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Re: Mein Weg
Verfasst: Mo 7. Nov 2022, 11:02
von Magdalena
Hallo,
es folgt heute der letzte Teil des Berichtes von meinem Urlaub in Hessen.
Unser letzter gemeinsamer Tag bricht an. Es soll an den Diemelsee gehen. Besser wir sind an den Diemelsee gefahren. Inzwischen sind wir eine eingespieltes Team, was das Vorbereiten des Frühstückes betrifft. So brauche ich darüber nichts mehr zu schreiben.
Auf unserer Fahrt kommen wir am Edersee vorbei. Am Diemelsee angekommen fahren wir über die Staumauer. In Heringshausen stellen wir das Auto ab. Am Ufer des Diemelsees machen wir eine kleine Wanderung. Und wie auch der Edersee musste der Diemelsee sein Wasser wegen der trockenen Sommers an die Weser abgeben. Unser Weg führte uns über die Seebrücke. Entlang des Ufers gibt es mehrere Campingplätze. Wir nehmen den gleichen Weg zurück. An dem Parkplatzfanden wir ein schönes Lokal, wo wir einkehrten. Nach dem Essen unterbreitete mir Gina den Vorschlag eine Sprungschanze zu besichtigen.
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Ich wusste nicht, dass es ganz in der Nähe eine Sprungschanze gibt. Und zwar in Willingen im hessischen Sauerland. Die Mühlenkopfschanze, der Name sagte mir bisher noch nichts. Doch finden hier Weltcupspringen statt. Gina machte also den Vorschlag diese Schanze mit einer Führung zu besichtigen. Noch von der Gaststätte aus meldete uns Gina zu der Führung an.
Gleich nach dem wir die Gaststätte verlassen hatten fuhren wir nach Willingen. Doch so einfach war die Sprungschanze nicht zu finden. Vor allem wenn Frau sich an die Verkehrsregeln hält. Denn die Zufahrtstraße ist für den Autoverkehr gesperrt. Dafür gab es an der Sprungschanze einen Parkplatz. Nach dem wir Einheimische gefragt hatten, sind wir also dann doch die Straße zur Sprungschanze gefahren.
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Hier angekommen, konnten wir unsere Karten für die Führung über die Schanze bekommen. Die Gruppe stellte sich als reine Frauengruppe heraus. Einzig unser Guide und eine einzelner Herr waren die einzigen Männer in der Runde. Wir erfuhren sehr viel Wissenswertes, nicht nur von dieser Schanze sondern auch von Skispringen allgemein. Zum Glück brauchten wir nicht den ganzen Hang zu Fuß bewältigen. Eine Bahn brauchte uns hinauf. Dann ging es weiter zu einem kleinen Gebäude, welches nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen ist. Von den Siegern der Springen in Willingen waren Ski ausgestellt. Auch sahen wir hier einen Film über die Geschichte des Skispringens hier in Willingen.
Zum Schluss traten wir in den Adlerhorst ein. Oben auf dem Sprungturm ist ein verglaster Raum, in dem sogar geheiratet werden kann. Nach der Besichtigung der Sprungschanze machen wir noch Willingen einen Besuch. Hier merkt man, das Willingen ein beliebter Wintersportort ist. Überall gibt es Bars und Restaurants, aus denen laute Musik erklingt.
Auf der Rückfahrt legen wir am Edersee noch eine Pause ein. Zu Fuß geht es über die Staumauer. Noch einmal genieße ich den Nationalpark Kellerwald-Edersee. Am nächsten Tag ist unser Urlaub zu Ende. Nach dem Frühstück heißt es alles wieder ins Auto laden und die Heimreise antreten.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Mein Weg
Verfasst: Fr 11. Nov 2022, 10:01
von Magdalena
Hallo,
nach dem ich jetzt meinen Bericht über meinen Urlaub abgeschlossen habe, möchte ich jetzt wieder auf meine aktuelle Situation zurückkommen. Da ist bei mir jetzt Klinken putzen angesagt. Outen im großen Stil! Es heißt für mich, sich auch bewusst sein, nicht alle können mit meiner Entscheidung leben. Doch bisher habe ich nur positive Rückmeldungen erhalten. Und sicher sind auch einige Ängste bei den Angesprochenen dabei. Ängste, dass ich nicht übereilt mich in etwas hinein stürze, was ich später bereue. Ich finde es gut, zeigt es doch, dass ihnen etwas an mir liegt. Ich ihnen nicht egal bin.
Gestern nun fand das von mir beantrage Gespräch mit meiner Firmenchefin statt. Als Grund für diese Gespräch ließ ich eine Veränderung in meiner Person durchblicken. Alle möglichen Szenarien spielte ich vorher gedanklich durch. Mit feuchten Händen stand ich nun gestern vor dem Büro meiner Firmenchefin. Es folgte, was ich noch nie erlebt hatte. Meine Chefin bot mir einen Kaffee an. Nach eine kurzen Begrüßung und Einleitung kam ich zum Kern meines Anliegens, meine geplante Transition. Und meine Chefin war wenig überrascht, und eher erleichtert, dass ich nicht vor habe zu kündigen. Wieso?
Da muss ich ein wenig zurück gehen. Es war vor vier Jahren. Da erfolgte quasi mein Zwangsouting bei meinen Kollegen und Kolleginnen in Meißen. Nicht alle haben mich darauf hin angesprochen. Mit zwei lieben Mädels machte ich dann meinen Mädelsabend. Und wir verstehen uns seit dem besser als vorher. Sie unterstützen mich auch jetzt auf meinem Weg. Doch es gab da auch einen anderen Zeitgenossen, der damals mein direkter Vorgesetzter war. Er ist nun aber nicht mehr in der Firma. Also dieser Mann hatte genug Zeit um meinen FB-Account zu suchen. Wir lagen damals auf Konfrontation. Dafür Gründe zu finden, eigentlich gab es, außer übersteigerter Eitelkeit des Herrn, keine Gründe. Obwohl wir uns fast täglich sahen, fand die Kommunikation schriftlich oder über Dritte statt. Selbst wenn ich daneben stand. Jedenfalls dieser Herr hatte nichts Besseres zu tun als Bilder von mir als Magdalena in der Firma herumzureichen. Ich selbst erfuhr es erst, als dieser Mann nicht mehr in der Firma angestellt war. Sonst hätte ich schon damals ein Gespräch bei meiner Firmenchefin gesucht.
Doch meine Firmenchefin hat ganz gut reagiert. Was meine Mitarbeiter in ihrer Freizeit machen, geht mich nichts an, solange es keine Auswirkung auf ihre Arbeit hat. Dies sagte sie mir gestern. Die erste Erleichterung, hu. Nun erzählte ich kurz, wie ich zu dem Entschluss gekommen bin, den Weg der Transition zu gehen. Und wie ich es mir vorstelle, weiter in der Firma zu arbeiten. Jetzt muss ich hier sagen, ich bin in einem Sicherheitsunternehmen tätig. Und wir haben verschiedene Kunden, bei denen ich zum Einsatz komme. Und gibt es auch unterschiedliche Befindlichkeiten Seitens der Kunden. Meine Firmenchefin steht hinter mir und möchte mich auf meinem Weg in der Firma begleiten. Sie fragte mich, ob ich einverstanden bin meinen direkte Vorgesetzten und die Sekretärin meiner Chefin hinzuzuziehen. Dem stimmte ich zu.
Es folgte nochmal eine kurze Abhandlung dessen, was wir gerade besprochen hatten. Auch hier wurde mir die Unterstützung versichert mir zu helfen. Dann ging es um praktische Fragen. Denn ich bin die erste Transfrau, welche ihren Weg in der Firma beginnt. Ich bin aber nicht die erste Transfrau in der Firma. Eine Freundin, die aber rechtlich schon eine Frau ist, konnte ich als neue Kollegin der Firma vorschlagen.
Wir stellten einen Fahrplan auf. Da es für alle beteiligten Neuland ist. Es ist auch meine erste Transition. Und jeder bekam seine Hausaufgaben. Und wir vereinbarten weitere Gespräche miteinander zu führen. Froh und erleichtert bin ich nach diesem Gespräch nach Hause gegangen.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Mein Weg
Verfasst: Sa 12. Nov 2022, 22:03
von petra0103
Liebe Magdalena,
es freut mich so sehr, dass das Gespräch so gelaufen ist. Nach Deinen letzten Schicksalsschlägen doch ein überaus positives Erlebnis. Vielen Dank für das Berichten.
Liebe Grüße
Petra
Re: Mein Weg
Verfasst: Do 24. Nov 2022, 16:50
von Magdalena
Hallo,
ich möchte berichten wie es bei mir weiter geht.
Nach dem das Gespräch so erfolgreich verlaufen ist, machte ich mir Gedanken, was ich noch für meinen Start ins Arbeitsleben benötige. Mittlerweile besitze ich ausreichend Damenkleidung. Und auf der Arbeit bekomme ich dann Dienstkleidung. Um aber jeden Tag glaubwürdig aufzutreten, benötige ich zwei gleiche Perücken. Was ich meine, Perücken besitze ich schon. Doch sie sind in unterschiedlicher Ausführung und Haarfarbe. Gerade wenn es mal wieder wärmer wird, werde öfters meine Perücken waschen müssen. Oder auch zum Aufarbeiten ins Perückenstudio bringen. Als Frau möchte ich schon auf mein Erscheinungsbild achten.
So vereinbarte ich einen Termin im Perückenstudio. Ein meiner anderen Perücken war da gerade zum Aufarbeiten. In dem Perückenstudio haben sie andere Möglichkeiten, als wie ich sie zu Hause habe.
Dann war es soweit. Über eine Stunde wälzten die Frisörin und ich Kataloge. Ich äußerte meine Vorstellungen nach Haarfarbe, Länge uns Schnitt. Die Frisörin machte sich Notizen. Am Ende der Stunde kamen so fast an die Acht Modelle in die engere Auswahl. Aber meine Frisörin meinte, diese Modelle in verschiedenen Farbvarianten zu ordern. Wenn alle Perücken eingetroffen sind, beginnt die eigentliche Arbeit. Ausprobieren, welche Perücke zu mir passt. Doch bevor ich das Studio verließ, machte die Frisörin noch einen Vorschlag. Ich soll probieren, ob ich einen Zuschuss von der Krankenkasse bekommen kann. Ich bräuchte dafür ein Rezept.
Nun ist aber mein erster Termin beim Psychologen erst im nächsten Jahr. Einzig, meine Hausärztin, welche mich schon sehr lange behandelt und auch meine Eltern behandelte, ist von mir über meine Transsexualität, ich schreibe es, weil es auch zur Begründung auf dem Rezept so steht, informiert. Ich schrieb schon, dass mich meine Hausärztin auf meinem Weg begleiten will. Also meiner Hausärztin schrieb ich eine Mail, mit dem Wunsch eines Rezeptes für Perücken. Noch am gleichen Tag hielt ich das Rezept in der Hand.
Doch noch war es nicht geschafft. Das Rezept muss noch von der Krankenkasse genehmigt werden. Eine Filiale meiner Krankenkassen kann ich gut zu Fuß erreichen. Und es war an diesem Tag die lange Öffnungszeit gewesen. Am Empfang muss Frau sich anmelden. Danach ging es in den Wartebereich. Dann wurde ich abgeholt., nicht von der Polizei, sondern vom Kundenberater der Krankenkasse. Nur wusste der Mann nicht, wie er mich aufrufen sollte. Denn laut Versicherungskarte bin ich noch immer männlich. Aber ich war ja in weiblichen Modus unterwegs. Der Mann entschuldigte sich, in dem er meinte das System sei gerade nicht abrufbar gewesen. eigenartiger Weise funktionierte es auch ganz plötzlich wieder. Ich denke eher, er wollte mich vor den anderen Wartenden nicht zwangsouten.
Am Beratungsplatz angekommen, erklärte ich mein Anliegen. Hier eine Entscheidung zu treffen lag nicht in der Kompetenz des Beraters. Doch er nahm mein Anliegen ernst. In meiner Anwesenheit telefonierte er mit der zuständigen Fachabteilung. Doch so schnell war noch keine Lösung zu erreichen. Der Berater scannte mein Rezept, auf dem die Diagnose Transsexualität F 64.0 vermerkt ist ein. Dazu schrieb er alles was wir besprochen hatten in eine Mail an den Fachberater. Das Ergebnis des Besuches war, ich werde am Freitag angerufen. Ehrlich rechnete ich nicht mit einer Zusage.
Doch ich sollte mich täuschen. Am Freitag gegen Mittag rief eine Dame von der Krankenkasse an. Zuerst hatte sie noch einige Fragen. Ich musste sie überzeugen, dass es mir Ernst ist, den Weg der Transition zu gehen. Am Ende dankte sie mir für das Vertrauen, welches ich ihr entgegengebracht habe. Auch weil ich sehr ausführlich über meinen bisherigen Weg berichtete. Und das Entscheidende, ich erhielt die Zusagen der Krankenkasse an der Beteiligung der Finanzierung der Perücken. später bekam ich die Zusage auch in einer Mail bestätigt.
Bald ist es soweit, dann sind die Perücken eingetroffen. Wir haben jetzt die Vorweihnachtszeit mit seinem besonderen Flair. Und es ist die Zeit der Wünsche an das Christkind. Und wenn es passt erlebe ich etwas eher die Bescherung. Denn mein Termin ist zu Sankt Nikolaus im Perückenstudio.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Mein Weg
Verfasst: Do 22. Dez 2022, 09:55
von Magdalena
Hallo liebe Forenmitglieder,
der Kalender macht Diät. Er wird immer dünner. Das Jahr geht zu Ende und Weihnachten

steht unmittelbar bevor.
Und ich möchte erstmal noch berichten, was sich seit meinem letzten Bericht so ereignete, positives wie negatives.
Da war in Dresden der Amoklauf. An dem Tag arbeitete ich nur wenige hundert Meter von einem der Tatorte entfernt. Es war ein beängstigend Gefühl. Auch weil ich wusste, einige Freundinnen und Freunde von mir planten den Striezelmarkt zu besuchen. Erleichterung, als ich alle telefonisch erreicht hatte und sie in Sicherheit wusste.
Dann war es soweit. Ich konnte meine neuen Perücken im Perückenstudio abholen. Und die Krankenkasse hat Wort gehalten und sich an den Kosten beteiligt. Da sich das Perückenstudio ganz in der Nähe befindet, wo auch der Amokläufer überwältigt wurde, war der Amoklauf noch Gesprächsthema.
Ich schrieb es hier bereits. Dieses Jahr habe ich meine Eltern an eine mächtigere Kraft verloren. So ist dieses Jahr das Weihnachtsfest ein anderes, als es in der Vergangenheit gewesen ist. Doch auch dass, was ich plante, musste ich von meiner Agenda streichen.
Seit dem 4. Advent kämpfe ich mit einer Muskelverzerrung ab dem Becken bis ins rechte Bein. Bis zum Ende des Jahres wurde ich jetzt arbeitsunfähig geschrieben. Jetzt zähle ich die Tage bis Neujahr. Bis dahin glaube ich wieder auf den Beinen zu sein. Und dann will ich in ein neues Leben starten.
In der ersten Januarwoche habe ich den ersehnten ersten Termin bei meiner Psychologin.
Ich schreibe dies alles vom Handy aus. Meine Geschichte aber liegt auf meinem PC. Und da kann ich derzeit nicht davor auf dem Bürostuhl sitzen. Somit muss die Geschichte noch etwas warten.
Ich möchte Euch ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest wünschen.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Mein Weg
Verfasst: Do 22. Dez 2022, 10:03
von Annette
Alles Gute, liebe Magdalena
Ich wünsche dir eine schnelle Besserung und ein besinnliches Weihnachtsfest, trotz all der Erfahrungen die du in diesem Jahr machen musstest. Und ein besonders schönes, neues Jahr!
Von ganzem Herzen,
Annette
Re: Mein Weg
Verfasst: Do 22. Dez 2022, 10:12
von Lea Michele
Liebe Magdalena,
auch von mir alles gute und ein besinnliches Weihnachtsfest und guten Rutsch ins neue Jahr,
trotz aller Wiedrigkeiten!
Liebe Grüße Lea Michele

Re: Mein Weg
Verfasst: Do 22. Dez 2022, 11:21
von Kerstin
Gute Besserung Magdalena.
LG Kerstin
Re: Mein Weg
Verfasst: Do 22. Dez 2022, 23:25
von elvira 2
Liebe Magdalena,
gute Besserung und ein gesegnetes Weihnachtsfest sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Wünscht dir aus der Lüneburger Heide
Elvira
Re: Mein Weg
Verfasst: Mo 26. Dez 2022, 01:16
von Salmacis
Ich bin gerade erst auf dieses Thema aufmerksam geworden. Vielen Dank, dass du schon so lange hier diesen Beitrag pflegst.
Ich wünsche dir gute Besserung und einen gesunden und schönen Start ins neue Jahr.
Re: Mein Weg
Verfasst: Mo 26. Dez 2022, 09:35
von petra0103
Liebe Magdalena,
ich möchte Dir gute Besserung wünschen und einen guten Rutsch ins neue Jahr
Liebe Grüße
Petra
Re: Mein Weg
Verfasst: Sa 31. Dez 2022, 12:22
von Magdalena
Hallo,
ein letztes Update von mir, für dieses Jahr.
Bevor dieses Jahr endgültig zu Ende ist, möchte ich mich noch ein Mal von mir berichten. Über die Weihnachtsfeiertage ist eine leichte Besserung meines Gesundheitszustandes eingetreten. eine leichte Besserung heißt aber auch, es ist noch immer nicht möglich wieder arbeiten zu gehen. So schrieb ich meiner Hausärztin eine Mail mit der Bitte zwischen den Feiertagen in die Praxis kommen zu dürfen. Ich durfte kommen.
Jetzt muss ich schreiben, die ersten beiden Termine, an denen ich auch arbeitsunfähig geschrieben wurde fanden außerhalb der Sprechzeiten per Telefon statt. Im Herbst outete ich mich meiner Hausärztin. Und sie stellte mir auch das Rezept für die Perücken aus.
Nun der erste offizielle Besuch in der Praxis als Frau Bastian. Und es war neu für mich. War ich doch viele Jahre als Mann in der Praxis gewesen. Gleich nach dem ich meine Versichertenkarte zum einlesen abgab, noch auf den männlichen Namen ausgestellt, wurde ich als Frau Bastian angesprochen. So ging es dann ins Wartezimmer. Als Frau Bastian rief mich nun die Ärztin ins Sprechzimmer. Zuerst musste ich mich ihr zeigen. Dafür nahm ich auch mal kurz die Maske, welche noch immer vorgeschrieben, ab. Und ich erntete ein Kompliment. Trug ich doch ein Kleid und meine neue , von meiner Hausärztin auf Rezept erhaltene, Perücke. Auch Make-up gehört für mich immer dazu, wenn ich das Haus verlasse. Meine Hausärztin merke sehr wohl, wie erleichtert ich mich jetzt fühle, als Frau leben zu wollen. denn es gehört noch viel mehr dazu als Kleider , Perücke und Make-up.
Dann die eigentliche Untersuchung. Das Positive, meine Gelenke sind in Ordnung. Nur das alte Problem mit meiner Wirbelsäule. Da ist der Auslöser meiner Beschwerden zu sehen. Was kann ich dagegen tun? Es kam die Frage auf , wie ich schlafe. Ich bin Seitenschläferin. Da erklärte ir meine Hausärztin, es hat mit dem Becken zu Lage mit der Wirbelsäule zu tun. Es ist die breite des Beckens. Dagegen kann ich mir beim Schlafen eine Decke oder eine Rolle zwischen die Oberschenkel legen. Es soll Entspannung bringen. Am selben Nachmittag telefonierte ich mit einer Freundin. Sie empfahl mit mal nach einem Seitenschläferkissen zu suchen. Was ich tat. Und ich wurde fündig. Dabei konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verbieten. Denn so ein Seitenschläferkissen wurde in dem Bereich für werdende Mütter angeboten. Auch als Stillkissen zu verwenden. Gut Stillen werde ich wohl nicht mehr. Doch ich bestellte mir so ein Kissen. Gestern ist es angekommen. Die erste Nacht schlief ich mit dem Kissen. Was soll ich schreiben, so gut schlief ich lange nicht mehr. Nun muss es nur noch mit meinem Becken besser werden.
So und an dieser Stelle möchte ich Euch einen schönen Silvesterabend und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Mein Weg
Verfasst: Mi 11. Jan 2023, 16:57
von Magdalena
Hallo,
bald sind die ersten beiden Wochen im neuen Jahr vorbei. Und noch immer bin ich nichtarbeitsfähig. doch es bahnt sich Hoffnung an. Und nächste Woche möchte ich wieder mit der Arbeit anfangen. Seit dem zweiten Januar bin in der Physiotherapie in Behandlung. Und es wird der Ursache meiner Schmerzen ordentlich der Kampf angesagt. Auch habe ich von meiner Therapeutin Hausaufgaben bekommen. Ja die Muskulatur war total verknotet. Wer hat da bloß die Knoten hineingemacht?
Zur Physiotherapie geht selbstverständlich Magdalena. Und da auf meiner Versicherungskarte leider noch mein männlicher Name steht, wurde ich höflich gefragt, wie ich angesprochen werden möchte. Keine Frage! So wird Frau Bastian zur Behandlung aufgerufen.
Dann war da noch der Termin auf meiner Sparkasse. Bei meiner Kundenberaterin ist es ganz entspannt. Ich lackierte mir meine Fingernägel in einem schönen Rot. Das fiel meiner Kundenberaterin sofort auf. Sie zeigte mir auch ihre dunkel lackierten Nägel. Wie Frauen so sind. Dann ging es um mein Anliegen. Das letzte Konto meiner Mutter konnte ich auflösen. Es ging reibungslos. Dann bedauerte meine Kundenberaterin, dass sie mein Konto noch nicht auf einen neuen Namen umschreiben kann. Von Seiten der Sparkasse wäre es mit meinem Ergänzungsausweis kein Problem. Nur besitze ich für meine Altersvorsorge noch eine Depot in Frankfurt. Und die spielen da nicht mit. Es wird auch mit steuerlichen Fragen, Geldwäsche, in Zusammenhang stehen.
Dann war endlich der von mir lange ersehnte Termin zur psychologischen Betreuung auf meinem Weg. Die Psychologin hatte mir ein Mädel vom Stammtisch in Dresden empfohlen. Da wo die anderen Mädels in Behandlung sind, bekam ich keinen Termin. Und nun gestern die Enttäuschung. Nach dem die Formulare in der Anmeldung ausgefüllt und abgegeben waren, wartete ich im Wartezimmer. Dann ging es ins Sprechzimmer. Die Therapeutin erzählte mir alles, was ich selbst längst wusste. Am Ende teilte sie mir mit, dass sie sich die Begleitung eines Transgenders auf seinen Weg nicht mehr antue. Bingo, das war's!
Recht deprimiert verließ ich die Praxis. Wenigstens hatte ich noch einen Termin bei meiner Freundin und Zahnfee zur Zahnreinigung. Sie hat mich erst mal in den Arm genommen und getröstet. Das tat gut. Sie kennt übrigens auch zufällig die Frau vom Stammtisch, die mir diese Therapeutin empfohlen hat. Dann erfolgte die Zahnbehandlung.
Anschließend wieder zu Haus rief ich meine Betreuerin von der Krankenkasse an. Sie bewilligte mir die Perücke. Und ich bat um Unterstützung. Auch wollte ich mitteilen, dass ich nicht weiterkomme. Nicht dass die Betreuerin denkt, ich möchte nur günstig zu einer Perücke und mir ist es nicht ernst, mit dem Weg zur Frau.
Später suchte ich das Internet ab, ob ich doch noch einen Therapeuten finde. Ich zählte nicht die Telefonate. Schrieb auch noch eine Mail. Dann dachte ich, aussichtslos. Da rief ich zwischendurch eine weiter Freundin an. Sie hatte Feierabend und wollte unbedingt wissen wie mein Termin ausgegangen ist. Da meldet mir mein Handy den Eingang einer Mail. Es war noch nicht die Zusage auf meine Mail. Aber im Anhang befand sich eine Suchmaske der Kassenärztlichen Vereinigung. Na einen Versuch habe ich noch. In der Suchmaske meine Suchkriterien eingegeben und dann auf Suchen gedrückt. Fünf Anbieter hat die Suchmaschine gefunden. Den bei mir am nächsten liegenden Therapeuten rief ich an. Und der Therapeut war selber am Telefon. Es folgte von mir eine kurze Vorstellung meines Anliegens. Der Therapeut wollte wissen ob ich deswegen schon in Behandlung sei. Ich erzähle von dem nicht so erfolgreichen Termin am Morgen. Und dann, ich glaubte nicht richtig zu hören. In rund zwei Wochen darf ich in die Praxis kommen. Ein Lichtblick! Da musste ich gleich nochmal die Freundin anrufen, und ihr diese Ergebnis mitteilen.
Heute nun meldete ich mich bei meinem Arbeitgeber. Einmal um mitzuteilen, das ich ab nächste Woche wiederkomme. Und dass ich noch den Arzttermin habe. Wir haben eine Lösung gefunden. Wenn auch nicht ganz so wie ich es mir vorgestellt habe. Noch muss ich im männlichen Modus zur Arbeit. Und mir bleibt wenig Zeit um als Magdalena in die Praxis zu gehen. Ich muss mir etwas einfallen lassen. Denn ich möchte glaubhaft erscheinen.
Viele lebe Grüße von Magdalena
Re: Mein Weg
Verfasst: Mi 1. Feb 2023, 12:17
von Magdalena
Hallo,
inzwischen war ich bei dem Psychologen. Und ich bin ein wenig gespalten. Doch mehr werde ich dazu in dem von mir im geschlossenen Bereich zu gegebener Zeit schreiben. Nur so viel, er hat mit den Vorschlag unterbreitet an einer Gruppentherapie teilzunehmen. Ob es der richtige Ansatz ist wird sich herausstellen. Nächste Woche habe ich noch einen Termin bei dem Psychologen, um die Einzelheiten meiner Teilnahme zu besprechen. Auch ich habe dazu noch viele Fragen. Wie läuft so eine Gruppentherapie ab? Was ist, wenn sich diese Art der Therapie, sich als nicht für mich geeignet herausstellt? Dann ist da noch die Zeit, in der die Gruppentherapie stattfindet. Es gibt da eine Überschneidung mit meiner Arbeitszeit. Mit meinem Arbeitgeber sprach ich das Thema bereits an. Doch ob es immer so aufgeht, ist eine anderer Frage.
Dann kämpfe ich noch immer mit den Beschwerden im Becken. Die Muskelschmerzen sind mal weniger stark, um am nächsten Tag mit voller Kraft zu sagen, hier sind wir wieder. Deswegen habe ich noch Physiotherapie. Am Abend bin ich dann meist froh, wenn ich es über den Tag geschafft habe.
So fehlte ich im Januar auch beim Stammtisch. das fand ich sehr schade. Doch einen Abend auf den Stühlen sitzen, ich hätte es nicht ausgehalten. Zu Hause kann ich mich in meinen Wohlfühlhausmantel packen . Dann kann ich eine bequeme Position auf dem Sofa einnehmen und ein Wärmekissen auf die schmerzende Stelle legen. Langsam spüre ich aber eine leichte Besserung. Dennoch muss ich mich noch etwas schonen. Bewegung ist zwar gut, aber noch darf ich es nicht übertreiben. Da frage ich schon mal die Kollegen, ob sie den einen oder anderen Handgriff für mich erledigen. Gerade das Bücken stellt mich noch vor Herausforderungen.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Mein Weg
Verfasst: Mi 1. Feb 2023, 12:34
von Anne-Mette
Liebe Magdalena,
ich wünsche dir gute Besserung
Manchmal ist es wichtiger, sich erst zu kurieren und dann wieder aktiv zu werden.
Eine "Wohlfühlposition" ist unterwegs schlecht einzurichten.
Eine Gruppentherapie kann in mnachen Fällen ganz gut sein; es kommt aber auf die Gruppe und die anleitende Person an, die darauf achten muss, dass alle zu Wort und zu ihrem Recht kommen.
Allerdings besteht bei sensiblen Menschen die Gefahr, dass sie die Probleme der anderen Teilnehmenden an sich heran kommen lassen und dass die Gruppe eher eine Belastung sein könnte.
Ein zwiespältiges Gefühl hatte ich auch bei einer Trauergruppe.
Alles Liebe und Gute
Anne-Mette