Re: Vorbild für die Gesellschaft sein
Verfasst: So 27. Jan 2019, 22:17
"Vorbild", klingt so verbindlich und man könnte meinen, dass das etwas sei, was zum Nachahmen animieren solle?
Ich denke, solange ein Vorbild nicht dogmatisch betrachtet wird, im Sinne von richtig und falsch, solange kann jede_r Vorbild sein - denn es wird schließlich nicht erwartet, dass man es ihnen gleich tut. Vorbild können sie dennoch sein. Vorbilder sind für mich auch nicht wie reproduzierbare Abziehbilder. Es geht nicht darum, selbst wie das Vorbild zu sein oder zu werden. Ein Vorbild kann schlicht als positiv betrachtete Eigenschaften verkörpern.
In diesem Sinne denke ich, ja, uns fehlen in dieser Gesellschaft trans* Vorbilder, auch manchmal im Neu-Deutschen "Role Model" genannt. Wenn ich mich an meinen Weg bis zum Coming Out erinnere, so war es recht genau das, was mir fehlte: Vorbilder, Role Model oder schlicht Identifikationsfiguren. Alles was ich fand, was in Teilen meine Empfindungen wiederspiegelte, stieß mich eher ab, was zu einem sehr negativen Selbstempfinden führte. Darüber hinweg zu kommen war entsprechend hart, der Druck musste erst so hoch werden, dass selbst diese negativ besetzten Bilder begannen akzeptabel zu erscheinen. Ist doch blöde, oder?
Wir brauchen mehr offen lebende trans* Personen, Personen, die damit kein Problem haben, dass die Gesellschaft weiß, dass sie trans* sind. Denn nur wenn die Gesellschaft es erkennen kann, können die kruden Bilder über trans* Personen endlich verschwinden, denn es gibt dann eben jene anderen, nämlich derer, die offen jeden Tag vorleben, wie es ist. Diese werden es dann auch sein, die für eine neue Generation von trans* Menschen Vorbilder und Role Model werden und es damit dieser Generation leichter machen werden, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Wenn die Vielfalt der trans* Personen auch den Alltag durchdrungen hat und so vielfältig sichtbar wird, wie es eben trans* Personen gibt, dann haben alle gewonnen - die Gesellschaft und wir.
Vorbild oder Role Model sein? Ja! Geh raus, sei sichtbar, zeige Dich, so wie Du bist! Verstelle Dich nicht und versuche nicht das zu sein, was Du meinst, das andere von Dir erwarten könnten. Sei authentisch, die beste Version von Dir selbst, die Du Dir vorstellen kannst - auch wenn das nicht in die Konzepte der Gesellschaft zu passen scheint.
Die letzten Jahre zeigen zumindest in Deutschland und einigen weiteren Ländern glücklicherweise in eine für uns gute Richtung. Die Gesellschaft öffnet sich mehr für uns, wird achtsamer und akzeptierender. Dies können wir nutzen, indem wir die uns gebotenen Freiräume jetzt besetzen, indem wir da sind, uns zeigen, sichtbar und ansprechbar werden. Dialog ist der einzige Weg zu Verständigung und Dialogpartner_innen findet man erst, wenn sie auch sichtbar sind.
Sichtbarkeit ist für mich der ultimative Schlüssel zur Lösung unserer Probleme. Eine schweigende unsichtbare Minderheit wird nie etwas verändern. Sichtbare und zum Dialog bereite Menschen schon.
...und bevor mir das wieder vorgehalten wird: Nein, dies ist keine Aufforderung an alle so sein zu _müssen_. Das kann niemand verlangen, denn ja, wir sind noch lange nicht so weit, dass man überall ungeschoren sichtbar sein kann. Die, die es nicht können, haben mein Mitgefühl, denn sie sind dem Druck vor ihrem Coming-Out hoffentlich entkommen, finden sich aber nun wieder unter Druck, nicht sichtbar oder auffällig zu sein.
Liebe Grüße
nicole
Ich denke, solange ein Vorbild nicht dogmatisch betrachtet wird, im Sinne von richtig und falsch, solange kann jede_r Vorbild sein - denn es wird schließlich nicht erwartet, dass man es ihnen gleich tut. Vorbild können sie dennoch sein. Vorbilder sind für mich auch nicht wie reproduzierbare Abziehbilder. Es geht nicht darum, selbst wie das Vorbild zu sein oder zu werden. Ein Vorbild kann schlicht als positiv betrachtete Eigenschaften verkörpern.
In diesem Sinne denke ich, ja, uns fehlen in dieser Gesellschaft trans* Vorbilder, auch manchmal im Neu-Deutschen "Role Model" genannt. Wenn ich mich an meinen Weg bis zum Coming Out erinnere, so war es recht genau das, was mir fehlte: Vorbilder, Role Model oder schlicht Identifikationsfiguren. Alles was ich fand, was in Teilen meine Empfindungen wiederspiegelte, stieß mich eher ab, was zu einem sehr negativen Selbstempfinden führte. Darüber hinweg zu kommen war entsprechend hart, der Druck musste erst so hoch werden, dass selbst diese negativ besetzten Bilder begannen akzeptabel zu erscheinen. Ist doch blöde, oder?
Wir brauchen mehr offen lebende trans* Personen, Personen, die damit kein Problem haben, dass die Gesellschaft weiß, dass sie trans* sind. Denn nur wenn die Gesellschaft es erkennen kann, können die kruden Bilder über trans* Personen endlich verschwinden, denn es gibt dann eben jene anderen, nämlich derer, die offen jeden Tag vorleben, wie es ist. Diese werden es dann auch sein, die für eine neue Generation von trans* Menschen Vorbilder und Role Model werden und es damit dieser Generation leichter machen werden, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Wenn die Vielfalt der trans* Personen auch den Alltag durchdrungen hat und so vielfältig sichtbar wird, wie es eben trans* Personen gibt, dann haben alle gewonnen - die Gesellschaft und wir.
Vorbild oder Role Model sein? Ja! Geh raus, sei sichtbar, zeige Dich, so wie Du bist! Verstelle Dich nicht und versuche nicht das zu sein, was Du meinst, das andere von Dir erwarten könnten. Sei authentisch, die beste Version von Dir selbst, die Du Dir vorstellen kannst - auch wenn das nicht in die Konzepte der Gesellschaft zu passen scheint.
Die letzten Jahre zeigen zumindest in Deutschland und einigen weiteren Ländern glücklicherweise in eine für uns gute Richtung. Die Gesellschaft öffnet sich mehr für uns, wird achtsamer und akzeptierender. Dies können wir nutzen, indem wir die uns gebotenen Freiräume jetzt besetzen, indem wir da sind, uns zeigen, sichtbar und ansprechbar werden. Dialog ist der einzige Weg zu Verständigung und Dialogpartner_innen findet man erst, wenn sie auch sichtbar sind.
Sichtbarkeit ist für mich der ultimative Schlüssel zur Lösung unserer Probleme. Eine schweigende unsichtbare Minderheit wird nie etwas verändern. Sichtbare und zum Dialog bereite Menschen schon.
...und bevor mir das wieder vorgehalten wird: Nein, dies ist keine Aufforderung an alle so sein zu _müssen_. Das kann niemand verlangen, denn ja, wir sind noch lange nicht so weit, dass man überall ungeschoren sichtbar sein kann. Die, die es nicht können, haben mein Mitgefühl, denn sie sind dem Druck vor ihrem Coming-Out hoffentlich entkommen, finden sich aber nun wieder unter Druck, nicht sichtbar oder auffällig zu sein.
Liebe Grüße
nicole