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Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 15. Aug 2017, 12:38
von Nobbi56
Hallo Anna Marie und alle hier im Forum (moin)

nachdem ich mir den ganzen thread durchgelesen habe, meldete ich mich extra hier an, um auch etwas beizutragen. Denn obwohl ich selbst mich - als reiner "Fetisch-CD" und "ewiger Single" - anders als viele andere hier in einer kommoden Position befinde, weil ich gar kein Bedürfnis verspüre, mich auch in der Öffentlichkeit als Frau zu zeigen, macht mich diese Geschichte doch sehr betroffen.

Anna Maria, hast Du schon einmal überlegt, evtl. nicht gleich die Ehe aufzulösen, sondern erst einmal für eine gewisse Zeit "auf Abstand" zu gehen und getrennt zu leben? Das ist natürlich nicht zuletzt eine ökonomische Frage für Euch beide, weil zwei Haushalte zu führen immer teuer ist als einen gemeinsamen. Aber wenn es finanziell machbar wäre, würde ich Dir raten, Dir eine eigene kleine Wohnung zu suchen (sei bloß froh, dass Du nicht in Berlin lebst! :wink: ), die Ehe aber erst einmal "formell" bestehen zu lassen, auch um Deiner Frau die Ängste vor den (finanziellen) Folgen einer Trennung zu nehmen. Ihr könnt ja trotzdem, auch mit der Familie, regelmäßig etwas Gemeinsames unternehmen wie Ausflüge etc. Aber durch den räumlichen Abstand bekommen beide "Parteien" Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen und über alles nachzudenken. Und Du kannst vor allem auch ungestört Deine sexuelle Identität ausleben.

Ich kann einerseits Deine Frau verstehen, dass es ihr schwer fällt, sich mit Deiner neuen sexuellen Identität abzufinden. Wenn plötzlich der (Lebens-)partner vom Mann zur Frau "mutiert", ist das nicht nur ein momentaner Schock (den man ja mit der Zeit überwinden kann), sondern stellt natürlich schon die Basis einer (heterosexuellen) Beziehung radikal in Frage. Manche Menschen können mit so etwas besser umgehen als andere, das muss man akzeptieren.

Andererseits kann es niemals gesund sein, dauerhaft seine sexuelle Identität unterdrücken zu müssen, das muss früher oder später nicht nur die seelische, sondern über somatische Folgewirkungen auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigen. Und eine Beziehung nur um den Preis der Gefährdung des seelischen und körperlichen Wohls aufrecht zu erhalten, kann niemals eine valide Option sein, so schmerzlich auch der Prozess der Trennung für alle Beteiligten sein mag.

Aber es ist ja nun nicht so, dass es eine Bestandsgarantie für irgendeine Ehe gäbe! In D kommen 40 Scheidungen auf 100 Ehen, das ist doch 'ne stattliche Menge, und in den allermeisten Fällen dürfte der Grund dafür nicht in der geschlechtlichen Identität eines Partners liegen, sondern weil man sich schlicht auseinander gelebt hat. Das kann man sogar evolutionsbiologisch erklären, denn die für das Bindungsgefühl verantwortlichen Hormone werden nach einigen Jahren nicht mehr in gleichenm Umfang wie in der Phase der größten Verliebtheit produziert. Letztlich soll - vom Standpunkt der Evolution aus betrachtet - die Partnerschaft nur so lange andauern, bis der Nachwuchs selbständig ist und nicht mehr auf die Betreuung der Eltern angewiesen ist. Das klingt zwar alles ziemlich unromantisch, aber so ist halt die Natur... :o

Wichtig wäre aus meiner Sicht vor allem, dass keiner von Euch sich irgendwelche Schuldgefühle einredet! Für seine sexuelle Identität und Orientierung kann niemand etwas, und umgekehrt ist es wie gesagt auch nicht für jede/n zumutbar, mit der "Umorientierung" seines/ihres Partners klar zu kommen! Das ist beides menschlich und es wäre absolut "kontraproduktiv", diese ohnehin schon missliche Situation mit gegenseitigen oder auch Selbst-Vorwürfen zu überfrachten, emotional aufzuladen und dadurch noch schlimmer zu machen! Natürlich soll man Gefühle auch nicht über Gebühr unterdrücken, da sie zur Persönlichkeit gehören - aber es ist ratsam, sich in einer Krisensituation davon nicht übermannen zu lassen, weil eine ausschließlich gefühlsgelenkte Verhaltensweise selten zur Konfliktlösung führt. Das ist ähnlich wie mit der Angst: Sie ist ein guter Selbstschutz, aber sich von ihr lähmen zu lassen kann im Zweifel ungut enden...

Letztlich scheint Deine Transition zur Frau unumkehrbar, so dass sich aus meiner Sicht nur noch die Frage stellt, ob Deine Frau fähig (und willens) ist, die Ehe unter veränderten Rahmenbedingungen (wenn man so sagen kann) fortzuführen, oder ob es auch für sie besser wäre, einen harten, aber sauberen Schnitt in ihrer Biografie vorzunehmen, denn eine Trennung böte ja auch für sie die Chance auf einen Neuanfsang. Und nicht zu vergressen: eine Scheidung ist kein Todesfall, man ist nicht aus der Welt, es gibt nicht wenige Ex-Ehepartner, die nach der Trennung zu einem freundschaftlichen Verhältnis gefunden haben, auch wenn das jetzt etwas trivial anmuten mag. Aber so ein "Cut" hat am Ende auch für beide etwas Befreiendes und ermöglicht, das Verhältnis zum Ex-Partner neu zu definieren und unverkrampfter zu gestalten als zuvor. Und Kinder ab einem gewissen Alter kommen damit in aller Regel auch ganz gut klar, wenn ihnen die Situation "auf Augenhöhe" erklärt wird.

Nun ja - keine(r) hier im Forum kann Dir/Euch die Last, die Ihr beide tragen müsst, abnehmen! Es mag aber etwas helfen zu wissen, dass das Forum eine Plattform zum Gedankenaustausch und sich "von der Seele reden" bietet, aber bestenfalls kann hier "Hilfe zur Selbsthilfe" geleistet werden. Wie gesagt: ich weiß, dass es unendlich viel leichter ist, anderen etwas "vom grünen Tisch" zu empfehlen als es in eigener Person umzusetzen, aber Ihr solltet beide versuchen, die (negativen) Emotionen möglichst außen vor zu lassen und soweit wie es geht "nüchtern" überlegen, welcher Weg für Euch beide der beste ist!

Klar, als Außenstehender hat man immer "gut reden" und kann ohne jede eigene Betroffenheit aus der Ferne kluge Ratschläge geben :roll: - aber meine Lebenserfahrung lehrt mich, dass je schwieriger eine Lebenssituation und je ernster eine Krise ist, desto wichtiger ist es auch, möglichst "kühlen Kopf zu bewahren" und sich nicht gefühlsmäßig aufzureiben! Das Allerwichtigste wäre aus meiner Sicht, nicht über Schuld, Fehlverhalten (weder eigenes noch das anderer!) usw. nachzugrübeln, das zieht einen nur noch weiter runter! Eine Erkennttnis ist m. E. für Euch beide essentiell: An der Situation, wie sie eingetreten ist, ist NIEMAND Schuld, weder Du noch Deine Frau noch sonst wer! Das ist sozusagen "höhere Gewalt". Niemand hat versagt, niemand ist gescheitert, niemand hat "es vergeigt": Denn NIEMAND sucht sich seine sexuelle Identität - auch eine lange Zeit "schlafende" und erst spät im Leben "erwachende" - nach Belieben aus, das "kommt über einen" ob mann/frau will oder nicht, so dass es "nur" noch darum gehen kann, diese Tatsache als gegeben und unveränderlich anzuerkennen und möglichst rational damit umzugehen, ohne sich selbst oder anderen durch seelische Verletzungen, Vorwürfe etc. zu schaden!

Ich kann jetzt nur hoffen, dass es Deiner Therapeutin gelingt, Deine Frau von dieser Einsicht zu überzeugen, auch wenn ich wie gesagt schon nachvollziehen kann, dass es auch für sie alles andere als leicht sein mag, mit dieser unerwarteten und wohl auch "schockierenden" Wende in ihrem Leben zurecht zu kommen - allein, Du bist auf (D)einem Weg, der keine Umkehr ermöglicht, und diese Einsicht ist für alle Betroffenen "alternativlos". Nichts wäre sinnloser und schädlicher, als sich länger dagegen sträuben zu wollen. Es muss jetzt darum gehen, dieses Schicksal eigenverantwortlich zu gestalten und nicht, sich ihm hilflos ausgeliefert zu sehen. Das gilt für Dich wie für Deine Frau gleichermaßen, mMn.

Halte uns bitte auf dem Laufenden, wie es weitergeht!

Alles Gute für heute von mir
Nobbi )))(:

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 15. Aug 2017, 13:51
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Nobbi,

schön dass Du etwas hier schreibst. Ich bin auch weitgehend der gleichen Meinung, nur eine Erfahrung lehrte mich etwas anderes. Du schreibst:
je ernster eine Krise ist, desto wichtiger ist es auch, möglichst "kühlen Kopf zu bewahren" und sich nicht gefühlsmäßig aufzureiben!
Ich weiß nicht, ob ich Dich richtig verstanden habe, aber die rationale Bearbeitung einer Krise ist nur ein Aspekt. Die Gefühle sind ein anderer, nicht weniger hilfreiche Möglichkeit zu Lösungen zu kommen. Wut, Trauer, Ärger sind Anzeiger für die eigene innere Betroffenheit. Wer es schafft, an dieser Stelle inne zu halten und nach den eigenen Ursachen zu forschen, wird i.d.R. auch fündig. Prallen z.B. eigene Wertvorstellungen auf Einflüsse aus der Außenwelt zusammen, entstehen innere Konflikte. Die Folge sind Emotionen, z. Wut. Das ist der Hebel, wie man an die eigenen Konflikte heran kommen kann. Auf dieser Basis kann ich entscheiden, wie ich mit dem Problem umgehen will. Vielleicht stecken in der Erziehung Wertvorstellungen oder Ereignisse, die für einen selber zunächst nicht erschlossen werden konnten und deshalb nicht hinterfragt werden konnten.

Beispielsweise könnte ein dominanter Vater seine Tochter unbewusst so beeinflusst haben, dass ihre Vorstellung eines "Optimalmannes" möglichst diesem Bild ähnelt. Kommt diese auf einmal mit einem Transwunsch daher, bricht eine Welt zusammen. Möglicherweise wendet sich die Frau unreflektiert von dem Mann ab, vielleicht setzt sie sich aber auch mit ihm auseinander und forscht nach, warum die Emotionen in ihr so stark waren. Sie könnte z.B. erkennen, dass es blinde Flecken in ihrer Wahrnehmung des Vaters gab. So hat er evtl. die Mutter respektlos behandelt. Sie kann erkennen, dass das ein Aspekt ist, den sie sich an ihrem Mann nicht wünscht. Sie könnte erkennen, dass ihr Mann den Macho nur gespielt hat, der ihr ja wegen der "blinden Flecken" entgangen war, weil er sein Trans-Dasein kaschieren wollte. Jetzt ist auf beiden Seiten eine neue Situation entstanden, aber vor allem ist sie jetzt ein Stück weiter gekommen. Sie wird sich nie wieder einen Macho suchen. Er tut ihr nicht gut.

Mit dieser Erkenntnis wird die Beziehung neu ausgelotet. Egal ob man zusammen bleibt oder nicht, man weiß in jedem Fall, warum eine Entscheidung so ausfällt, wie sie ausfällt. Man ist nicht mehr Opfer seiner "dunklen Flecken". Verstand und Emotion müssen zusammen eingesetzt werden, um aus einer Krise etwas Fruchtbares werden zu lassen. Deshalb ist der Blick auf den Partner immer erst der zweite Blick. Der Erste gilt einem selber.

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 15. Aug 2017, 14:31
von Nobbi56
Liebe Vicky_Rose,

Deinem Fazit
Verstand und Emotion müssen zusammen eingesetzt werden, um aus einer Krise etwas Fruchtbares werden zu lassen. Deshalb ist der Blick auf den Partner immer erst der zweite Blick. Der Erste gilt einem selber.
stimme ich uneingeschränkt zu (yes)

Mir ging es nur darum, dass die "emotionale" Seite einer (Lebens-)Krise niemals so dominant sein sollte, dass sie einer konstruktiven Problembewältigung entgegen steht. Um ein krasses Beispiel zu nennen: Es ist wichtig, der Trauer ihren Tribut zu zollen, wenn man den Verlust eines geliebten Menschen zu beklagen hat. Aber so wie es eine Zeit der Trauer geben muss, muss es auch eine Zeit des Neubeginns und der Überwindung geben. Es gibt aber Menschen, die niemals über die Phase der Trauer hinwegkommen, und das ist schade, weil sie sich damit all' ihrer positiven Möglichkeiten entsagen. Auch wenn das "Tal der Tränen" sehr tief ist, man muss von dort irgendwann wieder heraufsteigen.

Es ist auch klar, dass Anne-Marie zuvörderst ihren eigenen Weg gehen muss. Die Rücksichtnahme auf andere ist wichtig, darf aber nicht zur Selbstlähmung führen. Da aber die Ehefrau hier nicht zu Wort kommt, empfinde ich es als fair zu versuchen, auch ihren Standpunkt und ihre "Nöte" nachzuvollziehen, ohne freilich die Erkenntnis zu verleugnen, dass jede/r zu allererst für sich selbst verantwortlich ist.

Ich verstehe Dich dahingehend, dass die Befassung mit der eigenen emotionalen Betroffenheit und den eigenen - auch zunächst negativ anmutenden (wie z. B. Wut) - Gefühlen letztlich dazu dienen soll, um durch Selbstreflexion einen neuen, geweiteten Blick auf die Situation zu gewinnen und für sich daraus einen Ausweg aus der Krise zu eröffnen. Damit gehe ich völlig konform! Die Frage ist allerdings: sind Menschen immer in der Lage, so "konstruktiv", nahezu "analytisch" mit ihren Gefühlen umzugehen? Oft schlägt Wut in blinden Hass, Aggression oder gar Gewalt (gegen sich und/oder andere) um, dann wirken nicht "beherrschte" Gefühle destruktiv. Oder man kommt eben nie aus der Traurigkeit heraus und verfällt in eine nie endende Depression, weil man für sich keinen Ausweg erkennt. Und vor solchen "emotionalen Sackgassen" wollte ich warnen.

LG N.

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 15. Aug 2017, 15:10
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Nobbi,

dem stimme ich zu. Aber auch die Depression ist für mich letztlich auch nur ein (heftiges) Warnzeichen des Körpers, dass etwas nicht stimmt. Es ist sozusagen der "Schmerz des Gemüts".

Eine Emotion kann überwältigend sein und zu entsprechenden Reaktionen führen. Das muss nicht schlimm sein, kann aber Porzellan zerschlagen. Man findet bestenfalls den Weg zurück. Du nennst es Beherrschung, ich nenne es Entscheidung. Es ist ein bewusster Akt, ob ich auf Dauer in der Emotion hängen bleibe. Das klingt im ersten Moment etwas widersinnig, weil es Menschen manchmal nicht schaffen. Aber wie will man sonst da heraus kommen ?

Weglaufen ?

Man nimmt immer alles mit, was einen selber betrifft.

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 15. Aug 2017, 22:55
von ExuserIn-2019-12-20
Hallo Nobbi und Vicky (moin)

Erst einmal danke für die ausführlichen Antworten.

Ich mache es kurz:

Meine Frau wird ein keinster Weise den Weg mit gehen.
Sollte ich mit der HET anfangen, sind wir getrennte Leute. Geschieden dann im Anschluss auch.
Sie möchte, jetziger Stand, auch keinen! Kontakt nach der Trennung, uns verbindet zb kein Kind.

In vielen Gesprächen haben wir uns unsere Wünsche, Gefühle und alles was dazu gehört geäußert.

Sie ist seit fast zwei Jahren immer ein und der selben Meinung.

Das ist ja mitunter auch ein Grund, warum mir eine Trennung schwer fällt/fiele.
Jedoch weiß ich, dass ich doch, wenn sich die Gefühle nicht ändern, eines Tages leide gehen muss.

Nochmals danke und liebe Grüße (smili)

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Mi 16. Aug 2017, 07:04
von ExUserIn-2026-04-08
Sie ist seit fast zwei Jahren immer ein und der selben Meinung.
...
Jedoch weiß ich, dass ich doch, wenn sich die Gefühle nicht ändern, eines Tages leide gehen muss.
Bist Du Dir sicher, dass Du den Zeitpunkt erkennen kannst, wann es soweit ist ? Oder besteht die Gefahr, dass Du in Deiner Hoffnung stecken bleibst, es könne sich etwas ändern ?

Ich habe meine Ehe damals über 10 Jahre weiter geführt, ohne die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Es war meine Frau, die dann irgendwann soweit war und sich einen Anderen gesucht hat. Die Gründe waren andere als bei Dir, aber die Augen habe ich kräftig zu gemacht. Es waren in vielerlei Hinsicht verlorene Jahre. Besser wäre gewesen, damals deutlich zu machen, dass wir uns jetzt bewegen müssen oder die Trennung einzuleiten. Das Verharren auf den Positionen bringt niemanden weiter, sondern nur Leid ohne Ende. Wo soll denn eine Lösung her kommen ?

So wie ich das sehe, wird sich eine von Euch bewegen müssen, damit wieder Bewegung in Eure Ehe kommt. Ihr könnt nicht die Probleme lösen, wenn Ihr seit Jahren immer das Gleiche macht. Das muss keine Trennung sein. Und wenn Du Dich nicht bewegst, wird es wahrscheinlich Deine Frau sein, die Dich irgendwann verlässt. Ich war damals sehr plötzlich in dieser Situation: viele Jahre habe ich passiv gewartet und dann hat meine damalige Frau mich vor vollendete Tatsachen gestellt. Daran bin ich mit Schuld, weil ich nichts getan habe, um die Situation zu verbessern.

Welches sind die Punkte, an denen es für Dich kein vorbei gibt ? Kennt sie Deine Frau ? Kann sie damit leben ? Welche Konsequenzen kannst Du daraus ziehen ? Lassen sich Kompromisse oder vielleicht sogar Lösungen finden, mit denen beide gut leben können ? Macht es Sinn zu warten oder ist vielleicht besser gleich zu handeln ? Und wenn handeln, wie ?

Das sind für mich einige Fragen, die Du für Dich selber eigenverantwortlich und ehrlich beantworten musst, wenn Du aktiv an der Problemlösung arbeiten willst. Was hörst Du tief in Dir drin ?

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Mi 16. Aug 2017, 07:29
von SteffiVau
Hallo Anna Marie,

in meiner Ehe lief es vor einigen Jahren nicht gut.
Wir zofften uns nur noch, meine Frau wollte die Scheidung. Viele Gespräche u.a. mit Eheberatung und Psychologen verliefen erfolglos. Sie hatte keine Gefühle mehr für mich, ich habe sie nur noch "angekotzt".
Ich bin dann ausgezogen, weil es einfach nicht mehr ging, hatten aber, auch aus finanziellen Gründen, keine Scheidung gestartet. Der Druck war raus, jeder lebte "sein eigenes Leben".
Nach einigen Monaten hatten wie beide neue Partner, die Jungs waren regelmäßig bei mir, alles war entspannter geworden. Das Verhältnis zu meiner Frau wurde zunehmend besser, freundschaftlich...

Nach gut einem Jahr hatten wir uns als "Scheidungsfamilie" eingespielt. Irgendwann kamen bei meiner Frau die Gefühle zu mir langsam wieder. Wir trafen uns zum Kaffee, gingen später zusammen essen, haben viel ungezwungen geredet. Alle Themen, die ein Jahr zuvor Hasspotential hatten konnten wir ungezwungen und mit Abstand betrachten. Verletzte Eitelkeit, Zurückweisungen, Missverständnisse, wir konnten all die Verletzungen der Vergangenheit aufarbeiten, uns neu kennen lernen. Nach all den Jahren Zoff und Hass hätte ich Haus und Hof verwettet, dass diese Trennung endgültig ist. Das ganze ist jetzt 10 Jahre her und wir sind seit 8 Jahren wieder zusammen, viel aufmerksamer als vorher, wir sind glücklich.

Der komplette Schnitt hat uns beiden gut getan, jeder konnte ungezwungen in sich selber gehen, es gab keinen Druck, niemand hat etwas verlangt. Sehr gut war dabei, dass es in der Phase keine Anwälte gab, die wollen immer nur "Dein Bestes" und bringen oft den Funken in die ohnehin schon explosive Luft, von dem mit verbrannten Geld ganz zu schweigen. Aus Erfahrung kann ich Nobbis Argumentation nur unterstützen.

Einen Patienten mit Herzkammerflimmern kann man nicht wiederbeleben, er muss zuerst mit dem Defi "getötet" werden um neu starten zu können. Erst dann hat derjenige überhaupt eine Chance zu überleben.
Mit dokumentierter Trennung, sprich Wohnungs- u. Adresswechsel, wird das Trennungsjahr gestartet, auch ohne anwaltlichen Segen. Wenn nach Düsseldorfer Tabelle der Unterhalt regelmäßig freiwillig gezahlt wird, kann nach 2 Jahren die Scheidung formell vollzogen werden.

Ich denke an Dich
Steffi

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Mi 16. Aug 2017, 12:40
von ExUserIn-2026-04-08
Mit dokumentierter Trennung, sprich Wohnungs- u. Adresswechsel, wird das Trennungsjahr gestartet, auch ohne anwaltlichen Segen. Wenn nach Düsseldorfer Tabelle der Unterhalt regelmäßig freiwillig gezahlt wird, kann nach 2 Jahren die Scheidung formell vollzogen werden.
Das geht aber auch schneller. Das Trennungsjahr ist kein Zwang. Bei mir waren es ca. 18 Monate von Trennung bis Scheidung. Man kann übrigens auch das Trennungsjahr noch in der gemeinsamen Wohnung leben.
Anwälte gab, die wollen immer nur "Dein Bestes" und bringen oft den Funken in die ohnehin schon explosive Luft,
Das kann ich nur unterschreiben. Durch Anwälte hat sich das Scheidungsverfahren um mindestens 6 bis 10 Monate, das spätere Unterhaltsverfahren um ca. 1-2 Jahre verlängert.

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Mi 16. Aug 2017, 15:57
von Nobbi56
Anna Marie hat geschrieben: Di 15. Aug 2017, 22:55
Hat sich denn Deine Frau überhaupt schon einmal ernsthaft - will sagen: neugierig und vor allem vorurteilsfrei - mit der ganzen Thematik Trans-/Intersexualität, Geschlechtsangleichung etc. befasst und informiert?

Fast würde ich meinen, es wäre gut, wenn SIE einmal dieses Forum besuchen würde, um diesbezüglich Ihren Horizont zu erweitern!

Wenn sie sich so kategorisch gegen eine Weiterführung der Ehe/Beziehung/Partnerschaft mit Dir sträubt, gibt es für mich zwei mögliche Gründe: Entweder, sie ist strikt auf eine heterosexuelle Lebensgemeinschaft fixiert und etwas anderes als ein "100%-Mann" (obwohl wir ja wissen, dass es biologisch/medizinisch so etwas gar nicht gibt :lol: ) kommt ihr nicht ins Haus. Gut, das müsste man dann akzeptieren und eine Trennung jedenfalls "von Tisch und Bett" wäre - dann wohl auch dauerhaft - unvermeidlich.

Oder aber - und darauf will ich hinaus - ihre negative Haltung beruht mehr auf einem "diffusen Unbehagen" und weil ihr ein Mann, der irgendwann im Leben seine "wahre" sexuelle Identität entdeckt, aus reiner Unkenntnis der gesamten (zugegeben sehr komplexen) Materie schlicht unheimlich ist. Man kennt das ja: das, was mir fremd und unbekannt anmutet, lehne ich erst einmal instinktiv ab. In so einem Fall könnte man mit Aufklärung und beharrlicher Sensibilisierung vielleicht noch einen Gesinnungswandel herbeiführen und die Partnerschaft am Ende womöglich retten - denn Deine Frau mag zwar einen EheMANN verlieren, kann dafür aber eine "gute Freundin" gewinnen! Das setzt natürlich voraus, dass frau - im Ergebnis ihrer neu gewonnenen Erkenntnisse und Einsichten - innerlich bereit ist, diesen "Spurwechsel" mit zu vollziehen und die bisherige "konventionelle" Ehe in eine "Partnerschaft 2.0" zu überführen zwischen einer Bio- und einer Transfrau bzw. einer Frau, die einmal ein Mann war.

Es mag vl. sehr grausam und kaltherzig klingen, aber wenn ich Deiner Frau jetzt gegenüber säße, würde ich sie fragen: ganz ehrlich, wäre es Ihnen lieber, wenn Ihr Ehemann einen tödlichen Unfall erlitten hätte? Dann müssten sie für immer und ewig auf seine Gegenwart, seine Zuneigung, seinen Trost in schlimmen Zeiten und seine Empathie verzichten! Aber alles das - und viel mehr - bliebe Ihnen erhalten, wenn sie seine "neue Identität" akzeptieren und Ihre Partnerschaft neu definieren würden! Und wer weiß, vielleicht profitieren beide Akteure davon am Ende sogar mehr als es vor diesem Umbruch möglich war? Oder, im Umkehrung einer vielzitierten politischen Maxime: ANNÄHERUNG DURCH WANDEL!

Okay
: You, you may say I'm a dreamer. But I'm not the only one. I hope someday you will join us. And the world will be as one


Aber was wäre Menschsein ohne Träume :D

LG N.

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Do 17. Aug 2017, 10:22
von ExuserIn-2019-12-20
Guten Morgen (moin)

Erneut danke für eure Worte, Erfahrungen und Anregungen.

Liebe Steffi, ob es bei uns ähnlich kommen würde, kann ich jetzt nicht sagen.
Bei uns ist die Stimmung ähnlich explosiv.
Gestern Abend erst hat es leider mal wieder ordentlich geknallt :(
Jetziger Stand ist aber ebend, basierend auf ihrer Aussage, nach der Trennung keinen Kontakt etc.

Nobbi,

Wahrlich könnte es Unkenntnis bzw mangelndes Interesse meiner Frau sein.
Ich habe öfter mal versucht, ihr Gedankengut anzustupsen, aber sie mag einfach nicht.
Es ist schade aber auch das ist zu respektieren.
Ob ihr der Austausch in einem Forum was bringen würde?
Mag sein.
Das müsste sie aber wollen.
Sie ist bis zu einem gewissen Grad offen und hat mich auch oft unterstützt, so nicht.
Trotzdem gehen unsere Vorstellungen leider weit auseinander.

Vicky,

Natürlich "klammere" ich mich auch ein bisschen an die Hoffnung, die stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Ich habe gehofft das sie doch mehr zulassen könnte.
Ich habe gehofft das ich nur ne Phase habe und bald wieder normal bin.
Ich habe gehofft das sich die Depressionen in Luft auflösen.
Und ich habe noch so viel weiteres gehofft.

Nichts ist davon eingetreten, auch weil ich keine Kraft habe, iwas zu ändern.
Spielt der Faktor Angst auch eine Rolle? JA!
Ich habe vor so vielem Angst.
Also dachte ich, wie in dem Lied gesungen: lieber Wolke 4 mit ihr (dir) als unten wieder ganz allein.
Tja, das ging auch kräftig in die Hose.

Lg,

Anna

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Do 17. Aug 2017, 10:50
von Anja
Moinsen,

von außen betrachtet sieht so etwas immer ganz einfach aus. Es gibt zwei Möglichkeiten. Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende.
Ich habe vor etlichen Jahren auch eine Beziehung noch über 3 Jahre aufrecht erhalten, die eigentlich schon vorbei war. Das hat uns beiden nicht gut getan. Wir hatten uns ständig in den Haaren. Aber ich hatte mich halt für Schrecken ohne Ende entschieden.
Wenn deine Partnerin alles weitergehende in Richtung Frau ablehnt, dann musst du dich entscheiden.
Wie Einstein so schön gesagt hat: "Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert."

Ich weiß, leicht gesagt... Aber so ist es nun mal. Irgendwann bist du an dem Punkt an dem du bereust, nicht früher was getan zu haben. Ich werde dich dann an heute erinnern. :wink:

Grüße
die Anja

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Do 17. Aug 2017, 17:21
von Nobbi56
Anna Marie hat geschrieben: Do 17. Aug 2017, 10:22
Ich habe gehofft das ich nur ne Phase habe und bald wieder normal bin.
In solchen Kategorien solltest Du nicht denken, das ist kontraproduktiv!

Was Norm(al) ist und was nicht, ist immer eine Frage der (gesellschaftlichen) Konvention! Das wissen wir doch alle spätestens seit dem legendären

https://de.wikipedia.org/wiki/Nicht_der ... er_er_lebt

Der Titel ist programmatisch und gilt letztlich nicht nur für LSBTIQ, sondern für allen Menschen, die irgendwie von der "Norm" abweichen, aus welchen Gründen auch immer. Jedenfalls, so lange von diesen Abweichungen keine Gefahr für andere ausgeht.

Es ist völlig irrelevant, welche sexuelle Identität der "Rest" der Menschheit hat - maßgebend ist zu allererst und allein, welche sexuelle Identität DU als Deine "wahre" empfindest! Welche Konsequenzen sich daraus für Dich und Deine Umgebung ergeben können, ist eine zweite Frage, die aber niemals am Anfang stehen sollte!

Und da verfüge ich leider über kein Expertenwissen, wie Du zu der sicheren Erkenntnis über Deine "wahre" sex. Identität gelangen kannst (über eigenes "Bauchgefühl" hinaus), das sollte m. E. Aufgabe und Leistung Deiner Therapeutin sein. Aber mein Eindruck ist schon eher (aus dem bisherigen thread), dass Dein Weg vom Mann zur Frau ein unumkehrbarer zu sein scheint.

Wenn dem so sein sollte, hast Du aber eben nur zwei Alternativen (wie schon mehrfach beschrieben): Du kannst versuchen, gegen Deine "eigentliche Bestimmung" (nämlich als Frau) zu leben, aber ob das psychisch und auch psycho-somatisch gut gehen kann - ich habe da meine Zweifel :? . ODER Du ziehst die gebotenen Konsequenzen und gestaltest Dein Leben neu als (Trans-)frau - dieser Übergang wird wahrlich nicht einfach werden, aber DASS es geht und Erfolg haben kann, dafür stehen ja zahlreiche positive Beispiele hier im Forum :)

Wenn dadurch Deine bisherige Ehe trotz aller Rettungsversuche als ultima ratio "geopfert" werden muss - wahrlich nicht schön, aber womöglich unvermeidbar. Aber wie gesagt wäre meine Empfehlung, es wenn möglich erst einmal mit einer Zeit lang getrennt leben (d. h. zunächst noch ohne Scheidung) zu versuchen, sofern Deine Frau damit einverstanden wäre (d. h. wohl Du müsstest ausziehen und Dir eine eigene (Zweit-)Wohnung suchen.)
Ich habe vor so vielem Angst.
Verständlich, aber Herausforderungen sind dazu da, sie zu überwinden, oder?

Kennst Du die Geschichte von den zwei Fröschen, die in ein Fass Milch fallen? Nein? Also:

Zwei Frösche fallen in ein Fass Milch.
Der eine denkt sich: Sch***e, ich kann nicht schwimmern, und geht unter.
Der Andere denkt sich: "Sch***e, ich kann nicht schwimmen, aber ich will nicht untergehen. Und strampelt so lange, bis er auf einem Berg Butter sitzt... :mrgreen:

FANG' AN ZU STRAMPELN!!!

LG N.

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Mo 6. Nov 2017, 11:30
von ExuserIn-2019-12-20
Hallo ihr Lieben,

Ja, es ist mal wieder eine ganze Weile vergangen seit dem letzten Post.
Was gibt es zu berichten?

Zu allererst kann ich sagen, das meine Stieftochter jetzt auch Bescheid weiß.
Es war ein Freitag, wieder Streit und meine Frau meinte, es wird an der Zeit das es M. auch wissen sollte, WESWEGEN wir uns immer streiten.
Sie hat es neutral aufgefasst, sagte nur, wieso wir denn nichts vorher gesagt hätten.
Das Thema ist aber weiterhin im Hintergrund.
Die Tochter hat eine Bekanntschaft im www, ihr Alter, diese Person ist FtM.
Da holt sie sich wohl ein paar Infos.

Zwischen meiner Frau und mir ist es weiterhin mal so mal so.
Es gibt gute und schlechte Tage.
Gestern vor einer Woche konnte ich nach langer Zeit endlich wieder Ich sein.
Und meine Frau hatte auch diesmal keine Probleme mich "im Outfit" in den Arm zu nehmen.
Sie sagte nur im Anschluss das sie doch den männlichen Part lieber mag.
Hm.

Ja.....
Und vor einer Weile sagte sie mal zu mit, es ging mir nicht so gut.
" es ist mir schon fast egal ob Du Männlein oder Weiblein bist, Hauptsache dir geht es gut und du fühlst dich besser".

Die Arbeit stresst mich auch immer mehr!
Und vor 3 Wochen war ich in einer Klinik, für eine stationäre Behandlung.
Vermutlich werde ich spätestens Anfang nächsten Jahres eine mehrwöchigen Aufenthalt in Angriff nehmen.

Ansonsten ist wie immer, der ganz normale Wahnsinn^^

So long und Lg,

Anna

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Sa 23. Dez 2017, 16:28
von ExuserIn-2019-12-20
Hallo liebe Lesende (n),

Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr (snow) (yes) (smili)

Auf das 2018 ein tolles Jahr für jeden wird :)p

Lg,
Anna (moin)

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Sa 23. Dez 2017, 16:55
von Theresa-Annalena
Hi Anna,

auch hier nochmal alles Gute für Dich und das sich Deine Situation 2018
im positiven Sinne für Anna entwickelt. Wie Dein Tread sagt, es ist ein schwieriger
Weg - aber (auch wenn es etwas abgedroschen klingt) die Hoffnung stirbt zuletzt.

GLG Tessa.