Re: Andrea — meine Erlebnisse
Verfasst: Fr 29. Aug 2014, 00:22
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24.8.2014
Endlich mal wieder ein Andrea-Tag! Ich hatte mir einen Ausflug nach Rochlitz vorgenommen. Die Kleinstadt etwa 30 km nördlich von Chemnitz ist neben dem Rochlitzer Schloss vor allem durch die Steinbrüche bekannt, in denen seit Jahrhunderten mit dem Rochlitzer Porphyr ein begehrter Baustoff gefördert wird.
Genaugenommen war das wieder mal ein Ausflug, den ich seit Jahren geplant, aber als Mann nie umgesetzt habe. Jetzt war die Situation natürlich ganz anders. Ich trug heute mein blau-schwarzes figurbetontes Kleid, blaue Strumpfhosen, schwarze Pumps und darüber einen schwarzen Blazer.
Auf dem Weg zum Bahnhof stellte ich mir schon die bange Frage, wie wohl meine Exfrau nach dem dramatischen Outing vor drei Wochen reagieren würde, wenn sie mir jetzt über den Weg liefe. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert, war an diesem Sonntagvormittag sehr gering.
Das Rochlitzer Schloss, welches in den vergangenen Jahren umfassend restauriert wurde, ist vom Zentrum der Stadt aus in etwa 10 Minuten zu Fuß erreichbar. Bereits gegen 10 Uhr, als gerade geöffnet wurde, war ich da. Leider fand eine Führung erst gegen 12.30 Uhr statt. So entschloss ich mich, das Schloss erst einmal auf eigene Faust per Audioguide (elektronischer Museumsführer) zu erkunden.
Die Ausstellung war nicht uninteressant, aber diese "Führung" hat mich enttäuscht. Erklärt wurden die Bauweise und Geschichte des Schlosses sowie die ursprüngliche Nutzung und Details zu Rekonstruktion einzelner Räume. Die ausgestellten Objekte, vorrangig zur regionalen Wirtschafts- und Kulturgeschichte, fanden dagegen keine Erwähnung und hatten auch mit den Räumlichkeiten in der Regel nichts zu tun.
Beim Abnehmen des Audioguide verrutschte meine Perücke ein wenig. Ich konnte sie zwar gleich wieder geraderücken, aber die Frau an der Kasse hat dadurch wahrscheinlich mitbekommen, dass meine Haare nicht echt sind. Inwiefern sie oder andere Museumsbesucher(innen) gemerkt haben, dass ich als Ganzes nicht "echt" bin, konnte ich wieder einmal nicht erkennen.
Nachdem ich gegen 12 Uhr meinen Rundgang etwas enttäuscht beendet hatte, verspürte ich den Wunsch, noch die "richtige" Führung mitzumachen. Bei dieser sollte es ja um die Ausstellungsstücke gehen, allerdings nur in der aktuellen Sonderausstellung. Die Zeit bis dahin reichte gerade noch, um die Petrikirche gleich neben dem Schloss zu besichtigen.
Zu der Führung hatten sich schließlich etwa 15 Leute eingefunden. Diese sollte uns "Starke Frauen", so der Titel der Sonderausstellung, näherbringen. Das Ganze ging für meine Begriffe zwar etwas zu sehr ins Detail, aber der Grundgedanke kam doch klar rüber: (Starke) Frauen haben den Lauf der Geschichte nicht unwesentlich mit beeinflusst, nur wurden diese von den (männlichen) Geschichtsschreibern meist totgeschwiegen. Der Bogen spannte sich dabei von der Zeit der Reformation bis in die Gegenwart.
Lustig fand ich einige Plakate zum Thema Gleichberechtigung: Männer mit einem gewissen (lokalen) Bekanntheitsgrad, die es zu etwas gebracht haben, waren im weiblichen Outfit abgebildet. Darunter der Satz: "Welche Karriere hätte "¦ (Name) als Frau gemacht?"
Nachdem ich so wieder einiges dazugelernt hatte, bekam ich allmählich Hunger. Ich ging zurück ins Stadtzentrum, von wo aus ich mit dem Bus auf den Rochlitzer Berg fahren konnte. Zwischendurch blieben gerade noch 10 Minuten Zeit, um noch einen Blick in die Kunigundenkirche zu werfen — ein fast perfektes Timing.
Auf dem Gipfel der Berges, mit 353 m der höchsten Erhebung im Erzgebirgsvorland, befindet sich neben einem Aussichtsturm eine Gaststätte. Klar, dass ich letztere zuerst ansteuerte. Das Essen hatte sehr gut geschmeckt und das bei moderaten Preisen! Jetzt ging es hoch hinaus. Von der Aussichtsplattform bot sich ein eindrucksvoller Blick auf die Landschaft vom Erzgebirge bis in die Leipziger Gegend. Wieder zu ebener Erde ließ ich mir ein Erinnerungsfoto machen:
Der Aussichtsturm, vor dem das Foto entstand, ist übrigens, wie könnte es anders sein, aus Rochlitzer Porphyr gebaut. Dieses vulkanische Tuffgestein mit seiner charakteristischen rot-braunen Färbung wird hier seit Jahrhunderten abgebaut und hat insbesondere bei historischen Gebäuden nicht nur in Sachsen weite Verbreitung gefunden. Vor einigen Jahren wurde um den Rochlitzer Berg ein Porphyrlehrpfad angelegt. Auf diesem 2,7 km langen Rundweg sind an 15 Stationen historische Zeugen des Porphyrabbaus und dessen Weiterverarbeitung zu sehen. Leider fehlen an den meisten Stationen Informationstafeln, sodass es sinnvoll ist, vorher an einem Informationsstand eine entsprechende Broschüre zu erwerben.
Ich hatte zur Besichtigung etwa 2 Stunden Zeit. Das sollte auch mit Absatzschuhen kein Problem sein. Die Zeit reichte sogar noch für einen Kaffee und Kuchen, als ich auf dem Rundweg erneut an der Gaststätte vorbeikam.
Zuletzt, so gegen 18 Uhr, konnte ich mich noch ein paar Minuten auf eine Bank setzen und warten, bis mein Bus kam. Ich nutzte die Gelegenheit, meine Schuhe ein wenig sauberzumachen. Etwas vom Waldboden hatte sich doch daran abgesetzt, obwohl der größte Teil des Weges über befestigten Untergrund ging.
Auch auf dem Heimweg bin ich meiner Exfrau nicht begegnet. So konnte ich diesen Andrea-Tag zu Hause gemütlich ausklingen lassen.
24.8.2014
Endlich mal wieder ein Andrea-Tag! Ich hatte mir einen Ausflug nach Rochlitz vorgenommen. Die Kleinstadt etwa 30 km nördlich von Chemnitz ist neben dem Rochlitzer Schloss vor allem durch die Steinbrüche bekannt, in denen seit Jahrhunderten mit dem Rochlitzer Porphyr ein begehrter Baustoff gefördert wird.
Genaugenommen war das wieder mal ein Ausflug, den ich seit Jahren geplant, aber als Mann nie umgesetzt habe. Jetzt war die Situation natürlich ganz anders. Ich trug heute mein blau-schwarzes figurbetontes Kleid, blaue Strumpfhosen, schwarze Pumps und darüber einen schwarzen Blazer.
Auf dem Weg zum Bahnhof stellte ich mir schon die bange Frage, wie wohl meine Exfrau nach dem dramatischen Outing vor drei Wochen reagieren würde, wenn sie mir jetzt über den Weg liefe. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert, war an diesem Sonntagvormittag sehr gering.
Das Rochlitzer Schloss, welches in den vergangenen Jahren umfassend restauriert wurde, ist vom Zentrum der Stadt aus in etwa 10 Minuten zu Fuß erreichbar. Bereits gegen 10 Uhr, als gerade geöffnet wurde, war ich da. Leider fand eine Führung erst gegen 12.30 Uhr statt. So entschloss ich mich, das Schloss erst einmal auf eigene Faust per Audioguide (elektronischer Museumsführer) zu erkunden.
Die Ausstellung war nicht uninteressant, aber diese "Führung" hat mich enttäuscht. Erklärt wurden die Bauweise und Geschichte des Schlosses sowie die ursprüngliche Nutzung und Details zu Rekonstruktion einzelner Räume. Die ausgestellten Objekte, vorrangig zur regionalen Wirtschafts- und Kulturgeschichte, fanden dagegen keine Erwähnung und hatten auch mit den Räumlichkeiten in der Regel nichts zu tun.
Beim Abnehmen des Audioguide verrutschte meine Perücke ein wenig. Ich konnte sie zwar gleich wieder geraderücken, aber die Frau an der Kasse hat dadurch wahrscheinlich mitbekommen, dass meine Haare nicht echt sind. Inwiefern sie oder andere Museumsbesucher(innen) gemerkt haben, dass ich als Ganzes nicht "echt" bin, konnte ich wieder einmal nicht erkennen.
Nachdem ich gegen 12 Uhr meinen Rundgang etwas enttäuscht beendet hatte, verspürte ich den Wunsch, noch die "richtige" Führung mitzumachen. Bei dieser sollte es ja um die Ausstellungsstücke gehen, allerdings nur in der aktuellen Sonderausstellung. Die Zeit bis dahin reichte gerade noch, um die Petrikirche gleich neben dem Schloss zu besichtigen.
Zu der Führung hatten sich schließlich etwa 15 Leute eingefunden. Diese sollte uns "Starke Frauen", so der Titel der Sonderausstellung, näherbringen. Das Ganze ging für meine Begriffe zwar etwas zu sehr ins Detail, aber der Grundgedanke kam doch klar rüber: (Starke) Frauen haben den Lauf der Geschichte nicht unwesentlich mit beeinflusst, nur wurden diese von den (männlichen) Geschichtsschreibern meist totgeschwiegen. Der Bogen spannte sich dabei von der Zeit der Reformation bis in die Gegenwart.
Lustig fand ich einige Plakate zum Thema Gleichberechtigung: Männer mit einem gewissen (lokalen) Bekanntheitsgrad, die es zu etwas gebracht haben, waren im weiblichen Outfit abgebildet. Darunter der Satz: "Welche Karriere hätte "¦ (Name) als Frau gemacht?"
Nachdem ich so wieder einiges dazugelernt hatte, bekam ich allmählich Hunger. Ich ging zurück ins Stadtzentrum, von wo aus ich mit dem Bus auf den Rochlitzer Berg fahren konnte. Zwischendurch blieben gerade noch 10 Minuten Zeit, um noch einen Blick in die Kunigundenkirche zu werfen — ein fast perfektes Timing.
Auf dem Gipfel der Berges, mit 353 m der höchsten Erhebung im Erzgebirgsvorland, befindet sich neben einem Aussichtsturm eine Gaststätte. Klar, dass ich letztere zuerst ansteuerte. Das Essen hatte sehr gut geschmeckt und das bei moderaten Preisen! Jetzt ging es hoch hinaus. Von der Aussichtsplattform bot sich ein eindrucksvoller Blick auf die Landschaft vom Erzgebirge bis in die Leipziger Gegend. Wieder zu ebener Erde ließ ich mir ein Erinnerungsfoto machen:
Der Aussichtsturm, vor dem das Foto entstand, ist übrigens, wie könnte es anders sein, aus Rochlitzer Porphyr gebaut. Dieses vulkanische Tuffgestein mit seiner charakteristischen rot-braunen Färbung wird hier seit Jahrhunderten abgebaut und hat insbesondere bei historischen Gebäuden nicht nur in Sachsen weite Verbreitung gefunden. Vor einigen Jahren wurde um den Rochlitzer Berg ein Porphyrlehrpfad angelegt. Auf diesem 2,7 km langen Rundweg sind an 15 Stationen historische Zeugen des Porphyrabbaus und dessen Weiterverarbeitung zu sehen. Leider fehlen an den meisten Stationen Informationstafeln, sodass es sinnvoll ist, vorher an einem Informationsstand eine entsprechende Broschüre zu erwerben.
Ich hatte zur Besichtigung etwa 2 Stunden Zeit. Das sollte auch mit Absatzschuhen kein Problem sein. Die Zeit reichte sogar noch für einen Kaffee und Kuchen, als ich auf dem Rundweg erneut an der Gaststätte vorbeikam.
Zuletzt, so gegen 18 Uhr, konnte ich mich noch ein paar Minuten auf eine Bank setzen und warten, bis mein Bus kam. Ich nutzte die Gelegenheit, meine Schuhe ein wenig sauberzumachen. Etwas vom Waldboden hatte sich doch daran abgesetzt, obwohl der größte Teil des Weges über befestigten Untergrund ging.
Auch auf dem Heimweg bin ich meiner Exfrau nicht begegnet. So konnte ich diesen Andrea-Tag zu Hause gemütlich ausklingen lassen.