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Re: Keine Lust - keine Zeit - keine Notwendigkeit?

Verfasst: Di 12. Jun 2018, 19:45
von Magdalena
Hallo,

heute möchte ich mich nochmals zu dem Thema äußern. Viele von uns sind doch auch in der Öffentlichkeit unterwegs. Und so wie Simone es schon beschrieben hat, werden wir wahrgenommen. Und auch mir ist es dann schon passiert, von interessierten, meist waren es Frauen, Menschen angesprochen zu werden. Es ist nicht so medienwirksam wie groß angelegte Aktionen. Aber bei den mir mir ins Gespräch Gekommen hat ein Aha-Effekt zum Nachdenken geführt. Es ist zwar nur ein kleines Sandkorn im täglichen Getriebe des Lebens. Aber viele Sandkörner können zu einem Berg werden.

Viele Grüße Magdalena
.

Re: Keine Lust - keine Zeit - keine Notwendigkeit?

Verfasst: Di 12. Jun 2018, 20:00
von Kleine Ketzerin
Kati_nx hat geschrieben:Das halte ich für ein Gerücht und wage es zu bezweifeln
Dann hast Du das hier nicht mitbekommen?

https://www.npr.org/sections/thetwo-way ... ights-bill

In deutscher Sprache:

http://www.queer.de/detail.php?article_id=31150

Man beachte im ersten Link auch die zweite Hälfte des Artikels: Obwohl die gesellschaftliche Diskriminierung von trans Menschen in Pakistan extrem ist und nicht selten mit kaltblütigem Mord endet, haben die trans Leute dort den Mut, die Würde und den Stolz, aktiv zu werden, um für ihre Rechte zu kämpfen - ganz im Gegensatz zu den trans Menschen hier in Deutschland, die sich offenbar nicht mal auf die Straße trauen, obwohl die gesellschaftliche Diskriminierung hier in Deutschland im Vergleich zu Pakistan einfach nur lächerlich ist.

Re: Keine Lust - keine Zeit - keine Notwendigkeit?

Verfasst: Di 12. Jun 2018, 21:29
von conny
Sylvia hat geschrieben: Di 12. Jun 2018, 08:31 .......weil man immer darüber diskutieren kann, welcher Weg "uns" mehr bringt: Einfach den eigenen Weg gehen, ohne großes Aufhebens drum zu machen oder einen gesellschaftlichen Auftrag darin sehen und Aufmerksamkeit erzeugen
Sorry, hier geht es darum, die von den derzeitig geltenden ungenügenden bzw. überholten Gesetzen Betroffenen in ihren Bemühungen um eine Verbesserung zu unterstützen - oder auch nicht.
Anscheinend "leidet" hier so gut wie keiner unter der derzeitigen Gesetzeslage und die Empathie mit den Betroffenen tendiert gegen null.

Aber immerhin tragen wir alle Damensachen - mal mehr, mal weniger.

Re: Keine Lust - keine Zeit - keine Notwendigkeit?

Verfasst: Di 12. Jun 2018, 22:08
von Kleine Ketzerin
Kati_nx hat geschrieben:Aber es stimmt, noch traue ich mich nicht auf die Straße, weil noch nicht geoutet. Will man mir das vorwerfen? Gehst Du denn auf die Straße um für Deine Rechte zu kämpfen?
Ja, natürlich gehe ich auf die Straße, um für meine Rechte zu kämpfen (obwohl sich hier in Deutschland ja nur selten die Gelegenheit dazu ergibt). Und in der Regel wundere ich mich dann, dass kaum mal trans Menschen zu sehen sind... Aber ich bin auch schon seit knapp 19 Jahren "geoutet", war damals noch ziemlich jung und gehe relativ offen damit um, dass ich trans bin. Deshalb kenne ich auch kaum einen anderen Zustand (mehr) als "out" zu sein und kann vielleicht auch deshalb nicht wirklich verstehen, warum sich hier so wenig bewegt. Zumal ich in all den Jahren - abgesehen von der gruseligen Trans-Betüttelungsindustrie, die sich hier in Deutschland entwickelt hat - nie irgendwas Schlimmes erlebt habe... Gestatte mir deshalb bitte eine Frage: Wovor hast Du Angst? Warum denkst Du, dass Du nicht auch "ungeoutet" auf die Straße gehen könntest, um für Deine Rechte zu kämpfen? Weil dann andere sehen könnten, wer Du wirklich bist? Was wäre daran schlimm? Was kann einem denn in diesem verwunschenen Land mitten in Europa schon Schreckliches passieren?

Re: Keine Lust - keine Zeit - keine Notwendigkeit?

Verfasst: Mi 13. Jun 2018, 13:38
von Kleine Ketzerin
Kati_nx hat geschrieben:Ich habe aber auch sehr wohl mitbekommen, dass Du mir meine Frage zumindest nicht mal mit einem kleinen Satz beantwortet hast, ob man mir dass denn vorwerfen kann?
Das liegt ganz einfach daran, dass ich Deine persönliche Situation nicht kenne und mir deshalb nicht anmaßen will, darüber zu urteilen, ob man Dir persönlich einen Vorwurf machen kann. Mir geht's auch gar nicht darum, persönliche Lebensumstände und daraus eventuell resultierende Vorwerfbarkeiten zu diskutieren. Mir geht es um diese absonderliche Diskrepanz zwischen der eigentlich ziemlich guten gesellschaftlichen Situation hier in Deutschland auf der einen und der gleichzeitig merkwürdigen Lethargie der trans Leute auf der anderen Seite. Es wäre so viel mehr möglich in diesem Land.

Vergiss auch bitte nicht, dass Dich all das, was momentan so passiert, noch viel stärker betrifft als mich, denn Du stehst noch ganz am Anfang und hast das ganze Brimborium mit Gutachten und all dem anderen grenzdebilen Gedöns noch vor Dir (wenn Du Dich denn "offiziell machen" willst). Sollten Dir da solche Themen wie eine bessere Gesetzgebung nicht ganz besonders am Herzen liegen? Wäre es nicht viel besser, wenn zu den persönlichen Schwierigkeiten, die Du andeutest, nicht auch noch "offizielle" dazu kommen? Denn eins ist mal klar: Ein, zwei oder vielleicht auch drei mal auf die Straße gehen und ein Transparent hochhalten ist billiger, weniger zeitaufwändig und macht definitiv auch mehr Spaß als ein Verfahren nach dem "Transsexuellengesetz"...
Kati_nx hat geschrieben:Allerdings stellt sich mir auch die Frage, warum von Dir kein richtiges Bild zu sehen ist, wenn Du so offen damit umgehst?
Weil ich eigentlich fand, dass das bisherige Bild ganz nett zu meinem Benutzernamen passte... Aber wenn Du lieber ein richtiges Bild hättest: kein Problem. :-)

Re: Keine Lust - keine Zeit - keine Notwendigkeit?

Verfasst: Mi 13. Jun 2018, 14:43
von Violetta Arden
...tja ich bin hier im Forum um dort meine weibliche Seite auszuleben und nicht um politisch tätig zu sein. Das wird vielen so gehen denn die Möglichkeiten sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und sich auch zu präsentieren sind in der rauhen Umwelt ja nur beschränkt möglich. Und dort sind dann auch diese "kleinen" Themen wie das Outfit und alles drumherum dann auch entsprechend wichtig.
Das andere ist dass -ganz egal was man/frau für Ausrichtungen hat ob man nun nur am Crossdressen Wohlgefallen findet oder noch weiter gehen will oder muss etc. - wir immer dafür sorgen müssen dass unsere erkämpften Rechte der Freiheit der Meinung und die Äusserung derselben sowie Respekt unseren Mitmenschen gegenüber erhalten bleiben . Gleiches gilt auch für die Toleranz anders Denkender oder sich anders Fühlender gegenüber, die das auch mit ihrem Outfit zum Ausdruck bringen.
Dafür werde ich auch jede Wahl oder Abstimmung mitmachen und mich auch so in meiner Umgebung äussern.
Aber das hier ist für mich ein Ort für meine privaten Vorlieben - und ich bin gerne hier.
Aber von hier aus politisch tätig zu werden - tut mir leid - das ist nichts für mich.
Alles Liebe
Gerda Joanna

Re: Keine Lust - keine Zeit - keine Notwendigkeit?

Verfasst: Mi 13. Jun 2018, 18:33
von Kleine Ketzerin
Kati_nx hat geschrieben:Ich finde das Wort "eigentlich" immer sehr interessant. Da steckt für mich ganz oft getarnter Zweifel drin, der das Gegenteil von dem beinhaltet, was man gerade ausdrücken will.
Da kann und will ich gar nicht widersprechen, denn die momentan gute gesellschaftliche Situation hier in Deutschland kann auch jederzeit wieder kippen. Es gibt da ja so gewisse Leute, die schon in den Startlöchern stehen, mit den Hufen scharren und mit HassBussen durch die Republik touren.

Und auch das historische Zeitfenster für Reformen, das momentan noch offen steht, wird sich bald wieder schließen - spätestens dann, wenn sich der Seehofer mit seiner Minimallösung für die dritte Option durchgesetzt hat, ist das Kind erstmal für lange Zeit im Brunnen versenkt, denn dann ist der Druck durch die vom BVerfG gesetzte Frist raus und man kann sich wieder Ewigkeiten Zeit lassen und versuchen, die Sache einfach auszusitzen. Bis dann wieder jemand bis zum BVerfG klagt und die Verfassungsrichter wieder ein positives Urteil fällen. Und dann geht das ganze Kasperletheater wieder von vorne los...