Endlich! 7 Wochen sind rum, eine ganz schön lange Zeit. Ich hab mit meiner Frau abgemacht, dass Viktoria einmal Monat einen Ausflug machen darf. Der letzte Ausflug war Anfang März und der nächste konnte aus terminlichen Gründen erst Mitte April, ergo gestern stattfinden.
Irgendwann vor etwa zwei Wochen hab ich mir eine Karte für die Oper "Salome" gekauft. Das sollte mein nächster Ausflug werden. Davor wollte ich shoppen gehen. Da ich das letzte Mal beim shoppen so ziemlich versagt hatte und mein männliches Ego absolut nicht überwinden konnte, hab ich mir vorgenommen, dieses mal nicht nur mit einem Lippenstift zurückzukehren.
Das sollte diesmal tatsächlich nicht ganz so schwierig sein, denn meine Foundation neigte sich dem Ende zu. Angespornt von den Berichten über die Beratung bei Douglas, wollte ich mich diesmal auch bei Douglas beraten lassen. Zudem sollte es noch eine Handtasche, ein eigenes Portemonais für Viktoria, ein Gürtel und ein paar neue Schuhe sein. ... Über letztere sollten wir noch ein paar Worte verlieren. Nein ...ich brauch keine neuen, die bisherigen tun es super. Trotzdem macht es mich ungemein glücklich welche zu kaufen. Die ein oder andere kennt das sicher.
Ich habe nur den Eindruck, dass entweder jemand was gegen mich hat oder Schuhe einfach von mir nicht gekauft werden wollen. Nun denkt ihr sicherlich, die Hitze hat Viktoria nicht gut getan, Schuhe gibt"™s doch in Hülle und Fülle. Ja aber, alle Schuhe, die mir gefallen sind im Moment irgendwie nur bis Gr.40 verfügbar (ich trag 41) oder ausverkauft oder nicht lieferbar. Letztes Jahr hab ich bei eBay mehrere tolle Schuhe gesehen. Noch nicht mal so teuer. Ich hab mir die damals nicht geholt, Frau brauchte ja keine und nun....bekomm ich die nicht mehr und bei anderen hab ich das obige Dilemma. Zudem hab ich mich wohl auf diese Stile eingeschossen :/ ...Ja ja Luxusprobleme ich weiß
So Spaß bei Seite: Der Termin stand also, das wusste anscheinend auch Petrus und hat mich mit herrlichstem Wetter gesegnet. Leider etwas zuviel des Guten, denn 30 Grad stellen eine Teilzeitfrau wie mich vor Probleme. Bisher zog ich mehrere Strumpfhosen übereinander, um die Beinbehaarung zu verdenken. Zum Glück ist die hell, dass dies relativ leicht ging. Nur bei 30 Grad wird das zu warm, es half also nix, die Beinbehaarung musste runter, meine Frau hatte zum Glück auch nichts dagegen, zumindest gab es keine lange Diskussion darüber.
30 Grad bedeutet allerdings auch viel Schwitzen und das könnte, so meine Befürchtung, das MakeUp komplett zum Verlaufen bringen. Schon die Nächte vorher schlief ich deswegen auch schon schlecht. Ich wollte beinahe schon kneifen, bin dann aber doch los. Da ich mich Auto verwandeln muss, bin ich gegen 12 Uhr los, hab mir ein schattiges Plätzchen gesucht und los ging"™s. 2,5 Stunden später schaute mich Viktoria im Spiegel an. Trotz schattigem Plätzchen, im Auto war es unerträglich heiß: Das eigentlich feste Makeup begann sich in seinen Förmchen langsam in Brei zu verwandeln. Das Wachs mit dem ich die Augenbrauen abdecke, wurde am Körper gar nicht mehr richtige hart, sondern blieb weich. :O
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Na ja egal, gegen 15.30 Uhr parkte ich mein Auto im Einkaufzentrum am Limbecker Platz. Inzwischen macht sich ja etwas Routine breit. Ich bin nicht mehr so aufgeregt, wenn ich das Auto verlasse. Insofern war das also das losgehen kein Problem. Zunächst also zu New Yorker, dass war das erste nach dem Parkhaus. Da ich nix gefunden habe weiter zu H&M und anschließend zu C&A mit Zwischenstop in einem Schuhladen. Bei C&A hab ich dann ne Tasche gefunden, die mir gefiel. Mit der Beute unterm Arm raus aus dem Geschäft und weiter Richtung Innenstadt. Zwischenstopp bei Deichmann (nix gefunden was mir gefällt)und anderen Schuhläden (auch nix gefunden) ging"™s auf zu Primark. Dort hab ich einen Gürtel gekauft. Die Portemonaisse haben mir nicht gefallen. Wieder raus aus dem Laden und ab Richtung Douglas auf der anderen Straßenseite. Beim Kreuzen der Straße hat mich noch der Amnesty International-Aktivist mit "meine Dame" angesprochen, dass Herz hüpfte in der Hose.
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Dann bei Douglas rein. Da ich ne Beratung wollte, führte diesmal kein Weg dran vorbei. Diesmal musste ich mit jemanden reden. Ich schaute mich erstmal um und wurde auch wenig später von einer Mitarbeiterin angesprochen. Ich schilderte dann mein Begehr. Die Dame war voll professionell: Als ich ihr mein Begehren geschildert hab, hab ich gemerkt, dass sie sehr wohl wusste, dass ich kein Biomädchen bin. An ihrer ersten Reaktion hab ich gesehen - für einen Bruchteil einer Sekunde hat sie überrascht geschaut- dass sie selbst wohl überrascht war. Danach war alles wie gesagt sehr professionell, sie zeigte mir das, was ich suchte, probierte in meinem Gesicht, den ein oder anderen Farbton aus. Sie fragte mich vorher noch welche Foundation ich bisher verwende...ähmm...und hier musste ich passen. Es kam eine typische Männerantwort: "Irgendeine!" *schäm* Zum Glück hatte ich das Fläschchen dabei. Wenig später ging ich mit einer neuen Foundation raus. Die Feuerprobe war damit bestanden
Im Nachgang dachte ich allerdings noch über einen Satz während des Gesprächs nach: Sie sagte, dass dies "doch alles nur Farbe sei". Ich weiß leider den Zusammenhang nicht mehr und bin daher sehr unsicher ob dies rein fachlich auf Makeup bezogen war oder eine versteckte Missbilligung bzw. ein Hinweis darauf, dass ich trotz Schminke keine echte Frau werden könne. Na ja ich glaube ja an das Gute im Menschen und nehme an, dass dies nicht auf mich bezogen war. Dazu würde der Rest des Gespräches auch nicht passen.
Anschließend ging es zurück zu dem ersten Schuhladen um da noch mal Schuhe zu probieren. Die Verkäuferin begrüßte mich freundlich "Oh schön, dass Sie wieder da sind". Ich schaute mich um und sagte ihr, dass ich diese Schuhe gern probieren würde und den anderen bräuchte. Sie holte ihn aus dem Lager und gab ihn mir. Sicherlich hat sie auch erkannt, dass ich nicht echt bin. Anmerken ließ sie es sich nicht. Leider passten die Schuhe nicht. Also bin ich erfolglos abgezogen. :/ Auf einer Toilette wechselte ich nun das Shoppingoutfit gegen das Theateroutfit. Obwohl ich im Auto noch die gelockte Perücke, die ich sonst im Theater trage, dabei hatte, hab ich mich entschieden,bei der Glatthaarperücke zu bleiben. Ich glaube es war eine gute Wahl
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Ne halbe Stunde später war ich im Theater. Niemand nahm Anstoß an mir. Als ich auf meinen Rang ging und meinen Platz suchte, sprach mich ein älterer Herr an. Er sagte, dass ich mir einen schönen Platz suchen solle, da heute sowie nicht ausgebucht wäre. Ich bedankte mich und suchte mir einen schönen Platz. Er hielt mich definitiv für eine echte Frau und behandelte mich auch sehr zu vorkommend. ïŠ
Die Aufführung war schön. Es ging um die Tochter des Herodes, die sich in Johannes dem Täufer verliebt hatte, er aber dies nicht erwiderte. Am Ende fordert sie von ihrem Vater aus Rache seinen Kopf. In der Vorbesprechung wurde angekündigt, dass Salome erstmals nicht als Männermordender Vamp gezeigt wird. Das hielt das Stück, Salome wurde als gestörte, geradezu verzweifelte Persönlichkeit gezeichnet.
Um 21.30 Uhr war bereits Schluss und auf ging es nach Hause.
Fazit:
Zwar hab ich nicht alles bekommen was ich wollte, aber immerhin kam ich nicht leer nach Hause. Ich habe meine ersten Gespräch enfemme geführt und mich damit aus der Deckung begeben. Ablehnung hab ich keine gespürt.
Zudem wartete bereits die nächsten zwei Frauentage auf mich. Am 21.4. begleite ich Rabea-Marie bei Ihrem ersten Outdoorausflug. Wir gehen auch wieder ins Theater und wollen danach in der Lilly Marlene in Dortmund vorbeischauen. Und in zwei Wochen ist da wieder Mottoparty:)
Liebe Grüße
Viktoria