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Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: So 13. Dez 2015, 02:04
von JaquelineL
Hallo Martina,
martina hat geschrieben:dann hilf mir bitte mal weiter, wenn ich diese sätze auf meinen arbeitgeber beziehe, wo es einen strikten dresscode gibt. "form transportiert inhalt" - das würde dazu passen, dass man mit anzug bessere gedankliche leistungen erbringt.
nun, der Transport endet beim Empfänger. Menschen verbinden mit verschiedenen Bekleidungsstilen unterschiedliche Qualifikationen - da kann der sonstige Inhalt dann gleich sein, wird aber unterschiedlich bewertet. Klassisches Beispiel wäre die Kollegin Im Blaumann, im Kostüm, im Hosenanzug und im Minirock plus hochhackigen Schuhen... die gleichen fachlichen Aussagen würden sehr wahrscheinlich zu unterschiedlichen Einstufungen ihrer Kompetenz führen.

Die Bekleidungsvorgaben sollen in der Regel für ein einheitliches transportiertes Image sorgen (wenn sie nicht einfach nur dem Arbeitsschutz dienen).

Liebe Grüße
Jackie

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: So 13. Dez 2015, 09:20
von Lina
Stimmt Jackie. Genau aus dem Grund habe ich auch gefragt, ob der scheinbar komplett freie Kleiderordnung in der Arbeitsumgebung von Martina evtl. damit zusammenhaengen koennte, dass Frauen dort keine Schluesselpositionen anvertraut werden. Solche Firmen gibt es ja immer noch. Leider blieb das bislang unbeantwortet.

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: So 13. Dez 2015, 09:48
von JuliaS (†)
Mit den Leitsätzen soll ausgedrückt werden das eine bestimmte Aussage über das Unternehmen bzw die Qualifikation oder auch Seriösität der Bediensteten in der Bekleidung wiedergespiegelt werden soll. Es wird allerdings auch oftmals von der Kundschaft eingefordert. Beispiele gibt es reichlich. Auch ist bei bestimmten Tätigkeiten eine bestimmte Bekleidung notwendig bzw zweckmäßig wärend eine andere oftmals schon aus reinen Praktikabilitätsgründen unzweckmäßig ist. Hier spielt auch oftmals der Arbeitsschutz mit hinein.

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: So 13. Dez 2015, 12:26
von martina
JuliaS hat geschrieben:Mit den Leitsätzen soll ausgedrückt werden das eine bestimmte Aussage über das Unternehmen bzw die Qualifikation oder auch Seriösität der Bediensteten in der Bekleidung wiedergespiegelt werden soll. Es wird allerdings auch oftmals von der Kundschaft eingefordert. Beispiele gibt es reichlich. Auch ist bei bestimmten Tätigkeiten eine bestimmte Bekleidung notwendig bzw zweckmäßig wärend eine andere oftmals schon aus reinen Praktikabilitätsgründen unzweckmäßig ist. Hier spielt auch oftmals der Arbeitsschutz mit hinein.
dann verstehe ich diese leitsätze mal als idealvorstellung. bei uns ist es ein diktat von oben, hat nichts mit kundenkontakt und auch nichts mit arbeitsschutz zu tun. wenn man bei 40 grad innentemperatur in nicht-klimatisierten büros hocken muss, dann ist das tatsächlich eine aussage über das unternehmen.
liebe grüsse
martina

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: Mo 14. Dez 2015, 11:14
von Lina
Rechtlich gesehen muss niemand in annähernd überhitzten Büros arbeiten. Das HAT mit Arbeitsschutz zu tun.

Weshalb die Kleiderordnung nur für Männer gilt, macht mich aber neugierig. Irgend jemand hat sich also irgendwann eine Kleiderordnung zusammengesponnen - aus gegebenen Anlass oder Anlässe. Einiges davon scheint mir zurück in die 80er zu datieren. Damals wurde das mit den Socken nämlich in viele Kleiderordnungen rein geschrieben, weil die Mode mit schwarzen Schuhen und weißen Socken um sich griff.

Nur warum, die Männer auch ohne Kundenkontakt mehr Autorität verliehen werden muss, aber nicht die Frauen macht mich immer noch neugierig. Bei meiner Schwester in der Firma gibt es z.B. keine explizite Kleiderordnung, aber die Leute haben selber in den meisten Fällen einen Blick dafür. Nur einmal hat sie eine recht junge Empfangsmitarbeiterin zum Umziehen nach Hause geschickt, weil sie einen Top trug, von dem Schnitt, wo eine Schulter immer frei ist. Vierständlich. Sie arbeitet mit Kunden, die dermaßen konservativ sind, dass die Männer nicht mal lange Haare habedn dürfen.

Es wäre also interessant, wenn Martina wirklich die Umstände etwas genauer beschreiben würde, denn wenn zuviel verschwiegen wird, ist es auch schwierig, etwas damit anzufangen.

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: Mo 14. Dez 2015, 20:31
von Franka
Der Arbeitgeber muss aber den Gleichbehandlungsgrundsatz beachten. Er kann deswegen nicht nur von einem Geschlecht das Tragen von Dienstkleidung verlangen (Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 05.04.2011, Az. 12 Ca 8659/10).

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: Mo 14. Dez 2015, 20:52
von Franka
Wenn man so im Internet stöbert, hat der Arbeitgeber wohl leider wirklich sehr viel zu sagen, was die Kleidervorschriften angeht.
Aber: Wenn keine "Uniform" vorgeschrieben ist, sagen wir beispielsweise ein Dirndl für die Bedienung im Hofbräuhaus, dürfen Sie über Anzüge und Kostüme selbst entscheiden.
Am anderen Ende der Skala wird das äußere Erscheinungsbild (Outfit) der Mitarbeiter bis in die letzten Feinheiten strikt geregelt.
So kann der Dresscode einer Schweizer Bank bis hin zur Farbe der Unterwäsche (hautfarben/nude) 52 Seiten umfassen. :o Aber wir leben ja zum Glück in Deutschland:

Wie sieht es denn jetzt mit Vorgaben zu Strümpfen und Unterwäsche aus? Nun gut, dass Sie zum Schutz der Dienstkleidung überhaupt Unterwäsche tragen oder dass diese beispielsweise bei weißer Dienstkleidung nicht durchschimmern darf, kann Ihnen der Arbeitsgeber tatsächlich vorschreiben, auch wenn sich je nachdem die Kontrolle schwierig gestalten könnte. Es geht dabei meistens vor allem darum Anstößigkeiten auf der Arbeit zu unterbinden. Bei Farbe, Design oder Stoffen greift dann aber schlussendlich Ihr Persönlichkeitsschutz und Sie können gerne unter Ihrem schwarzen Kostüm den pinken Snoopy-Schlüpper tragen.

Ihre Frisur: Rot, Blond, Schwarz, gestreift, Zopf, offen, lockig"¦nur zu. Ihre Haare dürfen Sie ganz nach Ihrem Belieben tragen. Ausnahmen gibt es nur im Bereich der Sicherheit sowie je nach Branche im Kundenkontakt. Eine Kündigung aufgrund der neuen Haarfarbe ist zwar nicht möglich, Sie könnten mit Ihren neuen pinken Haaren aber vom Empfang in das Büro der Bank zwangsversetzt werden.

Ich denke ohne Kundenkontakt wird es aber für den Arbeitgeber etwas schwierig strikte Kleiderordnungen vorzuschreiben, denn aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers (Art. 2 Abs. 1 GG) folgt zwar grundsätzlich dessen Freiheit bei der Gestaltung seines Äußeren (z. B. Wahl der Kleidung, Frisur, Accessoires etc.) auch während der Arbeitszeit, aber aus gesetzlichen Vorgaben kann sich jedoch eine Einschränkung ergeben, wie auch aus der allgemeinen Rücksichtnahmepflicht (-§ 241 Abs. 2 BGB).
Ziemlich kompliziert das ganze.

LG Dahlia

Quellen: http://www.haufe.de/recht/arbeits-sozia ... 00468.html
http://arbeits-abc.de/arbeitskleidung/

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: Mo 14. Dez 2015, 22:58
von s_Roeckchen
Gibts einen Betriebsrat, dann hat der ein Wörtchen mitzureden. Ists ein guter Betriebsrat, verhindert er die schlimmsten Kontroll- und Vorschriftsauswüchse.
Siehe: http://www.haufe.de/oeffentlicher-diens ... 93520.html

s'Röckchen

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: Di 15. Dez 2015, 15:22
von Ulrike-Marisa
Moin zusammen,

...da kann einem ja ganz schwindelig werden bei so vielen Vorschriften in den unterschiedlichen Berufen. Von Gleichberechtigung scheinen wir hier auch noch meilenweit entfernt zu sein. Da lebt der Muff unter den Talaren, den wir in den 60-ziger und 70-ziger Jahren schon bekämpft haben. Totgesagte leben länger scheint auch hier zu gelten, wo ein wenig gesunder Menschenverstand in den meisten Fällen ausreichen dürfte, mal von Arbeitsschutzaspekten, die in jedem Falle ja sehr wichtig sind und dem Eigenschutz dienen, abgesehen. Die Qualität der Arbeit/Dienstleistung sollte im Vordergrund stehen und nicht, ob jemand pinke Haare hat oder Ohrringe trägt; aber das ist meine Meinung, die wohl noch nicht mehrheitsfähig ist.

Gruß, Ulrike-Marisa

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: Di 15. Dez 2015, 18:06
von Plisseedreher70
Hallöchen,
manchmal denke ich...je mehr Krawatte, umso größer die Gangster...!
Beispiele gibt es genug davon...
Nicht von der Hand zu weisen: außen cool, innen hohl...

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: Mi 16. Dez 2015, 20:19
von martina
dahlia hat geschrieben:Ich denke ohne Kundenkontakt wird es aber für den Arbeitgeber etwas schwierig strikte Kleiderordnungen vorzuschreiben, denn aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers (Art. 2 Abs. 1 GG) folgt zwar grundsätzlich dessen Freiheit bei der Gestaltung seines Äußeren (z. B. Wahl der Kleidung, Frisur, Accessoires etc.) auch während der Arbeitszeit, aber aus gesetzlichen Vorgaben kann sich jedoch eine Einschränkung ergeben, wie auch aus der allgemeinen Rücksichtnahmepflicht (-§ 241 Abs. 2 BGB).
schwierig ist das nicht für den arbeitgeber. schwierig wird öfter nur die personalbeschaffung, weil sich bewerber ungern auf sowas einlassen wollen. und juristisches zeug? gut und schön, wenn man versessen darauf ist, seinen status als arbeitnehmer in den status als arbeitsloser umzuwandeln.
s_Roeckchen hat geschrieben:Gibts einen Betriebsrat, dann hat der ein Wörtchen mitzureden. Ists ein guter Betriebsrat, verhindert er die schlimmsten Kontroll- und Vorschriftsauswüchse.
einen betriebsrat gibt es aber nur in 50% der unternehmen. und ob der dann gut ist, ist noch die nächste frage.
Ulrike-Marisa hat geschrieben:Da lebt der Muff unter den Talaren, den wir in den 60-ziger und 70-ziger Jahren schon bekämpft haben.
der muff, gegen den damals gekämpft wurde. heute ist es eher noch schlimmer. damals nannte man es spießig, heute heisst es hochmodern. und dagegen kann ja schliesslich keiner was haben,oder?
Plisseedreher70 hat geschrieben:manchmal denke ich...je mehr Krawatte, umso größer die Gangster...!
ich denke das öfter, praktisch jeden tag.

liebe grüsse
martina

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: Do 17. Dez 2015, 02:37
von Lina
@der muff, gegen den damals gekämpft wurde. heute ist es eher noch schlimmer. damals nannte man es spießig, heute heisst es hochmodern. und dagegen kann ja schliesslich keiner was haben,oder?

Meinst du? Wenn ich mich nicht ganz falsch erinnere ging es ganz konkret be dem Spruch (unter den Talaren, Muff von 1.000 Jahren), nicht um irgendwelche Spießer, sondern um Richter und andere Top-Leute bei den Behörden, die nachweislich ehemalige Nazis waren.

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: Do 17. Dez 2015, 17:52
von ab08
Lina hat geschrieben:Wenn ich mich nicht ganz falsch erinnere ging es ganz konkret bei dem Spruch (unter den Talaren, Muff von 1.000 Jahren), nicht um irgendwelche Spießer, sondern um Richter und andere Top-Leute bei den Behörden, die nachweislich ehemalige Nazis waren.
Hallo Lina,

danke für diese Klarstellung! Unsere Lehrer waren ja auch zum Teil "belastet" -> Daher gab es den Spruch "Trau niemand über 30!"
Damals besuchte ich das Gymnasium und begann mein Studium der relativ unpolitischen Fächer Mathematik / Physik.
Für die Jüngeren war Kleidung damals meist irrelevant. Jede/Jeder kleidete sich, wie sie/er es wollte, und wurde so akzeptiert.
Aber die Verhältnisse dieser Zeit sensiblisierten /prägten die meisten Jüngeren damals politisch ziemlich intensiv.
(Bei mir hielt das bis heute an)

LG
Andrea

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: Fr 18. Dez 2015, 00:01
von Lina
ab08 hat geschrieben:
Lina hat geschrieben:Wenn ich mich nicht ganz falsch erinnere ging es ganz konkret bei dem Spruch (unter den Talaren, Muff von 1.000 Jahren), nicht um irgendwelche Spießer, sondern um Richter und andere Top-Leute bei den Behörden, die nachweislich ehemalige Nazis waren.
Hallo Lina,

danke für diese Klarstellung! Unsere Lehrer waren ja auch zum Teil "belastet" -> Daher gab es den Spruch "Trau niemand über 30!"
Damals besuchte ich das Gymnasium und begann mein Studium der relativ unpolitischen Fächer Mathematik / Physik.
Für die Jüngeren war Kleidung damals meist irrelevant. Jede/Jeder kleidete sich, wie sie/er es wollte, und wurde so akzeptiert.
Aber die Verhältnisse dieser Zeit sensiblisierten /prägten die meisten Jüngeren damals politisch ziemlich intensiv.
(Bei mir hielt das bis heute an)

LG
Andrea

Re: arbeitgeber und dresscode

Verfasst: Fr 18. Dez 2015, 00:07
von Lina
@Für die Jüngeren war Kleidung damals meist irrelevant. Jede/Jeder kleidete sich, wie sie/er es wollte, und wurde so akzeptiert.

So lange die sich so kleiden wollten, dass sie von den anderen Akzeptiert wurden, glaube ich gerne, dass jeder sich so kleidete, wie er wollte. Nee, sorry. So naiv bin ich auch nicht. In einigen kreisen trugen alle die gleichen alten Jeans und gebrauchte Armee-Jacken - und wer dann statt dessen eine Lederjacke mit Nieten trug wurden von denen schräg angeschaut und umgekehrt. Erzähl mir nicht, dass die 68er Generation nicht sehr schnell ihren eigenen Dress-Code entwickelte. Oder eigene Dress-Codes, denn es gab ja auch in der Generation unterschiedlche Strömungen.