Dirndl nicht, nur ein ausgeschnittenes Sommerkleid, aber was für eines.
Nicht oft im Jahr ergeben sich Gelegenheiten dass ich mal wieder für längere Zeit, sagen wir eine Woche oder langer "richtig en femme raus kann", das heißt über einen längeren Zeitraum die Männer- mit der Frauenkleidung dauerhaft vertauschen darf, dieses wunderbare Gefühl, mich unbefangen unter Leuten als Frau zu bewegen, kann ich dann eine gewisse Zeitlang ohne jegliche Einschränkung genießen, vor allem dann ohne den lästigen Aufwand der späteren "männlichen Rückverwandlung" am Abend z.B. im Auto, bevor ich wieder heimkomme. Früher war das immer lästig.
Nein, wenn ich heute mal eine Zeitlang allein bin, dann ist nichts mehr mit Umziehen im Auto, ich fahre aus meinem Tor raus und die gleiche Tor- Automatik lässt mein Auto abends wieder auf den Hof. Es lebe die Technik.
Ich lebe in einer französischen Kleinstadt in einer nun fast jahrzehntelangen Partnerschaft mit einer Frau zusammen, diese und meine bürgerliche und konservative Nachbarschaft, in die wir lange und gut integriert sind, ahnt nichts von meinem Hobby, niemand weiß, dass ich mich bei Gelegenheit in Valerie verwandle, dass ich mich dann entpuppe als ein schöner Schmetterling, der dann eine Zeitlang dort rumflattert, ein paar Tage oder Wochen wenn es gutgeht, dort in der Welt der Frauen.
So, wie es jetzt ist, habe ich mich arrangiert und es genügt es mir, und ich mache es schon jahrelang so. Ich sollte besser sagen: Es gefällt mir gut, so wie es jetzt ist, meistens Mann und dann wieder gelegentlich als Frau, und so soll es auch bleiben in absehbarer Zeit. Ich finde beide Welten toll und möchte mich nicht für eine entscheiden müssen. Ich finde beide Rollen toll, ich bin für beides gemacht und ich fühle mich wohl dabei.
Heute, Freitag, bin ich den dritten Tag alleine zuhause, und zwar 24/7 en femme, und wenn ich indoor bin, ignoriere ich das Telefon und die Haustorklingel, so gut es geht. Natürlich bin ich nicht vollkommen frei bei meinen "Metamorphosen" vom Mann zur Frau, und ich muss mich arrangieren mit den Gegebenheiten und abfinden mit meiner Umgabung, so wie sie nun mal ist. Dazu gehört unser Hauspersonal, Gärtner und femme de ménage.
Damit komme ich klar. Aber eine stark störende äußerliche Gegebenheit, die leider nicht zu ändern ist, ist die unangenehme Hitze, die wir hier permanent seit ein paar Wochen haben. Meine Frauenkleidung ist verglichen mit meiner Männerkleidung körperbetont und eng, das gilt für die Wäsche, die ich auf der Haut trage, auch für das ganze textile Darüber, Röcke, Blusen, Kleider, aber auch für Schuhe. Wie hält eine Frau es den ganzen Tag aus, stets diese engen Sachen zu tragen. Ich habe mich getröstet mit dem Spruch: Wer schön sein will, muss lernen zu leiden. Und ich wechsle den BH mehrmals, z.B. wenn ich abends nochmals rausgehe auf Piste, ziehe ich mich nochmals komplett um.
Hach, da seid ihr bei euch in Deutschland halt wieder mal gut dran, ihr kennt diese mittelmeerische Hitze nicht so, ihr habt sie seltener"¦
Gestern war die Hitze etwas erträglicher, und ich bin gleich morgens los, um den Vormittag bei einem Spaziergang im Park zu genießen. Ich besitze da noch ein ganz altes tief ausgeschnittenes Kleid, es ist kein Abendkleid, sondern ein dunkelblaues Sommerkleid mit Blumenmuster, von der Länge her ist es knieumspielend, in der Mitte eng auf Taille genäht und unten wieder weitschwingend, sehr sommerlich. Das Schönste an dem Kleid ist aber sein Ausschnitt, denn damit kann man (Frau) richtig spielen. Was ich meine ist rumspielen, den Busen zeigen.
Zum Beispiel so: Trotz der sommerlichen Wärme zwängte ich mich also in mein (einziges) Korsett und legte entsprechend große Silis ein, das Ganze auf Taille geschnürt (macht ein sehr schönes Profil) unten dünne Nylons angeclipst, darüber wurde das Kleid geworfen, wow, der Effekt war für mich atemberaubend...
Ich hab"˜s gleich im Auto gemerkt, denn plötzlich saßen die Gurte genau dort, wo sie bei einer Fahrt sitzen müssen, nämlich der Quergurt exakt zwischen den Brüsten. Irgendwie bringt einen solch ein Korsett schon in die richtig weibliche Körperform, es kneift zwar anfangs, und man atmet flacher, aber ein Korsett macht schön. Dann, kurz darauf an die Tanke (denn ich musste nachtanken, bevor es in die Stadt ging). Was soll ich sagen, der Kassierer kriegte seine Augen gar nicht mehr weg von meinem Ausschnitt weg. Ich fand das gut, es hat mir gefallen, wie er kuckte oder "starrte". Jetzt weiß ich wie leicht Männer von so einer kleinen Sache zu beeindrucken sind.
Zwischenzeitig noch kurz bei ALDI reinschauen (gibt es hier auch) Dort war überwiegend älteres Publikum und ich fiel scheinbar niemandem auf. Am Krabbeltisch fand ich Feinstrumpfhosen in Größe 4 für einen Euro, die nahm ich mit zur Kasse, denn ich wollte nicht einfach als Nichtkäuferin dort durchstolzieren. Vor mir ein älteres Ehepaar die ihren Wocheneinkauf für bestimmt 150 Euro auf dem Band stapelten, ein Mann und eine Frau um die sechzig. Als der Mann mit Stapeln fertig war, nahm er meinen Ausschnitt in den Blick, ich weiß jetzt wie sich eine Frau fühlt, wenn ihr Mann auf den Busen starrt. Er kuckte wieder und wieder, bis seine Einkäufe im Wagen waren und er sich anderen Dingen zuwenden musste. Das war das Zweitemal an diesem Morgen, und es war wie gesagt, auch jetzt nicht unangenehm. Im Gegenteil, ich habe es ziemlich genossen, angeschaut zu werden innerhalb der ALDI Kassenschlange, Ich weiß nicht, ob ich eine exhibitionistische Ader habe, aber gefallen hat es mir schon, dieses Kleid mit dem Ausschnitt zu tragen, und schließlich war draußen Sommerhitze.
Da dritte mal an diesem Tag passierte es in der Kunstausstellung, denn ich war am späteren Nachmittag noch bei einer Vernissage eingeladen. Ich kenne den Künstler nicht genau und auch er konnte mich offenbar nicht so richtig zuordnen in dem Gedränge (er kennt mich bisher nur als Mann), aber als die Ansprachen der städtischen Kulturbonzen durch waren und wir zum Sekt übergingen bemerkte ich, wie mich ein jüngerer Mann, Typ Abenteurer, ungepflegter Bart, der ebenfalls allein zu sein schien, ins Visier nahm. Was heißt, er starrte mir direkt ins Auge und ließ mich nicht aus dem Blick, so muss es sich anfühlen, wenn du als Soldat beim Computerspiel vom gegnerischen Feuerleitsystem erfasst wirst, da kommst du nicht mehr raus. So ein Blick war das. Wie gesagt ich weiß aber nicht, wie lange er sich vorher mit meinem Busen beschäftigt hatte. Bald sprach er mich auch an, ich hatte es nicht anders erwartet. Es wurde daraus noch eine kleine Konversation, es stellte sich heraus, er war auch Künstler war, aber ich habe mich dann nicht weiter auf ihn eingelassen, weil Guerrero, so hieß er, eindeutig zu sexuellen Zweideutigkeiten neigte, was ich dann wieder nicht so gut fand. Jedenfalls, kurz zusammengefasst, konnte ich an diesem Tag drei Männer fast dazu bringen, aus der Rolle zu fallen, einen jungen Tankwart, einen Opa von etwa 60 und Guerrero, den Künstler, und habe dazu nichts anderes gebraucht als ein ausgeschnittenes Sommerkleid von H & M sowie darunter ein Korsett und zwei mittlere Silis.
Lieben Gruß,
Valerie Bellegarde
