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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Verfasst: Mo 18. Jul 2016, 11:36
von ExUserIn-2026-04-08
Hi Jenniffer,

oftmals stehen Kirche und Christentum in Verruf, was das Thema T* angeht. Aber wer darf denn das Wort "christlich" wirklich führen ?

So weit ich die Sache sehe, nehmen viele Menschen und Gruppierungen dieses Wort in den Mund, deren Verhaltensweise aus meiner Sicht wenig damit zu tun hat. Deshalb darf man noch lange nicht eine Art "Sippenhaft" aussprechen. Wenn Du negative Erfahrungen gemacht hast, ist das bedauerlich. Und in vielen Fällen ist eine restriktive Haltung auch berechtigt. Aber es ist keineswegs so pauschal zu betrachten, wie es in vielen Posts anklingt. Schau Dir z.B. die Seite http://chrismon.evangelisch.de/ an und gebe in der Suche "Transgender" ein. Hier stehen Artikel, die durchaus Akzeptanz für TG zeigen.

Der Begriff "christliche Wertvorstellung" ist deshalb aus meiner Sicht nur sehr begrenzt anwendbar. Zudem gibt es ähnliche, teilweise radikalere, Wertvorstellungen auch in anderen Kulturen und Religionen.
Wann lebe ich im Selbstbetrug?
Wenn ich mein Leben nach anderen ausrichte oder wenn ich das an mir unterdrücke was andere nicht gut finden?
Und wenn ich das "oder" in ein "und" tausche, bin ich ganz Deiner Meinung. Übrigens ist das neue Testament nach meinem Verständnis voll von ähnlichen Sichtweisen.

Re: Alles nur Selbstbetrug?

Verfasst: Fr 22. Jul 2016, 16:26
von Joa
Hallo Vicky,
Dein letzter Satz verdient eine ganze Hundertschaft von Ausrufezeichen!! Und was Religion im Allgemeinen und Christentum im Speziellen angeht, das hat es Sebastian Puffpaff in einer seiner letzten Sendungen ziemlich markant auf den Punkt gebracht, als er davon sprach, worum es bei allen Glaubenslehren letzlich geht: um Liebe. Oder um einen christlichen Priester des 19. Jahrhunderts zu zitiern, nämlich Paul Nardini:"Liebe ist unser Leben, Liebe ist unsere Bestimmung, Liebe ist das Einzige, was Gott von uns fordert." Ich bin bestimmt kein Gebet-Hansel und auch nicht konfessionell gebunden, aber ich kenne kaum ein radikaleres Statement, was unser Verhältnis zu Anderen und zu uns selbst angeht. Und wenn wir es ernst meinen mit der Nächstenliebe, dann sollten wir uns doch wohl auch selbst lieben und so annehmen wie wir sind, auch wenn's schwer fällt. Sonst bleibt der Nächste ziemlich sicher gleich mit auf der Strecke.
Liebe Grüße
Joa

Re: Alles nur Selbstbetrug?

Verfasst: Fr 22. Jul 2016, 23:05
von Simone
Tja, Nächstenliebe und Toleranz sind schwer, wenn man wirklich etwas nicht abkann. Aber das hat ja auch nie jemand behauptet, jedenfalls von denen, die es propagierten. Um so schwerer fällt mir der Schritt in die Minderheit. Ich glaube ich weiß schon, dass ich dazu gehöre. Ich habe nur Angst vor den Konsequenzen.
LG Simone

Re: Alles nur Selbstbetrug?

Verfasst: Sa 23. Jul 2016, 09:25
von Jenniffer63
Tja Simone, der Schritt in die Minderheit wie du schreibst ist schwer.
Es ist immer einfach sich von allgemeinen Ansichten treiben zu lassen, und doch könnte der Schritt in die Minderheit ein Schritt zu dir selbst sein. Das erfordert natürlich Mut.

Hierzu fällt mir einfach ein altes Kinderlied ein, "Sei ein lebendiger Fisch, schwimme doch gegen den Strom, lass dich nicht von allen anderen treiben". Das heißt ja nicht, dass du gleich alles über Bord werfen musst.

Ich finde, dass ist auch ein Ausdruck für selbstbestimmtes Leben.

Liebe Grüße und den Mut zu dir selbst
Jenniffer