Kapitel 56: HET ja oder nein?
"Dein passing als Frau ist bereits jetzt wirklich gut, Valerie" sagte Alice dann noch, als sie sie aus der kurzen aber herzlichen Umarmung entließ, und blickte ihrer Freundin dabei geradewegs in die Augen, um das Gesagte noch einmal zu bekräftigen. Das war er, der Satz, auf den Valerie so sehr gewartet hatte. Sie lächelte und war innerlich plötzlich ganz zufrieden. Sie freute sich umso mehr, als es Alice war, die ihr neues weibliches Erscheinungsbild gelobt hatte, denn Alice log nicht, sie war eigentlich immer ehrlich zu ihr gewesen, und so konnte Valerie eigentlich ausschließen, dass ihr die Freundin nur nach dem Mund redete, denn leere Komplimente und Schönrednerei waren noch nie die Sache von Alice gewesen.
"Bereits jetzt" so hatte sich die Freundin ausgedrückt, "bereits jetzt ist dein passing mehr als akzeptabel".
Valerie verstand, was das bedeutete. Bereits jetzt gehst du wirklich gut als Frau durch, also auch ohne Hormone und Hormonblocker zu schlucken und andere medizinische Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen. Aus Furcht vor versteckten Nebenwirkungen hatte sie ihr bisheriges weibliches "coming out" ja die ersten Wochen und bis hierher völlig ohne Hormone versucht, wobei man aber klar sehen muss, dass ihr Haar- und Bartwuchs immer noch "männlich" geblieben war, das heißt, ohne die tägliche scharfe Rasur und ohne ihre Bob-Perücke konnte sie ihr Spiel als Frau nicht spielen. Auch die Stimme war eher männlich geblieben, worin ebenfalls immer auch ein kleines Risiko lag, "entdeckt" zu werden, oder die Gefahr, dass eben beim Gegenüber irgendwelche seltsamen Fragen auftauchten.
"Meinst du, ich gehe wirklich problemlos als Frau durch?" fragte Valerie dann nochmals, und ihr Gesichtsausdruck zeigte, sie war noch nicht ganz überzeugt.
Alice nickte beruhigend und sagte dann, sie habe in der Abteilung bis heute noch überhaupt nichts Kritisches über das neue Erscheinungsbild der Kollegin gehört, es gebe also keinerlei Gerüchte und kein dummes Gerede bei den Kollegen auf der Etage.
Und im Übrigen habe sich ja Direktor Schmidt bereits sehr klar geäußert in dieser Sache.
Valerie war trotzdem noch nicht ganz überzeugt und brachte nach einiger Zeit von sich aus das Thema von Hormongaben ins Gespräch und sagte, sie habe schon einmal darüber nachgedacht, sich einer Hormon-Ersatztherapie zu unterziehen, diese HET sei doch jetzt überall im Gespräch. Und zwar wollte sie demnächst darangehen, mit kontrollierten Hormonblockern ihre restlichen Probleme, sprich Bartwuchs und Kopfhaare angehen und gleichzeitig ihren ganzen Körper weiter umbauen und weiter verändern. Zwar ließ sie ihr natürliches blondes Kopfhaar inzwischen bereits mehrere Monate wachsen, aber ihren leidigen Bartwuchs kriegte sie noch nicht unter Kontrolle, sie musste sich immer noch täglich mindestens einmal rasieren. Und wenn abends dann Ausgehen angesagt war, musste vorher nochmals nachrasiert werden.
Alice kam auf sie zu und wollte das mit dem Bartwuchs prüfen, wandte ein, ihr sei noch nie ein besonders starker Bartwuchs an der Freundin aufgefallen. Sie fasste ihr mit einer Hand ans Kinn und prüfte.
"Kaum etwas zu spüren. Auch nichts an den Wangen". Sie strich über Valeries Wangen und schüttelte den Kopf.
Valerie war erleichtert, Klar, sie von war von Natur aus immer blond und hellhäutig gewesen, und deshalb war auch der Bartschatten an Kinn und Hals nur gering ausgeprägt. Aber sicherlich, Hormonblocker würden helfen und damit hätte sie das kleine Bartproblem auf jeden Fall besser unter Kontrolle. Also, sie würde diese Tabletten unter ärztlicher Aufsicht nehmen müssen und wahrscheinlich auch eine ganze Zeit lang, dann würde man weitersehen. Aber, so sagte sie auch zu sich, es wäre bestimmt kein sehr weiter Weg zu gehen mit dieser Hormontherapie, denn auch früher war sie kein besonders "männlicher" Mann gewesen, das heißt ihr Körper war immer schmal gewesen, die Muskulatur relativ schwach, die Arme recht kurz und die Hände klein.
Und was ihren Penis betraf, so war dieses "Problem" ebenfalls relativ unbedeutend für ihr neues Leben als Frau, so dachte sie bei sich selbst. Aus ihrer früheren Beziehung mit Erica war ihr klar geworden, dass ihr männliches Teil eher als unterentwickelt gelten konnte. Auf jeden Fall schien es, wenn sie an Ericas Äußerungen dachte (und sie hatte ja damals mit Erica durchaus auch Sex gehabt, und nicht nur einmal) so war dieser Penis sowieso nicht besonders prominent ausgebildet. Den würde sie, wie sie es bisher auch machte, immer irgendwie wegpacken können, der war ihr noch nie im Weg gewesen, wenn sie früher, zu ihren Crossdresser-Zeiten, en femme nach draußen gegangen war, also dieses Schwänzchen war ihr kleinstes Problem, man konnte es (mit etwas gutem Willen) fast noch als vergrößerte Klitoris durchgehen lassen.
Bliebe noch ihr weiblicher Busen, und dem musste sie durch die geplante HET auf jeden Fall noch ein klein wenig auf die Sprünge helfen. Wie bekannt, besaß sie ja seit Jahren zwei kleine natürliche Brüste, die in einer kleinen Büstenhebe oder auch in einem Bügel-BH der Körbchengröße A oder B, je nach BH-Hersteller, recht gut Platz fanden. Nur war hier natürlich noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, d.h. ihre Wünsche und Vorstellungen als Frau waren damit noch nicht voll erfüllt. Hier sollte die HET vor allem Abhilfe schaffen, so Valeries Plan, denn hier war noch einiges nachzuholen. Schließlich wollte sie nicht noch weitere Jahre lang mit ihren alten Silikoneinlagen -kissen oder auch mit kompletten Silikonbrüsten im BH herumlaufen, die zwar alle ganz hübsch und reizvoll aussahen, aber wie wir alle wissen, doch auch ein paar ärgerliche Nebenwirkungen haben können, beispielsweise verrutschen sie immer, sie halten nicht gut, bleiben nicht dort, wo sie hingehören oder sie fallen auch mal raus, so wie Valerie das beim Joggen schon passiert ist. Und im Sommer, wenn die Temperaturen steigen, schwitzt Frau auch sehr damit, das muss leider gesagt werden.
Soviel für heute, wie ihr seht, schaut Valerie trotz allem ganz positiv in die Zukunft.
Wir sehen uns wieder am kommenden Mittwoch, 29. November, mit dem neuen Kapitel 57
Lieben Gruß, Eure Valerie
