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Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Fr 12. Feb 2016, 18:22
von nicole.f
Es müssen aber recht sicher schon eine Menge mehr trans* Personen sein, die ohne GaOp (hoffentlich glücklich und zufrieden) leben. Nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil 2011, welches den erwähnten OP Zwang uneingeschränkt aufhob, sind im Folgejahr die Zahlen der Anträge nach TSG sprunghaft angestiegen. Dies belegt zumindest, dass es eine Reihe von Personen gibt, die den Antrag nicht gestellt haben, weil sie eben gerade keine GaOp wollten oder konnten.

Liebe Grüße
nicole

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Fr 12. Feb 2016, 21:55
von Franka
Ich kann natürlich auch nur über mein Derzeitiges Empfinden und meine jetzigen Gefühle berichten. Zur Zeit steht eine GaOp nicht zur Debatte. Aber ich möchte morgens beim Blick in den Spiegel ein weibliches Wesen erkennen, ohne mich erst rasieren zu müssen und mit Brüsten, die mir gehören und nicht viel zu oft bei meinen Klamotten auf dem Stuhl landen und ein Wesen mit weiblichen Rundungen, statt zuviel Muskeln.
Dabei kann ich nicht mal behaupten eine Frau zu sein oder sein zu wollen. Mir reicht es als Transsexuelle anerkannt und gesehen zu werden. Dafür brauche ich nur die HRT und IPL. VÄ und PÄ interessieren mich nicht besonders. Mein Genital spielt dabei auch keine große Rolle und kann daher gern bleiben, wie es ist. Das wäre mein persönlicher Weg mit dem ich gut leben könnte.
Aber vor ein paar Jahren hätte ich mir auch nicht vorstellen können täglich in Frauenkleidung unterwegs zu sein und Hormone nehmen zu wollen. Es gibt also anscheinend eine langsame Entwicklung und wo die enden wird steht wohl noch in den Sternen.

LG Dahlia

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Sa 13. Feb 2016, 07:24
von Magdalena
Hallo Andrea,

wer kann beurteilen was richtig oder falsch ist. Nur Du weißt was zu Dir passt. Ja und es spielen auch Ängste eine Rolle, warum Frau nicht die Große Lösung wählt. Und ich habe bis jetzt noch nicht den Mut schon soweit zu gehen, wie Du auf Deinem Weg vorangekommen bist.
Denn jede OP ist nicht ohne Risiko. Es besteht kein Mangel, wenn Du die kleine Lösung für Dich gewählt hast. Und du brauchst Dich auch nicht mit Minderwertigkeitskomplexen herumschlagen. Du bist, so wie Du bist und Dich fühlst.

Viele Grüße Magdalena

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Sa 13. Feb 2016, 08:43
von Tatjana_59
Andrea aus Sachsen hat geschrieben:.
Anne-Mette hat geschrieben:Woher kommt die "Minderwertigkeit"; äußert sich die in negativen Beiträgen oder Gesprächen?
Hallo Anne —Mette,
konkrete Beispiele kann ich leider nicht nennen, aber aus manchen Gesprächen hört man schon heraus: Wenn schon Frau (oder Mann), dann richtig, wobei "richtig" in diesem Fall auch nur relativ ist. Das kann bei denjenigen, die den kompletten Weg, aus welchen Gründen auch immer, nicht gehen wollen, schon mal zu Minderwertigkeitsgefühlen führen, besonders, wenn diese unter TS gefühlt nur in Unterzahl vorkommen. Auch ich selbst habe mir mal die Frage gestellt, ob ich ohne GaOP nur eine "halbe" Frau wäre.

Mit Minderwertigkeitsgefühl habe ich wenig zu tun, aber es ist trotzdem vorhanden.
Im Vordergrund steht Gott sei Dank für mich immer dass ich die *große* Lösung nur mit erheblichen gesundheitlichen Gefahren in Angriff nehmen kann, darauf verzichte ich dann doch lieber.

Wenn aber dann dieser Satz fällt,
Originalton,
solange du einen Schwanz zwischen den Beinen hast bist du für mich Gerhard, alle anderen Veränderungen interessieren mich nicht.....
Diesen Satz musste ich mir zweimal von derselben Person anhören, das zweite mal nach meiner Vä/Pa.
Eine Person mit der ich leider viel zu tun habe und nicht ohne weiteres aus meinem Leben entfernen kann.
Gott sei Dank trotzdem die Ausnahme.

Gestern passierte mir folgendes.
Ich bin gestern in der Rehaklinik angekommen die mich die nächsten Wochen wieder herstellen möchte nach Hüft Op.
Am Empfang werde ich begrüßt mit den Worten Hallo Frau St.....
Die wußten also schon vom Krankenhaus her dass da eine Frau kommt die anscheinend irgendwie nicht richtig ist. Gefragt wurde ich nicht nach meinem Namen, ich war nicht die einzige die gestern aufgenommen wurde.
Hat mich jedenfalls gefreut gleich richtig angesprochen zu werden.
Ich kam selbstverständlich als Frau so gut es ging, also auch geschminkt.
Nach ein paar kleinen Formalitäten sagte dieselbe Dame am Empfang zu ihrer Kollegin, bringst du bitte Herrn St.... Zur medizinischen Aufnahme.
Ich hätte abkotzen können, obwohl ich eigentlich nicht überempfindlich bin.
Zumal auf meinen Einwand *Frau* keine Entschuldigung kam, sondern lediglich *ach so*

Ja da machte sich ein tiefes Minderwertigkeitsgefühl breit, obwohl ich weiß dass das selbe mit Gaop auch passiert wäre.

Ansonsten sind bisher alle Leute in der Klinik total lieb und respektieren mich.

Gruß Tatjana

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Sa 13. Feb 2016, 09:06
von Anne-Mette
Moin,
solange du einen Schwanz zwischen den Beinen hast bist du für mich Gerhard, alle anderen Veränderungen interessieren mich nicht.....
Das ist natürlich böse, ABSICHTLICH zu verletzen. Mit dem würde ich mal ein sehr ernsthaftes Gespräch führen. Diese Investition lohnt sich bestimmt bei "Einer Person mit der ich leider viel zu tun habe und nicht ohne weiteres aus meinem Leben entfernen kann".

Anders ist es allerdings bei Menschen, die es nicht wissen KÖNNEN, z.B. wenn Du als Besucherin des Schwimmbades in die Frauen-Unkleidekabine gehst. Da ist sicherlicher mit Reaktionen zu rechnen, die nur durch ein ruhiges Gespräch zu entschärfen sind.
Nach ein paar kleinen Formalitäten sagte dieselbe Dame am Empfang zu ihrer Kollegin, bringst du bitte Herrn St.... Zur medizinischen Aufnahme.
Die Dame würde ich höflich aber bestimmt darauf hinweisen, dass Du nicht HERR bist und sie Dich doch bitte RICHTIG ansprechen soll.

Falls es hilft, dann nenne mir Deine Adresse in der Reha-Einrichtung; dann schicke ich Dir ein Namensschild

Gruß und viel Erfolg bei den Maßnahmen
Anne-Mette

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Sa 13. Feb 2016, 13:25
von nicole.f
Liebe Tatjana,

die Misgenderung, die Du beschreibst, ist leider ein all zu häufiges Problem und gerade für uns wird es schnell zu einem Problem, dass für persönliche Verletzung sorgt. Es ist nicht nur das falsche Wort, es fühlt sich eher an wie Ablehnung oder sogar das Absprechen der Selbstwahrnehmung und ihrer Existenzberechtigung. In den meisten Fällen ist dies aber gar nicht gemeint, dennoch fühlt es sich für uns so an und es ist ein ganz schreckliches Gefühl, wie Du schreibst, zum k*tzen, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Es schmerzt ungemein, nach allem, was man bis dahin durchgestanden hat, nach allem Bemühen um Akzeptanz und dann dennoch ereilen einen wieder diese Nackenschläge.

Ich glaube, dass bei unseren Mitmenschen ganz simple Mechanismen am Werk sind, die dies verursachen - mal abgesehen von Transfeindlichkeit, die völlig indiskutabel ist. Aber oft ist es, denke ich, ein einfacher Wahrnehmungsautomatismus. Wir alle müssen in Sekundenbruchteilen unsere Umwelt wahrnehmen und bewerten, Situationen einschätzen und auch Mitmenschen einschätzen. Wir müssen entscheiden, Freund/Feind, Kollege/Fremd, wenn fremd, wie fremd und wie begegne ich dieser_m Fremden dann. Dazu gehören dann Dinge wie Anrede, Pronomen etc. Alles das findet in winzigen Augenblicken ganz unbewusst und automatisch statt und wird dann vom Unterbewusstsein ins Bewusstsein verfrachtet, bis dann ein Wort oder Handlung daraus erwächst. Hinzu kommt, dass wir alle ungern Fehler machen und vor allem Dritten gegenüber eingestehen wollen. Ich halte das für relativ normal, wenngleich nicht schön. Aber es gehört schon eine gewisse menschliche Größe dazu, Fehler zuzugegen, dazu zu stehen und sie zu korrigieren. Das schaffen nicht alle.

Das alles läuft dann zusammen in den Prozess, der oft als "Passing" beschrieben wird. Komme ich _als_ dieses oder jenes durch? Ich halte den Ausdruck Passing für äußerst problematisch, denn es suggeriert von vorne herein die Unvollkommenheit, komme ich durch, passe ich, obwohl ich nicht "echt" bin? Der Begriff kam erstmals in den USA im Zusammenhang der Rassentrennung auf, als Person of Color mit heller Hautfarbe ein weißes Passing hatten und damit Zugang zu bestimmten Privilegien bekamen. Passing manifestiert damit Ungleichheit. Das Bemühen um Passing sorgt nicht für eine Öffnung und schafft keine Akzeptanz, sondern es zementiert die Ungleichheit und die scheinbare Minderwertigkeit. Wer Passing hat, kommt in den Genuss der Priviliegien, wird aufgewertet, wer kein Passing hat, bleibt davon abgeschnitten und in seinem Wert gemindert.

Passing bedeutet für uns, dass unser Geschlecht anerkannt wird, akzeptiert wird, wir das Privileg der korrekten Anrede und des korrekten Pronomens genießen können, das Privileg ungestört die richtige zweigeschlechtliche Toilette aufsuchen können und so vieles mehr. Haben wir dieses Passing nicht, werden uns diese Privilegien ggf. vorenthalten. Die Frage die sich nun stellt ist, mit welcher Berechtigung erfolgt dieses Vorenthalten? Eigentlich mit keiner und dies macht es dann so problematisch. Hier werden Privilegien anhand vorgeschobener Argumente und ohne sachliche Grundlage gewährt oder verwehrt, so wie es damals bei der Rassentrennung passierte, wie es Jahrhundertelang in Bezug auf Frauenrechte passierte (auch Frauen versuchten eine Zeit lang als Mann zu "passen" um an Bildung, Arbeit und Anerkennung zu gelangen) und so viele Beispiele mehr.

Ich halte daher Passing und das ultimative Ziel eines perfekten Passings für eine sehr kritische Sache. Aber andererseits, wir kommen im Alltag einfach nicht darum herum, wie Du leider bei Deinem Aufenthalt schmerzlich feststellen musstest. Die spontane Wahrnehmung entscheidet eben oft, welche Privilegien uns zugestanden werden und welche nicht.

Zum Thema des Threads zurückkehrend, in den allermeisten Fällen wird eine GaOp keinerlei Einfluss auf das Passing haben. In nur sehr wenigen Situation werden Dritte feststellen können, welches Genital im Schritt vorhanden ist oder eben nicht. In Deiner Situation hätte es recht sicher keinen Unterschied gemacht. Was ich allerdings immer wieder feststelle ist, dass leider die Stimme sehr sehr viel dazu beiträgt, manchmal sogar mehr, als das äußere Erscheinungsbild. Die Stimme gibt einen mächtigen Ausschlag, gerade bei uns trans* Frauen. Es gibt auch eine Reihe cis Frauen, die einen großen Körperbau haben, breitere Schultern und auch etwas markantere und herbe Gesichtszüge. Das an sich wird dann noch nicht spontan als ausschlaggebend bewertet. Wenn wir dann allerdings zu sprechen beginnen, dann fällt die unbewusste Entscheidung und die Wahrnehmung kann kippen und damit rutscht dann das falsche Pronomen oder die falsche Anrede heraus. Das habe zumindest ich bereits einige Male erlebt und es nervt. Es folgt dann eine eigene bewusste Entscheidung: Möchte ich "passen" oder bin ich bereit zunächst falsch einsortiert zu werden und dann für mich eintreten zu müssen?

Ich habe lange mit dem Problem gehadert. Irgendwie bin ich ja schon eine kleine Revuluzzerin, ich konfrontiere gerne meine Mitmenschen mit Anderssein, um zum Denken anzuregen. Doch das kann ich auch nur begrenzt oft, irgendwann ist die Energie dafür erschöpft. Also bemühe ich mich seit einiger Zeit etwas um meine Stimme, ich achte aktiv darauf und auch auf die Wirkung bei Dritten. Ich merke, dass selbst kleine Ausrutscher, wie ein zu tiefes Räuspern oder ein sonores Husten, bereits den Eindruck nachhaltig stören kann und zu Irritationen führt. Es ärgert mich, darauf achten zu müssen, aber ich tue es trotzdem, um im allgemeinen Alltag nicht ständig in solche Fallen zu laufen. Es ist auch anstregend, aber weniger persönlich belastend.

Liebe Grüße
nicole

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Sa 13. Feb 2016, 14:22
von Laura R
Moin,
man kann sehr viel darüber schreiben und es gibt sehr viele unterschiedliche Meinungen über dieses Thema, im Endeffekt muss es jede für sich selber entscheiden.
Ich für meinen Teil fühlte mich nach der Op angekommen nach einer langen Reise.Es kann wirklich keine Empfehlung aus ausgesprochen, soll jede Leben wie sie für sich am glücklichsten ist. Die eigene Zufriedenheit soll immer im Vordergrund stehen.
Liebe Grüße Laura

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: So 14. Feb 2016, 06:01
von Tatjana_59
nicole.f hat geschrieben:Liebe Tatjana,

Die Stimme gibt einen mächtigen Ausschlag, gerade bei uns trans* Frauen. Es gibt auch eine Reihe cis Frauen, die einen großen Körperbau haben, breitere Schultern und auch etwas markantere und herbe Gesichtszüge. Das an sich wird dann noch nicht spontan als ausschlaggebend bewertet. Wenn wir dann allerdings zu sprechen beginnen, dann fällt die unbewusste Entscheidung und die Wahrnehmung kann kippen und damit rutscht dann das falsche Pronomen oder die falsche Anrede heraus. Das habe zumindest ich bereits einige Male erlebt und es nervt. Es folgt dann eine eigene bewusste Entscheidung: Möchte ich "passen" oder bin ich bereit zunächst falsch einsortiert zu werden und dann für mich eintreten zu müssen?

Ich habe lange mit dem Problem gehadert. Irgendwie bin
Liebe Grüße
nicole
Danke Nicole für deinen Beitrag.
Meine Stimme hat unter Umständen den Ausschlag zur falschen Anrede gegeben.
Begrüßt hat mich die Dame ja noch mit Frau St.... Erst nachdem ich gesprochen habe kam das Herr.
Zeigt mir trotzdem wie oberflächlich die Menschen häufig sind.
Dem Anschein nach hat sich das Personal mit mir ja schon um Vorfeld beschäftigt, dann sollte/darf so ein Fehler nicht passieren.
Es tut einfach nur weh.

Gruß Tatjana

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: So 14. Feb 2016, 16:16
von Anke
Andrea aus Sachsen hat geschrieben: Leider haftet der von mir favorisierten "kleinen Lösung" der Makel des unvollständigen, minderwertigen an.
Hallo,

ist das so? Es mag Menschen geben, die vielleicht so denken. Aber gerade in diesem Thread habe ich einen ganz anderen Eindruck.

Wenn jemand so etwas äußert, dann würde ich auch sofort vehement widersprechen. Es gibt eben den großen Unterschied, wie ich etwas für mich selbst empfinde und wie ich grundsätzlich zu etwas stehe. Was sich für mich persönlich unvollständig anfühlt, empfindet eine andere vielleicht ganz anders.

Und den Weg eines anderen Menschen als minderwertig zu bezeichnen, geht für mich überhaupt nicht.

Liebe Grüße

Anke

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: So 14. Feb 2016, 17:20
von Tatjana_59
Anne-Mette hat geschrieben:Moin,
solange du einen Schwanz zwischen den Beinen hast bist du für mich Gerhard, alle anderen Veränderungen interessieren mich nicht.....
Das ist natürlich böse, ABSICHTLICH zu verletzen. Mit dem würde ich mal ein sehr ernsthaftes Gespräch führen. Diese Investition lohnt sich bestimmt bei "Einer Person mit der ich leider viel zu tun habe und nicht ohne weiteres aus meinem Leben entfernen kann".

Anders ist es allerdings bei Menschen, die es nicht wissen KÖNNEN, z.B. wenn Du als Besucherin des Schwimmbades in die Frauen-Unkleidekabine gehst. Da ist sicherlicher mit Reaktionen zu rechnen, die nur durch ein ruhiges Gespräch zu entschärfen sind.
Nach ein paar kleinen Formalitäten sagte dieselbe Dame am Empfang zu ihrer Kollegin, bringst du bitte Herrn St.... Zur medizinischen Aufnahme.
Die Dame würde ich höflich aber bestimmt darauf hinweisen, dass Du nicht HERR bist und sie Dich doch bitte RICHTIG ansprechen soll.

Falls es hilft, dann nenne mir Deine Adresse in der Reha-Einrichtung; dann schicke ich Dir ein Namensschild

Gruß und viel Erfolg bei den Maßnahmen
Anne-Mette
Danke für deine Worte Anne Mette.

Tatsächlich bin ich schon dabei die Person die mich nun wirklich verletzt, eher kurz als langfristig aus meinem Leben zu verbannen, ich hoffe mein Plan dazu geht auf.

Der Frau am Empfang habe ich ja bei der zweiten Anrede gesagt dass ich Frau bin, das tat sie dann lapidar mit den Worten ach so ab, deine Namensschild Option hört sich gut an, musste ich schmunzeln.
Aber es hat bisher keine weiteren Probleme gegeben.
Ab morgen geht ja hier der volle Anwendungen Plan los, bin gespannt was da evtl kommt.
Immerhin bat die Ärztin mich darum dass ich wenn es mir möglich ist, zu den Gruppengymnastik Anwendungen im Wasser, im Badeanzug und Bademantel zu kommen, da es nur Damen und Herrenduschen in diesem Bereich gibt.
Es sei auch nicht auffallend im Bademantel durchs Haus zu gehen, das machen viele so.
Da habe ich natürlich zugestimmt.
Ich muss ja nicht mit Gewalt Auseinandersetzungen herbeiführen.

Gruß Tatjana

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Mo 15. Feb 2016, 00:21
von Inga
Hi,

bei der Diskussion um Namensschilder kam mir die nicht ganz ernst gemeinte Idee für eine etwas anonymere Form: Kleine farbige Buttons: Rosa für alle, die mit "Frau" angeredet werden wollen, himmelblau für alle, die mit "Herr" angeredet werden wollen - wer keinen Button hat, will nicht angeredet werden ...

Liebe Grüße
Inga

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Mo 15. Feb 2016, 01:20
von Andrea aus Sachsen
.
Anke hat geschrieben:
Andrea aus Sachsen hat geschrieben: Leider haftet der von mir favorisierten "kleinen Lösung" der Makel des unvollständigen, minderwertigen an.
Hallo,
ist das so? Es mag Menschen geben, die vielleicht so denken. Aber gerade in diesem Thread habe ich einen ganz anderen Eindruck.
Hallo Anke,
die Minderwertigkeitsgefühle können auf verschiedene Art und Weise zustande kommen:
"¢ Offene Deklaration der Minderwertigkeit (siehe Beitrag von Tatjana)
"¢ Unsereins interpretiert die Minderwertigkeit nur in Aussagen anderer hinein
"¢ Das Minderwertigkeitsgefühl entsteht nur in unserem Kopf ohne äußeren Einwirkung

Beiträge, auf die erstgenanntes zutrifft, konnte ich in diesem Thread auch keine finden. Alles andere entsteht in uns selbst und ist meines Erachtens nur das Ergebnis mangelndem Selbstwertgefühl.

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Mo 15. Feb 2016, 09:28
von ExUserIn-2026-04-08
Ich sehe das ähnlich. Deshalb bin ich bei dem Satz
Leider haftet der von mir favorisierten "kleinen Lösung" der Makel des unvollständigen, minderwertigen an.
auch sofort hellhörig geworden.
Wir sind für unsere Gefühle selber verantwortlich.
ist ja ein geflügeltes Wort. Ich finde das sehr treffend. Und wenn wir uns wie im Fall wie ihn Tatjana beschreibt, verletzt fühlen, dann nur deshalb, weil wir es zulassen, dass uns jemand verletzt. Es geht nicht um die Frage, ob uns jemand beleidigt (was ja wie beschrieben der Fall ist), sondern ob wir uns verletzen lassen. Wir könnten ja auch eine Haltung einnehmen, dass eine solche Meinung für uns nicht relevant ist und das Problem gerade mit eine Bemerkung zurück geben, wie z.B. "wenn Du das nicht verstehst, hat das wenig mit Realität, sondern mehr mit Deinen Einschränkungen zu tun, die Welt zu sehen, wie sie ist, statt sie nur so zu sehen, wie Du sie haben willst". Damit schützt man sich und kehrt die Betroffenheiten um ohne zu beleidigen.

Das kann und muss man üben. Und das geht nicht von heute auf morgen. Und man muss sich selber ernst nehmen. Aber vielen von uns mangelt es daran erheblich und ich schließe mich, trotz aller Fortschritte, nicht davon aus. Z.T. ist das ja auch der Grund, weshalb die Empfindlichkeiten groß sind.

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Mo 15. Feb 2016, 10:42
von Anke
Andrea aus Sachsen hat geschrieben:.

die Minderwertigkeitsgefühle können auf verschiedene Art und Weise zustande kommen:
"¢ Offene Deklaration der Minderwertigkeit (siehe Beitrag von Tatjana)
"¢ Unsereins interpretiert die Minderwertigkeit nur in Aussagen anderer hinein
"¢ Das Minderwertigkeitsgefühl entsteht nur in unserem Kopf ohne äußeren Einwirkung

Beiträge, auf die erstgenanntes zutrifft, konnte ich in diesem Thread auch keine finden. Alles andere entsteht in uns selbst und ist meines Erachtens nur das Ergebnis mangelndem Selbstwertgefühl.
Hallo Andrea,

sich minderwertig zu fühlen und eine Lösung als minderwertig zu bezeichnen sind für mich zweierlei Dinge.

Ich kann mir zwar ziemlich vorstellen, wie das eine zum anderen führt. Aber mir ging es um die Aussage, dass eine Lösung von Dritten, die für sich eine andere Lösung gewählt haben, als minderwertig bezeichnet wird. Das geht für mich gar nicht und solch eine Bewertung steht niemand zu. Ich finde auch solche Aussagen wie "solange Du noch einen Schwanz hast, bist Du für mich ein Mann" einfach ungeheuerlich und unverschämt. Für solche Sachen habe ich keinerlei Verständnis.

Etwas völlig anderes ist dein Selbstbild. Da kann jemand von außen kaum etwas tun. Ich versuche meinen Standpunkt zu solchen Themen meist explizit auszudrücken, um Interpretationen zu vermeiden, die ich nicht intendiert hatte. Damit sehe ich meine Möglichkeiten weitestgehend erschöpft.

Und um es deutlich zusagen: In meinem Weltbild gibt es keine minderwertigen Menschen und damit können persönliche Lösungen genauso wenig minderwertig sein.

Liebe Grüße

Anke

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Do 15. Sep 2022, 12:09
von Theresa
Guten Tag zusammen,

ich hohle dieses alte Thema noch einmal bewusst nach oben, weil es mich gerade bewegt. Außerdem fand ich die Qualität der Beiträge so, dass ich es wert fand, dass das Thema nicht in den Tiefen des Forums untergeht.
Ich bin ebenfalls 61 und habe gerade offiziell mit der HET begonnen. Es ist sehr interessant, zu lesen, welche Sichtweisen es zu dem Thema gibt und bestärkt einen in der Argumentation jenseits von Alles oder Gar nichts. Danke euch für die Beiträge.
Mir ist klar, dass sich die Einstellungen und die Gewichtung der Argumente ändern können. So habe ich bisher nur die große und "komplette" Lösung aus gesundheitlichen und Altersgründen für mich ausgeschlossen.
Mal schauen, wie es sich entwickelt.