outing ist um so heikler, je mehr die Gesellschaft bezüglich einer bestimmten Eigenschaft gespalten ist. Bezüglich "trans" ist das mittlerweile kaum noch der Fall: das zu tolerieren ist in unseren westlichen Gesellschaften (aber leider nur da...) breitester Konsens. Und bei BDSM als Bestandteil menschlicher Sexualität wird's allmählich auch...
Auf dem Feld der Politik erzeugen unsere Medien leider zunehmend eine Atmosphäre, die nahezu jegliches echte Gespräch zwischen den Kontrahenden verunmöglicht: Hetze, Verleumdung und Diskursverweigerung anstatt Argumenten. Die Folge ist, dass ich diesbezüglich mit meinem Outing heute in einer sehr ähnlichen Situation stecke wie als TS noch vor 40 Jahren...
Am schlimmsten ist es da, wo die Natur selber für Spaltung sorgt: Jeder findet Intelligenz gut und Dummheit schlecht - aber man kann es sich halt nur sehr begrenzt aussuchen, wo man selber auf der Stufenleiter dazwischen steht. Es gibt immer welche, die da noch drüber stehen - und gegenüber denen dann KEINEN Freundschafts-verhindernden Minderwertigkeitskomplex zu entwickeln (sofern man es denn überhaupt weiß), wird umso schwieriger, je mehr man Intelligenz überhaupt für gut und wichtig hält. Das ist der Grund, warum die meisten Mensaner nicht nur ihre Mitgliedschaft geheim halten, sondern sogar ihre Intelligenz selber im Alltag nach Möglichkeit tarnen. Die drei oben genannten Outing-Probleme sind gesellschaftlich gemachte Phänomene: sie ändern sich mit der Zeit radikal, je nach Zeitgeist - und haben sich denn auch alle drei im Lauf der Jahrzehnte meines Lebens radikal gewandelt. Der zuletzt genannte Punkt liegt in unserer menschlichen Natur: der ist seit 50 Jahren konstant geblieben, da ändert sich nix. Soll ich wirklich sagen: leider?
Herzliche Grüße
Wally
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Sa 25. Apr 2020, 16:26
von ExuserIn-2020-10-20
Das Pendel bewegt sich mal zu der, mal zur anderen Seite. Auch ich habe erkannt, das sich die Zeiten endlich zur anderen Seit bewegt haben, besser und erträglicher geworden sind. Schade nur das einige Freundschaften zerbrochen sind, ich habe keine Lust mich bei solchen Leuten abzumühen, um ihnen klar zu machen ich bin immer noch die Selbe, als Mensch habe ich mich schließlich nicht geändert. Tschüß und ab dafür. Immer zurückblicken und ausnutzen lassen ist nicht mehr drin.
Kostet mich zwar noch etwas Überwindung in der Öffentlichkeit so aufzutreten wie ich bin, und mich fühle, aber es geht Vieles besser als noch vor einigen Jahren. Auftreten in der Öffentlichkeit heißt nun einmal zu sagen was Sache ist. Schließlich will ich so wahrgenommen werden wie ich bin, das geht nur wenn ich genau das auch zum Ausdruck bringe. Ich bin nichts Besonderes, einfach nur ein Teil der Gesellschaft, wie alle anderen auch.
All in all only an another brick in the wall.
LG
Petra Sofie
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Di 28. Apr 2020, 09:36
von ChristinaF
Petra Sofie hat geschrieben: Sa 25. Apr 2020, 07:05
Egal welcher Fachrichtung man zugehörig ist, sich sich zu offebaren, ist und bleibt ein riskantes Spiel, zur Zeit jeden Falls noch.
Vertrauen ist das schärfste Schwert, das ich einem Freund in die Hand geben kann.
Er kann mich damit beschützen, oder vernichten, es kommt auf seinen Charakter an.
Es bleibt abzuwägen, ob und wann ich mein persönlches Umfeld ins Vertrauen ziehe, eine schwere Entscheidung.
LG
Petra Sofie
Da hast du ganz sicher recht. Aber letztendlich wirst du dich einmal outen müssen bzw. erklären warum du dich so kleidest. Je eher das passiert umso besser wird es für dich. Möglich, dass sich dann der eine oder andere "Freund" von dich abwendet. Nur weißt du dann genau, wer noch zu dir steht.
LG Christina
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Di 28. Apr 2020, 12:16
von ExuserIn-2020-10-20
Zu Erst einmal, warum muß ich erklären, weshalb ich mich so und nicht anders kleide? Machen das "normale Frauen" auch. Erklären sie ständig, daß sie eine Frau sind? Outen sie sich ständig, das sie Frauen sind? Nein. Sie sind so wie sie sind. Wir Transen ( unhöfliches Wort [erklärt aber schneller was gemeint ist ] ) wollen doch auch nichts anderes als den Normanlzustand. Ganz banal Vornamen ändern, nix erklären einfach machen, und einfach leben. Nicht mehr und nicht weniger. Oder warum wird dieses ganze Brimborium um Personenstand und GAOP seit Jahren veranstaltet. Wenn wir nicht zur Normalität übergehen, ohne Erklärungen abzugeben, dann war Alles bisher erreichte für die Katz.
Freunde hatte ich solange ich mich dem gesellschaftlichen Druck ( Mainstream ) angepaßt hatte. Das führte dazu, das ich eigentlich nur ausgenutzt wurde. Einem wollte ich mein Vertrauen schenken, der als er schon im Ansatz begriff worum es ging, mich fallen ließ wie eine heiße Kartoffel. Mit einigen anderen ging es ähnlich. Einer blieb, der verstarb leider vor drei Jahren. Ich habe mich für Viele und Vieles eingesetzt, genutzt hat es mir unter dem Strich betrachtet wenig. ( Diesen Absatz muß man unter dem Aspekt meines Baujahres 1956 sehen )
Also Kursänderung, und Forderungen in die Tat umsetzen. Ich bin ich, hier stehe mit meinen Klamotten, meiner Verhaltensweise so wie sie ist. Und? Mich nimmt man so wie ich bin, stellt keine blöden Fragen. Ob sich damit wieder vernünftige Freundschaften ergeben wir die Zeit zeigen.
Ich persönlich habe die Nase voll, mit dem Gedanken auf andere zuzugehen, jetzt muß ich zuerst erklären wer und was ich bin, bevor ich mich zu denen an den Tisch setzen darf.
LG
Petra Sofie
Re: Transgender und Öffentlichkeit
Verfasst: Di 28. Apr 2020, 20:41
von JasminP
Hallo liebe Mädels, vielen Dank für die interessanten Beiträge! Da ich auf dem Bau auf Montage arbeite, tue ich mich schwer meine weibliche Seite zu zeigen! Versuche es immer wieder BH und Socken rein damit sich die anderen daran gewöhnen! Aber man wird echt blöd angeschaut und dumme Bemerkungen gemacht! Beim denn Reservisten nicht anders! Im privaten Umfeld-einkaufen etc. gewöhnen sich die Leute daran, aber nur im dezenten Maß!Als Malerin auf dem Bau hab ich echt damit Probleme! Lg eure JasminP