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Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Sa 23. Mär 2019, 10:59
von Gaby Bergmann
Moin moin Heike,
heike65 hat geschrieben: Fr 22. Mär 2019, 20:35 Warum das versteckspiel ? warum nicht normal als Frau und Frau leben ? die Sehnsucht scheint doch vorhanden zu sein , oder ?
jein... Nubi hatte ja gefragt, wie es bei mir mit dem Outing vor der Partnerin wohl zu einem früheren Zeitpunkt ausgesehen hätte. Und ja, in den 90ern war ich längst nicht so gefestigt wie heute, meine weibliche Seite war mir unanagenehm, ich hätte sie am liebsten sonst wo hin... :(
Obwohl mir auch damals schon klar war, dass sie immer ein Teil meiner Seele sein wird. Mit der nun erheblich gewachsenen Lebenserfahrung bin ich für mich irgendwo angekommen und fühle mich in beiden Rollen (m wie f) wohl, die weibliche Seite ist heute eine Bereicherung meines Lebens, die mir viel Freude bereitet.
Stand heute würde ich sagen, das ist meine Gesinnung und das bleibt so - klar, wo die Reise eines Tages noch hinführt, kann man nie exakt vorher sehen...

LG Gaby. (moin)

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Sa 23. Mär 2019, 11:21
von Nicole Fritz
Wally hat geschrieben: Fr 22. Mär 2019, 12:59 Glück hat nämlich die magische Eigenschaft, durch Teilen nicht halbiert zu werden
Diese Aussage muss ich jetzt leider ihres Zaubers berauben. Da gibt es keine Magie. So funktioniert das Leben. Wenn sich eine Zelle teilt, entstehen nicht zwei halbe, sondern immer zwei vollständige lebensfähige Zellen! - Wenn das nicht so wäre, gäbe es uns nicht.

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Mo 25. Mär 2019, 07:32
von Nubikalé
Guten Morgen Ihr Lieben,

ich hab das Wochenende genutzt, eure Antworten zu lesen und freue mich über die zahlreichen Beiträge. Überwiegend bleibt der Eindruck "Pro". Da macht auch ....

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 22. Mär 2019, 20:02 Hallo Nubi,

ich weiß nicht, ob ich Deine These stützen oder verwerfen kann. Meine Frau habe ich kennen gelernt, als ich nach vielen Jahren endlich die Kurve geschafft habe, bei mir selber auf den Grund zu gehen. Ich habe mich endlich wahr genommen und meine Gefühle entwickelt. Ich bin Ingenieur, praktisch breit veranlagt und mache das auch gerne. Darüber hinaus beschäftige ich mich seit ca. 15 Jahren mit Psychologie. Zuerst mit Paarpsychologie, später auch allgemeiner. Ich halte mich für relativ ssensibel, was die Wahrnehmung meiner Umwelt betrifft. Meine Frau ist nicht die Praktische, aber manchmal macht sie auch das ein oder andere, z.B. tapezieren. Mode ist kein echtes Thema für sie. Mit meinem Trans-Dasein kann sie nich viel anfangen, aber weil sie es von Anfang an weiß, hat sie auch kein echtes Problem damit. Es ist auch nur selten ein Thema für uns.

Was die Liebe betrifft, sehe ich es etwas anders als Anke. Wir waren am Anfang verliebt, aber die Liebe ist erst im Gemeinsam gewachsen und wächst immer noch. Gerade die Akzeptanz der Unterschiede ist hierbei von großer Bedeutung (David Schnarch lässt grüßen). Gerade dadurch fühle ich mich in der Beziehung gut aufgehoben. Die Gemeinsamkeiten, von denen wir immer noch genug haben, lässt und auch ein gutes Stück gemeinsam erleben. So haben wir oft ganz häufig ähnliche Gedanken und Ansichten. Das hat sich in 8 Jahren auch nicht verändert.

Grundsätzlich glaube ich, dass für eine tiefe Beziehung beide Partner tief in sich ruhen müssen. Das kann auch in einer Beziehung wachsen und ist nicht Voraussetzung. Die Tiefe wächst dann mit der Zeit, wenn man erfährt, dass man als ganzer Mensch akzeptiert ist. Deshalb glaube ich, dass die Liebe in der Beziehung erst entsteht. Die Verliebtheit ist erst der Vorschuss, so dass beide erst in die Lage kommen, die Liebe wachsen zu lassen. Aber ich habe leicht reden, meine Frau habe ich mit 50 Jahren erst kennen gelernt. Das Thema Karriere und Kinder war da schon abgeschlossen. Da haben wir viel Gelegenheit, uns auf unser Leben zu konzentrieren.

So sieht das in etwa bei uns aus.
.... Vicky_Roses Post keine Ausnahme. Du beschreibst Deine Frau schon im Großen & Ganzen nach meinem Schema auch wenn Sie offenbar nicht mit Begeisterung Dein Frausein teilt. Toleranz ist schon mehr als einige hier erwarten können. Ich finde es gut, dass ihr eine gemeinsame Basis geschaffen habt, um euch beide wohl zu fühlen.
Als Ingeneur und Psychologie-Interessierte hast du sicher auch genügend Objektivität um einschätzen zu können, ob ich eine wilde Theorie verbreite oder die Schublade gleich wieder zu machen sollte.
heike65 hat geschrieben: Fr 22. Mär 2019, 20:38 Es gibt auch Beziehungen in denen der Mann zur Frau aufschauen will, oder ?
Den Einwand verstehe ich jetzt nicht, Heike. Weder kann ich ihn einordnen noch passt er zu der Frage. Aber sicher kann ein Mann zu seiner Frau aufschauen, besonders wenn/weil sie auf manchen Gebieten nicht nur durch ihr Frausein sondern durch ihre Persönlichkeit, Fachwissen oder besondere Eigenschaften hervorsticht.
Inga hat geschrieben: Fr 22. Mär 2019, 23:29 Hallo, Nubi,

mein Leben hat mich gelehrt, zu begreifen, dass jede Partnerschaft so einmalig ist, dass sie mit Regeln und Thesen nur unzureichend beschrieben ist.

Ich bin zwar jetzt single, doch glaube ich, dass ich die Partnmerschaft mit all ihren Höhen und Tiefen ich nur mit ihr erleben konnte und sie auch nur mit mir. Auch wenn ich heutzutage immer wieder mit Frauen zusammen kommen und einen guten freundschaftlichen Austausch habe, es ist einfach nicht diese tiefe innige Partrnerschaft, die ich erlebt habe und heutzutage, wo sie längst vorbei ist und es auch kein Wiederauferstehen der Partnerschaft mehr geben kann (zumindest auf dieser Daseinsebene), erst so langsam in ihrer ganzen Einmaligkeit begreife - und es mir Jahre späte noch ein wohliges Gefühl gibt, diese erlebt zu haben.

Liebe Grüße
Inga
Inga, welchen Abschnitt In Deinem Leben meinst du? Ich verstehe dich so, dass du als Mann in der Partnerschaft anders interagiert hast als jetzt und deshalb keine innige Beziehung mehr zustande kommt. Korrigiere mich bitte wenn ich falsch liege. Du widersprichst mir aber ich habe den Kern deiner Aussage nicht erfasst.
Andrea aus Sachsen hat geschrieben: Sa 23. Mär 2019, 01:59 du bringst hier zwei Dinge ins Spiel, die meines Erachtens nichts miteinander zu tun haben. Zum ersten Teil deiner These kann ich nichts beitragen, da ich keine Partnerin habe oder hatte, die unsere Besonderheit akzeptiert.
Dafür kenne ich die Probleme bei der Partnersuche aus meiner Jugendzeit zur Genüge. Doch erst heute weiß ich Grund dafür: Wer bestimmte männliche Eigenschaften und Verhaltensweisen, auf die Frauen in der Regel stehen, innerlich ablehnt, ist oft nicht in der Lage, sich für potentielle Partnerinnen als Mann interessant zu machen. Es fehlt einfach die nötige Ausstrahlung oder diese wirkt derart abschreckend, dass die meisten Frauen schon nach wenigen Augenblicken einer persönlichen Begegnung konstatieren: Mit dem möchte ich nichts zu tun haben.
Da es unter diesen Umständen nur selten oder gar nicht zu Kontakten kommt, die in eine Partnerschaft münden könnten, haben die Betroffenen praktisch keine Möglichkeit, nach den von dir vorgeschlagenen Kriterien auszuwählen oder sonstige gut gemeinte Ratschläge zur Partnersuche umzusetzen.
Andrea, ich danke dir für diesen Aspekt muss aber trotzdem dagegen argumentieren, weil, wie ich oben schon mal schrieb, gerade die gefühlsbetonte weiblich Seite bei uns Frauen gut ankommt. Einen Baubudenrülps findest du an jeder Ecke. Die Ausstrahlung spielt eine wichtige Rolle, da geb ich dir unumwunden recht. Unsicherheit oder gar Angst vor möglicher Lächerlichkeit hemmen jeden, nicht nur Männer die Frauen sind.

Ich bedanke mich bei allen Mitschreiberinnen für das Teilen ihrer Gedanken mit mir.

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Mo 25. Mär 2019, 08:04
von Céline
Hi Nubi,
Ich habe jetzt zwar nicht alles durchgelesen aber meine Frau entspicht nicht der von dir anfangs gestellten These.Sie war schon immer sehr modisch,eigentlich das was einer "typischen Frau", ich nenns einfach mal so entspricht.Dafür habe ich sie auch immer bewundert und geliebt.Im Gegenteil dazu war ich in unserer Jahrzehnte langen Ehe immer der typische Mann und ließ meine wahren Gefühle nur Stundenweise am Wochenende ans Tageslicht,meistens so das mich meine Frau nicht "sehen musste".Sie wollte mich so nicht sehen wenn es nicht sein musste.Aber das waren die langen Jahre in denen ich dachte ich sei CD oder TV.
Als ich dann langsam begriff das da viel mehr dahinter steckt war das und ist es noch beiderseits sehr schwierig einen gemeinsamen Weg zu finden und zu gehen.
Mittlerweile können wir aber beide mit viel Spaß zusammen zum Shoppen gehen, machen beide die Umkleiden unsicher und beraten uns gegenseitig.Wir lieben beide Schuhe,Taschen und alles schöne. Aber.....wir sind dann immer als Freundinnen unterwegs, das wünscht sich meine Frau.
Liebe Grüße
Céline

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Mo 25. Mär 2019, 08:24
von lexes
Céline hat geschrieben: Mo 25. Mär 2019, 08:04 Hi Nubi,
Ich habe jetzt zwar nicht alles durchgelesen aber meine Frau entspicht nicht der von dir anfangs gestellten These.Sie war schon immer sehr modisch,eigentlich das was einer "typischen Frau", ich nenns einfach mal so entspricht.Dafür habe ich sie auch immer bewundert und geliebt.Im Gegenteil dazu war ich in unserer Jahrzehnte langen Ehe immer der typische Mann und ließ meine wahren Gefühle nur Stundenweise am Wochenende ans Tageslicht,meistens so das mich meine Frau nicht "sehen musste".Sie wollte mich so nicht sehen wenn es nicht sein musste.Aber das waren die langen Jahre in denen ich dachte ich sei CD oder TV.
Als ich dann langsam begriff das da viel mehr dahinter steckt war das und ist es noch beiderseits sehr schwierig einen gemeinsamen Weg zu finden und zu gehen.
Mittlerweile können wir aber beide mit viel Spaß zusammen zum Shoppen gehen, machen beide die Umkleiden unsicher und beraten uns gegenseitig.Wir lieben beide Schuhe,Taschen und alles schöne. Aber.....wir sind dann immer als Freundinnen unterwegs, das wünscht sich meine Frau.
Liebe Grüße
Céline
Yupp .. so ist das bei mir auch

Meine Frau hat lange Haare ( unpraktisch )
Meine Frau ist Grafikerin / Webdesignerin und Werbespazialistin ( absolut umtechnisch dafür über-kreativ )
Meine Frau kann ein emotionales Unwetter sein .. in jeder Himmelsrichtung , und ist die beste Mutter, die man sich für seine Kinder wünschen könnte ( mit Sicherheit nicht voll-geerdet und ausgeglichen)

Aber wie der Titel schon sagte : Ich stell mal eine These auf .... :-)

Muss ja nicht auf alle zutreffen .. Wie'n Horoskop


Liebe Grüße

Lexi

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Mo 25. Mär 2019, 09:17
von ExUserIn-2026-04-08
Nubikalé hat geschrieben: Mo 25. Mär 2019, 07:32 Als Ingeneur und Psychologie-Interessierte hast du sicher auch genügend Objektivität um einschätzen zu können, ob ich eine wilde Theorie verbreite oder die Schublade gleich wieder zu machen sollte
Ich glaube nicht, dass das Grundqualifikationen in Bezug auf die Ausgangsfrage ist ;-)

Wenn ich mich recht erinnere, bist Du im Wissenaschaftsbetrieb unterwegs. Dann sollest Du doch mit These, Antithese und Synthese vertraut sein ... (888)

Bleiben wir bei der Psychologie, speziell bei der Wahrnehmungspsychologie. Wir neigen dazu Dinge, die uns bestätigen, zu überhöhen und den Rest unter den Tisch zu kehren. Es besteht also die Gefahr, dass Du die Beobachtung, die Du an Dir selber machst, überhöhst. Aber da Du die Erfahrungen anderer Betroffener zu Rate ziehst, versuchst Du Deine Beobachtung zu relativieren. So weit so gut. Dabei kommt der Fragestellung bereits eine wesentliche Rolle zu. Lege ich den Kandidaten eine Antwort in den Mund oder können sie unabhängig von Deiner Meinung eine Entscheidung treffen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Du als "geborene Frau" die unserer Thematik offen und sogar neugierig ist, besondere Sympathie entgegengebracht wird. D.h. man möchte Dich wahrscheinlich eher unterstützen als widersprechen. In diesen Punkten ist aus wissenschaftlicher Sicht Deine Anfrage bei mir durchgefallen ... ;-)

Das meine ich natürlich nicht so streng, wie es sich vielleicht anhört. Deshalb das Zwinkern. Du beschreibst in Deinem Post die Verteilung von männlichen und weiblichen Eigenschaften. Weiblich ist in diesem Kontext die "Intuition, innere Eingebungen, Bilder, Gefühle, spirituelles Bewusstsein, Kreativität, Liebesbewusstsein, Frieden, Weichheit, Natürlichkeit, innere Stärke, Hingabe, Lebensfreude und Sinnlichkeit". Männlich ist "Tatkraft, klares Denken, Handeln, Sprechen, Bewegen in der physischen Welt, Willen, Durchsetzungskraft, Standhaftigkeit und Gerechtigkeit". MMn wird hier gerne der Fehler gemacht, dass männlich mit Mann und weiblich mit Frau geichgesetzt wird. Es sind aber nur Definitione und somit willkürliche Zuweisungen von Eigenschaften unter Oberbegriffe. C.G.Jung hat die These von Animus, dem inneren Mann in der Frau und Anima, der inneren Frau im Mann aufgestellt. Dabei versucht er die starre Verbindung männlich-Mann und weiblich-Frau aufzuheben, denn alle Geschlechter haben offensichlich von allen Eigenschaften Anteile. Hier steckt übrigens auch ein Übersetzungsfehler der Bibel. In der deutschen Übersetzung steht "Gott schuf den Mensch als Mann und Frau". Im hebräischen Original steht sinngemäß: Gott schuf den Mensch männlich und weiblich. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Es steht nicht geschrieben, dass ein Mann männlich zu sein hat, sondern sie lässt offen, dass ein Mensch aus beiden "Töpfen" Eigenschaften besitzt. Ich schließe nicht aus, dass aus diesem Übersetzungsfehler unser heutiges Missverständnis bez. der Eigenschaften resultiert. Auch die Trennung von körperlichen Geschlecht und Gender kann vor diesem Hintergrund als Versuch verstanden werden werden, Eigenschaften und Körper zu trennen.

Simone de Beauvoir hat den berühmten Satz getätigt: "Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es" und betont hiermit die Rolle der Gesellschaft auf dem Weg zu "Frauwerdung". Interessanterweise beschreiten wir Transmenschen genau den gleichen Weg aus freien Stücken. Wenn ich von mir ausgehe, kann ich sagen, dass ich eine Menge weiblicher Eigenschaften besitze und unterliege einem Irrtum, diese auf das Frausein zu übertragen. Ich kann auch als Mann empathisch, kreativ oder liebesbewußt sein. Was mich aber wirklich zum (temporären) Frausein bringt, ist die Ablehnung des klassischen Männerbilds. Es steht meinen weiblichen Eigenschaften massiv im Weg. Beispiel: Ich habe meine körperliche Sensibilität erst in dem Zeitpunkt entdeckt, als ich bewusst einige männliche Eigenschaften, wie z.B. Durchsetzungsvermögen, auch in meinem Männerleben aufgegeben habe. Das heißt nicht, dass ich nicht überzeugen will. Ich könnte sonst hier nicht schreiben.

Ich denke, in einer Beziehung ist eine gute Mischung der Eigenschaften, unabhängig vom Geschlecht, hilfreich. Wie viele Frauen finden es schade, dass sich ihr Mann nicht mehr für Mode interessiert ? Warum soll das nicht auch umgekehrt sein ? Was passiert, wenn man die Bewertung umkehrt ? Ich kenne einen Fall in einer Familie, in der das Kind sehr krank wurde. Während die Frau schier durchdrehte, hat ihr Mann die Übersicht behalten. Meine damalige Freundin sagte, sie als Mutter hätte dem Mann die Hölle heiß gemacht, weil er so unemotional reagiert hat. Ich glaube schon, dass Menschen, die eine Ergänzung der Eigenschaften in der Beziehung suchen. Das wäre dann der Fall, den Du selber erlebst. Aber es gibt auch Menschen, denen kommt es mehr auf Gemeinsamkeiten als Fundament an. Ich denke ein Königsweg stellt die grundsätzliche Haltung, die David Schnarch in seinem Buch "Die Psychologie sexueller Leidenschaft" beschreibt. Er plädiert dafür, Differenzen zum Anderen zu akzeptieren. Die Folge ist einfach: Gemeinsamkeiten werden gelebt und Unterschiede begrüßt. Als Mensch fühlt man sich davon angesprochen und angenommen. Ist das nicht eine gute Basis einer Beziehung ?

So sehe ich Deine These als ein Teilaspekt im allgemeinen richtig. Aber es ist nicht umfassend genug, um gelungene Beziehungen zu beschreiben. Deshalb kann man Einzelnen keinen Tip geben, wie er/sie auf Basis ergänzender oder gleicher Eigenschaften zu einer Partnerschaft kommt. Als sicher sehe ich allerdings den positiven Aspekt, wenn man sich seiner selbst sicher ist. Interessanterweise findet man dann dann Menschen sympathisch, die sich auf ähnlicher Ebene bewegen. Hier ist die Literatur von Jürg Willi aufschlussreich. Ich bin davon überzeugt, dass sich erfüllende Partnerschaften nur auf Augenhöhe leben lassen. Aber man muss nicht, nein man darf nicht den Menschen suchen, der sich auf Augenhöhe befindet. Ich fürchte, man überschätzt die eigene Augenhöhe ...

Genug geschwafelt. Du bist dran.

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Mo 25. Mär 2019, 10:27
von Nubikalé
Du hast dich wirklich intensiv mit meinen Gedanken auseinandergesetzt, Vicky_Rose. Danke für deine Mühe. Das ehrt mich. Die dialektischen Methoden sind mir vertraut obwohl ich in meinem, doch relativ praxisorientierten Berufsfeld, eher selten den Dreischritt bemühen muss.

Es ist richtig, aus dem hier gelesenen und verstandenen (!, Frauenperspektive) hat sich diese These entwickelt, nicht zuletzt aus statistischen Zusammenhängen. Dazu habe ich mir die Erfahrungsberichte derjenigen auf die Liste getan, die schrieben "es sei aus jenen - und welchen Gründen" unmöglich einen Partner zu finden oder das Outing bei vorhandenen Partnerschaften zu wagen. Auf der gegenüberliegenden Seite standen die Beschreibungen der PartnerInnen, die wohlwollend, unterstützend agieren. Abgerundet mit meiner eigenen Erfahrung ergab sich für mich das beschriebene Bild in dem es selbstverständlich Abweichungen sowohl in die eine als auch in die entgegengesetze Richtung geben muss. Hier danke an Céline und Lexi. Um dieses Konstrukt zu verifizieren, hab ich meine These aufgestellt. Es scheint doch komplizierter und nicht schematisch aufstellbar zu sein, das perfekte Gegenüber zu "kreieren" und als Handlungsanleitung bei der Partnersuche zu bemühen. Da mich dieser Gedanke aber tagelang umtrieb, musste ich wissen, ob die Userinnen evtl. mit mir konform gehen.

Vertiefende philosophische Betrachtungen verändern den Rahmen natürlich erheblich. Dazu müsste man tiefgründig auf jede einzelne Beziehung, die Persönlichkeitsstruktur und Entwicklung der Partnerschaften eingehen. Einzelfallanalysen gehen allerdings weit über meinen Horizont.

Ich arbeite mich weiter ein in die Materie und lerne dazu. (888)

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Mo 25. Mär 2019, 11:51
von ExUserIn-2026-04-08
Hi Nubi,

es reicht, wenn Du Vicky schreibst. Mir ist die Auseinandersetzung nicht nur mit Trans wichtig. Und ich denke schon, dass es ein paar generelle Voraussetzungen gibt, die hilfreich bei der Partnersuche sind. Aber Überaschungen liegen immer wieder auf der Lauer. Deshalb ist Offenheit ganz wichtig. Wenn ich mit fest gegebenen Bild für eine Partnerin durch die Welt gehe, ubersehe ich schnell Möglichkeiten und entscheide mich für die falschen. Der Traumpartner muss sich nicht so verhalten oder aussehen, wie ich es mir vorstelle. Bei mir hat das (erfreulicherweise) nie geklappt.

Ich finde persönlich sehr interessant, die Beweggründe von Frauen zu erfahren, die sich unterstützend verhalten. Gefällt ihnen ihr Mann als Frau wirklich, sind es die Gemeinsamkeiten mit dem Partner oder was sonst, was sie antreibt ? Wie sieht es denn in der Beziehung aus ? Kann man sich auf Augenhöhe begegnen oder gibt es Abhängigkeiten ? Ein Transmensch kann ja auch in besonderem Maß Sicherheit in der Beziehung vermitteln, wenn man ihn pflegt. Wir geht dann der Partner damit um ? Ist auch er unterstützend oder gibt es hier ein Ungleichgewicht. Gerage nach einem Outing liest man ja auch öfters, dass der Transmensch die Partnerin "überfährt", wenn sie positive Zeichen signalisiert. Eine sinnvolle Balance wird schnell mit dem Argument, "das muss die Liebe aushalten" überdeckt.

Ich glaube Beziehungen mit einem Transmenschen oder gleichgeschlechtliche Beziehungen funktionieren nach den gleichen Grundregeln wie jede andere Beziehung auch. Und da bin ich selber gefragt. Ich muss die Verantwortung für mein Denken und Handeln übernehmen, statt Ursachen bei anderen Menschen oder Umständen zu suchen. David Schnarch nennt innerhalb der Beziehung vier Aspekte der Balance. Ich denke, sie sind auch im Vorfeld einer Beziehung sehr hilfreich:

- auf eigenen Beinen stehen und sich darüber klar werden, wer man ist und welche Ziele einem wichtig sind.

- an der Fähigkeit arbeiten, sich selbst zu beruhigen und die eigenen Ängste zu überwinden. Wer im Streit beispielsweise unbedingt zuerst die Entschuldigung des Partners braucht, um Frieden schließen zu können, hat Defizite bei der emotionalen Selbstregulierung.

- nicht übertrieben reagieren oder davonlaufen.

- die Bereitschaft sich — auch wenn es frustrierend ist — mit Problemen auseinanderzusetzen und das Unbehagen, das die Weiterentwicklung auslöst, zu ertragen.

https://www.zeit.de/lebensart/partnersc ... et/seite-2

Vielleicht könnte man auch sagen, empathisch mit sich selber zu sein. Da sehe ich oft große Defizite bis hin zu selbstzerstörerischen Aspekten.

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Mo 25. Mär 2019, 13:16
von Nubikalé
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 25. Mär 2019, 11:51 Ich finde persönlich sehr interessant, die Beweggründe von Frauen zu erfahren, die sich unterstützend verhalten. Gefällt ihnen ihr Mann als Frau wirklich, sind es die Gemeinsamkeiten mit dem Partner oder was sonst, was sie antreibt ? Wie sieht es denn in der Beziehung aus ? Kann man sich auf Augenhöhe begegnen oder gibt es Abhängigkeiten ? Ein Transmensch kann ja auch in besonderem Maß Sicherheit in der Beziehung vermitteln, wenn man ihn pflegt. Wir geht dann der Partner damit um ? Ist auch er unterstützend oder gibt es hier ein Ungleichgewicht. Gerage nach einem Outing liest man ja auch öfters, dass der Transmensch die Partnerin "überfährt", wenn sie positive Zeichen signalisiert. Eine sinnvolle Balance wird schnell mit dem Argument, "das muss die Liebe aushalten" überdeckt.
Muss es tatsächlich Beweggründe geben, Vicky? Ich hab über meine nicht nachgedacht. Mir ist eine Facette offenbart worden, die ich für mich sofort als Bereicherung erkannt habe. Endlich einen Partner zu erleben, der nicht in seiner typisch männlichen Rolle verharrt, von dem ich zurecht Sensibilität erwarten kann, mit dem ich Dinge austausche die sonst für meine beste Freundin aufgespart werden.
Meine Partnerschaft, und da gebe ich dir recht, ist allerdings noch frisch & spannend. Vielleicht würde ich dem sogar Einhalt gebieten wenn ich "überfahren" würde. Zumal ich noch nicht wirklich etwas aushalten musste. Klar, wir gehen als Frauen gemeinsam aus - aber in entfernte Orte oder besorgen Klamotten - aber im Internet. Die große Offenbarung im klassischen Sinn gabs noch nicht. Mir liegt viel an der Beziehung aber sie ist nicht existenziell und damit schließt sich ein Abhängikeitsgefühl aus.
Wir begegnen uns auf Augenhöhe, nicht weil er ein Transgender sondern weil er ein Mensch ist, der liebevoll, belesen, weltoffen, großzügig....*hieraufzählungendlosfortsetzen* ist.
Es gibt Ängste, die mit dem Transgendersein zu tun haben, ohne Frage; diese Probleme werde ich hier im Forum beantwortet bekommen - da bin ich sicher. Aber im Moment scheint die Sonne und der Himmel ist rosarot.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 25. Mär 2019, 11:51 https://www.zeit.de/lebensart/partnersc ... et/seite-2

Vielleicht könnte man auch sagen, empathisch mit sich selber zu sein. Da sehe ich oft große Defizite bis hin zu selbstzerstörerischen Aspekten.
Der Link ist interessant, ich müsste ihn in zwei, drei Jahren überprüfen oder mich? :mrgreen:

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Mo 25. Mär 2019, 13:46
von ExUserIn-2026-04-08
Nubikalé hat geschrieben: Mo 25. Mär 2019, 13:16 die ich für mich sofort als Bereicherung erkannt habe.

Das ist doch ein deutlicher Beweggrund. Für mich ist es der beste, den es geben kann.
ich müsste ihn in zwei, drei Jahren überprüfen oder mich?
Oder beide ?

Ich bin mit meiner Frau 8 Jahre zusammen und zwei davon verheiratet. Wir wollen jetzt wieder in eine neue Runde der Kommunikation eintreten. In dem Zusammenhang noch einen Lesetip: Michael Lukas Moeller, Die Wahrheit beginnt zu zweit. Ein interessantes Buch zum Thema Zwiegespräch. Es eröffnet einen etwas anderen Zugang zum Anderen. Es ist ein Gespräch in festen Regeln. Man trifft sich regelmäßig zu einem ungestörten Gespräch. Eigentlich sind es Vorträge. Jeder bekommt eine gewisse Zeit, z.B. 45 min. in der er alles sagen kann, was er will. Man kann auch schweigen. Der Andere hört zu und darf nicht mitreden. Dann wird getauscht. Danach lässt man die Themen ruhen. Man kommt zu neuen An- ind Einsichten über den Partner. Kann funktionieren, muss aber nicht.

Genießt Eure Zeit