Re: "Tagesspiegel": Nach der Geschlechtsangleichung "Es hat alles nur schlimmer gemacht"
Verfasst: Fr 21. Dez 2018, 08:04
Hallo,
auch wenn die Diskussion oben etwas in das persönliche abgeglitten ist, so ist doch tatsächlich die Frage interessant, wie trans* und psychische Störungen zusammenhängen.
Da ist freilich zunächst das "Henne-Ei" Problem. Man kann es so sehen, dass in diesem Fall eine bereits vorliegende psychische Störung zu falschem Verhalten beim Umgang mit dem trans* Sein geführt hat.
Ich sehe das eher so, dass unser trans* Sein zunächst unabhängig von aller Psyche bereits vorhanden und angelegt ist, eben als Devianz (Normvariante) der Geschlechtsidentität. Erst mit der Auseinandersetzung damit und dem Bewusstwerden, dass da eine Diskrepanz zwischen dem eigenen Fühlen und den Ansprüchen aus einer sozial normierenden Kultur existiert, kommt es zu psychischen Auswirkungen. Die können dann genauso wie die Varianten des trans* Seins ebenfalls sehr vielfältig sein. Bis hin zu richtig pathologischen Störungen, die behandlungsbedürftig sind.
So gehe ich mit Cybill mit, dass man ebenfalls diese psychischen Störungen behandeln soll bevor man sich dem Thema trans* widmet. Nur ist das alles nicht irgend jemandes "Schuld". Es sind Fehler auf beiden Seiten gemacht worden, die zur Katastrophe führen. Das passiert immer wieder, aber wir können daraus lernen.
Vor allem müssen wir mehr Wert darauf legen uns dafür Zeit zu nehmen uns selbst zu erkennen. Auch zu erkennen wenn wir Gefahr laufen fremdbestimmt zu werden. Denn der gesellschaftliche Druck unserer Kultur ist bereits eine Fremdbestimmung, die von bestimmten gewissenlosen (sie selbst sind wohlmeinend, das einzig richtige zu tun) Ratgebern ausgenutzt wird. Da es wiederum auch bei der psychischen Stärke sehr unterschiedliche Ausprägungen gibt, gibt es auch hier leichte Opfer. Da haben wir nun das "Ei-Henne" Problem.
Jedenfalls liegt eine "Schuld" nicht bei handelnden Personen, sondern bei den gesellschaftlichen Verhältnissen. Unsere Prägung, Erziehung und unsere Umwelt bestimmen nun einmal unser Verhalten wesentlich. Unsere Kultur hat sich lange entwickelt und war auch schon toleranter gegenüber trans* Menschen. Leider ist gerade in letzter Zeit ein Erstarken konservativer Kräfte zu bemerken, die mühsam erreichte Fortschritte zurückrollen wollen. Das ist Fremdbestimmung und liegt nicht in einer natürlichen Entwicklungslinie menschlicher Kultur. Varianten der geschlechtlichen Orientierung und der geschlechtlichen Identität bedrohen diese Kultur nicht, das sind Fragen von Machtkalkülen, genau so wie Fragen der Emanzipation der Frau.
Wenn es blöd klingt und überheblich, so ist es doch der einzige Weg: wir brauchen die Kulturrevolution. Die Werkzeuge des Humanismus (auch der christlichen Ethik im übrigen) gibt es dazu bereits.
Jenina
auch wenn die Diskussion oben etwas in das persönliche abgeglitten ist, so ist doch tatsächlich die Frage interessant, wie trans* und psychische Störungen zusammenhängen.
Da ist freilich zunächst das "Henne-Ei" Problem. Man kann es so sehen, dass in diesem Fall eine bereits vorliegende psychische Störung zu falschem Verhalten beim Umgang mit dem trans* Sein geführt hat.
Ich sehe das eher so, dass unser trans* Sein zunächst unabhängig von aller Psyche bereits vorhanden und angelegt ist, eben als Devianz (Normvariante) der Geschlechtsidentität. Erst mit der Auseinandersetzung damit und dem Bewusstwerden, dass da eine Diskrepanz zwischen dem eigenen Fühlen und den Ansprüchen aus einer sozial normierenden Kultur existiert, kommt es zu psychischen Auswirkungen. Die können dann genauso wie die Varianten des trans* Seins ebenfalls sehr vielfältig sein. Bis hin zu richtig pathologischen Störungen, die behandlungsbedürftig sind.
So gehe ich mit Cybill mit, dass man ebenfalls diese psychischen Störungen behandeln soll bevor man sich dem Thema trans* widmet. Nur ist das alles nicht irgend jemandes "Schuld". Es sind Fehler auf beiden Seiten gemacht worden, die zur Katastrophe führen. Das passiert immer wieder, aber wir können daraus lernen.
Vor allem müssen wir mehr Wert darauf legen uns dafür Zeit zu nehmen uns selbst zu erkennen. Auch zu erkennen wenn wir Gefahr laufen fremdbestimmt zu werden. Denn der gesellschaftliche Druck unserer Kultur ist bereits eine Fremdbestimmung, die von bestimmten gewissenlosen (sie selbst sind wohlmeinend, das einzig richtige zu tun) Ratgebern ausgenutzt wird. Da es wiederum auch bei der psychischen Stärke sehr unterschiedliche Ausprägungen gibt, gibt es auch hier leichte Opfer. Da haben wir nun das "Ei-Henne" Problem.
Jedenfalls liegt eine "Schuld" nicht bei handelnden Personen, sondern bei den gesellschaftlichen Verhältnissen. Unsere Prägung, Erziehung und unsere Umwelt bestimmen nun einmal unser Verhalten wesentlich. Unsere Kultur hat sich lange entwickelt und war auch schon toleranter gegenüber trans* Menschen. Leider ist gerade in letzter Zeit ein Erstarken konservativer Kräfte zu bemerken, die mühsam erreichte Fortschritte zurückrollen wollen. Das ist Fremdbestimmung und liegt nicht in einer natürlichen Entwicklungslinie menschlicher Kultur. Varianten der geschlechtlichen Orientierung und der geschlechtlichen Identität bedrohen diese Kultur nicht, das sind Fragen von Machtkalkülen, genau so wie Fragen der Emanzipation der Frau.
Wenn es blöd klingt und überheblich, so ist es doch der einzige Weg: wir brauchen die Kulturrevolution. Die Werkzeuge des Humanismus (auch der christlichen Ethik im übrigen) gibt es dazu bereits.
Jenina