Ich nehme die Aufforderung sich mit dem Text auseinander zu setzen an. Bei dieser Auseinandersetzung geht es um den Text und durch ihn transportierte Bilder und einfache Antworten, nicht um Personen.MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52 Hier habe ich einen Text gefunden dem ich zu einhundert Prozent zustimmen möchte.....
Ein paar verstörende Fragen an die Welt:
Dies ist eine kraftvolle, männliche Ansage an die Welt. Grundsätzlich zeige ich als Mann Flagge und beziehe Position. Ich habe auch das Messer in der Hose geöffnet, dass ich meine männliche Identität nicht offenbare. Ich habe schlicht keine Lust, mich mit Menschen auseinandersetzen, die mich nicht verstehen wollen und schlimmstenfalls noch lächerlich machen wollen.
Das tue ich hier aber dennoch zu meiner eigenen Heilung und weil ich möchte, dass dieses Statement durch das Land geht. Postet es, was das Zeug hält. Soviel wie möglich. Ich verspreche Euch, dass es Allen! danach besser geht. Also liebe Schwestern, hier bietet Euch ein Mann ein prima Argumentationspotential, warum wir so sind, wie wir sind.
Ich bin ein Mensch im männlichen Körper mit einem starken Ãnteil an weiblich gewertetem Denken und Fühlen.
Meine Äußerungen sind am kraftvollsten, wenn ich bei mir bin, sie sind nicht "männlich kraftvoll". Ich erlaube mir auch so Flagge und Position zu beziehen, dass macht heutzutage auch die "Weiblichkeit".
Der Satz mit dem Messer verwirrt mich, ich verstehe ihn nicht.
An die Heilsversprechung, dass es allen besser geht, wenn sie nur diesen Text lesen und ihn verbreiten glaube ich nicht.
Ich finde es schräg, die Wendungen der Mode und deren Reaktionen auf gesellschaftliche Prozesse quasi als den Wunsch vieler Frauen nach Transition zun lesen. Die Welt ist deutlich komplexer. Es ist so, dass weibliches Crossdressen ignoriert wird und männliches Crossdressen als bedrohlich und lächerlich gelesen wird.MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52Liebe Welt, warum fragt Ihr Euch nicht, dass ein Großteil der Frauen ihre Weiblichkeit unterdrückt und in Männerklamotten durch die Welt laufen? 30% der Frauen auf der Straße könnten auch als Männer durchgehen. Liebe Frauen, ich liebe weibliche Frauen mit tollen Kleidern — kein Wunder, oder? Aber warum macht Ihr das? Kann es sein, dass Ihr umgekehrt mal die männliche Rolle leben wollt? Aber warum dann immer und jeden Tag?
Dein Wunsch nach Frauen in schöner weiblich gewerteter Kleidung ist Dein Wunsch, nicht das Problem der Frauen. Ihre Gründe für eine androgyne, alltagstauglichere Kleidung sind glaube ich etwas komplexer als "Unterdrücken ihrer Weiblichkeit".
Was wird hier kritisiert? Das Frauen es wagen im Businesskostüm die Männerdomäne Managment zu erobern? Dann geht "der kesse Vater" auch noch hin und macht mit anderen "Kerlen" in männlich gewerteter Kleidung Märsche.MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52Wieso stellt keiner Fragen, wenn eine Frau am Freitag ihr Businesskostum auszieht, sich die Nägel abschminkt und dann als Reserveroffizierin in der Bundeswehr in Springerstiefeln und Tarnkleidung ein ganzes Wochenende mit "anderen" Kerlen 30km Märsche macht?
Wieso fragt niemand, warum Frauen bei der freiwilligen Feuerwehr oder woanders harte Jobs in Männerklamotten machen? Oder wenn sie aggressives, männliches Businessverhalten übernehmen?
Im nächsten Satz entsprechen die Frauen wieder nicht dem gewünschten Bild von Weiblichkeit der Autorin, es wird kritisiert, dass sie das Verhalten übernehmen, das in unserer neoliberalen Wirtschaftswelt zum Erfolg führt.
Hier leuchten für mich, ob gewollt oder ungewollt, gesellschaftliche Regeln auf, die wir noch lange nicht wirklich überwunden haben.
Hier benennst Du Tatsachen, die nicht auf dem natürlichen Verhalten von Männern und Frauen beruht, sondern auf unserer Art zu wirtschaften. Frauen, die den männlich gewerteten Weg gehen sterben ähnlich früh wie ihr "männliches" Vergleichsmodell.MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52Warum fragt keiner, warum Männer ca. 7 Jahre weniger leben als Frauen? Weil sie nämlich mit ihrer Gefühlswelt nicht umgehen können und diese lieber unterdrücken und daraus psychische und später physische Krankheiten werden lassen.
Wo sind die Fragen, wenn Frauen und Männer, eigentlich Menschen, sich selber verletzen, sich mit Drogen betäuben oder Posttraumatische Belastungsstörungen haben wegen seelischem und körperlichen Missbrauch. Dieser wird je nach Macht durch Männer und Frauen verübt. Da mehr Männer Macht haben, missbrauchen diese häufiger.MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52Wo sind die Fragen, wenn Männer ihre Probleme mit Alkohol, Zigaretten und Drogen verdrängen? Und sich damit auch körperlich schädigen?
Weder die Opferrolle ist geschlechtsbezogen noch die Täterrolle.
Sollen jetzt die Frauen die Männer von dem falschen Rollenbild, dass diese verinnerlicht haben befreien? Müssen diese das nicht selbst hinbekommen?
Wer, egal ob Mann oder Frau nimmt es hin, dass Menschen vergewaltigt werden? Dieser Mensch, der dies hinnimmt muss eigene psychische Probleme haben.MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52Warum nehmt Ihr hin, dass Männer ihre Frauen vergewaltigen oder besonders toughe Führungspersönlichkeiten sich von Dominas auspeitschen lassen?
Ob sich toughe Führungspersönlichkeiten oder der Putzmann im Imbiss von einer Domina verprügeln lässt ist deren Privatsache, die Nennung hier nur ein Klischee, ein Vorurteil.
Wer hinterfragt diese Dinge nicht? Viele Menschen befassen sich mit dem Begriff "toxische Männlichkeit" die sich in solchen Situationen eine "kraftvolle, männliche Ansage an die Welt" macht.MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52 Wieso stellt keiner Fragen, warum Männer Gewalt anwenden, in Fußballstadien sich prügeln oder beim G-27 Gipfel ganze Stadtteile verwüstet haben?
Nein, dies ist nicht normal und kritikwürdig. Mit gewollten und ungewollten Schuldzuweisungen an "Mannweiber" und Heilsversprechen durch Trans*person kommen wir nicht weiter.MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52 Ist das, liebe Welt, für Euch alles normal? Wollt Ihr mir allen Ernstes erzählen, dass das normal ist?
Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selber gefälscht habe und die Zahlen sind eigentlich nebensächlich. Interessanter ist der zweite Teil der Aussage, der wieder ein Klischee bedient. Eine richtige PTL ist der harte Familienvater, der im Managment "den Säbelzahntiger erlegt" und dann im stillen Kämmerlein die weibliche Seite zulässt. Skuril wird es, wenn ich an die toughe Managerin von oben denke, die mit anderen "Kerlen" Gewaltmärsche macht. Wann lebt die ihre weibliche Seite aus oder haben Managerinnen keine?MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52Nach allen empirischen Forschungen, haben mindestens 10%!! der Männer in westlichen Staaten eine andere, kreativere und gesündere Weise gefunden, ihren Überschuss an männlicher Energie zu entladen und damit auch ihre weibliche Seite zuzulassen. Interessanterweise ist die Quote in richtig harten Männerberufen am größten. Gerade diejenigen, denen man es nie im Leben zutrauen würde, entspannen sich nach einem harten, männlichen Tag mit weiblicher Kleidung.
Ich denke, die Antworten sind komplexer. Die Aggressionen beruhen auf Ängsten und Vorurteilen. Was hier richtig ist, dass die Ablehnung mehr über den sagt, der ablehnt als über die abgelehnten Menschen.MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52Warum liebe Welt, fallt Ihr über diese Menschen derart her, als "ob sie einen an der Marmel haben"? Ist es in Wahrheit nicht so, dass Ihr uns um unseren Mut, anders zu sein beneidet, weil Ihr nicht die Eier in der Hose habt, auch Ihr selbst zu sein und das zu tun, was Ihr wirklich wollt? Oder die eigenen Leichen im Keller in uns hineinprojiziert, weil Ihr die nicht ansehen wollt? Es ist immer schön, wenn man mit dem Finger auf Sündenböcke zeigen kann. Aber Ihr wisst doch, dass dann immer drei Finger zurückzeigen.
Gesteht die Autorin in ihrem verständlichen Überschwang den Partnerinnen eigene Ängste, Bedürfnisse oder Gefühle zu?MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52Und bitte, liebe Frauen, hört auf, Euren Partnern dafür die Hölle heiß zu machen oder sie abzulehnen. Ich weiß, Ihr wollt als Frau begehrt werden und seht die Frau in Euren Partnern als Konkurrentin, die Ihr bekämpfen müsst. Aber das ist falsch. Euer Partner wird Euch auch so als die tollen Frauen, die ihr seid, begehren. Es geht beim Tragen weiblicher Kleidung fast immer um etwas ganz anderes. Nämlich nur um den kurzfristigen Abschied aus der harten männlichen Welt. Darum, auch die weibliche, von der Gesellschaft geächtete, Seite leben zu können. Wenn Ihr Euren Partner vor die Frage stellt "Sie oder ich", dann seid Ihr nicht die richtige Partnerin, weil Ihr Euch in Euren Partner nicht hineinfühlen könnt, oder wollt? Jeder der Betroffenen kann ohne Euch leben, aber nie! ohne diesen Persönlichkeitsteil. Man kann nach Wegen suchen, die darunterliegenden Bedürfnisse auch anders zu leben, aber der Wunsch dies auch so zu leben, wird lebenslang bleiben.
Es steht keinem Menschen zu, zu kritisieren, was der andere tut, es sei denn er schadet durch sein Tun anderen Menschen. Da es bei meiner Kritik nur um bewusste und unbewusste Aussagen geht habe ich wohl Glück und ein Gesprächspartner zu bleiben.MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52Nur jemand, der alle diese Fragen für mich zufriedenstellend beantworten kann, ist für mich ein Gesprächspartner, wenn er das kritisiert, was ich tue. Aber wirklich nur der.
Hier kann ich ohne Vorbehalte nur zustimmen und gratulieren. Anmerken möchte ich, dass das, was uns hindert wir selber zu sein in uns ist. Auch wir sind Teil der Gesellschaft mit allen Vorteilen und Nachteilen. Die Grenzen, die wir in unsere Seele und unseren Kopf eingeschrieben bekommen haben, können nur wir selber überwinden. Schuldfragen und neue Abgrenzungen wie ich sie oben wahrgenommen habe, so verständlich sie zu nsein scheinen, bringen uns nicht weiter.MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52Ich bin jetzt 51 Jahre alt. Dieser Teil in mir hat mir, glaubt mir, viele, viele wirkliche seelische Qualen eingebracht. Und das nur, weil ich mich, liebe Gesellschaft, von Eurer Tabuisierung und Ablehnung habe beeinflussen lassen und schließlich selber von mir geglaubt habe, "dass ich ja wohl einen an der Marmel haben muss".
Heute, am 13.11.2018 ist der Tag, von dem an ich diesen Teil mit Lust, und nicht mehr mit verstörter Scham ausleben werde. Und deshalb ist dies einer der wichtigsten Tage in meinem Leben. Der Tag, an dem ich der geheimen Frau in meinem Leben ihre Freiheit gebe, ist der Tag, an dem ich ein ganzer MANN werde — und der Tag an dem ich auch endlich meine Freiheit finde. Es ist überhaupt kein Widerspruch, dass ich erst dadurch zu einem wahren Mann werde.
Liebe Welt, denkt daran, ein solches Statement könnten 10% aller Männer schreiben, wenn sie es sich trauten. Wie traurig ist es um diese Welt bestellt, wenn selbst einer von 10% immer noch nicht die Traute hat, hier eine offene Diskussion zu führen. Und denkt daran, alles was in der Natur vorkommt, ist natürlich. Die Natur erlaubt, nur der menschliche Dogmatismus oder Borniertheit verbietet.
Und wer sich dieses Statement traut, der ist normal und vor allem total gesund.
Ich denke, dies ist die Hauptaussage, auf die sich die Zustimmung berechtigter Weise bezieht. In meinen Augen wäre sie noch kraftvoller wahrnehmbar mit etwas weniger mit Klischees belastetem Text.MichelleMarie hat geschrieben: Do 15. Nov 2018, 16:52Ich bin gerne ein richtiger Mann, aber und zu mal eben nicht. Ein schlauer Therapeut hat mal gesagt:
Fühlst Du Dich besser? Ja
Schädigt es jemanden? Nein
Wo ist das Problem?
So einfach ist das.
Ich weiß, dass ich mit dieser Analyse wieder anecken und irritieren werde. Mein Bauch ließ mich aber von Anfang an zurückzucken und mich viel der eigentlich kritisierten "toixischen Männlichkeit", die nichts mit Mann oder Frau ode Enby zu tun hat, wahrnehmen.
In der Hoffnung zum Nachdenken anzuregen und nicht zu verletzen