Hallo allerseits,
normalerweise beschränke ich mich ja aufs Lesen von Forenbeiträgen (in der Regel sogar ohne Login^^), gelegentlich "bedanke" ich mich mal eingeloggt für Beiträge. Hier im Forum geschrieben habe ich seit Jahren nicht mehr. In diesem Thread ist aber soviel drin, da muss ich jetzt mal mitmischen:-P...
Erster Part:
@Simone:
Tut mir Leid für Dich, dass Dein Freund so reagiert hat. Das ist eines guten/wahren Freundes* unwürdig. Aber viele Männer sind in solchen Thematiken meiner Erfahrung nach schlicht nicht in der Lage, empathisch zu reagieren. Zeigt sich ja auch hier im Thread. Das entschuldigt zwar die Reaktion Deines Freundes nicht, macht sie imho aber nachvollziehbar und ein Stück weit verzeihlich.
Ich verstehe sehr gut, falls Du Couchlöwes Angebot, doch hier im Thread/Forum darüber zu sprechen, nicht annehmen wolltest. Ich selbst bin, trotz meiner jungen Jahre, recht mißtrauisch bezüglich persönlicher Dinge und würde manches, das mich bewegt, nie öffentlich machen — und Internet ist immer öffentlich.
Alternativvorschlag: Hast Du vielleicht eine (Kumpel- (!)) Freundin, der Du genügend vertraust, um mit ihr über die Thematik zu sprechen?
Aber gibt es hier im Forum noch Weitere?
Ja, mich zum Beispiel.
Von dem Begriff love-shy habe ich zwar beim Lesen dieses Threads zum ersten Mal gehört, mit dem AB-Begriff habe ich mich aber schon lange, bevor ich die Facetten meiner(/s) weiblichen Persönlichkeit(steils) erforschte, auseinandergesetzt.
Insofern kann ich Dir auch sagen, dass die "Radikalkur", das Leid(en) mittels des horizontalen Gewerbes zu lösen, in entsprechenden Foren heiß diskutiert wird, von den meisten aber als wegen der fehlenden emotionalen Komponente unzureichend verworfen wird. Von denen, die diesen Weg beschreiten, gibt es nur wenige, denen er zur Hilfe gereichte. Viele warnen im Gegenteil im Anschluss an den Versuch in einschlägigen AB-Foren, dass es ihnen nun noch schlechter gehe als zuvor.
Auch wenn ich zu gerne, zu den Beiträgen der Nutzerin mit dem Filmklassiker-Namen Stellung beziehen würde, halte ich mich an die Weisung der Chefin: "Do not feed the troll."
Anderer Theil:
Zur Frage des Zusammenhangs zwischen AB-tum/loveshyness und der in diesem Forum zusammengefassten Thematiken:
Tatsächlich habe ich diese Felder lange als getrennt beurteilt. Einen Zusammenhang zwischen Crossdressing und AB-tum habe ich persönlich nie hergestellt. Das mag aber auch daran liegen, dass ich, als ich den Begriff des Crossdressings kennenlernte und mich mit dieser Facette meines Selbst erstmalig proaktiv auseinandersetzte, stets auch mein vorpubertäres "Verkleiden" erinnerte. Insofern konnte da (für mich) kein Kausalzusammenhang "Crossdressing als Ersatzhandlung" bestehen.
Eine Kausalität in die andere Richtung mag ich persönlich nicht so leicht ausschließen (vgl. Beiträge anderer Nutzer und bei mir weiter unten). Auch die zahlreichen Crossdresser, die entweder wechselnde Partner haben oder glücklich in langjährigen Beziehungen leben, mithin also diese Facette ihrer Persönlichkeit als "normal" gelten kann, sprechen gegen eine Kausalität zwischen Crossdressing und AB-tum. Und im Gegensatz zum persönlichen Argument ist der Vergleich mit der Nicht-AB-trotzdem-CD-Population durchaus für Verallgemeinerungen belastbar.
Jetzt kommt das große Aber:
In den letzten Monaten habe ich mich zunehmend weniger als Crossdresser gesehen und festgestellt, dass ich weiblicher bin. Wieweit das geht und welcher Schublade (Teilzeitfrau, Bigender, (Trans)Frau u. drgl. m.) ich am nächsten stehe, habe ich noch nicht herausgefunden und dies hier zu erläutern würde auch den Rahmen der Diskussion sprengen. Allein: Bei meinem neuen (, zweiten) Selbstfindungsprozess spielte mein AB-tum nun schon eine, sogar doppelte, Rolle:
Einerseits verstärkt mein AB-tum die so schon große Furcht, mich zu vergaloppieren. Also Facetten an mir zu sehen, die gar nicht da sind. Konkret stelle ich mir die Frage: Denke ich vielleicht, dass ich "mehr als CD"** bin, weil ich AB bin?
Andererseits verstärkt mein AB-tum die Gewissheit "mehr als CD" zu sein. Ich finde mich sehr in Andreas Beiträgen wieder. Besonders die folgenden Sätze möchte ich hervorheben:
Ich denke schon! Auch wenn es bei mir etwas anders gelaufen ist (ich wurde mehr abgewiesen als dass ich es selbst getan habe), finde ich meine frühere Situation als "Love-shyness" recht gut beschrieben. Den Begriff und was dahintersteckt kannte ich bisher noch nicht. "Absolut Beginners" habe ich dagegen schon gehört, {"¦}
{"¦}je nachdem, inwieweit wir das typische Mannsein innerlich ablehnen und so die männliche Rolle bei der Kontaktaufnahme nicht beherrschen und auch sonst nach außen hin nicht das Bild eines "richtigen Mannes" abgeben.
Meine innere Abneigung gegen die traditionelle männliche Rolle in der Partnersuche und gegen jedwede "Sche**egal" bzw. A****loch-Haltung, wie sie meist von Männern immer noch gepflegt, teilweise aber auch von Frauen immer noch erwartet wird, habe ich stets als eine Ursache meines AB-tums angesehen. Anders gesagt: Ich habe mich immer gefragt, weshalb mir die männliche Rolle des menschlichen Balzverhaltens so fremd ist, dass ich sie im Gegensatz zu sehr vielen anderen genderspezifischen Rollen (oft übrigens beiderlei Geschlechts^^) nie lernen konnte.
Als in mir die Gewissheit reifte, dass ich eben "mehr als CD" bin, war plötzlich diese Frage gelöst: Natürlich "kann" ich kein männliches Balzverhalten, wenn ich nicht (rein) männlich bin. Damit war dann auch klar, weshalb ich, wenn überhaupt erst dann aktiv wurde, wenn die Mädels nicht mehr nur mit dem Zaunpfahl winkten, sondern ihn mir schon um die Ohren gehauen haben. Oder warum ich in den noch selteneren Fällen immer dafür sorgte, dass wir übers Knutschen nicht hinauskamen. Oder, oder, oder"¦

In diesem Sinne hat also mein AB-tum keine bremsende, sondern eine verstärkende Wirkung auf die Selbstfindung als "¦ - ja, wohl am besten, als Nichtmann.
Um den "Anderen Theil" zusammenfassend abzuschließen: Ich persönlich glaube nicht, dass zwischen Crossdressing und AB-tum eine Kausalität besteht. Ohne das im Beitrag jetzt näher ausgeführt zu haben, glaube ich aber durchaus, dass Crossdressing sich bei vorliegendem AB-tum nicht unbedingt positiv auf die Beseitigung des AB-tums auswirkt.*** Wohl aber sehe ich einen Zusammenhang zwischen AB-tum und Nichtmann/"mehr als CD" — Sein. Wenn eine Person "mehr als CD" ist, kann (nicht muss!!) dies wegen der Unfähigkeit, die sozialgeforderte Rolle als Mann einzunehmen, durchaus ein AB-tum auslösen.
Puh, dass ist ja jetzt ein ziemlicher Sermon geworden. Aber wenn schon, denn schon:-P"¦
Und wenn schon, dann noch kurz offtopic zur Bibeldebatte: Den Mose-Vers kannte ich noch nicht, gut zu wissen. Ebenso wichtig zu wissen, die Entgegnung von Dolores aus dem Galaterbrief. Ich möchte dem als Lutheranerin noch bestärkend hinzufügen: Bekanntlich ist das Seelenheil nur sola gratia zu erreichen. Ich persönlich würde sagen, wenn mensch sowieso schon auf die Gnade Gottes angewiesen ist, dann verspielen wir diese Gnade sicherlich nicht nur durch so eine Lappalie wie unsere Kleidung:-P"¦****
Ich habe den Thread sowohl persönlich Simone betreffend aufgefasst als auch als Aufruf, generell über das Verhältnis Crossdressing u.ä. zu AB-tum zu diskutieren. Sollte das zweite unzutreffend sein, ignoriert bitte den "Anderen Theil"!
An Simone: Ich hoffe, mein erster Teil war ein kleinwenig hilfreich. Jedenfalls alles Gute und lass Dich nicht unterkriegen!:-))
An alle: Liebe Grüße
PS: Ich habe jetzt solange für diesen Beitrag gebraucht, da haben Frühstück bei Tiffany und Lena glatt schon weiterdiskutiert. Ich werde versuchen, zu einem spätere Zeitpunkt auf diese Beiträge (ab: Mo 30. Mai 2016, 12:42) einzugehen.
*Angesichts des seniblen Themas nehme ich an, Du hast Dir schon wohl überlegt gehabt, wem Du Dich anvertraust.
** Aufgrund meiner Unfähigkeit einen für mich momentan passenden Begriff zu finden, möchte ich in diesem Beitrag mit dem Hilfskonstrukt "mehr als CD" arbeiten.
***Kurz: Neben der Last, AB zu sein, hat der AB einem/r potentiellen Partnerin auch noch das CD zu erklären.
**** sola scriptura als Gegenargument zieht hier aus den von Dolores genannten Gründen (Keine Allgemeingültigkeit der altjüdischen Gesetze) nicht.