Hallo,
zuerst vielen lieben Dank für die guten Wünsche, das Daumendrücken und virtuelle Knuddeln. Das tut richtig gut.
Gester sollte ich schon um 06:30 in der Klinik und zu meiner großen Überraschung hieß es, es würde gleich los gehen. Da noch kein Zimmer für mich frei war, bat man mich in einen fensterlosen Raum mit einem Bett, wo ich mich schon mal umziehen sollte.
Dort saß ich dann und wartete, bis dann um 08:00 der Pfleger kaum und meinte um 08:45 würde es jetzt wirklich losgehen. Es brachte mir dann auch gleich einen Bademantel, damit ich diesen schrecklichen Raum bis dahin verlassen konnte.
Dann kam aber pünktlich der Abholservice, ich bekam meine "Alles ist toll" Tablette und auf ging es in den OP. Vor Einleitung der Narkose bin ich dann mal befragt worden, wer ich bin und was gemacht werden soll. Verwechslungen werden damit ausgeschlossen, gute Sache, wurde auch bei der ersten so gemacht.
Dann bin ich auch schon eingeschlafen und die nächste Erinnerung ist der Aufwachraum. Beim ersten Mal war ich so erschlagen, dass ich den gar nicht wahrgenommen habe, dieses Mal war das definitiv anders. Dann würde ich auch gleich abgeholt und ins Zimmer gebracht.
Schmerzen waren kaum spürbar, ich bekam auch gleich etwas, und auch insgesamt war es kein Vergleich zum ersten Mal. der Druckverband ist auch viel kleiner und stört kaum, dazu gibt es den unvermeidlichen Blasenkatheter, diesmal nicht durch die Bauchdecke sonder durch die Harnröhre. Ich fühlte mich zwar noch müde und schläfrig, aber erstaunlicherweise doch recht fit.
Das würde im Laufe des Tages weiter besser. Am Abend kam dann der Operateur. Es sei alles gut gegangen und er hätte alles so machen können, wie besprochen. Zusätzlich hat er mir die Harnröhre erweitert. Er hat sich das während der OP nochmal angesehen und dann entschieden, dass das ein richtiger Schritt wäre. Ich sagte ihm, dass ich mit seiner Entscheidung sehr einverstanden bin.
Später durfte ich dann mit Unterstützung der Schwester auch aufstehen, die ersten Schritte waren noch unsicher, aber dann war es gut.
Heute wird nix passieren, ich muss jetzt einfach meine Zeit absitzen (oder liegen), bis der Druckverband weg kommt. Das ist für morgen geplant und dann gehe ich voraussichtlich nach Hause.
Im Vergleich zur ersten OP ist das wirklich ein Spaziergang. Während die erste eine große Herausforderung und Belastung für Körper und Seele darstellt, ist die zweite eher eine kleine Unannehmlichkeit. Ein leichter Ausklang meiner Transition. Es tut meiner Seele gut, dass es jetzt fertig ist, aber hat nicht die innere Dramatik, wie die erste.
Bei der ersten hatte ich das Grfühl, dass auch seelisch nochmal alles auf den Kopf gestellt, durchgerüttelt und verändert wird. Dem enstsprechend war ich nicht nur körperlich sondern auch seelisch damit beschäftigt, die Veränderung zu verarbeiten. Am Ende hat es mein eigenes Verständnis von mir als Frau sehr gestärkt.
Jetzt fühlt sich das viel ruhiger und friedlicher an. Es gibt mir das letzte Stück Sicherheit, das mir noch gefehlt hat, eben weil es noch nicht fertig war. Ich bin jetzt ganz und vollständig, nach Jahren oder vielmehr nach Jahrzehnten des Herumirrens und Suchens endlich angekommen. Ich hatte immer das Gefühl, nirgendwo dazu zu gehören und ich habe mich nirgendwo zu Hause gefühlt. Selbst wenn ich mit lieben Menschen zusammen war, war da ein großes Gefühl von Einsamkeit.
Jetzt fühle ich mich praktisch überall zu Hause, gehöre dazu und kann mit den Menschen, mit denen ich mich umgebe, in intensive Verbindung gehen. Der Weg bis dorthin war wirklich schwer und es gab auch genug tiefe Täler und dunkle Momente. Aber wenn ich sehe, wie gut es mir jetzt geht, dann gibt es nicht den geringsten Zweifel, dass es der richtige Weg war.
Dazu haben viele Menschen einen Beitrag geleistet, allen voran meine Partnerin, ohne die ich es vielleicht nicht geschafft hätte. Aber auch dieses Forum und seine Bewohner waren für mich und diesen Prozess sehr sehr wichtig. Deshalb ganz vielen lieben Dank an alle die mich hier so toll unterstützt haben.
Liebe Grüße
Anke