Anne-Mette hat geschrieben: Mo 18. Mär 2019, 16:53
Das "schief angeguckt zu werden" lässt sich vielleicht aushalten. Du sollst selbst zufrieden sein/werden!
Natürlich ist es schön, wenn auch in Begegnungen mit anderen Menschen das "richtige Bild" widergespiegelt wird.
Das ist auch das, was ich letzten Endes möchte ; mit mir selbst im reinen sein. Ich dachte auch, bis vor zwei Jahren, dass ich mein Ziel mit der Transition erreicht hätte, doch als die Merkmale meiner Hormontherapie immer stärker wurden, merkte ich doch, dass ich irgendwie nicht ganz... konform mit der körperlichen Veränderung bin. Das ich damals vielleicht nicht verstanden habe, wie schön es eigentlich ist, Weiblichkeit zu besitzen. Ich könnte natürlich auch jetzt weiterhin weiblich sein, ganz gleich was andere denken, aber ich habe das Gefühl mein Umfeld erwartet stets von mir, dass ich meiner Rolle als Mann zu hundert Prozent gerecht werden muss, ansonsten bin ich nur eine fragwürdige und für andere nicht identifizierbare Gestalt ohne Inhalt - was natürlich nicht stimmt, denn ich glänze durch Facettenreichtum, was mich ( und andere Trans, Crosdresser etc. ) zu etwas besonderem macht. Mir fehlt jedoch der nötige Mut und das Selbstbewusstsein, mich einfach so zu geben, wie ich bin. Da muss das Gesamtbild stimmt. Ich könnte mich nicht schminken und weiblich kleiden aber deutlich männliche Merkmale aufweisen, weil ich weiß, dass anderen das auffallen und sie mich ins Visier nehmen würden. Und unfreiwillig im Mittelpunkt zu stehen... mochte ich noch nie.
dunkles_sternchen hat geschrieben: Di 19. Mär 2019, 00:40
Du bist damit sicher nicht allein. Ich empfinde auch sehr oft Reue und habe das auch klar mit meinen Ärzten so kommuniziert. Wenngleich der Grund ein anderer ist: Nämlich das die Hormontherapie + Operationen einfach für mich keine ausreichende Angleichung erreicht haben und ich heute unglücklich damit bin.
In gewisser Weise kann ich sagen, dass auch bei meiner Therapie vieles in eine Richtung verlief, die ich so nicht erwartet hätte und auch ganz und gar nicht leiden kann. Meine Op lässt sich nicht rückgängig machen, aber das finde ich auch nicht schlimm. Schwanger werden wollte ich ohnehin nicht, da ich eine wundervolle Partnerin habe und der Weg einer biologischen Geburt (abgesehen von Samenspende) ausgeschlossen ist. Und meine Brust war, wie erwähnt, nie wirklich ausgeprägt. Damit konnte ich mich ganz gut arrangieren, könnte ich auch immernoch, selbst nach Abnahme der 'mini Höcker', sollte ich doch wieder zurückwollen.
Im Moment scheine ich wirklich, für mich, zu erkennen, dass meine Hormontherapie mir den meisten Kummer bereitet. Weil mein Körper sich mit jeder Spritze weiter in eine Richtung entwickelt, die ich für mich nicht mehr als akzeptabel empfinden kann. Womöglich war mir damals nicht bewusst, wie stark die Veränderung sein kann, wie weit ich von meinem früheren Ich abweichen werde, obwohl es ja auch eigentlich das war, was ich wollte. Nun das Resultat vor Augen zu haben ist manches mal... erschreckend befremdlich und ich versuche mich an mein damaliges Aussehen zu erinnern, die weiblichen Züge, die sanfte Haut, das noch dicklichere Haar - und dann merke ich, wie mich die Traurigkeit zu übermannen droht.
Ich glaube nicht, dass die Schuld hier bei meinen Ärzten liegt. Meine Psychologin hat mich sehr oft vor Risiken gewarnt, insbesondere, was die GaOP angeht, und doch war ich damals so starrköpfig und wollte mein Ding bis zum Ende durchziehen. Glücklicherweise aber hat dann doch mein Verstand eingesetzt und mich davon abgehalten, den schlimmsten Fehler zu begehen. Auch meine Gutachter haben mich stets daran erinnert, dass sich einiges ändern wird und dann vielleicht auch nicht nach meinen Vorstellungen. Das war mir egal, ich war überzeugt, zu wissen, was ich da tat, weil es sich zu der Zeit für mich als absolut richtig und wichtig anfühlte, der einzigste Weg, mein Leben richtig leben zu können. Vielleicht war ich auch noch zu jung ( 20-21 Jahre), zu sehr von Gefühlen gesteuert und habe, als alles vorbei war, zu spät realisiert, dass ich auch als Frau hätte glücklich sein können, nur immer glaubte, dass man mich so nicht akzeptieren kann, weil ich eben 'anders' bin. Ich kann mir gut vorstellen, dass es die ein oder anderen Ärzte gibt, die sich nicht genug mit ihren Patienten auseinandersetzen aber ich persönlich kann sagen, dass ich niemandem außer mir selbst die Schuld hierbei geben kann.
Frieda hat geschrieben: Di 19. Mär 2019, 10:12
In meiner Wahrnehmung zeigst du uns deutlich, wie kritisch du beim Thema Psychologen denkst.
Nur mal eine Idee die ich vorsichtig und höflich an- /aussprechen möchte. Falls ich dich richtig verstanden habe, müsstest du dir evtl einen neuen Psychologen suchen, falls du den Weg zurück gehen möchtest!?
Nicht unbedingt kritisch, eher verängstigt gegenüber der Vorstellung, dass ich mich erneut erklären müsste, dass dieser Weg, von dem ich eigentlich geglaubt hatte, ihn hinter mir zu haben, noch einmal gehen müsste, sprich Therapie über längeren Zeitraum. Der Tag meiner letzten Sitzung in Begleitung meiner Psychologin war einer der schönsten in meinem Leben, weil ich es endlich hinter mir hatte. Eine gewisse Anspannung war immer dagewesen, vielleicht auch, weil ich mit meiner Psycho nie richtig warm geworden bin. Ich würde es zumindest nicht noch einmal machen wollen. Meine Frage ist auch ; eine Indikation ist für Hormonbehandlung des jeweils anderen Geschlechtes notwendig, aber wie ist es, wenn man zum biologischen Ursprung zurückmöchte? Für mich ist die Vorstellung so absurd, eine Indikation zu benötigen, um zum biologischen Geschlecht zurückzukehren, weil das ja schließlich in den Genen liegt, immer da war. Aber es würde wohl zu unseren bürokratischen Richtlinien passen, alles unnötig schwerer zu machen.
Bevor ich mich einer erneuten, psychologischen Begleitung unterziehen würde, würde ich mir erst Rat bei meiner Endo holen. Mir erscheint, dass dies nun der beste, erste Schritt wäre, denn immerhin verwaltet sie meine Hormone, welche bei einer Transition ja gerne das erste sind, das man anstrebt. Was danach kommt... werde ich sehen. Je mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetze und meine Möglichkeiten zusammensetze, desto mehr scheine ich an Klarheit zu gewinnen, vielleicht, weil es mich irgendwo erleichtert zu wissen, dass ich eventuell doch zurückgehen kann, wenn ich das MÖCHTE. Nur das gilt es eben noch herauszufinden. Der Gedanke aber scheint mich... glücklich zu machen.
Vincent hat geschrieben: Di 19. Mär 2019, 13:37
Was ich Dir sagen möchte, ist: Werde dir zuerst klar, wer du bist, was du willst, und wie du es erreichst.
Ich bin mir sicher, dass auch dein Umfeld den Weg mitgehen wird, wenn er aus deiner tiefen inneren Überzeugung resultiert.
Genau das möchte ich erreichen. Ich möchte in mich hineinhorchen und meine innere Stimme nicht länger ignorieren, einfach verstehen, was ich eigentlich möchte und was mich endlich glücklich macht, mir das Gefühl gibt, im reinen mit mir selbst zu sein. Ich werde mir die Zeit geben, mir meiner Entscheidung dieses Mal absolut sicher zu sein. Es ist nur manchmal so schwer, hin und hergerissen zu sein. Aber mir scheint, je länger ich mich damit beschäftige, umso klarer könnte mein Bild werden. Ich werde sehen, was kommt. Wie meine Endo auf meine Erklärung reagiert und zu was sie mir raten wird. Vielleicht hilft mir das ebenso, eine Entscheidung für mich zu treffen.
Ich möchte bis dahin versuchen, einfach Ich zu sein, auch wenn es manchmal schwer fällt, weil ich nicht aus meinem Schneckenhaus herauskommen kann, nicht den nötigen Mut habe, wie manch andere, die ich deshalb sehr bewundere. Mir fällt auch auf, dass ich vor meiner Transition teilweise MEHR Selbstbewusstsein hatte, als jetzt im Nachhinein. Vielleicht weil ich fürchte, nicht dem Bild des Mannes zu entsprechen, das andere von mir erwarten zu sehen. Aber ich lebe nicht für andere sondern für mich selbst ... und dennoch fühle ich mich in dieser jetzigen Rolle nicht wirklich wohl. Es ist so schwer zu beschreiben, dieses Gefühl, aber es ist definitiv da und lässt mich Nachts nicht schlafen, weil mein Kopf so voll ist.
lexes hat geschrieben: Di 19. Mär 2019, 16:33
Grundsätzlich hast Du den Weg von Frau zu Mann ja nicht ohne Grund gemacht und Deine Äußerung "...das Leben gerettet..." lässt ja auch durchblicken das KEIN Handeln sicher noch viel katastrophaler gewesen wäre.
Bis hierher : Du bist aktuell nicht glücklich, wärst aber wahrscheinlich noch schlimmer dran wenn Du es nicht getan hättest.
Dazu kann man wider nur sagen : Es gibt mehr als NUR Mann oder Frau zu sein.
Ja, das stimmt. Für mich gab es damals keinen anderen Weg. Ich musste es machen, um mich selbst zu retten, aus dem Loch zu ziehen, aus welchem ich nicht mehr herauskam. Das ging auch für einige Zeit gut, besonders, als ich endlich meine Indikation bekam und alles recht schnell seinen Lauf nehmen konnte. Da war alles noch so frisch und neu und ich hatte meine träumerischen Vorstellungen eines männlichen Daseins. Das ich letzten Endes aber nie richtig Mann war und doch mehr feminin geblieben bin, hatte ich nicht kommen sehen. Ich glaube, dass ich teilweise zu forsch war, zu schnell entschieden habe. Ich bereue meine Transition nicht vollkommen, denn sie half mir, neue Aspekte des Lebens kennenzulernen. Allerdings hat sie mich auch nicht zu dem Menschen gemacht, von dem ich glaubte, der in mir stecken könnte. Ich habe ganz klar männliche Seiten und liebe diese auch nach wie vor, aber meine weibliche Seite scheint ausgeprägter... Und all das, was mir meine Transition gebracht hat, oder viel eher die Hormone, war letztendlich etwas, auf das ich doch getrost hätte verzichten können. In dem Sinne wäre ich in meinem biologisch normalen Zustand vielleicht doch glücklich geworden, zwar mit burschikoser Seite, aber das ist okay. Diese Erkenntnis scheint mir aber nun erst nach der Transition zu kommen, weshalb ich fast glaube, dass das Leben mich testen und mir vor Augen führen wollte, was ich eigentlich hatte und nun in gewissem Sinne verlor. So fühlt es sich zumindest an.
Ich möchte sagen, dass ich etwas zwischen Mann und Frau bin, aber wohl definitiv doch mehr Frau... das sagt mir mein Herz.
lexes hat geschrieben: Di 19. Mär 2019, 16:33
Bis hierher : Du bist aktuell nicht glücklich, wärst aber wahrscheinlich noch schlimmer dran wenn Du es nicht getan hättest.
Dazu kann man wider nur sagen : Es gibt mehr als NUR Mann oder Frau zu sein.
Unterstellen wir mal das Du vorerst auch dabei bleibst "Mann" zu sein.
Dann mach es doch wie so viele hier , die nicht TS sondern CD sind.
Darüber habe ich auch nachgedacht, ich kleide mich auch trotz aller Bedenken manches Mal femininer als sonst, sprich enge Leggings, langes Shirt, Stiefel oder figurbetonte Mäntel ; ist zwar nichts allzu aussagendes aber mir reicht es für den Anfang. Ich rasiere mir auch wieder die Beine, habe meine Augenbrauen gezupft, ein wenig Kajal aufgelegt ( was für mich ohnehin nie ein Problem war, da ich ein wenig der Rock/Metal Sparte zugeneigt bin ) und auch sehr sehr gerne Frauenparfum benutze. Allerdings habe ich festgestellt, dass der Gedanke von CD mich auch Dauer nicht glücklich machen würde. Es scheint nicht das zu sein, wonach ich mich sehne. Es würde an meiner Situation nichts ändern.
lexes hat geschrieben: Di 19. Mär 2019, 16:33
Selbst wenn das für Dich nicht die Endlösung ( wie für mich und adere ) ist, so ist es doch sicher eine gute Standortbestimmung .. Und Input zu dem Thema findest Du hier sicher mehr als genug.
Ja, ich schätze das Beste, das ich hätte tun können, ist mir selbst einzugestehen, dass ich ein Problem mit meiner jetzigen Situation habe und doch nicht so glücklich zu sein scheine, wie anfangs geglaubt. Es ist wohl nicht falsch, sich selbst einzugestehen, dass man eventuell einen Fehler begangen hat. Mich schreckte nur dieses starke Unwissen zurück, diese Hilflosigkeit, mit der Sache alleine dazustehen, dass ich womöglich andere Transgender in ein schlechtes Licht rücken könnte, weil ich nun das Musterbeispiel für Widersprüche bin und ein gefundenes Fressen für jene, die sagen 'Transsexualität ist eine Krankheit, nichts weiter', was mich jedes Mal erneut zum Platzen bringen könnte. Menschen, die keine Ahnung von dieser Situation haben, würden wieder meinen 'Ja, ich hab dir ja gesagt, dass das alles nur in deinem Kopf stattfindet und das es einen Grund gibt, warum wir einem festen Geschlecht von Geburt an angehören' und mir einen Strick draus drehen - deswegen bin ich froh, dass es Plattformen wie dieser hier gibt, in der sich die Vielfalt des Menschseins, ganz gleich des Geschlechtes, untereinander austauschen und auch helfen kann. Hier ist einfach jeder gleich und doch besonders auf seine Weise, wird aber nicht nur auf eine Sache reduziert und das finde ich toll. Wäre nur der Rest der Erdbevölkerung auch so offen und tolerant, würden diese Selbstzweifel vielleicht nicht bestehen.