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Coming out auf Arbeit„Musterbriefe
Verfasst: Do 30. Nov 2017, 13:21
von ExuserIn-2019-12-18
Hallöle,
ich überlege parallel zu meinem Outing im Beruf ein Informationsschreiben für alle Mitarbeiter an unser schwarzes (digitales) Brett zu hängen und suche Muster dafür ( das Musterschrriben der dgti finde ich nicht so gut)
Also wer soetwas schon mal gemacht hat oder jemanden kennt ... ich freue mich über alle Quellen.
Liebe Grüße
VanessaL
Re: Coming out auf Arbeit
Verfasst: Sa 2. Dez 2017, 10:40
von Ellen1975
Hallo VanessaL,
meinst Du vielleicht so ein Schreiben? Mit hatte es übrigens damals sehr geholfen. Du musst dann möglicherweise nur statt Kunden.. Liebe Kollegen und eine persönliche Anrede verwenden.
Viel Erfolg und alles Liebe
Ellen
P. S. Auf meinem Blog gibt es das Schreiben auch als Word Download
Betreff: Mitteilung aus persönlichen Gründen
Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,
ich möchte Sie heute über einen Sachverhalt meiner Person betreffend informieren. Seien Sie versichert dass es mir alles andere als leicht fällt dies jetzt zu tun. Aber es gibt für mich persönlich keinen anderen möglichen Weg als diesen.
Ich leide seit meiner Kindheit an einer Geschlechts-identitätsstörung. Das heißt ich wurde zwar anatomisch als Mann geboren, fühle mich aber innerlich schon immer dem weiblichen Geschlecht zugehörig (also als Frau). Sie kennen es vielleicht unter dem Begriff Transidentität oder Transsexualität.
Sie fragen sich sicherlich jetzt wieso ich Ihnen das schreibe. Ich habe für mich nach einer langen Phase der Verheimlichung und Unterdrückung entschieden, dass es so nicht mehr weiter gehen kann. Zu belastend war es für mich einfach geworden, so dass die Angst vor Ablehnung in den Hintergrund trat. Mit anderen Worten ich werde alles mir mögliche unternehmen, um mein Äußeres mit meinem gefühlten Geschlecht in Einklang zu bringen.
Dazu gehört eben auch eine Vornamens- und Personen-standsänderung. Das heißt dass vermutlich im Laufe des kommenden Jahres gesetzlich mein Name von " <Alter Name> " auf " <Neuer Name> " geändert wird. Ich würde es aber jetzt schon sehr begrüßen, wenn Sie diesen bereits verwenden könnten.
Ansonsten ändert sich für Sie natürlich nichts. Ich werde wie gewohnt kompetent, schnell und professionell für Sie zur Verfügung stehen. Vermutlich nur um einiges
glücklicher.
Mit freundlichen Grüßen
....
Re: Coming out auf Arbeit
Verfasst: So 3. Dez 2017, 16:08
von Britt
Hallo Vanessa,
ich habe eine Email an diversen Verteilern geschickt (Kollegen, Kunden). Kurz und knapp. Der Text war wie folgt:
Hallo zusammen,
für alle die es noch nicht mitbekommen haben, ich bin transsexuell.
Diese Woche Freitag habe ich einen Friseurtermin. Danach werde ich in der anderen Variante rumlaufen.
Grüße,
Britt Rieger
Ein ähnliches Schreiben habe ich für die Mitarbeiter vom Außendienst an das schwarze Brett gegangen (Für die, die nicht am PC arbeiten)
Den Kollegen mit den ich unmittelbar zu tun habe, habe ich es kurz vorher persönlich gesagt. Das war auch nur eine Mitteilung, wie im Text oben. Keine weiteren Erklärungen.
Viele Grüße,
Britt
Re: Coming out auf Arbeit
Verfasst: So 3. Dez 2017, 16:51
von Svetlana L
Meine E-Mail am 05.12.2016 lautete wie folgt:
"... in Abstimmung mit Frau Sch. [Anm.: Behördenleitung] und Herrn H. [Anm.: Amtsleitung] wähle ich diesen Weg, um Sie/euch über eine persönliche Veränderung, die auch Auswirkungen auf den täglichen Umgang haben wird, zu informieren.
Beginnen möchte ich mit dem im Betreff genannten Spruch, den ich bereits Anfang des Jahres in einem Glückskeks hatte: "Neuigkeiten können für Aufregung sorgen!"
Der offizielle Tag für diese Art Neuigkeiten ist zwar der 11. Oktober, aber nach reiflicher Überlegung und nach einer langen Zeit des Versteckens und der Unsichtbarkeit mache ich den heutigen Tag zu meinem ganz persönlichen 11. Oktober, zu meinem ganz persönlichen Coming out-Tag. Kurz gesagt sehe ich mich selbst als trans* bzw. transgender und werde künftig als Frau mit dem Namen Svetlana Linberg auftreten.
Mit dieser Mitteilung will ich Ihnen/euch die bevorstehende Veränderung bekanntgeben und gehe weiterhin von einem kollegialen und respektvollen Umgang auch mit Svetlana bzw. Frau Linberg aus.
Da man sich mit dem Thema Geschlechtsidentität in der Regel eher selten beschäftigt entstehen jetzt vermutlich bei vielen Kolleg*innen Fragen rund um das Thema trans* bzw. zum Umgang mit trans*-Menschen. Für allgemeine Fragen rund um das Thema trans* stehe ich gern zur Verfügung. Darüber hinaus habe ich auch weitere Informationsmaterialien, die ich Ihnen/euch gerne zur Verfügung stelle. Auch auf der Webseite der Landesantidiskriminierungsstelle (LADS) sind im Rahmen des Projekts "Trans* in Arbeit" zahlreiche Informationsmaterialien hinterlegt. Als ersten Einstieg in das Thema "Transgeschlechtlichkeit" füge ich einige davon dieser Mail als Anhang bei.
Mit freundlichen Grüßen
Svetlana Linberg"
Re: Coming out auf Arbeit
Verfasst: Mo 11. Jun 2018, 09:05
von Svetlana L
Update: Am 24.11. 2017 hatte ich in Post 31 geschrieben, dass ich überlegte, ob ich wegen der (aus meiner Sicht) fehlerhaften Ernennungsurkunde nochmal insistieren sollte. Letzendlich habe ich dies im Dezember auch getan und neben den queerpolitischen Sprecher_innen von rot-rot-grün mein Anliegen auch an den Petitionsausschuss des Abgeordentenhauses herangetragen. Aufhänger war das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Dritten Option, in dem das Gericht grundsätzlich festgestellt hat, dass die geschlechtliche Identität als ein konstituierender Aspekt der eigenen Persönlichkeit durch das allgemeine Persönlichkeitsrecht geschützt ist. Zitiert und beigefügt habe ich außerdem auch die verschiedenen im Umlauf befindlichen Gutachten zur Vornamensführung (Augstein-Gutachten und ADS-Gutachten) und angeregt, dass die selbsternannte Regenbogenhauptstadt Berlin eine Regelung erabeiten solle, die diesen Aspekten der geschlechtlichen Selbstbestimmung Rechnung trägt und transidente Mitarbeiter_innen nicht mehr benachteiligt.
Am Samstag Nachmittag hatte ich die Antwort des Petitionsausschusses im Briefkasten - leider - so viel vorweg - nicht in dem erhofften Tenor. Positiv muss allerdings anerkannt werden, dass der Ausschuss sich sehr intensiv mit der Angelegenheit auseinandergesetzt hat. Auf immerhin fast vier Seiten wurde mir auf mein Anliegen geantwortet. Der Ausschuss hat die für das Berliner Beamtenrecht zuständige Senatsverwaltung für Finanzen sowie die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung (SenJVA) um Stellungnahmen gebeten. Erstere beharrte darauf, dass ein Beamter erst zu einer Beamtin wird (oder umgekehrt), wenn das Verfahren nach dem TSG durchlaufen ist. Dies erfordern die bundesweit geltenden Grundsätze von Richtigkeit, Vollständigkeit, Transparenz und Vertraulichkeit der Personalakte. Die Verwendung eines selbstgewählten, nichtamtlichen Vornamens wäre damit nicht vereinbar. Gleichwohl können transidente Beamt_innen im Dienst unter dem selbst gewählten Vornamen auftreten und sich auch so anreden lassen.
Der SenJVA und der Landesantidiskriminierungsstelle ist die Problematik seit Jahren bekannt und zwar sowohl im Hinblick auf den Bedarf nach tarif- bzw. beamtenrechtlichen Regelungen als auch hinsichtlich des diskriminierenden TSG-Verfahrens. Hervorgehoben wurde, dass der Berliner Senat sich seit Jahren für die Aufhebung des TSG einsetzt und eine entsprechende moderne Regelung fordert. So wurde ein 2015 von Berlin eingebrachter Beschlussantrag zur rechtlichen Absicherung der selbstbestimmten Geschlechtsidentität auf der Konferenz der Frauen- und Gleichstellungsminister_innen einstimming angenommen. Mir wurde außerdem mitgeteilt, dass der Berliner Senat meine Auffassung, dass es sich beim TSG-Verfahren um einen sachlich nicht zu rechtfertigenden Eingriff in meine Persönlichkeitsrechte handelt, teile. Weiterhin wurde bekräftigt, dass der Senat meine Eingabe als weiteren Impuls verstehe, sich für eine zügige Aufhebung des TSG einzusetzen. Soweit die ersten Stellungnahmen der beiden vom Ausschuss angeschriebenen Senatsverwaltungen. Diese Antworten haben dem Ausschuss aber nicht genügt, da nicht auf meine Anregung zur Schaffung einer entsprechenden verwaltungsinternen Regelung eingegangen wurde, weshalb die SenJVA nochmals angeschrieben wurde. Im Ergebnis hat eine bundesweite Abfrage ergeben, dass die Länder keine Möglichkeit einer der TSG-Abschaffung vorgreifenden Regelung sehen. Lediglich das Land Brandenburg hat ausgeführt, dass es sich um eine Frage des Verwaltungsverfahrensrechts handele, das Beamtenrecht jedoch keinerlei Angaben über die Namensnennung, sondern nur über andere Form- und Inhaltserfordernisse mache.
Weiterhin wird ausgeführt, dass die SenJVA in Vorbereitung der Regelungen zur Dritten Option die Vergabe einer rechtswissenschaftlichen Expertise zu notwendigen Anpassungen im Berliner Landesrecht beabsichtigt, wobei auch Folgerungen für das Berliner Beamtenrecht relevant sein können. Auch ein weiterer Austausch mit dem Land Brandenburg - wegen dessen obiger Aussage - ist geplant.
Soweit von mir der aktuelle Stand. Teilweise ernüchternd; meine Frau sah es allerdings nicht ganz so negativ, da meiner grundsätzlichen Auffassung ja Recht gegeben wurde.
Re: Coming out auf Arbeit
Verfasst: Mo 11. Jun 2018, 13:12
von ExuserIn-2019-12-18
Hallo,
ich habe es tatsächlich gemacht. Eine Woche Lehrgang in Lüdenscheid als "Frau"
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Heute also mein erster "Arbeitstag" .... quasi ein Versuchsballon ....
Re: Coming out auf Arbeit
Verfasst: Mo 11. Jun 2018, 13:52
von Svetlana L
VanessaL hat geschrieben: Mo 11. Jun 2018, 13:12
Hallo,
ich habe es tatsächlich gemacht. Eine Woche Lehrgang in Lüdenscheid als "Frau"
Heute also mein erster "Arbeitstag" .... quasi ein Versuchsballon ....
Herzlichen Glückwunsch!
Re: Coming out auf Arbeit
Verfasst: Mo 11. Jun 2018, 14:39
von Ulrike-Marisa
Moin zusammen,
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P1150770 Ulrike-Marisa Juni 2017.jpg
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bei mir war das auf der Arbeit ein langer schleichender Prozess. Da ich bisher keine rechtliche Personenstandsänderung beantragt habe, ändert sich dienstlich erst mal nichts; das habe ich für die Zeit nach er Arbeit als nächstes Ziel, wenn es klappen kann...
Im Dienst wissen mittlerweile alle, die es wissen wollen, dass ich transsexuell bin, der DGTI-Ausweis hilft da wirklich weiter. Zu Dienstbesprechungen gehe ich meist als Ulrike; so auch im Personalrat. Es ist eine besondere Situation, dessen bin ich mir wohl bewusst und habe bisher keine negativen Rückmeldungen bekommen, ganz im Gegenteil auch das mit der Anrede klappt weitgehend. Da habe ich im täglichen Umgang die Namenskurzform Ulli, die können alle ohne Probleme verwenden und ob ich mit Rock oder Hose zur Arbeit komme, interessiert hier in meiner großen Behörde niemanden wirklich an unserem Standort.
Bei mir geht familiär nicht alles, was ich schon mehrfach an verschiedener Stelle geschrieben habe. Mit dem Rest kann ich beruhigt als Ulrike leben.
Beste Grüße, Ulrike
Re: Coming out auf Arbeit
Verfasst: Fr 6. Dez 2019, 13:43
von Svetlana L
Heute ist der 6. Dezember - Nikolaus

, klar... Aber da war doch noch irgendwas???
Heute vor 3 Jahren, am 6. Dezember 2016 bin ich zum ersten Mal als Svetlana zur Arbeit gegangen. Mein Gott, ist das wirklich schon wieder drei Jahre her? Was damals mit Herzklopfen und fürchterlicher Aufregung begonnen hat ist heute soooo selbstverständlich, als wäre es nie anders gewesen. In der Zeit habe ich auch "mein Hobby" zum Beruf gemacht und bin als Queerbeauftragte des Bezirksamts Ansprechperson sowohl für Kolleg_innen als auch für Bürger_innen. Bis heute hatte ich auf Arbeit nicht eine einzige Diskriminierungserfahrung gemacht und das wünsche ich nach wie vor und von ganzem Herzen allen Menschen, die sich auf Arbeit outen wollen.
Mittlerweile durfte ich in der Dienststelle auch ein weiteres Coming out (FzM) begleiten und auch bei diesem Kollegen (der in einer anderen Abteilung beschäftigt ist) ist bislang alles glatt gegangen, wie er mir kürzlich auf unserer Personalversammlung gesagt hat. Jetzt sind wir also schon zu zweit im Bezirksamt und wenn man den Transmann der AfD in der Bezirksverordnetenversammlung dazunimmt (aber ich glaube, dass der mittlerweile kein Bezirksverordneter mehr ist) sogar drei. Kann man da eigentlich schon von einem Hotspot reden?
PÄ/VÄ sind nun auch schon wieder seit fast einem dreiviertel Jahr durch und ich kann ruhigen Gewissens behaupten, dass ich angekommen bin. Wow, ich glaube ich bin glücklich!

Re: Coming out auf Arbeit
Verfasst: Fr 6. Dez 2019, 14:49
von Engelchen
Svetlana L hat geschrieben: Fr 6. Dez 2019, 13:43
Wow, ich glaube ich bin glücklich!
Schöner kann man es nicht schreiben.
Liebe Grüße
Lisa