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Re: Mein Weg
Verfasst: Mi 7. Sep 2022, 22:14
von Juliane
Liebe Magdalena.
Denke immer daran: " Aus den vielen großen und kleinen Steinen, die einem das Leben in den Weg legt,
kann man auch prima, über die Hindernisse hinweg, eine Brücke bauen".
In diesem Sinne, Kopf hoch und die Ärmel aufgekrempelt

, du schaffst das schon.
Liebe Grüße die Elbe hinauf, Juliane
Re: Mein Weg
Verfasst: Mo 3. Okt 2022, 15:38
von Magdalena
Hallo,
es ist schon wieder länger her, seit ich von mir berichtet habe. Und es sind leider nicht nur schöne Dinge in dieser Zeit passiert. Zum einen hat mich Corona heimgesucht. Was aber nur das kleinste Übel war. Nach dem ich Corona überstanden hatte, ging ich vor meinem Urlaub, welchen ich dringend nötig hatte, wieder arbeiten.
Nebenbei besuchte ich immer wieder meine Mutti im Pflegeheim. Deshalb nutzte ich auch mein Auto um schneller bei meiner Mutti zu sein. Mit dem ÖPNV dauert die Anreise unendlich Lange. Das Pflegeheim liegt in einer Stadt am Rande von Dresden. Und so fand ich an einem Mittwoch einen Zettel an der Frontscheibe meines Autos. Da berichtete mir ein Zeuge, wie er gesehen hat, dass ein anderes Fahrzeuge beim Ausparken mein Auto beschädigt hat. Der Zeuge notierte sich auch das Kennzeichen. Aber wenigstens kann ich mit meinem Auto noch fahren. Denn in den geplanten Urlaub ging es mit dem Auto nach Nordhessen. Doch soweit bin ich noch nicht. Mit Begeisterung rief ich die Polizei, um den Unfall mit Fahrerflucht zu melden. Ja der Verursacher hat sich aus dem Staube gemacht. Mit Warten und Unfallaufnahme sind schnell drei Stunden vergangen.
Zu Hause suchte ich mir eine Anwältin, zum Glück habe ich Verkehrsrechtsschutz. Die Höhe des Schadens sollte ich durch ein Gutachten für die Polizei belegen. Die erste Woche meines Urlaubes war ich noch zu Hause. Erst in der zweiten Urlaubswoche war der Aufenthalt in Nordhessen geplant.
Und eigentlich wollte ich in der ersten Woche etwas in der Wohnung erledigen. Doch daraus wurde nichts. Am Montag war schon ein Termin bei einer Ärztin in meinem Terminkalender. Es ging um meine Mutti. Deren Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Aus diesem Grunde hatte ich auch Vorkehrungen getroffen, für den Fall, es passiert etwas während meiner Abwesenheit mit meiner Mutti. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht ahnen, dass es richtig war diese Vorkehrungen zu treffen. Dazu gehörte es für mich bei unserem Bestattungsunternehmen Vollmachten zu erteilen. An einem andern Tagen stand noch ein Termin bei meiner Rechtsanwältin an. Ich möchte meinen Schaden an meinem Auto ersetzt bekommen. Noch muss ich mich in Geduld üben. Auch besuchte ich meine Mutti jeden zweiten Tag im Pflegheim. Am Freitag vor meiner Abreise verabschiedete ich mich von meiner Mutti, in dem ich ihr sagte, "Nächten Sonntag komme ich wieder vorbei." Doch dazu sollte es nicht mehr kommen.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Mein Weg
Verfasst: Mo 3. Okt 2022, 16:02
von Malvine
Liebe Magdalena,
du schreibst es nicht ausdrücklich, aber ich wünsche dir viel Kraft um mit dieser nun endgültigen Situation zurecht zu kommen. Bewahre die guten Erinnerungen an einen lieben Menschen in deinem Herzen!
Fühle dich in den Arm genommen und gedrückt...
Malvine
Re: Mein Weg
Verfasst: Mo 3. Okt 2022, 16:24
von Olivia
Liebe Magdalena,
ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sich diese Situation anfühlt...
Ich wünsche Dir viel Kraft und vor allem auch, dass Du trotzdem alsbald wieder positiv in die Zukunft sehen kannst.
Ich bin in Gedanken die Dir!
Viele liebe Grüße von
Olivia
Re: Mein Weg
Verfasst: Mo 3. Okt 2022, 16:29
von Magdalena
Hallo,
und jetzt der Anfang des Berichtes von meinem Urlaub in Nordhessen.
Sonnabend, der Tag an dem ich zu meiner Freundin nach Nordhessen fuhr. Wir hatten uns eine Ferienwohnung gemietet. Den Koffer tat ich schon am Vortag in mein Auto, welches in der Garage stand. Frühstücken wollte ich unterwegs. So brauchte ich nur noch meine Handtasche nehmen. Für die Fahrt wählte ich ein Kleid. Bevor ich also nun auf die Autobahn auffuhr, machte ich bei einem Bäcker einen Halt. Für mich bestellte ich ein leichtes Frühstück bestehend aus einem großen Kaffee und einem Croissant. Und für den Nachmittagskaffe mit meiner Freundin nahm ich noch etwas Kuchen mit.
Auf der Autobahn das leidliche Thema Baustellen, einmal leitete mich mein Navi über Landstraßen weiter. Es gab in einer Baustelle einen Unfall. Und dann waren auch kurz vor meinem Ziel einige Straßen gesperrt. Ich musste meinem Navi blind vertrauen, wo es mich langführte. Doch dann erreichte ich unsere Ferienwohnung. Meine Freundin Gina war schon eher angekommen. Mein Auto war schnell ausgeräumt. Und bei Kaffee und Kuchen planten wir, was wir an diesem Tag noch unternehmen. Bad Wildungen ist nicht weit entfernt. So spazierten wir durch den Kurpark. Und das Wetter schien auf unserer Seite zu sein.
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In der Wandelhalle mussten wir von der Heilquelle probieren. Wie es schmeckt? Wer mal in der Nähe ist kann es ja mal probieren. Zumindest ist es leicht salzig. Weiter sahen wir uns in dem Kurpark um. Bis wir endeckten, der Himmel zieht sich zu. Noch vor dem großen Regenguss erreichten wir unser Auto. Wir überlegten uns, wo wir zu Abend essen können. Dazu suchten wir leider zu Anfang vergebens, wo wir unser Auto parken können. Doch meine Freundin wusste noch ein Lokal. Das Essen war gut und reichlich. Da in unserer Ferienwohnung der Handyempfang nicht der Beste war, telefonierte ich von hier mit dem Pflegeheim meiner Mutti. Ihr Gesundheitszustand war unverändert. Selber telefonieren mit meiner Mutti war nicht möglich. Ichbrachte ihr zwar eine Telefon ins Heim. Doch konnte meine Mutti das Telefon nicht mehr bedienen. Über das Pflegepersonal lies ich Grüße ausrichten. Den Abend beendeten wir bei einem Glas Wein in unserer Ferienwohnung.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Mein Weg
Verfasst: Mo 3. Okt 2022, 17:32
von Magdalena
Hallo,
hier ist der Bericht von unserm zweiten Urlaubstag.
Sonntagmorgen! Urlaub in einer Ferienwohnung bedeutet sich morgens das Frühstück selber zuzubereiten. Dafür hat jede von uns etwas mitgebracht. Gina aber brachte etwas mehr mit, da sie eine kürzere Anfahrt hatte. Bei mir wäre sicher einiges im warmen Auto ungenießbar angekommen. Eine Kühlbox wollte ich nicht unbedingt vorher kaufen. Wer zuerst fertig mit der Morgendusche war bereitete schon mal unser Frühstück vor. Und jeden Morgen der Blick aus dem Fenster. Wie wird das Wetter. Nicht immer ist auf den Wetterbericht Verlass. Es sollte ein regnerischer Tag werden.
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Wir wollen nach Kassel. Da ist wieder die Documenta. Viel war schon in den Medien davon berichtet worden. Da Gina sich hier auskennt, ist sie an diesem Tag gefahren. Wir stellen das Auto in einer Tiefgarage ab. Zunächst brauchten wir Eintrittskarten. Wir fanden Container. Doch da war es nur möglich Taschen und andere Dinge zur Aufbewahrung abzugeben. Man teilte uns mit, wir könnten Online Tickets erwerben. Mit meinem Handy mache ich aber ungerne Transaktionen. Blieb nur die Suche nach einem normalen altmodischen Stand, an dem nicht nur Beratung sondern auch Tickets erhältlich sind. Wir sind fündig geworden.
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Documenta, wir kommen. Vieles was hier ausgestellt wurde, erschließt sich nicht gleich mit dem ersten Blick. Manchmal auch nicht mit dem Zweiten. Und es ist so viel, da braucht Frau einfach mehr Zeit, als wir eingeplant hatten. Und so viele Eindrücke müssen verarbeitet werden. Das geht am besten bei einem guten Essen. Wir suchten uns ein kleines feines Lokal, welches typisch hessische Küche anbietet. Und mit etwas Glück bekamen wir noch einen freien Tisch.
Für den Abend hatten wir noch eine Verabredung. Gina trug dafür die Verantwortung. Außerhalb von Kassel trafen wir uns mit zwei andern Mädels in Braunatal. Nach einem kurzen Spaziergang kehrten wir in einem urigen Lokal ein. Es folgte eine kurzes Kennenlernen. Und schon gab es kein Halten mehr. Viele interessante Gespräche folgten. Dabei vergaß ich im Pflegheim anzurufen. Denn es war schon dunkel, als wir uns verabschiedeten. Vor uns lag noch eine kurze Autofahrt bis zu unserer Ferienwohnung.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Mein Weg
Verfasst: Mo 3. Okt 2022, 18:22
von Anne-Mette
Liebe Magdalena,
ich denke an dich und wünsche dir Kraft, durch die schwere Zeit zu kommen.
Es ist ein ganz anderer Abschied von deiner Mutter geworden; aber du wirst ihr trotzdem nahe sein und nahe bleiben.
Viele liebe Grüße
Anne-Mette
Re: Mein Weg
Verfasst: Mo 3. Okt 2022, 20:04
von Juliane
Liebe Magdalena.
Ein wenig kann ich mir vorstellen wie es dir gerade jetzt ergeht. Du fühlst dich mies, weil du deine Mutter
zum Schluss nicht mehr besucht hast. Da ist irgendwie, zusätzlich zu all der Trauer, ein Gefühl etwas falsch
gemacht zu haben, etwas wichtiges versäumt zu haben.
Doch wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, für den endgültigen Abschied? Und auch wenn du nicht in
den Urlaub gefahren wärest, ....... hättest du bei ihr sein können? Oder wäre sie gestorben, als du gerade aus
dem Pflegeheim nach Hause gefahren wärest?
Mein Vater hatte seinerzeit am Nachmitag noch Besuch, hat diesen allerdings wohl schon nicht mehr bewußt
völlig mitbekommen. Und kaum waren wir alle wieder Zuhause kam der Anruf. Die Pflegerin hat versucht es
so zu erklären: "Manche Menschen wollen scheinbar allein sein, um dann loslassen zu können."
Trotzdem denke ich an Dich und wünsche dir Kraft, dass alles nun tragen zu können.
Und wie immer, liebe Grüße die Elbe hinauf, Juliane
Re: Mein Weg
Verfasst: Fr 7. Okt 2022, 11:17
von Magdalena
Hallo,
ich berichte jetzt von einem Tag aus meinem Urlaub mit Gina, welcher mein Leben verändern wird. Weil danach nichts mehr so sein wird, wie es war.
Montag, da haben viele Einrichtungen Ruhetag. Ein weit verbreitetes Phänomen. Außer da wo es Tiere zu bestaunen gibt. So ist unser Ziel für diesen Tag Sababurg mit seinem Tierpark. Das Wetter für diesen Tag ist mit Regen verbunden. Also nehmen wir Regenfeste Kleidung mit. Und ein Schirm für die Not ist leicht zu tragen. Voller Freude auf ein Naturerlebnis starten wir in den Tag. Ein Tag, welcher für mich noch eine unerfreuliche Botschaft im Gepäck hatte. Doch dazu später mehr. Heute war ich mit fahren an der Reihe. Meine Auto meldete mir auf der Fahrt, ich solle den Reifendruck überprüfen. So ging es unterwegs zur Tankstelle. An der ersten Tankstelle war aber nichts zu finden, um den Reifendruck zu prüfen. Also weiter bis nach Kassel zu nächsten Tankstelle . Da gab es die Möglichkeit Luft zu pumpen . Bei der Gelegenheit gleich noch den Tank auffüllen, und weiter ging die Fahrt. Davor machte ich noch einen Anruf im Pflegeheim. Am Vortag vergaß ich es. Die Pflegerin berichtete mir, meine Mutti hat heute ihre Medikamente verweigert. Ich nahm es nicht so dramatisch, weil ich es noch kannte, als ich meine Mutti zu Hause pflegte. Meist konnte ich ihr später die Medikament doch noch geben.
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Es waren wenige Besucherinnen und Besucher , welche in den Tierpark wollten. In einige Anlagen war das Betreten erwünscht. Wir machten davon natürlich Gebrauch. Von der Größe des Tierparks war ich sehr angetan. Und es wurde fast eine kleine Wanderung, wenn Frau alles sehen möchte. So wunderte es nicht, dass wir am Ende unseres Besuches in der zum Tierpark gehörenden Gasstätte unser Mittagessen einnahmen. In dieser Zeit setzte ein mächtiger Regenschauer ein. Dagegen half uns auch nicht unsere Kleidung. Und Einkaufen für unser morgendliches Frühstück wollten wir auch noch. So ging es zurück nach Kassel. Nach unserm kleinen Einkauf war noch Zeit für ein Kaffee.
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Als wir Kassel verließen, ließ auch der Regen nach. Unsere Ferienwohnung war bald erreicht, Da klingelte mein Telefon über die Freisprecheinrichtung meines Autos. Eine Pflegerin aus dem Pflegeheim rief an. Es war gegen achtzehn Uhr. Meine Mutti sei vor wenigen Minuten für immer eingeschlafen. Sie warteten noch auf einen Arzt. Dann würde das Beerdigungsinstitut benachrichtigt. Dann kam die Frage, ob ich meine Mutti noch einmal sehen wolle. Gerne hätte ich Abschied von meiner Mutti genommen. Doch zwischen dem Pflegeheim und meinem Urlaubsort lagen vierhundert Kilometer. Diese Strecke zu dem Zeitpunkt zu fahren, war ich nicht in der Lage. Mir bereitete es große Anstrengungen jetzt die letzten Meter zu unserer Ferienwohnung zu fahren.
Dann in der Ferienwohnung funktionierte ich nur noch. Es gab einige wichtige Telefongespräche zu führen. Meine Freundin Gina kümmerte sich liebevoll um unser Abendbrot und um mich. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Mein Weg
Verfasst: Fr 7. Okt 2022, 11:43
von Anne-Mette
Liebe Magdalena,
hier noch einmal und ausdrücklich: herzliches Beidleid!
Freud und Leid liegen oft dicht beieinander - und in der Freude kommt eine nicht unerwartete, aber alles verändernde Nachricht.
Alles Liebe und Gute
Anne-Mette
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Re: Mein Weg
Verfasst: Fr 7. Okt 2022, 12:09
von Annette
Liebe Magdalena
Ich wünsche dir mein aufrichtiges Beileid.
Und auch alles Gute an dich in dieser Zeit...
Annette
Re: Mein Weg
Verfasst: Fr 7. Okt 2022, 12:43
von Fen
Liebe Magdalena,
Mein Beileid und viel Kraft in dieser schweren Zeit.
Fen
Re: Mein Weg
Verfasst: Fr 7. Okt 2022, 15:06
von Lea Michele
Hallo Magdalena,
mein aufrichtiges und herzliches Beileid und einmal toll
Liebe Grüße Lea Michele
Re: Mein Weg
Verfasst: Fr 7. Okt 2022, 17:26
von Magdalena
Hallo
und Danke für die lieben Beileidsgrüße. Die Beerdigung meiner Mutti ist nun eine Woche her.
Neben der Trauer kommt jetzt meine Achterbahn der Gefühle. Die Betreuung und Pflege meiner Eltern ist jetzt weggefallen. Mir bleibt mehr Zeit für mich. Was ich über die Jahre unterdrückt habe, bahnt sich ihren Weg.
Ganz ohne Hilfe werde da nicht herauskommen. Der Ausgang ist offen. Ich möchte mich nicht unter Druck setzen.
In eineinhalb Wochen habe ich einen regulären Termin bei meiner Hausärztin. Da werde ich alles was mich bedrückt auf den Tisch legen. Ich denke auch an einen Therapeuten.
Dann entscheidet sich, wohin mein Weg mich führt.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Mein Weg
Verfasst: Fr 7. Okt 2022, 17:30
von Anne-Mette
Auch Trauergruppen können helfen; allerdings haben viele keine "professionellen Anleiterinnen und Anleiter", sondern werden von Ehrenamtlichen geleitet.