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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Di 3. Feb 2015, 11:47
von Andrea aus Sachsen
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31.1.2015
Nach dem "Opernfrühstück" vor zwei Wochen fand nun heute die Premiere von "Otello" im Chemnitzer Opernhaus statt.
Vormittags hatte ich noch einiges im Männermodus zu erledigen. Nachmittags aber konnte ich mich in Andrea verwandeln. Ich hatte fast 2-½ Stunden Zeit dazu und wollte es diesmal besonders schön machen. Dadurch zog sich die Verwandlung in die Länge und ich hatte wieder einmal Mühe, rechtzeitig fertig zu sein. Ich hatte mich noch einmal für das "kleine Grüne" entschieden, das ich bereits vor einigen Wochen bei einer Opernaufführung in Annaberg-Buchholz trug (
http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... 70#p110090), mit dem Unterschied, dass ich draußen außer meinem cremefarbenen Anorak auch schwarze Stiefel anzog und letztere in der Oper dann gegen weiße Pumps tauschte.
Wie gesagt, die Zeit wurde knapp. Für einen Kaffee und Kuchen reichte es zu Hause nicht mehr. Das holte ich dann auf dem Chemnitzer Hauptbahnhof nach. Bis zum Opernhaus ist es von dort nicht mehr weit. Am Eingang wartete schon meine Freundin Emma, mit der ich mich für diesen Opernabend verabredet hatte. Ich wechselte schnell meine Schuhe, bevor wir unsere Sachen an der Garderobe abgaben.
Wir hatten noch genügend Zeit, uns einen Einführungsvortrag anzuhören und ein wenig durch das Opernhaus zu schlendern und die neuesten Neuigkeiten auszutauschen. Wie von anderen Premieren in Chemnitz gewohnt, herrschte unter den anderen Besucher(inne)n ein sehr festlicher Kleidungsstil vor, wobei bei den Damen einmal mehr das "kleine Schwarze" sich als der "Renner" erwies. Emma und ich unterschieden uns da nur ein wenig farblich von diesem "Trend". Ein Erinnerungsfoto durfte natürlich nicht fehlen:
Andrea&Emma.jpg
Wir nahmen unsere Plätze ein und warteten gespannt auf den Beginn der Oper. Es war eine ganz klassische Inszenierung ohne spektakuläre Effekte, aber alles in allem ein gelungenes Gesamtkunstwerk. Ein wenig vermisse ich ja bei "Otello" und anderen Spätwerken von Giuseppe Verdi die schönen einprägsamen Arien, die mir sonst noch Tage nach einer Aufführung im Kopf herumschwirren. Eine gelungene Inszenierung wie diese machte diesen "Makel" aber schnell wett, sodass die phantastische Atmosphäre einer solchen Aufführung darunter nicht litt.
Für Interessierte hier noch näheres zur Handlung und Entstehungsgeschichte der Oper:
Otello
Zu der folgenden Premierenfeier kamen dann noch einmal ein großer Teil der Mitwirkenden. Einige Theatermitarbeiter(innen) grüßten mich freundlich. Kein Wunder, gehöre ich doch hier schon fast zum Inventar! Nicht gegrüßt hat mich dagegen ein Kollege, aber der kennt mich ja nur im Männermodus.
Durch meine nette Begleiterin und Gesprächspartnerin bin ich diesmal gar nicht dazu gekommen, mich mit den Mitwirkenden ein wenig zu unterhalten. Mit Emma war es aber fast noch interessanter. Ich gehe mal davon aus, dass es ihr genauso gut gefallen hat. Jedenfalls haben wir schon einen weiteren gemeinsamen Opernbesuch ins Auge gefasst.
Als sich die Veranstaltung dann allmählich auflöste, verabschiedeten wir uns. Ich blieb noch etwa eine Viertelstunde länger, weil ich auf den letzten Zug in meine Heimatstadt warten musste. Aber dann war der Abend auch für mich zu Ende. Zufrieden und entspannt holte ich meine Sachen aus der Garderobe, wechselte noch einmal die Schuhe und trat die Heimfahrt an.
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Do 5. Feb 2015, 22:10
von Kerstin
Hallo Andrea
Solltest du dieses Jahr wieder uns Franken beehren habe ich hier zwei pdf's mit tipps gefunden
http://www.fuerth.de/Portaldata/1/Resou ... r2015a.pdf
http://www.fuerth.de/Portaldata/1/Resou ... ge2015.pdf
LG Kerstin
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Do 5. Feb 2015, 23:36
von Andrea aus Sachsen
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Danke Kerstin für die Tipps!
Ich wollte irgendwann noch einmal bei Olenas Crossdressingmode in Nürnberg etwas anfertigen lassen. Mal sehen, womit ich das verbinden kann.
Aber jetzt schnell noch einmal zum vergangenen Wochenende:
1.2.2015
Ach wie schön ist es doch, nach einem gelungen Opernabend oder anderen Erlebnissen, am nächsten Tag gleich im weiblichen Modus weiterzumachen! Da müssen kein Nagellack entfernt, keine Tasche umgepackt und überhaupt alle Damensachen gar nicht so weit weggeräumt werden.
Weil es mir so gut gefällt, zog ich das grüne Kleid von Vortag gleich noch einmal an. Nur auf die etwas auffälligen weißen Accessoires verzichtete ich oder ersetzte diese durch welche in einem ähnlichen grünen Farbton. Das war zwar für zu Hause immer etwas zu elegant, aber ich fühlte mich so wohl.
Einen großen Teil des Tages verbrachte ich damit, meinen Wäscheschrank neu zu sortieren, vorrangig den Teil mit den Männersachen. Einiges davon habe ich aussortiert, damit für die schöneren weiblichen Sachen mehr Platz entsteht. Ich befürchte nur, der (wenige) gewonnene Platz wird noch nicht reichen.
Nachmittags habe ich noch einen kleinen Spaziergang unternommen. Ich zog dazu schwarze Stiefel und meinen schwarzen Anorak darüber. Mein Weg führte mich unter anderem zum Grab meiner Eltern. Meine Mutter kannte mich ja als Andrea, aber was würde mein Vater sagen, wenn er mich so sehen könnte? Vielleicht erst mal fragen, wer denn diese Dame sei?
Das war"™s dann auch, was es von diesem Tag zu berichten gibt.
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Di 17. Feb 2015, 13:04
von Andrea aus Sachsen
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14.2.2015
Mein heutiges Erlebnis verdanke ich einem Zeitungsartikel von vor einigen Wochen, in dem es um folgendes ging: Während des Jahrhunderthochwassers 2002 wurden in Dippoldiswalde, einer Kleinstadt in der Nähe von Dresden, bisher unbekannte Bergwerksschächte aus dem Mittelalter freigespült. Inzwischen wurde die Anlage archäologisch erforscht und zahlreiche Reliquien der Bergbaugeschichte zutage gefördert. Diese werden derzeit in der sächsischen Kleinstadt im Rahmen einer Sonderausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Aber es gab noch einen zweiten guten Grund, diesen Ausflug anzugehen: Ich konnte mit der Weißeritztalbahn anreisen. Mit dieser alten dampfbetriebenen Schmalspurbahn mal mitzufahren, stand schon lange auf meinem Wunschzettel. Die äußeren Bedingungen waren auch günstig: Schönes sonniges Winterwetter, nur ohne Schnee!
Zunächst aber galt es, mich als Andrea zurechtzumachen. Ich wählte wieder einmal mein weinrotes Strickkleid aus. Dazu fand ich Strumpfhosen in der gleichen Farbe und schwarze Stiefeletten passend. Draußen zog ich dann noch meinen schwarzen Anorak darüber.
Bevor es richtig losgehen konnte, galt es noch, eine kleine "Hürde" zu überwinden. Ich musste noch ein Buch in die Bücherei zurückbringen. An sich kein Problem, lang das doch fast auf dem Weg. Aber die Bibliothekarin kannte mich als Mann recht gut. Ich versuchte es trotzdem und hätte mich auf Nachfrage als Nachbarin ausgegeben. Ohne einen erstaunten oder fragenden Blick nahm die Bibliothekarin das Buch entgegen, schaute im Computer nach und sagte, dass die Jahresgebühr wieder fällig wäre. Da ich aber nicht der Entleiher sei, bat sie mich, Herrn "¦ dies auszurichten. Ich sagte daraufhin, dass ich das Geld auch auslegen könne. Das war natürlich kein Problem und so hatte ich auch das gleich mit erledigt.
Danach ging es zum Bahnhof. Die Fahrt führte mich in Regelzügen zunächst nach Freital-Hainsberg. Dort beginnt die Weißeritztalbahn. Vor dem Einsteigen entstand noch das folgende Foto:
Weißeritztalbahn.jpg
Der Umstieg in die alten Wagen war natürlich mit einem Verlust an Komfort verbunden. Doch das lautstarke Rattern auf den Schienen, die Geräusche der Dampflok und der Geruch, den diese verströmt, sorgen für eine einzigartige Atmosphäre.
In Dippoldiswalde angekommen, suchte ich zunächst eine Gelegenheit zum Mittagessen. Doch zwei gute Gaststätten hatten geschlossene Gesellschaften. Der damit verbundene "Stadtrundgang" verschaffte mir aber einen ersten Eindruck von der Stadt. Ich war schließlich noch nie hier und Dippoldiswalde ist somit ein weiterer Ort, wo ich nur als Andrea weilte.
Ich beschloss, mit ein wenig knurrendem Magen mir zunächst die Bergbauausstellung anzusehen. Inhaltlich bot diese allgemein nicht allzu viel Neues, aber es muss für die Bewohner hier schon ein eigenartiges Gefühl sein, jetzt zu wissen, was sich in den vergangenen Jahrhunderten unter ihren Häusern abgespielt hat.
Unklar ist zur Zeit noch, was aus der Ausstellung wird, wenn sie Ende März die von der Osterzgebirgsgalerie zur Verfügung gestellten Räume wieder verlassen muss. Diese einzigartige Dokumentation der örtlichen Bergbaugeschichte gehört einfach hier in den Ort. Mögen die Verantwortlichen dafür geeignete Räumlichkeiten finden!
Als ich die Ausstellung nach etwas über einer Stunde wieder verließ, war es zum Mittagessen bereits zu spät. Aber ich fand ein kleines Café, in dem es für mich nun kein Problem war, gleich zwei Stück Torte zu verdrücken.
Mit dem Stadtmuseum besuchte ich noch eine andere Sehenswürdigkeit. Interessantestes "Ausstellungsstück" ist hier, neben den üblichen Dokumenten zur Stadtgeschichte, im Nebengebäude eine originalgetreu rekonstruierte Gerberei aus dem 18. Jahrhundert. Als ich mich kurz vor Schließung des Museums noch ein wenig mit der Frau an der Kasse unterhielt, merkte diese wohl, dass mit mir "etwas nicht stimmt", hatte aber mit der richtige Anrede Probleme. Als sie sich kurz an eine Kollegin wandte mit den Worten, dass sie "ihm" gerade gesagt habe, dass "¦ , korrigierte sie sich sogleich auf "ihr".
Die Rückfahrt mit der Weißeritztalbahn und "normalen" Zügen ging ohne Besonderheiten vonstatten. Mir war nur aufgefallen, dass andere Frauen an diesem Tag keine Lust auf schöne feminine Kleidung hatten. Außer mir habe ich keine gesehen, die Rock oder Kleid trug.
Wegen des etwas spärlichen Essens an diesem Tag, war ich froh, dass ich zu Hause noch etwas von Vortag übrig hatte, was ich nur aufwärmen brauchte. Ansonsten aber war es wieder ein schöner Andrea-Tag.
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Mi 18. Feb 2015, 15:19
von Andrea aus Sachsen
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15.2.2015
Maia aus unserem Forum und ich stehen schon eine ganze Weile in Verbindung und so entstand der Wunsch, uns einmal persönlich kennenzulernen. Von der Entfernung her war das mit einem Tagesausflug problemlos zu machen. Beim Termin sah es schon schwieriger aus. Hier galt es, eigene Dienstpläne und Besonderheiten im Umfeld unter einen Hut zu bekommen. Am heutigen Sonntag aber sollte es klappen.
Ich machte mich wie gewohnt nach dem Frühstück als Andrea zurecht und behielt noch einmal das Outfit vom Vortag bei: Weinrotes knielanges Strickkleid, Strumpfhosen in der gleichen Farbe, schwarze Stiefeletten und draußen meinen schwarzen Anorak darüber.
Das Treffen sollte in Leipzig stattfinden, da hatten
Maia und ich es beide nicht allzu weit.
Ich war etwa eine Stunde vorher in Leipzig und habe am Hauptbahnhof erst einmal noch etwas gegessen. Dann fuhr ich mit der S-Bahn zum Markt, wo wir uns treffen wollten. Dort ging es allerdings ziemlich laut zu bei einem Karnevalsumzug. Ich wusste vorher gar nicht, dass es so etwas hier überhaupt gibt — ein echter Faschings- oder Karnevalsmuffel eben. Es war gar nicht so einfach, mich durch die vielen Zuschauer zum Treffpunkt durchzudrängeln. Dabei bin ich mit Konfetti regelrecht beschossen worden. Doch nur wenige Minuten musste ich warten, dann hatte es
Maia auch geschafft. Wir begrüßten uns herzlich und entfernten uns zunächst ein wenig von dem Trubel, um uns unterhalten zu können. In einigen etwas weniger belebten Straßen der Leipziger Innenstadt fanden wir dazu reichlich Gelegenheit. Das Konfetti hatte ich so gut es ging abgeschüttelt.
Maia war, da sie aus einer anderen Richtung kam, weniger betroffen.
Mit der Zeit wurde es allerdings draußen etwas kühl und wir beschlossen, uns das Stadtgeschichtliche Museum im alten Rathaus anzusehen. Dadurch mussten wir zwar wieder durch das Faschingsgetümmel auf dem Markt, aber im Rathaus hofften wir, davon Ruhe zu haben. Naja, Ruhe war in diesem Fall relativ, aber frau konnte sich zumindest weiter unterhalten.
An der Garderobe sind wir ein wenig aufgefallen, weil wir eine beachtliche Menge von dem Konfetti, welches wir draußen abbekamen, trotz vorherigen Abschüttelns mit hereingebracht hatten. Ein ähnlich großer Haufen bildete sich dann noch vor dem Spiegel auf der Toilette beim auskämmen der Haare. Die Reinigungskräfte des Hauses brauchten sich wohl an diesem Tag über Mangel an Arbeit nicht zu beklagen.
Wir nutzten die Gelegenheit und ließen uns von einer Mitarbeiterin des Museums ein Erinnerungsfoto machen:
Altes Rathaus L.jpg
Die Ausstellung, welche die Geschichte der Stadt Leipzig von der Stadtgründung bis in die "Wendezeit" veranschaulichte, fand ich sehr gut gelungen und auch der äußere Rahmen des historischen alten Rathauses passte meines Erachtens hervorragend dazu. Schade nur, dass das 1000-jährige Stadtjubiläum demnächst erst bevorsteht, denn dann sollen noch einige Ausstellungsstücke dazukommen.
Nach dem Museumsbesuch gingen wir noch in ein Café. Bei Kaffee und Kuchen konnten wir uns weiter austauschen. Unsere Ziele und derzeitigen Möglichkeiten, unsere Neigung auszuleben sind zwar unterschiedlich, aber ich finde es immer wieder interessant, auch andere Lebensgeschichten kennenzulernen. Als ich dann auch hier noch einmal auf die (Damen-)Toilette ging, fiel mir gleich der Konfettihaufen ins Auge, den meine Vorgängerinnen hinterlassen hatten.
Damit war die Zeit, die wir uns genommen hatten, auch schon so gut wie vorbei.
Maia begleitete mich noch bis zum Hauptbahnhof, wo wir uns verabschiedeten, nachdem sie sich in einem der Läden noch etwas besorgt hatte. Mir hat dieses Treffen sehr gut gefallen. Es war schön, ein weiteres Mitglied unseres Forums persönlich kennenzulernen. Ich hoffe,
Maia geht es genauso. Für sie war dieses Treffen ja in mehrfacher Hinsicht Neuland.
Eine Frage blieb allerdings wieder einmal unbeantwortet: Inwiefern hat jemand gemerkt, dass wir in Wirklichkeit nicht das sind, als was wir auf den ersten Blick erscheinen? Insbesondere den Museumsmitarbeiterinnen, zu denen wir mehrfach Kontakt hatten, hätte doch zumindest etwas komisch vorkommen müssen. Sie haben sich aber nichts anmerken lassen. Das hat mich angesichts der Tatsache, dass unsereins in der Gruppe eher auffällt und dass mir das in Leipzig auch allein schon passiert ist, dann doch etwas überrascht.
Meine Heimfahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse. Erst beim Ausziehen zu Hause merkte ich, dass immer noch Konfetti in der Perücke und an verschiedenen Stellen der Kleidung "klebte".
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Mi 18. Feb 2015, 23:30
von maia
Andrea hofft, dass mir der Nachmittag auch so gut gefallen hat wie Ihr - meine Antwort: und wie! Erstmals war ich nicht solo unterwegs. Das hat einen unschätzbaren Vorteil, man konzentriert sich auf seine Begleitung und nicht auf eventuelle Reaktionen seines Umfeldes. Das passiert ja immer wieder, zumindest wenn man nur gelegentlich Ausflüge enfemme unternimmt. Dadurch ist der Erlebniswert auch ungleich größer. Die nächste Premiere war der Besuch eines Museums. Ob ich das allein hinbekommen hätte? Ich weiss es nicht. Und zur Krönung des Tages noch in ein Cafe. Super! An dem Tag habe ich drei Schritte mit einem gemacht. Danke Andrea!
Eine immer noch beeindrucke
Maia
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Do 19. Feb 2015, 08:29
von Inga
Hallo, Andrea und Maia,
das ist ja wieder ein schöner Bericht!
Ergänzen möchte ich, ihr habt eine mir sehr sympathische Art gefunden, mit den sächsischen Faschingstrubel zu leben ...
Liebe Grüße
Inga
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Do 19. Feb 2015, 08:46
von Magdalena
Danke euch Beiden!
Es ist immer wieder schön zu lesen. und für die Mitarbeiter des Museums spricht, das Sie professionell genug sind, sich nichts anmerken zu lassen. Ich selbst habe bei meiner Arbeit auch viel mit Besuchern zu tun, die unterschiedlicher nicht sein können. Es sind zum einen ausländische Bürger und auch Besucher die zu unserm Kreis hier im Forum zählen könnten. aus Gesprächen mit meinen Kollegen ist mir bekannt, dass es durchaus registiert wird. Es gehört aber zu unserem Verständnis, jeden Gast auch als Gast zu behandeln. Mitunter kommt es sogar zu einem kleinen Gespräch, mit den Gästen. Ich kann und darf mich in dem Fall nicht outen, da ich hier das Unternehmen vertrete und eine Aufgabe zu erfüllen habe. Es wird aber auch von den Gäste dennoch als angenhm empfunden, einen normalen Umgang miteinander zu pflegen. Vorurteilsfrei, wie es sich für zivilisierte Menschen gehört.
LG Magdalena
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Di 24. Feb 2015, 23:51
von Andrea aus Sachsen
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Danke Maia, Inga und Magdalena für eure netten Kommentare!
21.2.2015
Es ging wieder einmal auf Reisen. Nicht allzu weit weg, aber immerhin! Mein Ziel, das thüringische Weimar, versprach schon einmal kulturell interessant zu werden.
Zunächst aber, wie könnte es anders sein, ging es mit der Verwandlung los, an dessen Ende ich einen knielanger schwarzen Rock, eine mehrfarbige Bluse, schwarze Strumpfhosen und Stiefeletten anhatte. Mein Koffer war gepackt, noch meinen schwarzen Anorak darüber und es konnte losgehen. Die Fahrt ging völlig entspannt vonstatten. Aufregender waren dagegen die Tage zuvor, weil ich wegen einem drohenden Streik bei der Bahn nicht wusste, inwiefern ich die Reise überhaupt antreten konnte.
In Weimar war ich zuletzt vor 36 Jahren, natürlich im Männermodus, etwas anderes konnte ich mir damals überhaupt nicht vorstellen. Ich hatte einige Fotos gemacht, denen man die Entstehungszeit ohne weiteres ansieht. Das brachte mich auf die Idee, die gleichen Orte noch einmal aufzusuchen und diese aus möglichst gleichem Blickwinkel erneut fotografisch festzuhalten.
Bereits auf dem Weg zum Hotel konnte ich so drei neue Fotos machen. Nach dem Einchecken stellte ich nur meinen Koffer im Zimmer ab und machte mich erneut auf den Weg. Gegenüber meinem Ausflug vor einer Woche waren zwei Dinge hier grundsätzlich anders: Einmal gab es hier ausreichend Lokalitäten, wo man bzw. frau etwas gepflegt essen konnte. Ich nutzte auch umgehend die Gelegenheit zum Mittagessen in einer der Gaststätten. Zum anderen war ich hier bei weitem nicht die einzige Frau, die im Rock oder Kleid unterwegs war.
Als ich die Gaststätte nach dem Essen verlassen wollte, merkte ich, dass ein Ohrclip fehlte. Ich schaute noch einmal an meinem Platz und auf der Toilette nach: Nichts. Auch auf dem Weg zurück ins Hotelzimmer war kein Ohrclip zu finden. Weiter zurückgehen machte keinen Sinn. Möglicherweise hatte ich ihn schon im Zug verloren. Ich hatte noch ein zweites Paar mit. Das passte zwar nicht ganz zu dem restlichen Schmuck, aber wenn ich draußen den Anorak anzog, war das nicht zu sehen.
Bei einem Blick in den Stadtführer musste ich feststellen, dass alle Museen im Winter hier bereits um 16 Uhr schließen. Da lohnte sich ein Besuch nicht mehr. Einzige Ausnahme: das Weimar-Haus. Das ist allerdings kein Museum, sondern dazu sagt man wohl Multimediashow, in welcher die Geschichte der Stadt Weimar nähergebracht werden soll. Dort wird man bzw. frau mittels automatisch öffnenden Türen durch verschiedene Räume geführt, von denen jeder eine andere Epoche darstellen soll.
Ich habe so etwas zum ersten Mal gesehen und fand es nicht schlecht gemacht. Eine "lebendige" Führung durch ein Museum, bei der frau auch Fragen stellen kann, ist mir allerdings lieber.
Nach dieser Show ging ich noch ein wenig in der Stadt spazieren und bin so an weitere Orte gelangt, an denen ich vor 36 Jahren schon mal war und Fotos gemacht hatte. Zwei der so entstandenen Doppelbilder möchte ich hier vorstellen:
Marktplatz.jpg
Zum weißen Schwan.jpg
Ich ging dann wieder ins Hotel zurück, besserte mein Makeup nach und wechselte zu einem meiner Theateroutfits: schwarzer Godetrock, terracottafarbene Satinbluse, hautfarbene Strumpfhose und schwarze Sandaletten. Ohne kulturellen Beitrag ging es also auch auf dieser Kurzreise nicht.
Bis zum Theater waren es nur etwa 200 Meter. Da brauchte ich nur meinen Anorak darüber zu ziehen. Auf einen Wechsel der Schuhe für den Weg dorthin verzichtete ich.
Heute sollte es eine Aufführung der Oper "I Masnadieri" (Die Räuber) von Guiseppe Verdi geben, die auf dem gleichnamigen Drama von Friedrich Schiller basiert. Einzelheiten zu dem Stück können hier nachgelesen werden:
http://de.wikipedia.org/wiki/I_Masnadieri
Es war keine besonders schöne, aber trotzdem beeindruckende Inszenierung. Der historische Stoff wurde voll und ganz auf die aktuelle politische Situation in Deutschland bezogen, indem zum Beispiel die Räuberbande in Schillers Drama als eine rechtsradikale "Schlägertruppe" auftrat. Mir lief es eiskalt den Rücken runter, als die in einer Chorszene im Zuschauerraum einmarschierten.
Die vier Hauptfiguren wurden aktuellen politischen Strömungen zugeordnet, die etwa deren Charakter entsprachen. Ein Bühnenbild gab es praktisch nicht, nur eingeblendete Sprechblasen, die neben der (stark gekürzten) deutschen Textübersetzung vor allem Aussagen von Vertretern der jeweiligen politischen Strömungen enthielten. Irgendwie passten diese Zitate meist zur Situation und das Ganze spiegelte für meine Begriffe ganz gut die aktuelle politische Stimmung wider. Aber muss man für diesen Zweck eine klassische Oper "missbrauchen"? Deren Handlung ging durch die Vielzahl der eingeblendeten Texte fast komplett unter, und es fiel mir beim Lesen schwer, die schöne Musik richtig zu genießen.
Ein klein wenig enttäuscht war ich auch vom Kleidungsstil der anderen Besucher(innen). Da war für meine Begriffe zu viel Alltagsmäßiges dabei.
Nach der Aufführung lud der Operndirektor noch zu einer Diskussion ein, der etwa 20 Besucher(innen) folgten. Die meisten davon äußerten sich zu meinem Erstaunen sehr positiv über diese Inszenierung und bei den wenigen kritischen Anmerkungen (einschließlich meiner) blieb die Diskussion trotz der Brisanz des Themas in jedem Fall sachlich. Am Ende musste der Direktor die Sache sanft abbrechen, um nicht die Nacht durch zu diskutieren. Er bedankte sich bei allen fürs Kommen und wünsche einen angenehmen Nachhauseweg. Meiner ging zwar nicht nach Hause, war aber nur sehr kurz.
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Fr 27. Feb 2015, 23:24
von Andrea aus Sachsen
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22.2.2015
Normalerweise hätte ich an diesem Tag noch einmal das gleiche Outfit gewählt wie am Vortag. Aus zwei Gründen entschied ich mich aber doch anders. Einmal passten die mir verbliebenen weißen Ohrringe zusammen mit einer weißen Halskette besser zu meiner terrakottafarbenen Bluse. Zum anderen trugen fast alle Frauen, die ich hier in klassischer Damenkleidung sah, kurze Röcke oder Kleider. Dem wollte ich nicht nachstehen und zog auch einen kurzen Rock an, und zwar meinen rot-schwarz melierten, dazu blickdichte schwarze Strumpfhosen, schwarze Stiefeletten und später draußen meinen schwarzen Anorak darüber.
Beim Frühstück im Hotel war ich dann allerdings doch wieder die einzige Frau, die einen Rock trug. Das ließ mich natürlich nicht von meinem Vorhaben abbringen, noch einige Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Meinen Koffer durfte ich derweil an der Rezeption deponieren.
Ich hatte mir vorgenommen, die ehemaligen Wohnhäuser der berühmtesten Bewohner Weimars zu besichtigen. Zuvor aber kam ich noch einmal an deren Denkmal vor dem Nationaltheater vorbei und ließ mich von einem Passanten fotografieren.
Weimar.jpg
Zuerst ging ich ins Schillerhaus, welches der große Dichter von 1802 bis zu seinem Tod 1805 bewohnte. Das heute als Museum originalgetreu rekonstruierte Haus gibt einige Einblicke in das Leben im ausgehenden 18. Jahrhundert. Von den originalen Einrichtungsgegenständen ist allerdings nur sehr wenig erhalten. Ein Kurzfilm über das Leben Friedrich Schillers rundete den Besuch ab.
Nur wenige hundert Meter entfernt hatte sich Johann Wolfgang von Goethe 1782 bis zu seinem Tod 1832 häuslich niedergelassen. Sein Anwesen war für die damalige Zeit schon recht komfortabel eingerichtet. Heute ist das Goethehaus ebenfalls als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich und dort sind mehrere Räume einschließlich Inventar noch originalgetreu erhalten.
Im Nachbarhaus ist noch ein Goethemuseum eingerichtet. Das habe ich mir natürlich auch angesehen. Beeindruckt haben mich dort vor allem die kunsthistorischen und naturwissenschaftlichen Sammlungen, die Goethe neben seiner dichterischen Tätigkeit zusammengetragen hatte.
Inzwischen war es Zeit zum Mittagessen, gleichzeitig aber rückte die Abfahrt meines Zuges immer näher. Ich begnügte mich deshalb mit einer Rostbratwurst, die an einem Imbissstand auf dem Markt verkauft wurde. Wenn frau schon mal in Thüringen ist, gehört diese Spezialität irgendwie dazu. Besonders gut hat es mir allerdings nicht geschmeckt.
Als ich anschließend an der Stadtkirche vorbeikam, habe ich auch dort noch einen Blick hineingeworfen, bevor ich meinen Koffer aus dem Hotel holte und mich auf den Weg zum Bahnhof machte. Wegen des spärlichen Mittagessens ging ich unterwegs in den Speisewagen und habe mir etwas Kaffee und Kuchen schmecken lassen. Pünktlich kam ich zu Hause an.
Als kleines Fazit kann ich sagen: Es war eine schöne und interessante Reise nach Weimar. Da werde ich nicht erst 36 Jahre warten, um mal wieder hinzufahren.
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Sa 28. Feb 2015, 09:27
von Anke
Hallo Andreas,
schöne Reise. Vor zwei Jahren war ich auch in Weimar und habe natürlich die Häuser von Goethe und Schiller besucht. Fand ich wirklich toll und auch ansonsten hat mir die Stadt richtig gut gefallen. Da werde ich auf jeden Fall wieder hinfahren.
Das Thema mit dem Rock kenne ich auch, die meisten Frauen tragen eben Hosen. Schade. Ich trage lieber Rock und lasse mich da auch nicht irritieren. Und ich finde es richtig, dass Du auch dabei geblieben bist. Du bist eben Du.
Liebe Grüsse
Anke
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Di 3. Mär 2015, 00:48
von Andrea aus Sachsen
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28.2.2015
Heute war ich wieder einmal im Chemnitzer Opernhaus, aber zu keiner Aufführung, sondern zu einer Veranstaltung aus der Reihe "Ausgeplaudert". Da werden Mitarbeiter der Oper und anderer Sparten der Chemnitzer Theater näher vorgestellt.
Aber zunächst musste ich mich als Andrea zurechtmachen. Das ging wegen männlicher Verpflichtungen leider erst am späten Vormittag. Obwohl ich die Sachen mir vorher zurechtgelegt hatte, dauerte die Prozedur heute fast zwei Stunden. Da blieb kaum noch Zeit, eine Kleinigkeit zu essen, obwohl ich nur vom Vortag etwas aufwärmen brauchte.
In fast dem gleichen Outfit wie bei meinem Besuch eine Woche zuvor in Weimar (rot-schwarz melierter kurzer Rock, terrakottafarbenen Bluse, schwarze Strumpfhose, braune Wildlederstiefel, schwarzer Anorak) machte ich mich schließlich gerade noch rechtzeitig auf den Weg nach Chemnitz. Die Veranstaltung im Chemnitzer Opernhaus war gut besucht. Über hundert Leute wollten sehen, was über das Opern- und Theaterleben ausgeplaudert wird.
Heute stellten sich eine Opernsängerin und der Direktor des Chemnitzer Schauspielhauses den Fragen des Moderators. Die Sängerin kannte ich schon von zwei Aufführungen der laufenden Spielzeit, den Schauspieldirektor noch gar nicht. Letzteres mag daran liegen, dass ich diese Sparte bisher etwas stiefmütterlich behandelt habe.
Zum Schluss dieses amüsanten Nachmittags gab es wieder Autogrammkarten und ich habe natürlich die Gelegenheit genutzt, meine Sammlung zu erweitern.
Ich hatte mir vorgenommen, diesen Nachmittag mit einem Einkaufsbummel ausklingen zu lassen, wusste bloß noch nicht wo. Im Stadtzentrum oder in einem Einkaufszentrum am Rande der Stadt? Die Entscheidung fiel, als gerade ein Bus in Richtung letzteren einfuhr.
Im Bus entdeckte ich eine sehr CD-verdächtige Dame. Ich glaubte sogar, sie schon mal bei einem Treffen in Chemnitz gesehen zu haben, musste aber erst einmal vorbeigehen, um andere Fahrgäste nicht beim Einsteigen zu behindern. Die Dame aber schien von mir keinerlei Notiz zu nehmen. Sie stieg eine Station vor mir aus. Später liefen wir uns im Einkaufszentrum noch einmal kurz über den Weg. Erneut schien sie mich nicht zu bemerken und ich traute mich nicht, sie anzusprechen. So weiß ich jetzt nicht, ob das tatsächlich eine von "uns" war oder ob ich mich geirrt habe.
Für den Einkaufsbummel hatte ich mir vorgenommen, mal nach Kurzmänteln zu schauen. So etwas sollte meines Erachtens gut zu den Damenhosen passen, die seit einigen Wochen bei mir im Schrank hängen. Ich sollte nicht enttäuscht werden: Gleich im ersten Laden, der die nächsten Tage schließen sollte und deshalb schon halb leer geräumt war, stach mir ein solcher Mantel, grau-schwarz gemustert, ins Auge. Er war nur noch in Größe 42 vorhanden. Das könnte etwas eng werden, dachte ich, aber im Gegensatz zu einigen anderen stark preisreduzierten Teilen, die ich anprobierte, passte dieser perfekt. Die Verkäuferin meinte auch, dass er mir gut stünde, aber ich wollte den Einkaufstag nicht so schnell beenden und hing den Mantel zusammen mit den anderen (nicht passenden) Teilen vorerst wieder zurück, um mich in anderen Läden noch etwas umzuschauen.
In anderen Damenmodegeschäften fand ich aber nichts Vergleichbares. Nur bei einem knielangen blauen engen Rock konnte ich nicht widerstehen. Zwischendurch ließ ich mir noch etwas Kaffee und Kuchen schmecken. Zum Schluss ging ich noch einmal in den ersten Laden zurück. Der grau-schwarz gemusterte Mantel war noch da, und ich wusste, dass er passt. Jetzt wollte ich ihn haben und ließ ihn mir einpacken.
So wurde es ein ganz erfolgreicher Einkaufsbummel und ich fuhr zufrieden nach Hause.
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: So 8. Mär 2015, 22:04
von Andrea aus Sachsen
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6.3.2015
An anderer Stelle hatte ich es schon angekündigt, dass heute in Chemnitz wieder das monatliche Crossdressertreffen stattfand und war natürlich gespannt, ob diesmal jemand aus dem Forum meinem Aufruf, vorbeizukommen, folgen würde. Doch dazu später mehr.
Um selbst teilnehmen zu können, galt es, nach einem Termin am Nachmittag mich möglichst schnell in Andrea zu verwandeln, um rechtzeitig in Chemnitz zu sein. Mein Outfit hatte ich deshalb bereits am Vorabend ausgesucht und zurechtgelegt: Schwarze Hose, weinrotes Langarmshirt, braune Wildlederstiefel und darüber den schwarz-grau gemusterten Mantel, den ich erst eine Woche vorher gekauft hatte.
Das ganze erwies sich dann aber als nicht ganz so zeitkritisch wie befürchtet, weil ich mit der Sache zuvor eher fertig war als geplant. Ich versuchte trotzdem, mich möglichst schnell zu schminken, um einen Zug eher nach Chemnitz zu fahren. In der Tat habe ich es in der rekordverdächtigen Zeit von etwa einer Stunde geschafft.
In Chemnitz angekommen, hatte ich den Eindruck, dass etwas mehr Leute nach mir schauten als sonst. Eigentlich sollte das doch, wenn unsereins in Hosen unterwegs ist, nicht der Fall sein. Hatte ich beim Schminken etwas vergessen, saß meine Perücke schief? Beim Betrachten des Fotos, welches ich vor dem "Roten Turm", dem Chemnitzer Wahrzeichen, machen ließ, glaubte ich, den Grund zu sehen: Das Muster auf meinem Mantel ist doch auffälliger, als es mir beim Betrachten im Spiegel erschien (siehe Galerie:
http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... ge_id=9977 ).
Das hielt mich aber nicht davon ab, mich in einem Einkaufszentrum nach einem Buch umzusehen, welches sich meine Tochter wünschte und — so viel Zeit war noch — einen Kaffee und etwas Kuchen zu genießen.
Das Buch hatte ich gefunden. Jetzt aber ging es auf dem kürzesten Weg ins "different people", dem Treffpunkt der CROSSundQUEER-Gruppe. Es kam auch gerade eine Straßenbahn, womit ich meinen Fußweg ein wenig abkürzen konnte. Das "different people" war wieder einmal brechend voll. Ich habe nicht gezählt, aber 20 Leute waren es auf jeden Fall. Ich war kaum 10 Minuten vor Ort, da kam
Conny herein. Wir sollten aber, trotz meines Aufrufes vor einigen Tagen, die einzigen aus unserem Forum bleiben.
Besonderer Gast an diesem Abend war eine Maskenbildnerin, die an einem Theater der Region arbeitet. Sie hat vier "Damen" fachrecht geschminkt, die danach fantastisch aussahen. Ich habe die "Fachfrau" danach mal gefragt, was sie an meinem Makeup anders gemacht hätte und war positiv überrascht, dass es nur kleine Details waren, an denen sie Verbesserungspotential sah, und das trotz des Eilzugtempos, mit dem ich meine Verwandlung heute durchgezogen hatte.
Gut fand ich, dass es erstmals eine kleine Vorstellungsrunde gab. Das war sicher nicht nur für die Neulinge an diesem Abend informativ. Auch ich, die nur gelegentlich hierher kommt, konnte so mein nicht besonders stark ausgeprägtes Personengedächtnis ein wenig auffrischen.
Ansonsten gab es neben netten Gesprächen eine ausgiebige Diskussionsrunde über die künftige Organisation von Ausflügen und anderen Sonderveranstaltungen. Da passierte es in der Vergangenheit immer wieder, dass nach zahlreichen (teilweise sogar verbindlichen) Absichtserklärungen am Ende nur ein Bruchteil der Leute wirklich mitkamen. Mich betraf das aber weniger, da diese Veranstaltungen bisher nicht meinen Nerv trafen.
Heute blieb ich bis zum "bitteren Ende", als sich die Veranstaltung nach 23 Uhr allmählich auflöste. Auch
Conny verabschiedete sich. Fünf Damen vom "harten Kern" der Gruppe gingen anschließend noch in eine Bar in der Chemnitzer Innenstadt. Da noch etwas Zeit war, bis mein letzter Zug nach Hause fuhr, schloss ich mich denen an. Wir waren an diesem Abend die einzigen Gäste in der Bar, zumindest, solange ich dabei war.
Nach einem Getränk musste ich mich verabschieden, um den letzten Zug nicht zu verpassen.
Es hat Spaß gemacht, einige Freundinnen wiederzutreffen. Etwas enttäuscht hat mich aber, dass die beengten Räumlichkeiten nicht angesprochen wurden. Dies ist zwar auf den erfreulichen Umstand eines immer größeren Zuspruches zurückzuführen, aber mehrere "Damen", die ich sprach, beklagen diese Enge. Da muss ich wohl beim nächsten Mal die Sache selbst ansprechen. Vielleicht fällt mir bis dahin ein brauchbarer Vorschlag ein.
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: So 15. Mär 2015, 23:48
von Andrea aus Sachsen
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15.3.2015
Bevor ich zu meinem Bericht komme, möchte ich etwas ausholen: Zu Beginn dieses Jahres bin ich in den Förderverein der Theater Chemnitz eingetreten. Dieser gemeinnützige Verein unterstützt verschiedene Projekte dieser Kultureinrichtung, zu der natürlich auch die Chemnitzer Oper gehört. Ich sehe ihn auch als Bindeglied zwischen Theaterschaffenden und Zuschauern und das hat mich bewogen, dort beizutreten.
Inzwischen habe ich auch eine Mitgliedskarte, auf der natürlich mein weiblicher Name steht.
Heute Vormittag nun gab es für mich die erste Veranstaltung im Rahmen des Fördervereins. Vier junge Musikerinnen aus vier verschiedenen Ländern, die der Verein während ihrer Ausbildung finanziell unterstützt hatte, sollten im Foyer des Opernhauses für ihre Sponsoren ein kleines Konzert geben und sich den Fragen eines Moderators stellen.
Die ganze Prozedur zuvor, bestehend aus waschen, anziehen, schminken, frühstücken und der Fahrt nach Chemnitz, ist für mich ja längst Routine. Heute hatte ich meinen knielangen schwarzen Rock, eine mehrfarbige Bluse, platinfarbene Strumpfhosen und schwarze Stiefeletten angezogen. Draußen kam noch mein schwarzer Anorak darüber.
Auch im Opernhaus zunächst nichts Neues: Freundliche Begrüßung durch die Frau am Einlass, Anorak an der Garderobe abgegeben, noch einmal auf die (Damen-)Toilette und schließlich im Foyer Platz genommen. Etwa 40 Fördervereinsmitglieder waren zugegen, als die jungen Musikerinnen aus Deutschland, Polen, China und Taiwan das Podium betraten und zwei Sätze eines Streichquartetts von Edvard Grieg (1843 — 1907) spielten.
Dieses Werk und Kammermusik überhaupt, zählt nicht unbedingt zu meinen Lieblingsstücken. Trotzdem denke ich, die Musikerinnen haben ihre Sache gut gemeistert. Nur mit der Sprache haperte es noch ein wenig, als der Moderator sie zwischendurch nach ihrem Werdegang befragte.
Ich hatte gehofft, ein wenig mit anderen Fördervereinsmitgliedern ins Gespräch zu kommen, aber mehr als ein paar Worte, die ich mit meiner Sitznachbarin wechselte, waren nicht drin. Die Veranstaltung war für mich deshalb kein besonderer Höhepunkt, was nicht heißt, dass ich nicht hingehen würde, wenn wieder mal etwas ähnlichen stattfindet. Ein paar neue Eindrücke waren schließlich doch dabei.
Da es zu Hause noch einiges zu tun gab, hatte ich mir für diesen Tag keine weiteren kulturellen Aktivitäten vorgenommen. Es war bereits Mittagszeit, also am Hauptbahnhof in Chemnitz noch schnell etwas gegessen, dann fuhr ich wieder nach Hause.
Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Sa 21. Mär 2015, 01:01
von Andrea aus Sachsen
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19.3.2015
Heute startete ich zu meiner bisher weitesten Reise als Andrea und die sollte eine ganze Reihe neuer und beeindruckender Erlebnisse bringen. Wie üblich, hatte ich bereits am Vorabend meinen Koffergepackt und alle Sachen zurechtgelegt. Wegen des frühlingshaften Wetters, habe ich gleich mal zu etwas farbenfrohem gegriffen: Rot-weiß gemustertes knielanges Kleid, schwarze Strumpfhosen und Stiefeletten, also genau das hier:
http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... ge_id=9635
Gleich nach dem Frühstück zog ich noch meinen schwarzen Blazer darüber machte ich mich auf den Weg. Kurz zuvor hatte ich gemerkt, dass meine (Damen-)Armbanduhr stehengeblieben war, wahrscheinlich wegen leerer Batterie. Nach fast drei Jahren Gebrauch musste das ja mal kommen. Erstaunlich trotzdem: Meine Männeruhr hält maximal halb so lange durch.
Um Ersatz zu besorgen war es zu spät. Ich war mir aber sicher, am Ziel ein Uhrengeschäft zu finden, wo mir geholfen werden kann.
Mit der Bahn ging es über Chemnitz, Hof, Nürnberg, Aalen, Ulm, Schaffhausen, Winterthur nach Zürich. Fast 10 Stunden Fahrt und 7 mal umsteigen, aber pünktlich kurz nach 19 Uhr war ich am Züricher Flughafen. Kurioserweise hätte ich bei Verbindungen über München mit nur 3 Umsteigevorgängen über eine Stunde länger gebraucht. Ein wenig ungewohnt war es schon, nicht regelmäßig auf die Uhr schauen zu können. Ärgerlicher aber war, dass an dem einzigen Fernverkehrszug, den ich benutzte, heute kein Speisewagen dran hing. Ich hatte zwar etwas zu Essen mitgenommen, aber dass sollte eigentlich für den nächsten Tag sein, da ich vorhatte, noch vor dem Frühstück das Hotel zu verlassen.
Vom Bahnhof am Züricher Flughafen geht es mit der Rolltreppe direkt zum Terminal 3, wo am nächsten Morgen die Abfertigung stattfinden sollte. Ich schaute schon mal nach, wo sich der Check-In-Schalter befindet, an dem ich mich einfinden sollte. Unter den zahlreichen Läden im Abfertigungsgebäude entdeckte auch zwei Uhrengeschäfte, aber in dem einen wurden Reparaturen und Batteriewechsel nur an eigenen Modellen durchgeführt und in dem anderen war der Uhrmacher gerade erkrankt. Wenigstens fand ich einen Bäcker, wo ich mir etwas für das Frühstück am nächsten Morgen holen konnte.
Zum etwa 1km entfernten Hotel sollten regelmäßig Zubringerbusse fahren. Doch die Abfahrtsstelle zu finden, gestaltete sich deutlich schwieriger als erwartet. Nach dreimaligem Nachfragen und nachdem ich einmal durchs komplette Gebäude geschickt wurde, saß ich irgendwann doch einmal im Bus. Mangels einer funktionstüchtigen Uhr kann ich nicht einmal sagen, wie lange die Suche gedauert hat.
Im Hotel wurde ich dann wie üblich freundlich empfangen und der Mann an der Rezeption bedankte sich bei mir für den Hinweis zur mangelhaften Ausschilderung der Zubringerbusse. Als er dann noch einen Ausweis sehen wollte, zeigte ich meinen dgti-Ergänzungsausweis. Der genügte offenbar, weil alle notwendigen Daten dort mit draufstehen.
Jetzt aber galt es, alle Sachen zurechtzulegen und schlafen zu gehen, denn am nächsten Tag hatte ich viel vor und da sollte morgens zeitig der Wecker klingeln.