Hi liebe Mädels, Empörte, Aufgeregte, ...
nachdem so Vieles schon an Bsp. aus dem Alltag unserer Gesellschaft, die m.E. immer egomaner wird, immer selbstsüchtiger und rücksichtsloser zu werden droht, von Euch beschrieben wurde, hier auch noch ein Beispiel von mir, das v.a. eine andere Minderheit betrifft und uns das Leben schwerer, zumindest aber oft sehr ärgerlich macht.
Die mich schon länger lesen und kennen wissen vermutlich, dass ich leider als langjähriger CD auf Grund eines Schicksalsschlags meiner Herzallerliebsten, in einer besonderen Lage "gefangen" bin. Außer meines "zweiten Ichs" mit dem wir beide immer sehr gut klar kamen, mich meine Herzdame vorbildlich unterstütze

, kommt seit einigen Jahren der Umstand hinzu, dass sie praktisch dauerhaft im Rollstuhl sitzen muss. Eine rasch verlaufende neurologische, chronische Erkrankung brachte sie binnen weniger Jahre dahin.
Wie sich seither unsere UMWELT verändert hat, will ich gar nicht im Detail beschreiben, das könnt Ihr Euch vielleicht vorstellen. Wir haben gelernt mit kleinen Hindernissen, die schnell zu großen Problemen werden, relativ gut zurecht zu kommen. Schlimmer empfinden wir beide, wie selbst ehedem sehr vertraute Menschen, die man/frau für Freunde gehalten hatte (die in "guten Zeiten" sich auch so verhielten), allein durch die Erkrankung sich "bedroht" fühlen (es könnte ja auch sie treffen), damit überhaupt nicht klarkommen; statt zu fragen, sich zurückziehen, sich kalt verabschieden, selbst extra Streit und Scheinkonflikte heraufbeschwören, nur um für sich selbst eine Rechtfertigung zu konstruieren, den Kontakt abzubrechen, ganz aus deinem Leben zu verschwinden. Kein Einzelfall, kennen andere auch.
Die Krönung solchen Verhaltens sind dann die unzähligen Erfahrungen mit absolut bornierten, rücksichtslosen Zeitgenossen, die dir sogar das kleine Privileg der Nutzung von "Behindertenparkplätzen" neiden bzw. gar schlicht streitig machen, indem sie ihre dicken Autos genau da abstellen, weil sie wenige Meter Fußweg scheuen. Spricht man diese Rüpel höflich darauf an, weshalb sie so etwas tun, muss man sich des öfteren noch derbe Unverschämtheiten anhören, oder es werden einem auch schon mal Schläge angedroht. Was einem einfiele "wegen der paar Minuten so einen Aufstand zu machen! Gibt gleich ein Paar auf's Maul!"
Und das sind nicht nur jungen schlecht erzogene "Halbstarke", nein, im Gegenteil, die wissen sich oft besser zu benehmen, als die gut situierten "Best_Ager", die ihre Bäuche in ihren SUV mit Mühe hinters Lenkrad hieven.
Zur Ehrenrettung unserer (verrohten) Gesellschaft, will auch nicht unerwähnt lassen, dass wir auch schon rührende, herzerwärmende Beispiele der ganz anderen Art erfahren haben: Menschen die sogar im Abendkleid oder feinen Zwirn ihre Hilfe anboten, wenn ein Theater oder anderer Kulturtempel wieder mal den "barrierefreien Zugang"
vergessen hat einzuplanen, die spontan Türen aufhalten, statt sie dir ins Gesicht fallen zu lassen, die in den verdammten Aufzügen, die meist NICHT Rolli_tauglich sind zupacken oder fragen, ob sie helfen könnten, gestresste Kassiererinnen, die im vollen Supermarkt beim Einpacken helfen, obwohl sie ihren Platz dafür verlassen müssen ... und ähnliche ermutigende Erlebnisse. Aber es kommt eben viel häufiger vor, dass die theoretisch gern betonte "INKLUSION" von Handicapped
Menschen, im Alltag nur zögerlich, wenn überhaupt gelebt wird. Das sagt IMHO viel über unsere gelebten Empathie-Werte, über Anspruch und Wirklichkeit in unserer Gesellschaft aus.
Nachdenkliche Grüße
Ronda.